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Die Synagoge Satans (4)

Pat Buchanan

Auch der traditionalistische Katholik Pat Buchanan, der die Reformen des 2. Vatikanischen Konzils ablehnt, verteidigte Die Passion Christi gegen seine Kritiker. Bei den Antisemitismusvorwürfen handele es sich nur um Zensurversuche.

Buchanan selbst blickt auf eine lange Geschichte antisemitischer Äußerungen zurück. Seine Interpretation des 2. Weltkriegs ist eigenwillig. Buchanans Buch Churchill, Hitler und der unnötige Krieg aus dem Jahr 2008 muss als revisionistisch betrachtet werden.(68) Das krude Szenario lautet wie folgt: Ohne die „unnötige“ Beistandsgarantie Englands für Polen hätte das osteuropäische Land weniger selbstsicher auftreten können und sich an den Verhandlungstisch setzen müssen. Hätte Polen den Korridor und andere Gebiete an das Deutsche Reich abgetreten, wäre es womöglich nicht zum Krieg gekommen. Logisch, dass Buchanan die Appeasement-Politik Chamberlains lobt. Ohne die Kriegserklärung Englands und Frankreichs gegen Hitler wäre dieser nicht nach Westeuropa eingefallen, und viele Juden wären am Leben geblieben. Doch schlimmer: auch Hitlers Überfall auf die Sowjetunion sei Churchill anzulasten. Ohne die Rohstoffe Russlands sei der Krieg gegen die Weltmacht Großbritannien schließlich nicht zu gewinnen gewesen.

Dies ergibt in Kombination mit der nächsten Aussage einen eklatanten Widerspruch. Denn einerseits wäre Hitler, so Buchanan, ohne Churchills Kriegseintritt nicht in die Sowjetunion eingefallen. Andererseits aber hätte er sie ohne Churchills Kriegseintritt dennoch angegriffen und wäre dann in der Lage gewesen, sie niederzuringen, was Millionen Christen vor der Sklaverei bewahrt hätte.

Bereits in den 90er Jahren hatte sich Buchanan über die Geschichte des 2. Weltkriegs geäußert. Angeblich stellte Hitler 1940 keine Gefahr für die USA dar.(69) Aber Franklin Roosevelt, dessen Regierung kommunistisch infiltriert war,(70) setzte alles daran, einen japanischen Angriff zu provozieren, indem er das asiatische Land mit wirtschaftlichen Embargos in die Knie zwang.(71) Es überrascht nicht, dass Pat Buchanan Fliegerpionier Charles Lindbergh bewundert, der sich gegen einen Kriegseintritt der USA aussprach und Juden als „Kriegstreiber“ beschimpfte.(72)

SS-Männer als Opfer

Im Jahr 1985 kam es zu einem Skandal, als Präsident Reagan und Bundeskanzler Kohl gemeinsam den Soldatenfriedhof in Bitburg besuchten. Dies zog Kritik nach sich, denn auf dem Friedhof lagen auch mehrere Angehörige der Waffen-SS. Buchanan soll als Redenschreiber für die Stellungnahme Reagans, die deutschen Soldaten seien ebenso Opfer des NS-Regimes wie die KZ-Insassen, verantwortlich gewesen sein. Er selbst war zudem verwundert, dass man den Kommunismus nicht ebenso harsch anprangere wie den Nationalsozialismus(73) und soll vor Mitarbeitern sogar geäußert haben, dass nicht der Eindruck entstehen dürfe, der Präsident würde jüdischem Druck nachgeben.

Auch setzte er sich gegen die Strafverfolgung von NS-Kriegsverbrechern ein und bezweifelte, dass im Vernichtungslager Treblinka Vergasungen stattgefunden hatten.(74) Überhaupt sei die Strafverfolgung zu teuer und geschehe nur wegen der engen Verbindungen zwischen US-Justizministerium und KGB.(75) Als am Karfreitag 2009 die Auslieferung des KZ-Wächters John Demjanjuk nach Deutschland beschlossen wurde, verglich Buchanan den Hass, der ihm entgegenschlug mit dem Hass, den Jesus am Tag seiner Kreuzigung ertragen musste.(76) Dieses Bild von den Juden als Christusmörder nahm auch Paul Weyrich auf, der einer katholisch-unierten Ostkirche angehörte und neben Jerry Falwell einer der Mitbegründer der Moral Majority war.(77)

