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„Ateizm Derneği“ erhält IBKA-Preis „Sapio 2017“

Preisverleihung im Kölner Comedia Theater

Am 3. Juni 2017 wurde der IBKA-Preis „Sapio“ erneut an einen internationalen Preisträger verliehen. Vertreter des türkischen „Ateizm Derneği“ – korporatives Mitglied im IBKA – nahmen den Preis im grünen Saal des Kölner Comedia Theater entgegen.

Veranstaltungsbericht (hpd)

Zehra Pala
Die Vorsitzende des „Ateizm Derneği“, Zehra Pala 2015 auf der
Atheistischen Convention „Give Peace A Chance“ in Köln
Foto © IBKA/Evelin Frerk

Der Preisträger

„Ateizm Derneği“ wurde im April 2014 gegründet und ist der erste und einzige atheistische Verein in der Türkei und überhaupt im Nahen Osten. Derzeit werden in der Türkei die Rechte der Einzelnen beschnitten oder einfach ignoriert. Entsprechend leistet der Verein juristische Unterstützung, wenn Atheisten vor Gericht stehen – in der Türkei wird selbst die Aussage „Ich bin Atheist“ schon als eine Beleidigung des Glaubens aufgefasst.

Interview mit Zehra Pala: „Wir sind kein Vieh“

Forderungen der AG Flucht und Asyl

Die AG Flucht und Asyl im IBKA sieht sich als Teil der Menschenrechtsbewegung, tritt aber besonders für konfessionslose Menschen ein – sowie für Menschen, deren Eintreten für eine Trennung von Religion und Politik zu einer Verfolgungssituation führt. Die AG skandalisiert die besondere Verfolgung Säkularer aufgrund der Missachtung der negativen Dimension der Religionsfreiheit.

Religion als Integrationsmittel zu nutzen, Flüchtlinge kulturalistisch Religionen zuzuschreiben und Religionsgemeinschaften als Ansprechpartner für diese festzuschreiben, ist das genaue Gegenteil einer modernen Gesellschaft und bestätigt die Vorurteile der europäischen Rechten sowie der Islamisten und Islamistinnen, für die es nur religiös-traditionell geprägte Kulturräume gibt.
Die Alternative hierzu ist eine klare Politik auf Basis gleicher Freiheitsrechte für alle Menschen im Rahmen einer säkularen Rechtsordnung und säkularer Infrastruktur.

Atheistenverband gründet „AG Flucht und Asyl“

Pressemitteilung vom 5. April 2017

(Overath) Der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) gründete am vergangenen Wochenende die Arbeitsgemeinschaft „Flucht und Asyl“, um säkulare Flüchtlinge politisch zu unterstützen und ihre Selbstorganisation zu fördern.

„Säkular eingestellte Flüchtende sind Menschen ohne religiöses Bekenntnis oder auch Menschen, die für eine säkulare Verfassung in ihren Herkunftsländern eintreten. Ihre Verfolgung ist zwar grundsätzlich ein klassischer Asylgrund vielfach aber schwer nachzuweisen“, sagt Werner Hager, Sprecher der neuen Arbeitsgemeinschaft des IBKA. „In Europa stoßen säkulare Geflüchtete häufig zuerst auf religiöse Trägerstrukturen in Hilfseinrichtungen und können in Flüchtlingsheimen selbst wieder religiöser Diskriminierung ausgesetzt sein.“
Hager weiter: „Die AG ‚Flucht und Asyl‘ soll das Engagement Konfessionsloser und Atheisten für säkulare Flüchtende bündeln und in der Gesellschaft sichtbar machen.“

Blogger Power!

Vortragsveranstaltung m. anschließender Diskussion

Donnerstag, 1. Dezember 2016 - 18:00 Uhr
Welthaus Aachen, An der Schanz 1, 52064 Aachen
Eintritt frei

In jüngster Geschichte hat sich die Macht des politischen Bloggings verstärkt. Gleichzeitig ist die Gefährdung derjenigen Menschen dramatisch gestiegen, die sich dem kritischen Blogging widmen.

