Bobbie Kirkhart
[English]
Es gibt zwei Geschichten von der Trennung von Regierung und Religion in den Vereinigten Staaten. Die eine ist die
christliche Version der Pilger, die der religiösen Tyrannei entflohen und einen Staat gründeten, in dem "jeder Mann" anbeten
konnte, wen er wollte, und "jede Frau" jeden anbeten konnte, den ihr Mann oder Vater für sie aussuchte. Bis in die Mitte des
20. Jahrhunderts baute dieser starke Glaube eine starke Nation, einen wahren Paradiesesgarten, in dem der Bundesgerichtshof
Gott aus den staatlichen Schulen verbannte, Elvis seine Hüften schwang während Teenager der Ohnmacht nahe waren und die Nation
in ein säkulares Babylon versank.
Die andere Geschichte ist die der Freidenker: eine Gruppe von weitsichtigen Kolonisten entflohen den totgeweihten
Traditionen der europäischen Tyrannei, um nach göttlichem Recht Kolonien unter der Herrschaft eines korrupten Königs zu
etablieren, bis eine Gruppe brillanter Atheisten, angeführt von Thomas Jefferson, sich zusammenschloß und die Freiheit erfand.
Sie warfen die Fesseln der etablierten Kirchen ab und gaben uns eine weltliche Regierung. Durch diese wuchs die Nation in
wirtschaftlicher, geographischer, und - was weitaus wichtiger war - in intellektueller Hinsicht. Bis zur Mitte des 20.
Jahrhunderts, als Panik über die Sowjetunion uns veranlaßte, "unter Gott" in unseren Fahneneid aufzunehmen. Darüber hinaus
wurde die Regierung zusehends von einem wachsenden Fundamentalismus beeinflußt, bis wir ein Volk von brabbelnden und sabernden
Idioten wurden.
Soweit ich weiß favorisieren die Europäer die letztere Beschreibung der amerikanischen Geschichte.
Während in beiden Versionen ein Funken Wahrheit steckt, Wahrheit, die reine Wahrheit, nichts als die Wahrheit ist rar. Wie
rar sie auch sein mag, das Angebot übertrifft dennoch die Nachfrage.
Zwei revisionistische Geschichtsschreibungen, die große Aufmerksamkeit erregen, belegen dies eindrucksvoll. Beide gelten als
wissenschaftliche Untersuchungen; die bekanntere von beiden galt bereits als wissenschaftlich, bevor sie überhaupt
veröffentlicht war: Daniel Dreisbachs Buch Thomas Jefferson and the Wall of Separation Between
Church and State, das im August 2002 publiziert wurde - leider zu spät, um es noch für diesen Vortrag zu rezipieren.
Das andere Buch, Philip Hamburgers Separation of Church and State basiert in der Tat
auf sehr genauen, gut dokumentierten Untersuchungen und ist eine Suche, nicht nach der Wahrheit, sondern nach Tatsachen, die,
wenn sie aus dem Kontext gerissen werden, die Ansicht des Autors unterstützen, daß die Teilung von Staat und Kirche eine
Erfindung des 20. Jahrhunderts ist. Tatsächlich läßt er die Kernaussage des Kirchengesetzes der Vereinigten Staaten aus. Die
ursprünglichen ersten zehn Zusätze zur Verfassung ("Bill of Rights"1) sollten nur
die Macht der Nationalregierung beschneiden. Kein seriöser Wissenschaftler würde abstreiten, daß die einzelnen Länder bis zum
Jahr 1865, als der 14. Zusatz in die Verfassung aufgenommen wurde, keine Religionen einsetzen konnten. Und selbst dann urteilte
der oberste Bundesgerichtshof eher zurückhaltend und garantierte nur das Recht auf Verhandlung für Angeklagte bis in die 30er
Jahre des 20. Jahrhunderts, als die Richter begannen, persönliche Rechte mehr und mehr gegen die Länderhoheit durchzusetzen. Im
Jahr 1947 nahm das weitreichende "Everson vs. Board of Education"2 Gesetz die
"establishment" Klausel auf.
