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Abschluss des Schulversuches 'Praktische Philosophie' in NRW

Der Abschluss des Schulversuches 'Praktische Philosophie' in NRW: Entwicklung und Perspektiven

Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Birnbacher

Aus: IBKA Rundbrief Dezember 2001

Prof. Dr. Birnbacher von der Universität Düsseldorf ist wissenschaftlicher Begleiter des Schulversuches Praktische Philosophie (PP) im Auftrag der Landesregierung in NRW. Er hielt im Rahmen der Mitgliederversammlung einen Vortrag, dessen Thesen anschließend sehr rege Diskussion auslösten.

Birnbacher berichtete über die bisherige Entwicklung des Schulversuchs, seine persönliche Einschätzung und die Empfehlungen der vom Ministerium eingesetzten "wissenschaftlichen Begleitung" und über die Perspektiven des Faches.

Der Schulversuch ist bei den Schülern und Schülerinnen sehr gut angekommen, so dass Prof. Dr. Birnbacher es für realistisch hält, dass dieses Fach den Religionsunterricht im Laufe der Zeit ablöst. Der Wissenschaftliche Begleitungsdienst, der gerade seinen Endbericht verfasst, empfiehlt "Praktische Philosophie" als Pflichtfach für alle. Die Unterrichtsbesuche vermittelten ein überraschend positives Bild.

Prof. Birnbacher hält ein Schulfach, das auf philosophischer Grundlage Wertfragen diskutiert, für unverzichtbar. Im Gegensatz zum Religionsunterricht soll PP weltanschaulich neutral sein, wobei Birnbacher meint, der Religionsunterricht würde faktisch weitgehend bereits als "Praktische Philosophie" durchgeführt, da den Schülern klassischer Religionsunterricht vielfach nicht mehr zu vermitteln sei.

In dem Unterrichtsfach, das eine starke philosophische Prägung haben soll, geht es nicht nur um Moral, sondern um Sinnvorstellungen, Glückskonzepte und Selbstfindung. Im Unterschied zum Religionsunterricht gibt es keine verbindlichen Vorgaben für die Lebensführung. Gerade dies beurteilen kirchliche Kritiker allerdings negativ.

Kritik am Schulversuch erlebte Prof. Birnbacher von den Kirchen und Kirchenvertretern, aber auch von den Eltern und Elternverbänden, die gegen den Willen ihrer Kinder am Religionsunterricht festhalten.

Religionslehrer üben Druck aus, an PP zukünftig beteiligt zu werden. Im Schulversuch selbst wurden sie nicht als Lehrkräfte eingesetzt, während am Curriculum aber maßgeblich Religionslehrer mitgearbeitet haben. Birnbacher befürchtet bei einem Einsatz von Religionslehrern eine fehlende Akzeptanz des Unterrichts durch die Schüler.

Für Einführung des Faches PP als Pflichtfach für alle sieht Birnbacher keine verfassungsrechtlichen Bedenken, diese werden aber von der Politik als Schutzmauer vorgeschoben. Hinter den Vorbehalten stünden Ängste vor den kirchlichen Lobbyisten, die massiv Druck ausüben könnten.