Aus: MIZ 3/95
In Orden der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem, die den Papst als ihr oberstes Haupt anerkennen, lautet die offizielle
Stellungnahme auf die Frage nach den politischem Engagement, daß "der Orden als solcher" unpolitisch ist, es "aber den
Mitgliedern nicht versagt ist, politisch zu sein."
Die politischen Aktivitäten der Mitglieder - ein illustrer Kreis unter anderem aus Bankiers, Wirtschaftsführern, Politikern,
Militärs, hochgestellten Beamten, Staatsanwälten, Wissenschaftlern und Fernsehintendanten, in Gesprächen wird jedoch betont,
daß auch "einfache Leute" beispielsweise Lehrer dem Orden angehören - waren jedoch teilweise in Bezug auf Rechtsstaatlichkeit
und Demokratie mehr als bedenklich, in Deutschland von Beginn an.
Die Deutsche Statthalterei wurde im Jahre 1933 gegründet, mit dabei war Hitlers Vizekanzler Franz von Papen, der im gleichen
Jahr auch mit dem Vatikan über das Reichskonkordat verhandelte, das am 20. Juli 1933 unterschrieben wurde und als "Aussöhnung"
Hitler-Deutschlands mit dem Heiligen Stuhl galt. Im Rahmen der 1951 gegründeten "Stillen Hilfe für Kriegsgefangene und
Internierte" waren Grabesritter aktiv daran beteiligt, ehemalige Nazi-Größen aus dem Land zu schleusen. Dies gelang
beispielsweise auch bei dem als "Schlächter von Lyon" bekannten Klaus Barbie, so daß dieser erst in den 80er Jahren in
Frankreich vor Gericht gestellt werden konnte. Grabesritter Richard Graf Kerssenbrock saß im Vorstand der Stillen Hilfe.
Die Nähe zu Organisationen im rechten Spektrum wurde auch von Grabesritter Friedrich August von der Heydte gepflegt, der
unter anderem 1955 die "Abendländische Aktion" gründete, der es um die Abschaffung wesentlicher demokratischer Grundrechte
ging. Er wurde 1958 Statthalter des Ordens, war gerngesehener Gast in Francos Spanien und Berater der griechischen
Militärjunta. Anfang der 80er Jahre war er in die Parteispendenaffäre verstrickt - sein Institut für Staatslehre und Politik
fungierte als Geldwaschanlage für Parteispenden -, Ende der 80er Jahre engagierte sich von der Heydte für die "Patrioten für
Deutschland". Er verstarb 1994, ein bemerkenswerter Nachruf erschien in der auflagenstarken Jungen Freiheit, einer
Wochenzeitung der "Neuen Rechten". Ausschlüsse oder die Bitte um Austritt an solcherart "belastete" Mitglieder wurden jedoch
noch nicht ausgesprochen. Denn: "Aus den Mitbrüdern sind Freunde geworden, die eng zusammenhalten und das was in ihren Kräften
steht tun." Und weiter: "Wenn gefehlt worden ist, dann ist gefehlt worden trotzdem sie im Orden waren, nicht weil sie im Orden
waren," wie der Statthalter der Trierer Komturei, Staatsgerichtspräsident Ewald Thul bemerkte, dem derlei Aktivitäten seiner
Ordensritter nicht bekannt waren.