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Für eine gemeinsame internationale Arbeit zwischen Freidenkern und Atheisten

Christian Eyschen

(Fédération Nationale de la Libre pensée, FNLP, Frankreich)

Liebe Freunde und Kollegen, die französischen Freidenker (La Fédération nationale francaise de la Libre Pensée) sind vollwertiges Mitglied der IHEU, wir wissen sehr gut, dass es für Freidenker in der ganzen Welt unabdingbar ist, zusammen für die Verteidigung unserer gemeinsamen Ideale, wie die völlige Trennung von Kirchen und Staat, zu arbeiten. Es ist also eine große Freude, dass der Weltkongress der IHEU 2005 zum hundertsten Geburtstag des Trennungsgesetzes von 1905 in Paris stattfindet.

Warum sollte es nicht möglich sein gemeinsam zu handeln, wenn wir auf allen Kontinenten, in jedem Land, mit den gleichen Problemen konfrontiert sind. Die Religionen sind die erklärten Gegner der Demokratie und der Glaubensfreiheit. Überall, ob sie nun Katholiken, Protestanten, Orthodoxe, Juden, Muselmanen oder Hindus heißen, wollen sie über Körper und Seelen herrschen.

Wie schon der große französische Schriftsteller Victor Hugo, erklärte, "ihre Geschichte ist im großen Buch der Menschen geschrieben, aber auf der Rückseite", wie die Verneinung der Freiheiten und der multi-säkulare Kampf der Völker für ihre integrale Emanzipierung. Kämpfen gegen religiöse Unterdrückung, gegen wirtschaftliche. Soziale und politische Unterdrückung ist ein absolutes Muss für jeden Menschen, der frei sein will.

Um alle Ketten zu zerschmettern

Jedes Mal, wenn ein Volk, eine Nation, die Ketten, die ihre Herren geschmiedet hatten, sprengen wollten, fanden sie vor und gegen sich die Religionen, deren Sozialdoktrin immer die Aufrechterhaltung der Unterdrückung gewesen ist. Die Anerkennung ihrer Grundrechte auf allen Kontinenten ist die Stärke der Menschen und wird den erzwungenen Rückzug der Religionen bedeuten.

Wenn Männer, Frauen, Kinder, Alte aufstehen um ihre Freiheit zu fordern, steht ihnen immer eine Religion gegenüber, die ihnen wie der so genannte Heilige Paulus sagt: "Der Sklave muss seinem Herrn gehorchen, sowie die Frau ihrem Ehemann." Wenn ein Volk seine Vertreter demokratisch wählt, gibt es immer einen Papst wie Johannes Paul II, um ihnen zu sagen: "Man muss die Gesetze verweigern, wenn sie gegen katholischen Dogmen verstoßen."

Überall in Europa, in Asien, in Indien und in Amerika sind Religionen Ursachen von Konflikten zwischen den Völkern. Überall gibt es Gewalt, Mord, den Straftatbestand der Gotteslästerung, wie es Dr. Shaikh in seinem Gefängnis ertragen muss; wir fordern seine sofortige Freilassung.

Vor sechzig Jahren fing der zweite Weltkrieg mit Millionen von Toten, Zerstörungen, Ruinen und Plünderungen an. Auch heute gibt es noch auf unserem Planeten in vierundachtzig Ländern Krieg. Nicht ein einziger Kontinent ist von diesem mörderischen Irrsinn ausgenommen.

Seit ewigen Zeiten haben die Menschen immer nach Freiheit, nach Frieden und nach Demokratie gelechzt. Heute sehen die Völker, wie sich Instanzen wie z.B. der Internationale Währungsfond und die Weltbank, die ihre wirtschaftlichen Ziele durchzusetzen gedenken, gegen diesen stets ausgedrückten Willen und gegen ihre Rechte arbeiten. Die wirtschaftliche Ausbeutung wird wie ein nicht zu überwindender Horizont präsentiert, einzige mögliche Gegenwart und einzige wünschenswerte Zukunft. Die Börse ist der neue Gott geworden, alle werden aufgerufen sich vor ihr zu verbeugen.