Blogger PowerIn Bangladesch zum Beispiel wurden Blogger und Bloggerinnen, Aktivisten und Aktivistinnen brutal ermordet oder müssen um ihr Leben fürchten, weil sie sich für die Einhaltung der Menschenrechte und Toleranz in ihrem so genannten säkularen Staat einsetzen.

Heute leben im deutschen und weltweiten Exil viele dieser mutigen Menschen, wo sie häufig weiterhin politisch aktiv ihre Blogtätigkeit weiterführen können. Wie sieht die Situation für diese politischen Blogger und Bloggerinnen in Bangladesch aktuell aus, für welche politischen Forderungen kämpfen sie im Internet? Wie kann ihre politische Arbeit auch im Exil unterstützt werden?

Wir sind kein Vieh!

Anlässlich der aktuellen Ereignisse in der Türkei führte IBKA-Beirätin Arzu Toker ein Interview mit Zehra Pala, der Vorsitzenden des in der Türkei ansässigen Vereines Ateizm Derneği, der dem IBKA korporativ angeschlossen ist.

Toker: Können Sie für die Leser, die den Verein nicht kennen, die Gründung Ihres atheistischen Vereins zusammenfassen?

Zehra Pala: „Ateizm Derneği“ ist der erste und einzige atheistische Verein in der Türkei und überhaupt im Nahen Osten. Im April 2014 ging unsere Einladung an die Öffentlichkeit:
„Atheistischer Verein wurde gegründet. Kein Atheist wird jemals wieder vor Gericht oder auf den Straßen allein sein. Besucht uns in unseren Vereinsräumen. Wir erwarten euch auf ein Glas Tee, oder esst einfach Schnecken mit uns!“

Kundgebung von Ateizm DernegiKundgebung zum einjährigen Bestehen von „Ateizm Derneği“ © Privat

Gegen mehr Religion in der Entwicklungspolitik

Pressemitteilung vom 23.02.2016

Der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) wendet sich mit Nachdruck gegen die Ankündigung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), die Zusammenarbeit mit Religionen zu intensivieren.

„Eine Stärkung der Rolle von Religionen in der Entwicklungszusammenarbeit ist ein falsches Signal“, sagte René Hartmann, Erster Vorsitzender des IBKA. „Zwar ist es richtig, dass Religionen global gesehen eine bedeutende gesellschaftliche Rolle spielen. Dabei sind Religionen dort am stärksten, wo die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse am schlechtesten sind. Dort aber, wo sich die Lebensbedingungen verbessern, büßen religiöse Überzeugungen und Institutionen regelmäßig an Bedeutung ein. Daher kann mehr Religion nicht die Antwort auf Entwicklungsprobleme sein.

Es ist auch nicht so, dass Religionsgemeinschaften bisher bei Projekten der Entwicklungszusammenarbeit keine Rolle gespielt hätten. Im Gegenteil existiert seit langem eine kirchliche Entwicklungshilfe, die überwiegend aus Steuermitteln finanziert wird. Es geht also bei der Ankündigung des BMZ um eine noch weitergehende Konfessionalisierung der Entwicklungspolitik.

Selbst wenn radikale und fundamentalistische Religionsmeinschaften außen vor bleiben, besteht doch die Gefahr, dass tendenziell konservativ ausgerichtete Gemeinschaften von staatlicher Förderung profitieren. Dabei gibt es auch in traditionell religiös geprägten Ländern zunehmend Menschen, die sich säkularen Auffassungen zuwenden. Auch wenn diese meist eine Minderheit darstellen, ist vor diesem Hintergrund eine Stärkung der überkommenen Religion ein strategisch völlig verfehlter Ansatz und verstößt gegen das Gebot der weltanschaulichen Neutralität.“

Der IBKA fordert, religiös gebundene Organisationen nicht anders als andere Organisationen zu behandeln und jede als „Partnerschaft“ kaschierte staatliche Förderung von Religion zu unterlassen.