Wir werden noch weiter über Hamburgers Auslegung dieses Gerichtsbeschlusses reden, doch lassen Sie uns jetzt zurückgehen zur
Gründung der Vereinigten Staaten, immer noch genannt: Das große Experiment.
Zur Zeit unserer Revolution hatten neun von den ursprünglich dreizehn Kolonien Staatskirchen, kongregationale im Norden und
anglikanische im Süden. Diese überschnitten sich - ohne das dieser offensichtliche Widerspruch jemals Aufruhr ausgelöst hätte -
mit der Verfassung der acht neuen Länder, die Jeffersons Klausel, die er für seinen Heimatstaat Virginia vorgeschlagen hatte,
übernommen hatten. Diese Klausel garantierte Religionsfreiheit "nach dem eigenen Gewissen." Virginia selbst hat diesen
Grundsatz jedoch erst zehn Jahre später übernommen. Religionsfreiheit war eine neu aufkommende Idee, und selbst als die Sprache
des Säkularismus sich verfestigt hatte, war die Wirklichkeit doch schwieriger zu handhaben.
Alle Länder hatten religiöse Restriktionen. Selbst Pennsylvania, der Staat, den die meisten Amerikaner als führend in der
Frage der Religionsfreiheit sehen, verlangte von seinen Volksvertretern den Schwur, daß das alte und das Neue Testament von
Gott inspiriert seien.
All dieses sollte uns nicht überraschen. Viele unserer ursprünglichen Siedler waren wegen ihres religiösen Fanatismus aus
England ausgewiesen worden. Ihre Nachkommen hatten nicht die Vorzüge moderner Reise- und Kommunikationsmittel; darüber hinaus
war die Hälfte Analphabeten. Viele der Gründerväter waren Deisten; diese stellten allerdings nur eine Minderheit innerhalb der
Bevölkerung und dementsprechend auch der Führungselite dar. Die Katholiken blieben wohlweislich in Maryland, das eigens für sie
reserviert wurde. Juden, wie die Deisten, haben möglicherweise eine überproportional große Anzahl der Intellektuellen und
Führungskräfte gestellt, aber ihre Anzahl war dennoch viel zu gering, als daß sie sich getraut hätten, ins öffentliche
Bewußtsein zu drängen oder gar in die Politik zu gehen. Die bekannten religiösen Minderheiten waren die Baptisten und
Methodisten. Den Baptisten das Recht auf Existenz einzuräumen - obwohl in vielen Fällen weit weniger als Gleichberechtigung -
erschien damals erschreckend liberal.
Ungeachtet Hamburgers lächerlicher Behauptung, daß Thomas Paines Idee einer säkularen Regierung der christlichen Theologie
entsprang - eine Disziplin, die Paine verabscheute und die über die Jahrhunderte allen weltlich gesinnten wenig Gutes
anzubieten hatte - war das Konzept der Trennung der legitimen Gewalten des Staates von den illegitimen der Religion neu, und
das Labor, in dem wir diese neue Idee ausprobierten, war nur unzureichend mit den verschiedenen Werkzeugen robusten
Gedankenguts und lärmenden Aberglaubens bestückt, denen sich die Vereinigten Staaten heutzutage erfreuen können.
Trotz des revisionistischen Stachels in unserem Fleisch gibt es keinen Zweifel, daß Jeffersons Mauer - wie metaphorische
Mauern im allgemeinen - eine undurchlässige Festung gegen die Unterstützung einer Glaubensrichtung durch staatliche Instrumente
sein wollte. Wenn auch seine Vision weniger "rein" war als wir Atheisten gerne glauben würden, seine Idee, daß diese Rechte von
einem Schöpfergott kamen, waren doch so aussagekräftig, wie man es sich nur wünschen konnte (er hat z.B. keinen
"Präsidentenerlaß" für den Fastentag erlaubt). Jefferson wird oft als Deist bezeichnet. Viele Nichtgläubige glauben, daß dies
bedeutet, er teilte die proto-atheistische Philosophie eines Thomas Paine, dessen Deismus definitv der eines
prä-Darwinistischen Atheisten war, der einfach glaubte, Gott sei die logische Erklärung für unser Entstehen, aber für nichts,
was danach kam. Aber Jefferson bezeichnete sich auch als Christ; obwohl er nicht an die Göttlichkeit Jesus glaubte, gibt es
keinen Zweifel, daß er an einen Schöpfergott glaubte.
