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Abschied von Christian Brücker

Ein Nachruf von Gunnar Schedel

Christian Brücker Am 13. Februar 2016 ist das langjährige IBKA-Vorstandsmitglied Dr. Christian Brücker im Alter von nur 53 Jahren verstorben. Er brach unmittelbar vor Beginn der Ratsversammlung des Koordinierungsrates Säkularer Organisationen (KORSO) in Berlin zusammen. Die sofort eingeleiteten Wiederbelebungsmaßnahmen blieben erfolglos.

Mit Christian Brücker verliert der IBKA ein Mitglied, das den Verein zwei Jahrzehnte lang aktiv mitgestaltet hat. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass es den IBKA ohne Christians Engagement heute möglicherweise gar nicht mehr gäbe.

© Evelin Frerk

Denn als er 1998 das Amt des Vorsitzenden übernahm, befand sich der Verband finanziell und organisatorisch in einem so desolaten Zustand, dass wohl kaum jemand mit ihm hätte tauschen wollen. Tatsächlich gelang es ihm, zusammen mit seinen Vorstandskollegen, den IBKA in relativ kurzer Zeit finanziell halbwegs zu sanieren und politisch wieder handlungsfähig zu machen. Bis 2015 bekleidete er im Vorstand unterschiedliche Positionen; dabei übernahm er über mehrere Wahlperioden hinweg den wenig beliebten Posten des Finanzleiters.

Nachhaltige Spuren im Verband hat Christian durch seine Mitarbeit in der Satzungs- und vor allem in der Leitfadenkommission hinterlassen. Als ausgewiesener Verfechter weitest gehender Religionsfreiheit schärfte er das Profil des IBKA als Menschenrechtsorganisation. Seine diesbezüglichen Debatten mit (der leider ebenfalls bereits verstorbenen) Irene Nickel sind legendär.

Doch nicht nur der Politische Leitfaden trägt passagenweise deutlich seine Handschrift. Auch mehrere vom Bundesverfassungsgericht beim IBKA angefragte Stellungnahmen hat Christian verfasst; zuletzt reichte er Mitte Januar eine Ausarbeitung zur Verfassungsbeschwerde einer muslimischen Erzieherin ein, welche aus religiösen Gründen während der Arbeitszeit im Kindergarten ein Kopftuch tragen will.
Hier zeigte sich eine seiner Stärken: einen Gedanken präzise zu verfolgen und konsequent zu Ende zu denken. In solcherart Beweisführung kam der promovierte Mathematiker zum Vorschein.

Von manchen wurde seine Beharrlichkeit, wohl nicht völlig zu Unrecht, als Sturheit wahrgenommen. Und wer intensiver mit ihm zusammenarbeitete, konnte sich von dem Vorurteil befreien, dass alle Mathematiker so ordentlich sind, wie sie denken. Aber auch wenn die Kooperation mit ihm nicht konfliktfrei verlief, war er – und ich denke, nicht nur für mich – ein geschätzter Diskussionspartner und Ideengeber.

Nach seinem Rücktritt vom Amt des Finanzleiters war er zwar noch im Landesvorstand NRW aktiv, wollte sich aber wieder stärker auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren. Der MIZ-Redaktion hatte er bereits einen Artikel über Humanismus angekündigt (ein Begriff, den er nicht sonderlich schätzte). Dazu wird es nun nicht mehr kommen.

Christian Brücker gehörte zu den Menschen, die sich nicht danach drängen, im Rampenlicht zu stehen. So mag es auch sein, dass ihn viele in der säkularen Szene nur am Rande wahrgenommen haben. Die Lücke, die er im IBKA hinterlässt, wird hingegen unübersehbar sein.