Hintergrund:

Stellungnahme zu den Anschlägen in Paris

14.11.2015

Wir vom Vorstand des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) sind schockiert über die Anschlagsserie am gestrigen Abend in Paris.

Wir sind entsetzt über das von mutmaßlich religiös motivierten Attentätern verübte Massaker. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen und Opfern dieser Gräueltaten.

Religiöser Fanatismus hat im Herzen Europas seine hässlichste Fratze gezeigt.

Dem gegenüber fühlen sich viele hilflos und machtlos.

Dies war ein Angriff auf unsere weitestgehend säkulare Lebensweise, erneut im laizistischen Frankreich. Diese Anschläge richten sich auch gegen unsere freiheitlichen und an individueller Selbstbestimmung orientierten Überzeugungen.

Auch wenn in den nächsten Tagen Trauergottesdienste folgen werden, haben diese Anschläge mal wieder deutlich gemacht: Die Welt braucht keine Rückbesinnung auf antike Religionen, sondern die Ideale der Aufklärung und des Säkularismus.

Wir hoffen, dass die nun folgenden politischen Reaktionen unserer französischen Freunde diese Ideale hochhalten und wir uns von diesen Gotteskriegern nicht dazu hinreißen lassen, diese Grundsätze auch nur ein Stück weit aufzugeben.

Der Vorstand des IBKA

"Give Peace A Chance" - 3

Bericht vom dritten Tag der International Atheist Convention, 24. Mai 2015

von Carlos Zydorek und Jan Hedrich

Der dritte und letzte Tag der Convention begann mit einem Beitrag über die bayrische Feiertagsgesetzgebung, unter anderem gefolgt von Referaten zum Dschihad in Afrika sowie einem Vergleich der "gottlosen" Verfassung der USA mit der tatsächlichen Verquickung von Staat und Religion und der daraus resultierenden Tätigkeit der "Freedom From Religion Foundation" (FFRF).

Assunta Tammelleo

Assunta Tammelleo

Auf die besondere Feiertagsgesetzgebung in deutschen Bundesländern und im Speziellen in Bayern machte Assunta Tammelleo vom "Bund für Geistesfreiheit" (bfg) München aufmerksam.

Zunächst stellte sie dar, dass an den sogenannten stillen Feiertagen, wie beispielsweise an Karfreitag, öffentliche Tanzveranstaltungen gesetzlich verboten seien, selbst wenn sie in geschlossenen Räumen stattfänden und alle üblichen Lärmauflagen einhielten. Um gegen diese den Anders- und Nichtgläubigen gegenüber intoleranten Vorschriften vorzugehen, habe sich der bfg 2007 entschlossen, an Karfreitag eine "Religionsfreie Zone" einzurichten, um ein Bußgeldverfahren zu provozieren. Dies sei die notwendige Voraussetzung, um als betroffene Organisation gegen die Feiertagsgesetzgebung zu klagen. Eine besondere Herausforderung sei gewesen, angesichts hunderter anderer illegaler Feiern auf sich aufmerksam zu machen. Dank der Empörung der katholischen Kirche (die Religionsfreie Zone käme einer "Aufforderung zum Rammeln" gleich) sei es gelungen, die Höchststrafe von 10.000 Euro bei Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften angedroht zu bekommen. Und tatsächlich folgte ein Bußgeldbescheid von 300 Euro. Damit habe sich der bfg durch die Instanzen bis zum Bundesverfassungsgericht geklagt, wo die Feststellungsklage bereits seit 2010 aus unerfindlichen Gründen ruhe.