Die Tatsachen sprechen für sich: seine Ansichten zur Trennung hatten politischen Einfluß. Das war ein Thema der Wahl von
1800. Der Reverend William Linn sagte, "Die Wahl von jedem, der den Prinzipien von Mr. Jefferson nahestünde" würde "die
Religion zerstören, Unmoral einführen und den Gemeinschaftssinn lockern." Der amtierende Präsident John Adams, der einmal die
Idee des göttlichen Jesus "einen konventionellen Schutz vor der Absurdität" nannte, unterdrückte - um Jeffersons Trennungsidee
zu unterminieren und an der Präsidentschaft festzuhalten - seine eigentlichen Gefühle.
Wie Sie wissen, hat die Wahl keinesfalls diese Probleme gelöst. Immer wieder flammten Debatten über die Fastentage und die
Bezahlung von Militärkaplanen auf. Interessanterweise verboten einige Länder den Klerikalen, politische Ämter anzunehmen.
Dahinter steckte die Ansicht, daß Männer Gottes nicht Männer der Regierung sein sollten. James Madison, nachdem er sicher
pensioniert war, sprach sich gegen die "Congressional Chaplaincy" aus, aber ohne Erfolg. Aber es gab noch viel, was unsere
säkularen Vorfahren beschäftigte, da der christliche Gott seine ewige Nase in jeden Aspekt öffentlichen Lebens steckte; sogar
dort, wo er Niederlagen einstecken mußte, kam er immer wieder zurück.
Mit jeder neuen Ära kamen neue evangelische Reformatoren. Bis in die 20er Jahre des 19. Jahrhunderts gab es die "Allgemeine
Union zur Unterstützung der Einhaltung des christlichen Sabbats" und eine Dekade später starteten Wohlmeinende ein Programm in
Gefängnissen, welches vorsah, daß alle Insassen isoliert wurden, um sie vor schlechten Einflüssen zu bewahren, und den ganzen
Tag die Bibel lesen mußten. Wir kennen die Rückfallquote nicht, aber die Selbstmordrate war hoch.
Eine Reaktion der Christen bezüglich der Trennung war ihr Widerstand gegen strauchelnde öffentliche Wohlfahrtsprojekte, z.B.
die Armenhäuser. Der Grund dafür lag in der Annahme, daß wenn die Regierung und die Kirchen eins wären, sich die Regierung um
Wohlfahrtsprogramme zu kümmern hätte; wären sie aber getrennt, läge die Wohlfahrt in der Verantwortung der Kirchen. Es ist
interessant, daß bis zum heutigen Tag die Vereinigten Staaten wesentlich weniger Geld in die Wohlfahrt stecken als die Europäer
mit ihren staatlich etablierten Kirchen.
Als die Nation sich nach Westen ausdehnte, war die Kirche für gewöhnlich das erste Gebäude in der neuen Siedlung, oftmals in
der Doppelfunktion als Rathaus oder Schule. In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts konnte die "Women's Christian Temperance
Union" ihre ersten Siege feiern: Sie erhielten das alleinige Recht, alkoholische Getränke auszuschenken, und im Jahr 1877
nominierte Präsident Hayes den bekannten Atheisten Robert Ingersoll als Botschafter nach Deutschland. Diese Nominierung mußte
er allerdings angesichts starker religiöser Opposition zurückziehen. Sie dachten wohl, die Deutschen wären zu leicht zu
korrumpieren.
Doch diese Geschehnisse waren Nebensächlichkeiten. Während des 19. Jahrhunderts dominierten zwei Entwicklungen die Debatte
der Trennung von Staat und Kirche. Beide sind nicht ohne Ironie.
Erstens gab es das sich ausweitende Schulsystem. Man würde meinen, daß die Bestrebung, die Öffentlichkeit zu bilden, jeder
säkularen Regierung gut zu Gesicht stehen würde, aber die Schulen sind - bis zum heutigen Tag - die Festungen, die die
Theokraten nicht aufgeben werden.