In dieser gigantischen sozialen Regression, die überall Privatisierung des öffentlichen Dienstes bedeutet, dessen Aufgaben der Wirtschaft anvertraut werden, wodurch Millionen von Menschen in die Arbeitslosigkeit, Verelendung und an den Bettelstab getrieben werden, leisten die Kirchen ihren Beistand. Sie sind immer der Seufzer der Menschheit, um ihre Situation zu akzeptieren. Sie versprechen das Paradies im Himmel, denn das befreit sie davon, für ihr Glück in der lebendigen Welt zu kämpfen.

Religionen schmieden die Ketten und nennen das dann Freiheit. Überall wollen sie die Menschen in Religions-, Sozial-, Wirtschafts- und Politikzugehörigkeiten einordnen. Die Völker sollen im Schatten der Glocken, Minarette, Synagogen und Tempeln leben. Gottes Schöpfung: der Mensch, darf sich nicht gegen seinen von seinem Schöpfer gewollten sozialen Platz in der Gesellschaft stellen. So ist die von den Kirchen verkündete Botschaft schon immer gewesen. Gegen diesen Zustand haben Freidenker und Atheisten schon immer gekämpft.

Für die Trennung der Kirchen und des Staats

Die erste der Freiheiten ist die freie Ausübung der Vernunft, der Gedanken und des Glaubens. Für uns ist ein Staat, der den "Glauben oder Nichtglauben an Gott" vorschreiben würde, ein totalitärer Staat. Deshalb fordern Freidenker die strikte Neutralität von Staat und öffentlichem Dienst im Bereich der Glaubensfragen. Deshalb wollen wir auf internationaler Ebene für die Trennung von Kirchen und Staat in allen Ländern arbeiten.

Entstanden aus der Bewegung der Aufklärung, dann der großen Französischen Revolution und ihrer Nachfolgerin, der Pariser Kommune, ist das Gesetz von der Trennung der Kirchen und des Staates somit das natürliche Ergebnis des demokratischen Volkswillens, über sein Schicksal frei zu entscheiden. Die absolute Glaubensfreiheit ist Teil des Rechts der Völker, über sich selbst zu bestimmen. Die Philosophen der Aufklärung in Europa haben den Weg aufgezeigt, die Völker sind den Spuren gefolgt. Die einen waren spirituell, die anderen Materialisten. Der deutsche Philosoph Schelling hatte gesagt: "Wenn erst einmal die Morgendämmerung da ist, wird die Sonne nicht fehlen. Alle Ideen müssen zuerst im Bereich des Wissens realisiert werden, bevor sie sich in der Geschichte umsetzen". Deshalb fordern die Freidenker das Recht auf Bildung, umgesetzt durch öffentliche Schulen, die überall neutral existieren sollen, das heißt: getrennt von den Kirchen und ihrer Doktrin.

Aber was die Völker für ihre Emanzipierung erreicht haben, wollen andere, besonders die Kirchen, in Frage stellen. So hat das amerikanische Volk im historischen Kampf für die Freiheit eine Verfassung verabschiedet, deren erster Zusatz die Trennung von Kirchen und Staat vorsah. Mehr als zweihundert Jahre später wird dieser von den fundamentalistischen Protestanten bespuckt und getreten.

Auf dem alten Kontinent, zu einer Zeit, in der sich eine europäische Union auf der Grundlage lediglich wirtschaftlicher Forderungen aufbaut und die katholische Kirche für ein vatikanisches und reaktionäres Europa arbeitet, wird die Laizität (Neutralität) immer noch von der Mehrheit der Nationen verweigert. Selbst in Frankreich ist die Errungenschaft der Neutralität der Schule und des Staats besonders durch die europäische Konstruktion stark bedroht.