Tammeleo gab abschließend zu bedenken, dass auch angesichts der zahlreichen übrigen Tage im Jahr, an denen kein Tanzverbot bestehe, solche religiös motivierten Vorschriften einen Weg für Forderungen anderer Religionsgemeinschaften vorzeichneten, ihrerseits eigene Feiertage gesetzlich schützen zu lassen. In Bayern gebe es sogar immer wieder Versuche, die restriktive Gesetzgebung noch weiter auszubauen.

"Give Peace A Chance" - 2

Tagungsbericht vom zweiten Tag der International Atheist Convention, 23. Mai 2015

von Carlos Zydorek und Jan Hedrich

Auch wenn der zweite Tag der Internationalen Atheistischen Convention "Give Peace A Chance" mit dem ersten Vortrag bereits um 9:15 Uhr begann, konnten sich die Veranstalter über einen gut gefüllten Theatersaal freuen. Neben Rolf Bergmeier, Carsten Frerk und Michael Schmidt-Salomon standen Claude Singer aus Frankreich, Morgan Elizabeth Romano aus der Türkei sowie Maryam Namazie aus dem Iran auf dem Programm.

Claude Singer

Claude Singer

Ob das Leitthema der Tagung "Give Peace A Chance" auch das Recht auf Befehlsverweigerung beinhalte, beleuchtete Claude Singer von der französischen Freidenkervereinigung "Fédération Nationale de la Libre Pensée", indem er das Schicksal der exekutierten Soldaten auf französischer Seite im ersten Weltkrieg aufzeigte.

Demnach seien im Verlauf des Krieges unzählige Deserteure "im Morgengrauen" zur Abschreckung erschossen worden. Diese Soldaten, die sich weigerten, sich am Horror des Krieges zu beteiligen und auf die Felder des Todes zurückzukehren, seien nie nachträglich begnadigt worden. Für eine kollektive Rehabilitation setzten sich die französischen Freidenker bereits seit den 80er Jahren ein. Ihre Forderung trügen sie mittlerweile jährlich am Volkstrauertag nach außen, um den vielen Opfern und ihren Hinterbliebenen zu gedenken. Dabei stießen sich bis heute oftmals auf großen Widerstand der offiziellen Stellen.

Warum ihre Kampagne der kollektiven Begnadigung eine logische Folge der freidenkerischen Aktivität sei, fasste Singer zum Schluss seines Vortrags zusammen. Denn Freidenker stünden für die absolute Gewissensfreiheit. Dies schließe das Recht eines jeden Menschen ein, "nein" zu sagen und sich gegen das Tragen einer Waffe zu entscheiden, sich nicht am Mord seiner Brüder zu beteiligen. Krieg bringe niemals einen Nutzen für die Menschheit, sondern nur für die wenigen Kriegstreibenden und ihre Machtgier und finanziellen Interessen. Daher hätten diese Machthaber Angst vor der Begnadigung, denn dies könnte einen Präzedenzfall schaffen für andere, dieser Möglichkeit zur Befehlsverweigerung zu folgen.

"Give Peace A Chance" - 1

Tagungsbericht vom ersten Tag der International Atheist Convention, 22. Mai 2015

von Carlos Zydorek und Jan Hedrich
René Hartmann

René Hartmann

Die internationale atheistische Tagung unter dem Motto "Give Peace a Chance" wurde eröffnet von René Hartmann, dem 1. Vorsitzenden des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA). Hartmann trug zunächst ein Grußwort von Landessprecher Ralf Michalowsky der Partei Die Linke in Nordrhein-Westfalen vor. Dieser kritisierte die Privilegierung der Religionsgemeinschaften und ihren unverhältnismäßig großen politischen Einfluss angesichts einer kontinuierlich schwindenden Rolle von Religion in der Gesellschaft. Michalowsky plädierte in seinem Grußwort für eine geschlossene Bewegung von Menschen, die die Religionen auf politischer Ebene in die Schranken weisen und wünschte der Tagung viel Erfolg.