Die andere Ironie besteht darin, daß die Furcht vor einer katholischen Einwanderungswelle eine anti-Immigrationsbewegung
heraufbeschwor, die - indem sie das Vokabular der Säkularisten übernahm - viele der einfachen Leute zu diesem Säkularismus
konvertierte (obwohl ihr Anliegen war, den Katholiken ihr Gleichheitsrecht abzusprechen). Irgendwann vermischten sich diese
beiden Bewegungen, aber Bildung kam zuerst.
Vom Anfang an wurde in den öffentlichen Schulen Religionsunterricht erteilt, und von Anfang an verursachte diese Regelung
heftige Kontroversen. Natürlich war Jefferson ein erbitterter Gegner des Religionsunterrichts in den Schulen und meinte, dieser
könne auch durch historische Tatsachen und durch Moralerziehung geleistet werden. Die Behauptung, daß Moral auch außerhalb der
Bibel ansässig war, war in der Tat konfliktträchtig. Auf die Verteidigung Jeffersons durch seinen politischen Weggefährten
DeWitt Clinton, daß "der Hauptgrund, warum man Kinder in die Schule schicke, sei, daß sie schreiben und lesen lernen sollen und
nicht Religion," folgte seine emotionale Verteidigung der Bibel als moralische Instanz, da er dies anscheinend als politisch
wichtig erachtete.
Öffentliche Schulen waren regionale Institutionen, auf die das Staatsgesetz keinen Einfluß ausüben konnte. In einigen Orten
hatte die "Trennungsphilosophie" erheblichen Einfluß, aber da die meisten Gemeinden homogene Gebilde waren, das Schuljahr kurz
und der Schulbesuch keine Pflichtveranstaltung war, kam es kaum jemals zu hitzigen Debatten - bis die Katholiken kamen. Danach
wurden die Schulen zu Instrumenten protestantischer Indoktrination. In den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts strich
beispielsweise New York - als Akt separatistischer Philosophie - die Unterstützung für alle Religionen, Katholiken, Methodisten
und Baptisten gleichermaßen. Empfänger der meisten Unterstützung war eine private, säkulare Organisation mit Namen "Public
School Society." Nicht nur mußten die Schüler täglich in der Bibel lesen, ihre Texte verdammten die Katholiken auch in der
schändlichsten Art und Weise.
Wie fast immer, wenn es um Haß geht, entstammte unserer der Furcht. Unser englischer Ursprung war geprägt von wechselnder
katholisch-protestantischer Verfolgung, und als das 19. Jahrhundert anbrach, hatten wir eine beträchtliche Anzahl von
Protestanten, die der katholischen Herrschaft in Frankreich entflohen waren und - wenn ich recht nachdenke - auch der in
Süddeutschland. Ich spreche heute hier englisch, weil ein Protestant namens Anton Kirchhart irgendwo hier in der Nähe die
Flucht dem Kampf vorzog. Als seine Enkel sahen, wie die Katholiken auch seine neue Heimat zu der ihren machten, haben sie es
wahrscheinlich mit der Angst bekommen.
Die daraus resultierende anti-Immigrationsbewegung ist der beschämende, betrunkene und profane Großvater von uns modernen
amerikanischen Säkularisten. Diese anti-Immigrationsbewegung umgab nichts philosophisch anziehendes. Da die Katholiken als
Gegner der Trennung zwischen Staat und Kirche galten - so lautete das Argument - sollte diesen Papisten das Wahlrecht
verweigert werden. Über diese Ansicht kann man sich zu Recht lustig machen.
Aber indem sie die Sprache der Separatisten übernahmen und damit ein populäres Vorurteil rechtfertigten, beeinflußten sie
auch Amerikaner, die sich bisher über dererlei Probleme noch keine Gedanken gemacht hatten. Wenn auch das
anti-Immigrationskonzept große Mängel hatte, das Vokabular, welches sie benutzten, erreichte auch nachdenklichere Menschen, die
sich schon Gedanken machten, was eine wirklich weltliche Regierung auf allen Ebenen uns nützen würde. Unglücklicherweise
propagierte diese Bewegung auch das häßliche Stereotyp fremder Menschen, die Gewehre unter ihren Kirchen bewahrten und sich nur
vermehrten, damit sie bald die Weltherrschaft übernehmen konnten. In den Vereinigten Staaten galt dies als einflußreiches
Gedankengut bis zur Wahl John F. Kennedys 1960.
