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Lobhudeleien für einen toten Autokraten

Aus: IBKA Rundbrief Mai 2005

Kaum war Papst Johannes Paul II. tot, war alle Empörung, die er noch kurz zuvor mit seinem Buch Gedächtnis und Identität: Gespräche zwischen Jahr­tausenden ausgelöst hatte, vergessen. Dabei hatte er dort die Abtreibung mit dem Holocaust verglichen. Er schrieb, ein rechtmäßig gewähltes Parlament habe die Wahl Adolf Hitlers in den 1930er Jahren ermöglicht und ihn mit der Macht ausgestattet, die der Einrichtung von Konzentrationslagern und der so ge­nannten Endlösung den Weg bereitet hätten. Heutzutage müssten die gesetz­lichen Regelungen zur Abtreibung in Frage gestellt werden, fährt der Papst fort. Parlamente, die solche Gesetze schaffen und verkünden, müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie ihre Machtbefugnisse überschreiten und in einem offenen Konflikt mit dem Gesetz Gottes und dem Gesetz der Natur verharren.

In dem Papst-Buch geht es auch um die Schwulenehe. Johannes Paul II. stellt dort die Vermutung an, ob nicht hier - vielleicht heimtückischer und verhohlener - wieder eine neue Ideologie des Bösen am Werk ist, die versucht, gegen den Menschen und gegen die Familie sogar die Menschenrechte auszunutzen, wenn das Europäische Parlament darauf dränge, homosexuelle Verbindungen als alter­native Form der Familie anzuerkennen. Grünen-Politiker Beck fand dazu deut­liche Worte: Die Politik zur Beseitigung der Diskriminierung von Homosexuellen als Ergebnisse einer neuen Ideologie des Bösen zu bezeichnen, ist Volks­verhetzung. In den ersten Tagen nach Karol Wojtylas Tod jedoch war in sämtlichen Medien, auch in den sonst eher kirchenkritischen, nur Lob in höchsten Tönen zu hören. Es wurde unisono der Kämpfer für Menschenwürde und Demokratie und der Friedensstifter geehrt.

Auf einen in der taz veröffentlichten Kommentar von Robin Alexander, Die deutschen haben den Papst in seiner Modernität nie verstanden. Der Wojtyla-Komplex, antwortete Michael Schmidt-Salomon für die Giordano Bruno Stiftung in einem Offenen Brief (PDF).