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Mutige Pfarrer - geldgierige Humanisten?

Aus: IBKA Rundbrief Juli 2000

Kennzeichen D (ZDF, 24. Mai 2000):

Anmoderiert wurde der Beitrag "Gott verlassen - Kirchen contra Jugendweihe" durch Ralf Zimmermann von Siefart mit seiner ganz eigenen Sicht deutsch-deutscher Empfindlichkeiten. Er sah in den geringen Kirchenmitgliedzahlen in Ostdeutschland eines der Hauptprobleme, warum die Mauer in den Köpfen so unüberwindlich ist. Die Atheisten sind also Schuld, wenn Ost und West nicht so recht zueinander finden. Aber, so Herr Zimmermann von Siefart, "mutige" Pfarrer, würden etwas dagegen tun.

Gezeigt wurde dann in der kleinen Dokumentation erst eine "Jugendweihe" des Humanistischen Verbandes Deutschland, der die Nachfolge der Kommunisten antreten wolle. - Nebenbei bemerkt: Die "Weihen" des HVD heißen mittlerweile Jugend"feier".

Gestört hat den Autor offensichtlich die Fröhlichkeit des Festes. Die Kinder würden wie Stars aufgerufen, die Feier wurde als "Spaßkultur" abgewertet. Merke: Wenn schon feiern, dann aber nicht so, dass die Jugend ihren Spaß dran hat!

Der Hammer: Kennzeichen D machte den Vorwurf, der HVD kassiere von jedem Jugendweihling 140,- DM und von jedem Gast 20,- DM. Das wären bei Zigtausend Jugendlichen eine Rieseneinnahme, die quasi eine "Kirchensteuer" für diesen nicht-kirchlichen Verband wäre. Die Sendung verglich tatsächlich die Eintrittsgelder für die Feier - jeder Abschlussball einer Tanzschule kostet mindestens ebensoviel - mit der Kirchensteuer und stellte die Humanisten als geldgierig dar. Vergessen wurde natürlich zu erwähnen, dass diese Summe die Unkosten für Saal, Programm und Verpflegung decken soll und einmalig anfällt, weder die Jugendlichen noch die Eltern Mitglied im Verband werden müssen, während die Kirchen ihre Steuern monatlich eintreiben lassen.

Ein paar Jugendliche - um die ging es ja schließlich - ließ man dann auch noch zu Wort kommen. Warum, wieso und weshalb sie bei der Jugendweihe mitmachten? Die Antworten: Vor allem, weil es alle machen, der Druck von außen wäre schon groß; und auch wegen des Geldes, das man geschenkt bekommt. Also exakt die gleichen Argumente, die West-Jugendliche nennen, wenn man sie nach ihrer Konfirmationsteilnahme fragt. Aber wen interessiert das schon. Kennzeichen D jedenfalls nicht.

Dagegen wurde dann als strahlender Kontrast der "mutige" Pfarrer aus Erfurt mit seiner Lebenswendefeier für Ungetaufte gezeigt, die jetzt zum zweiten Mal - übrigens gegen innerkirchliche Widerstände - stattfand. Vorbereitet wurden die Jugendlichen auf das Fest durch Obdachlosenarbeit. Am Ende der "weltlichen" Feier in der Kirche stand der Pfarrer selbstverständlich doch fest zu seiner Überzeugung - wie der Berichterstatter lobend erwähnte - und betete und segnete die Jugendlichen, die allerdings nicht durch die Feier missioniert werden sollen. Wo denken wir nur wieder hin ... ?

Bei dem Beitrag handelte es sich eindeutig um einen kirchlichen Werbespot mit entsprechender Anmoderation für die Dienstleistung "Feier für 14-Jährige", die auch gleich die eigentlich verpönte vergleichende Werbung anwandte. Die in Ostdeutschland zu erfolgreiche Konkurrenz soll bekämpft werden.

HJ