In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde ein Versuch, in der Präambel zur Verfassung zu erklären, daß die Vereinigten
Staaten eine christliche Nation seien, mit großer Mehrheit abgewehrt. Noch am Anfang des Jahrhunderts hätte dieser Versuch, der
keinerlei legale Bedeutung gehabt hätte, eine erhitzte Debatte ausgelöst. Aber viele Amerikaner waren auch nicht bereit, sich
einer durch und durch weltlichen Philosophie anzuschließen. Als 1865 der 14. Zusatz zur Verfassung, der scheinbar allen Bürgern
den Schutz des "Bill of Rights" gab, von dem obersten Bundesgerichtshof viel enger ausgelegt wurde, wurden heftige, aber
letztendlich erfolglose Anstrengungen unternommen, die "establishment Klausel" auch auf die Länder zu übertragen.
Interessanterweise war am Ende des 19. Jahrhunderts eine neue Woge religiös sehr unterschiedlicher Immigranten in die
Vereinigten Staaten gekommen - Juden, Chinesen und einige Japaner - die jedoch kaum Auswirkungen auf unser Denken hinsichtlich
der Trennung hatten. Obwohl sie sich furchtbaren Vorurteilen ausgesetzt sahen, gibt es keinerlei Belege für Versuche, Gesetze
zu erlassen, die ihre Religionsausübungen betreffen oder gar Verbote beinhalten.
Am Ende des 19. Jahrhunderts gab es die anti-Immigrationsbewegung immer noch, und meistens in ihrer berüchtigsten Form - dem
Ku Klux Klan. Obwohl sie der Trennung von Regierung und Religion immer noch nach dem Mund redeten und sogar eine Zeremonie
ersannen, bei der man eine Münze verwendete, um so den biblischen Spruch "Gib dem Kaiser" heraufzubeschwören, gab es keinen
Zweifel, daß es ihr Hauptansinnen war, Afro-Amerikaner, Juden und - im geringeren Maße - auch Katholiken zu terrorisieren.
Ein anderer Zweig der säkularen Bewegung war die "Liberale Allianz," die sich später "Liberale Liga" nannte. Dies waren die
Atheisten, Agnostiker und andere Freidenker ihrer Zeit. Sie formulierten neun Forderungen des Liberalismus, die ich hier
zusammengefaßt habe:
- Kirchen und Kirchenbesitz soll nicht länger von der Steuer befreit sein.
- Religiösen Führern sollte es nicht gestattet sein, im Kongress, in den Länderparlamenten, der Armee, den Gefängnissen,
Landeskrankenhäusern und anderen öffentlichen Institutionen angestellt zu sein.
- Jegliche öffentliche Unterstützung von religiöser Erziehung oder religiösen Wohlfahrtsprogrammen soll unterbunden
werden.
- Alle religiösen Dienstleistungen, die von der Regierung unterstützt werden, sollen verboten werden, und der Gebrauch der
Bibel in öffentlichen Schulen - als Handbuch sowie als religiöses Unterrichtsmaterial - soll unterbunden werden.
- Weder dem Präsidenten noch dem Ministerpräsidenten soll es gestattet sein, religiöse Feiertage oder Fastentage zu
erlassen.
- Der gerichtliche Schwur soll durch eine einfache Bestätigung ersetzt werden.
- Gesetze, die entweder direkt oder indirekt den Sabbat als Tag der Anbetung vorschreiben, sollen verboten werden.
- Alle Gesetze, die christliche Moralvorstellungen vorschreiben, sollen verboten werden, und nur Gesetze, die mit natürlichen
Moralvorstellungen, Gleichberechtigung, und dem Gesetz unparteiischer Freiheit übereinstimmen, sollen befolgt werden.