Die Säkularisierung überall wo sie existiert, zu verteidigen, oder sie zu erobern, wo sie nicht eingeführt wurde, das ist unser Kampf. Und unser Kampf ist nicht nur europäisch, sondern weltweit. Es kann keine dauerhafte Demokratie ohne zivilen Frieden geben. Die Trennung von Kirchen und Staat ist eine der notwendigen Bedingungen, aber vielleicht nicht ausreichend, um eine wahre Eintracht zwischen uns, in jedem Volk und zwischen allen Völkern, zu errichten.

Handeln in der ganzen Welt

Uns ist sehr bewusst, dass die Offensive der Religion weltweit geschieht und dass wir die Kräfte der Freidenker und Atheisten auf internationaler Ebene vereinen müssen, um wirksam zu handeln. Deshalb haben wir, als wir unsere Freunde, die American Atheists Alliance, in den USA getroffen haben, den Vorschlag gemacht, ein Internationales Verbindungskomitee der Atheisten und Freidenker zu gründen.

In direkter Verbindung mit August Berkshire haben wir ein internationales Manifest für den atheistischen Humanismus erarbeitet, das wir euch, den Gründern des internationalen Komitees, geschickt haben. Es greift das Problem der Religionen unter verschiedenen Aspekten an: die Dogmen, die Antiwissenschaften, die Unterdrückung, den Totalitarismus und den Kampf für die Trennung der Kirchen und Staat.

Ihr versteht wie wir die extreme Schwierigkeit, einen Text zu erarbeiten, der auf allen Kontinenten verstanden wird Jeder muss sich bemühen und Kompromisse schliessen, wenn wir gemeinsam handeln wollen. Trotzdem darf dieser Text keine vage Erklärung sein, die wie ein schwacher Wunsch klingt. Er muss präzise sein und es dürfen keinerlei Illusionen in Bezug auf unseren grundsätzlichen Kampf gegen die Religionen aufkommen.

Es ist für uns nicht vorrangig, uns darauf zu beschränken, dass die Atheisten und Freidenker die gleichen Rechte wie die Gläubigen erhalten und dass unsere Organisationen die gleichen Privilegien wie die Kirchen erhalten. Wir müssen mitten ins Herz des Klerikalismus treffen und die totale Trennung der Kirchen und des Staats fordern. Wir fordern nicht, dass die Atheisten und Freidenker eine Gemeinde neben denen der Kirchen und Religionen werden.

Wir wollen die totale Trennung der Kirchen und der Staaten, dies ist der alleinige Garant für die gleichen Rechte aller. Wir weisen die philosophische Apartheid einer "getrennten Entwicklung" für uns und die Gläubigen, zurück. Wir kämpfen für die absolute Gleichheit, die die Säkularisierung der öffentlichen Schule und des Staats beinhaltet. Was bedeutet es uns, öffentliche Beihilfen wie die Kirchen zu erhalten, wir wollen die volle Freiheit, garantiert durch die weltanschauliche Neutralität der Staaten.

Deshalb haben wir das internationale Manifest auf diese Weise erarbeitet, um endlich klar und eindeutig handeln zu können. Wir fordern nicht irgendwelche Vorteile als Almosen, sondern unsere fundamentalen Rechte. Heutzutage nicht präzise in diesen Fragen sein zu wollen, ist ein unwirksames Pfand für morgen. Für unseren Teil wird sich La Libre Pensée nicht mit einigen vagen versüßten Prinzipien, um unter einem Namen "so viele wie möglich zu versammeln", zufrieden geben.

Es muss ein wirksames und dauerhaftes Werkzeug geschmiedet werden, aus gehärtetem Stahl, nicht aus Stroh. Eine so breite Union wie möglich, Ja. Aber sehr klar und deutlich.