Israelisches Konzentrationslager

Auch in der Nahostpolitik nähert er sich antisemitischen Vorstellungen an. 1990 sagte er, dass nur das israelische Verteidigungsministerium und seine Gehilfen wie Abe Rosenthal, Richard Perle, Charles Krauthammer und Henry Kissinger Interesse an einem Irakkrieg hätten.(78) Im Januar 2009 spielte er den Raketenbeschuss der Hamas herunter. Israels Militäraktion sei ein „Blitzkrieg“ und der Gazastreifen ein Konzentrationslager.(79)

Die „wahren“ Juden

Der vehementeste Antisemitismus wird in kleinen Splittergruppen der sogenannten Christian-Identity-Movement betrieben, im weiteren Sinne kann dieser auch der Ku-Klux-Klan zugeordnet werden. In der Bewegung verschmelzen Rassismus und Christentum zum Anglo-Israelismus. Gemäß dieser Auffassung, die sich lose auf die Bibel stützt, kam es zum Bruch zwischen den Stämmen Israels. Einige der Stämme wanderten in den Norden aus, andere blieben zurück und bildeten das heutige Judentum. Die Völker Nordeuropas seien daher als das wahre auserwählte Volk Gottes zu betrachten. Auch die von Hagee postulierte Esau-Blutlinie lässt sich in der Christian-Identity-Lehre finden. Während einige Christen dies nur als theologische Deutung interpretieren, leiten andere daraus rassistische Forderungen ab. Wenngleich die Christliche Rechte derartige Thesen ablehnt, zeigen sich dennoch einige Berührungspunkte.

David Barton, der es bis zum Vizepräsidenten der texanischen Republikaner brachte, setzt sich gegen eine Trennung von Kirche und Staat ein und wurde 2005 vom TIME Magazin zu einem der 25 einflussreichsten Evangelikalen gewählt. Nach Recherchen von Max Blumenthal traf Barton in den 90er Jahren einige Male mit Pastor Pete Peters zusammen(80), der für seine antisemitischen Predigten bekannt ist, an die Authentizität der Protokolle der Weisen von Zion glaubt und die Todesstrafe für Homosexuelle fordert.(81)

God hates Jews

Ähnlich radikal ist Pastor Fred Phelps, der die Westboro Baptist Church leitet. Die kleine Gemeinde gelangte durch ihren Slogan „God Hates Fags“ zu landesweiterer Berühmtheit. Ihrer Ansicht nach straft Gott die USA durch Terroranschläge, da sie sich in ein zu homosexuellenfreundliches Land verwandelt hätten. Phelps fiel in der Vergangenheit durch antisemitische Äußerungen auf und betreibt die Website jewskilledjesus.com. Hinter der Christenverfolgung im Römischen Reich, die angeblich 6 Millionen Todesopfer forderte, hätten Juden gesteckt, ebenso stünden auch Nazideutschland und die USA unter jüdische Kontrolle. Im Jahr 2004 beschimpfte Phelps den demokratischen Präsidenschaftskandidaten John Kerry als Juden, da er, obwohl katholischen Glaubens, jüdische Vorfahren hatte.(82) Außerdem setzte Phelps Afro-Amerikaner mit Gorillas gleich.

Zu den Hardlinern in der Christlichen Rechten zählte Rousas John Rushdoony. Der armenisch-stämmige Calvinist gilt als einer der Begründer des Christlichen Rekonstruktionismus, der sich zum Ziel gesetzt hat, einen Gottesstaat nach biblischen Geboten zu errichten. Außerdem war Rushdoony einer der wichtigsten Vertreter der Homeschoolingbewegung. Seiner Ansicht nach könnten Kinder in den staatlichen Schulen nicht zu aufrechten Christen erzogen werden und sollten daher zuhause unterrichtet werden. In seinen Schriften rechtfertigte Rushdoony die Sklaverei in den Südstaaten und leugnete den Holocaust. Dieser stelle zwar ein Verbrechen dar, ihm seien aber höchstens 1.2 Millionen, eher 900.000 Menschen zum Opfer gefallen, wobei ein großer Teil der Toten auf Seuchen und nicht auf gezielte Ermordungen zurückzuführen sei.(83)

Dennoch war Rushdoony in der Christlichen Rechten respektiert. In den 80er Jahren gehörte er der Coalition on Revival, einem Zusammenschluss mehrer christlicher Persönlichkeiten an. Neben Rushdoony finden sich unter den Unterzeichnern des Manifests der Gruppe auch Tim LaHaye, David Kennedy, Don Wildmon, der Fernsehprediger Jack van Impe und Adrian Rogers, Präsident der Southern Baptist Convention sowie Mitglieder des Family Research Council und Pat Robertsons Regent University.(84) Rushdoonys enger Mitarbeiter Howard Ahmanson, Jr. finanziert bis heute eine Vielzahl christlicher Organisationen in den USA. Auch er zählt laut TIME zu den 25 einflussreichsten Evangelikalen.