- In der Verfassung der Vereinigten Staaten und aller seiner Länder soll keiner Religionsgruppe irgendein Privileg eingeräumt
werden, und unser gesamtes politisches System soll ein weltliches sein.
Im Jahre 1929 wiederholte die Freidenker Liga all diese Forderungen (mit Ausnahme der achten). In der Tat hat sich in der
ersten Hälfe des 20. Jahrhunderts wenig geändert.
Aber für den "Möchtegern-Theokraten" und den schon lange leidenden Säkularisten haben doch einige Ereignisse die politische
Landschaft in den USA in der Mitte des 20. Jahrhunderts verändert. Das erste war die 1947er "Everson vs. Board of Education"
Entscheidung, in der Hugo Black eine der eloquentesten Urteile des Obersten Gerichtshofs schrieb. Darin erinnerte er an unsere
von religiöser Intoleranz geprägte Vergangenheit und erklärte, daß die "establishment Klausel" genau das bedeutet, was sie
sagte, nämlich: daß kein Gesetz verabschiedet werden solle, welches die Einführung der Religion unterstütze und das dieses
ehrenwerte Prinzip auf die Länder anwendbar sei.
Hamburgers Erklärung, daß Blacks Argumentation ein einfacher Vorwand war, und daß er die Geschichte und das Gesetz, welches
er zitierte, erfunden hatte, beruht vollständig auf der Tatsache, daß ein junger Hugo Black ein anti-katholisches Mitglied des
Ku Klux Klans war. Hamburger erklärt jedoch nicht, warum diese Tatsache Black veranlaßte, Urteile zugunsten katholischer
Schulkinder und gegen die anti-Immigrationsbewegung zu fällen.
Im selben Jahr verbot das "McCullem vs. Board of Education" Gesetz Religionsunterricht in öffentlichen Schulen. Vieles
folgte diesem Gesetz, u.a. das bekannte Verbot des Schulgebets.
Es ist wahrscheinlich, daß Amerikas panische Anstrengung, Gottes Gnaden im Kalten Krieg zu gewinnen, genau so eine Reaktion
gegen die o.g. Erlasse war wie gegen den gottlosen Kommunismus. Aus welchen Gründen auch immer haben wir "unter Gott" unserem
Flaggensalut hinzugefügt und "In God We Trust" als nationales Motto gleichberechtigt - und manchmal sogar als Ersatz - für das
ehrenhafte E Pluribus Unum (aus Vielen Eins) gewählt.
Die Anstrengung, Gott in eine ehrenhafte Position innerhalb der politischen Szene zu bringen, bekam Hilfestellung von
unerwarteter Seite - der Bürgerrechtsbewegung. Seit der Sklaverei durften Schwarze aus den Südstaaten - all ihrer Bürgerrechte
beraubt - nur in Kirchen ihr Versammlungsrecht und ihre Redefreiheit ausüben. Wenn irgendwelche Schwarze in den Südstaaten
gewählt hatten, dann waren es Pastoren, die für ihren Lebensunterhalt nicht direkt auf die Weißen angewiesen waren.
Die Bürgerrechtsbewegung der 50er und 60er Jahre war auf die Kirche angewiesen, denn andere Versammlungsorte gab es nicht.
Und natürlich waren die politischen Anführer gleichzeitig Pastoren. Das gab uns eine populäre politische Bewegung, die
ausschließlich auf traditionellem protestantischen Glauben beruhte. Die Möglichkeit, das gute Gesetz mit Gottes Gesetz
gleichzusetzen, flammte wieder auf.
Seit diesem Zeitpunkt sind die Schulen die eigentlichen Schlachtfelder. Die kürzlich erfolgte "Newdow Entscheidung" strich
nicht - wie viele behaupten - "unter Gott" vom Flaggensalut, sondern sorgte nur dafür, daß es kurzzeitig aus dem
Schulrepertoire gestrichen wurde. Mit viel zu vielen Ausnahmen wurden Religionsunterricht und Schulgebet aus den öffentlichen
Schulen verbannt, doch der Preis, den Religionsgemeinschaften für diese Zugeständnisse verlangten, war hoch: viel weniger
Unterstützung für öffentliche Schulen und vielerorts die Korruption der naturwissenschaftlichen Lehrpläne, die das Thema
"Evolution" oft ganz und gar vermeiden. Bis zum heutigen Tag stehen die Gerichte fest hinter ihrem Urteil, religiöse
Erklärungen der Evolution aus den Lehrplänen herauszuhalten; doch viele Lehrer, Verwaltungsangestellte und Bezirksregierungen
sind nicht immer so strikt.