Europa gegen die Säkularisierung

Wir wollen ein überzeugendes Instrument, vor allem in Europa ist das unabdingbar. Ein gnadenloser Kampf spielt sich zwischen den verschiedenen Religionen ab, besonders im Osten, um die Völker und die Nationen zu missionieren. Der Vatikan ist die Vorhut, um sein ewiges Projekt zu realisieren: ein vatikanisches Europa. Überall will die Kirche neue Konkordate abschließen und die alten behalten. Sie will nicht eine Parzelle dem demokratischen Sog der Völker preisgeben.

Die Erklärung Nr. 11 der Amsterdamer Konferenz von 1997 drückt den Willen aus, alle klerikalen Formen in Europa zu erhalten, und dass die künftige europäische Verfassung eine religiöse sei. Sowenig wie man Blei in Gold verwandeln kann, kann man die europäischen Institutionen, gegründet von Christdemokraten, in säkulare und demokratische Institutionen umwandeln.

Um das Europa der Kirchen, Synagogen, Tempeln und Moscheen zu bekämpfen, muss man mit den Institutionen der europäischen Union Schluss machen und in völliger Unabhängigkeit handeln. Zu fordern, dass die Atheisten und Freidenker als "Gemeinde" neben denen der Gläubigen aller Konfessionen anerkannt werden, hieße, die Balkanisierung der europäischen Völker zu akzeptieren.

Überall in Europa ist der säkulare Kampf bitter. Die Religionen ziehen sich vor der Offensive der Befürworter der Trennung von Kirche und Staat zurück. Selbst da, wo es Konkordate gibt, in Deutschland, Italien, Spanien, Polen wurden sehr wichtige laizistische Fortschritte gemacht. Trotzdem wollen die Kirchen ihre Privilegien behalten. Deshalb: "Privilegien" für uns zu reklamieren, läuft darauf hinaus, dass die Kirche die ihrigen behält. Genügsamkeit für uns, Festschmaus für sie! Gleichheit bedeutet Neutralität und Trennung.

Wir sind der Ansicht, dass, falls sich das Internationale Verbindungskomitee entwickelt, es für uns ein Rahmen des gemeinsamen Kampfes sein kann, um unsere Handlungen für eine Trennung von Kirche und Staat zu koordinieren. Das Internationale Komitee versteht sich auf keinen Fall als Konkurrenz zu anderen internationalen Strukturen, sondern will im Gegenteil ergänzend sein, weil es hauptsächlich im Bereich des Atheismus angesiedelt ist.

Überwindung unserer Vereinzelung

Es gibt eine große Anzahl von Organisationen der Atheisten und Freidenker überall in der Welt. Dies hat historische Ursachein und ist auch die Folge verschiedener Geschichten in den Ländern. Jedes Volk, jede Organisation hat seinen eigenen Weg im Kampf.

Aber wir denken heute, dass wir diese Versprengung gemeinsam überwinden und unsere Aktionen koordinieren können, um die Religionen noch weiter zurückzudrängen. Wir brauchen eine Internationale der Freidenker und Atheisten, weil wir nicht isoliert in unserem Land bleiben können.

Selbst ein Land wie Frankreich, das immerhin die Trennung per Gesetz erreicht hat, wird heute schwer von der europäischen Union, dem IWF bedrängt, die Nicht-Regierungs-Organisationen anstelle des öffentlichen Dienstes zu institutionalisieren, bedroht. Es ist uns klar, dass wir, um die Säkularisierung in Frankreich zu retten, allen unseren Kollegen - über die Grenzen hinweg - die Hand reichen müssen.

Die Säkularisierung ist ein internationales Problem. Der Weltkongress der Freidenker hat 1904 das französische Gesetz der Trennung ausgearbeitet. Es ist nur durch eine international koordinierte Aktion möglich, die säkularen Errungenschaften in der Welt zu verteidigen und neue auf allen Kontinenten zu erobern. Aufgrund dessen haben wir vorgeschlagen, den Weltkongress der Atheisten und Freidenker 2005 in Paris abzuhalten.

Wir reichen Euch die Hand. Werdet ihr sie nehmen?