Zwangsarbeiter bei der Kirche
Aus: IBKA Rundbrief Dezember 2000
Die katholische Kirche in Deutschland will nur fünf Millionen Mark in eigener Regie an Zwangsarbeiter auszahlen. Mit
weiteren fünf Millionen will sie die Versöhnungsarbeit fördern - das Geld fließt an kirchliche Organisationen.
An dem Fonds der Deutschen Wirtschaft beteiligt sie sich nicht. Die Stiftung treffe "die Situation der Fremdarbeiter in
katholischen Einrichtungen keineswegs", so Bischof Lehmann. Im Entwurf der Stiftung hieße es: "Sklaven- und Zwangsarbeit
bedeutete nicht nur das Vorenthalten des gerechten Lohnes. Sie bedeutete Verschleppung, Entrechtung, die brutale Missachtung
der Menschenwürde." Recherchen im katholischen Bereich zeigten aber, dass Zwangsarbeiter dort "in den meisten Fällen
ordnungsgemäß nach Tarif entlohnt" worden seien, dass sie Kost und Unterkunft erhalten hätten und seelsorgerlich betreut worden
seien. "Fälle von Ausbeutung oder zwangsweise zu leistender Schwer- oder Schwerstarbeit sind bisher nicht belegt", sagte
Lehmann.
Man ist offensichtlich überzeugt, die Arbeiter wären durchweg gut behandelt worden. Sätze aus einem Bericht über ein
kircheneigenes Zwangsarbeiter-Lager in Berlin, deren Insassen für 26 evangelische und zwei katholische Friedhöfe tätig sein
mussten, lassen anderes vermuten. Dort heißt es am 19. März 1945:
"Die nachstehend genannten fünf Ostarbeiter sind infolge ihres körperlichen Zustands für die zu verrichtenden Arbeiten auf
Friedhöfen nicht mehr verwendbar." Sie haben Knochenbrüche, allgemeine Schwäche, Herzerweiterung. "Wir bitten daher um
Zuweisung der Genannten an eine entsprechende Sammelstelle, da diese nur im Lager liegen und die Plätze für arbeitsfähige
Männer wegnehmen." Es grüßt mit "Heil Hitler" der Lagerführer.
Auf diese Weise Ausgemusterte kamen üblicherweise ins Vernichtungslager - die "entsprechende Sammelstelle".
(Quelle: Frankfurter Rundschau, 30.08.00, Süddeutsche Zeitung, 14.07.00)