Rolf Heinrich
Einen Schritt vor und zwei zurück
Trennung von Staat und Kirche im Programm der F.D.P.
Aus: MIZ 4/94
Als auf dem Rostocker F.D.P.-Parteitag im Juni dieses Jahres beschlossen wurde, die Abschaffung des
staatlichen Kirchensteuereinzuges in das Parteiprogramm aufzunehmen, löste dies bei Christdemokraten und den Kirchen eine Welle
der Entrüstung aus. Der Vorsitzende des Bundestagsrechtsausschusses, Horst Eylmann (CDU) meinte, damit "habe die F.D.P. tief in
die Mottenkiste gegriffen"1 und der CSU-Generalsekretär Erwin Huber sprach von
einem "Fehltritt"2 und nannte die Forderung "eine Minderheitenmeinung der F.D.P."
und "der Beschluß hat keine Chance, daß er verwirklicht wird."3
CSU-Landesgruppenchef Michael Glos versicherte, daß die F.D.P. beim Thema Kirchensteuer "auf Granit beiße". Die Vorsitzende des
Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Rita Waschbüsch, wies darauf hin, daß die Kirchensteuer in erheblichem Maße für
soziale Projekte wie Kindergärten, Krankenhäuser oder die Aids-Hilfe verwendet werde.4