Die rapiden technologischen und sozialen Veränderungen der letzten 25 Jahre hat die Gesellschaft der USA religiöser gemacht,
besonders in ihrer politischen Rhetorik. Wir hatten zwei Präsidenten - Reagan und den jetzigen Bush - die sich beide als
religiöse Führer verstehen. Sie haben kontinuierlich konservative Richter in den Obersten Gerichtshof ernannt, die dazu neigen,
zugunsten der Religion zu urteilen (wie in dem kürzlich erfolgten Gesetz, welches öffentliches Geld an kirchliche Schulen
verteilt).
Seit 1994 ist das Repräsentantenhaus vehement religiös. Die Fähigkeit der "religiösen Rechten," Geld aufzutreiben und
Menschen zu mobilisieren, macht vielen Kongreßabgeordneten, die sie keineswegs unterstützen würden, Angst. Kein Gesetz, welches
Religionen unterstützt, ist zu unsinnig, um vom Repräsentantenhaus verabschiedet zu werden. Der Senat bietet noch einigermaßen
Schutz gegen die lächerlichsten solcher Gesetze und ein Oberster Gerichtshof, der die "establishment" Klausel zwar eng auslegt,
aber sich bislang geweigert hat, sie total zu ignorieren, kann noch einige der subtileren Verstöße verhindern.
Obwohl über viele Jahre hinweg die Wohlfahrtsverbände der verschiedenen religiösen Gruppierungen (z.B. katholisch,
lutherisch, die Heilsarmee) ihre Hauptunterstützung aus Steuergeldern erhalten haben, müssen sie sich an das Bundesgesetz
halten und bestätigen, daß sie weder diskriminieren noch konvertieren. Daher will die Bush Regierung ein Programm erweitern,
welches bereits - ohne bemerkt zu werden - von der Carter Administration begonnen wurde. Dieses Programm, "Charitable Choice,"
erlaubt der Regierung, meine Steuergelder religiösen Hilfsorganisationen ihrer Wahl zu geben, die nicht im Sinne der Gleichheit
und des Konvertierungsverbots agieren.
Kurz gesagt, unsere Vergangenheit und Zukunft sind dieselbe, und in unserer Erfahrung mögen einige Lektionen für das Europa
des 21. Jahrhunderts liegen, in dem die Unterschiedlichkeit eine wachsende Realität darstellt. Als Nation mit verschiedenen
Bevölkerungsgruppen sind wir in einen ewigen Kampf verwickelt, uns als Gesellschaft zu definieren. Einige versuchen dieses mit
Religionen, die immer die Funktion hatten, den Stamm zu definieren und Fremde auszuschließen. Andere haben stets die Wahrheit
gepredigt: daß eine säkulare Welt die einzige ist, die von der gesamten Menschheit geteilt wird, und es ist in dieser Welt, wo
eine Regierung freier Menschen regieren soll.
Übersetzung: Dr. Maria Moss
1 Mit "Bill of Rights" bezeichnet man die ersten Zusätze zur Verfassung der Vereinigten
Staaten. Die meisten Amerikaner sehen in diesen Zusätzen die Garantie ihrer individuellen Rechte als Staatsbürger. Der erste
Zusatz fängt folgendermaßen an: "Der Kongress soll kein Gesetz über das Einsetzen von Religionen erlassen,
noch deren freie Ausübung verbieten ...." Der erste fettgedruckte Teil wird "Establishment Klausel" genannt.
2 Amerikanische Gerichte benennen ihre Urteile nach den Klägern. "Everson vs. Board of
Education" ist also nach einem Mr. Everson benannt, der der Bezirksregierung von New Jersey vorwarf, sie hätte kein Recht, die
Transportkosten der Kinder in katholische Schulen zu subventionieren.