David Duke und der KKK

Zu den einflussreichsten Rechtsradikalen weltweit gehört David Duke, der in den 70er Jahren dem Ku-Klux-Klan angehörte. Dort bekleidete der glühende Hitler-Anhänger das Amt eines Grand Wizard (regionaler Leiter). In den 80er Jahren wandte sich Duke vom KKK ab und der Mainstreampolitik zu. Für Aufsehen sorgte jüngst seine Teilnahme an der Holocaustkonferenz in Teheran, die vom iranischen Präsidenten Ahmadinedschad organisiert wurde. Weiterhin traf er sich mit Politikern der NPD und wurde Anfang 2009 in Prag wegen Leugnung des Holocausts verhaftet.

Zu den treuen Unterstützern David Dukes zählt Pastor Ted Pike vom National Prayer Network. Auf seiner Website werden alle gängigen antisemitischen Klischees bedient. Juden seien durch den Talmud verdorben, würden die Medien kontrollieren und hinter Prostitution, Sklavenhandel, Bolschewismus und Holocaustlegende stecken. Christen sollten Mitleid mit den Palästinensern haben und die illegale Besatzungsherrschaft Israels ablehnen. Auch Pike stützt sich wie Graham auf die Aussage über die „Synagoge Satans“ und ist gemäß Johannesbrief davon überzeugt, dass derjenige, der Vater und Sohn ablehne, der Antichrist sei. Wohl deswegen verglich er die Katjuschas der Hamas mit Signalraketen, die Schiffbrüchige abfeuern, um sich aus der Not retten zu lassen. (85)

In seinen Aussagen über den jüdischen „Ungehorsam“ stützt er sich größtenteils auf die gleichen Bibelstellen wie John Hagee, im Gegensatz zu diesem ist er aber überzeugt, dass der Ungehorsam bis zum heutigen Tag andauert und der Staat Israel gegen Gottes Willen verstoße. Auch seine Vorwürfe gegen die Juden als Christusmörder ähneln denen Hagees, wenngleich beide davon überzeugt sind, dass wenigstens den Juden, die den Tag des jüngsten Gerichts überleben, ihre Schuld am Tod Jesu verziehen wird.(86) Dennoch stoßen Pikes Ansichten nicht alle Vertreter der christlichen Rechten ab. Peter LaBarbera gehörte verschiedenen evangelikalen Organisationen wie dem Family Research Council an. Derzeit ist er Präsident von Americans for Truth about Homosexuals und bekämpft die „radikale Homo-Agenda“. Auf seiner Website zitierte er Pike zustimmend, lobte sein Eintreten für Familienwerte, aber verschwieg seinen Antisemitismus.(87)

Die Niederlage

Ende der 80er Jahre wurde David Duke ins Abgeordnetenhauses von Louisiana gewählt und kandidierte 1991 als Gouverneur des Bundesstaates. Er scheiterte nur knapp und konnte immerhin die Mehrheit der weißen Wähler für sich gewinnen. Seine Kandidatur wurde von Billy McCormack, Vorstandsmitglied und Leiter der Lousiana-Sektion der Christian Coalition, (Nachfolgeorganisation der Moral Majority) unter der Führung von Pat Robertson, unterstützt. Dieser begründete laut American Jewish History seine Haltung damit, dass von Duke eine geringere Gefahr für das Christentum ausgehe, als von den jüdischen Anwälten der ACLU.(88) Dennoch konnte McCormack seine Posten behalten.

Der amerikanische Journalist Max Blumenthal warf Tony Perkins, Präsident des Family Research Council, vor, Verbindungen zu David Duke zu unterhalten. 1996 hatte er dem ehemaligen Ku-Klux-Klan-Mitglied 80.000$ gezahlt, um Zugriff auf seine Mailingliste zu erhalten. 2001 trat Perkins als Redner vor dem Council of Conservative Citizens auf, der seinerseits Kontakte zu Jean-Marie Le Pen und David Duke unterhält.(89) Auch Perkins hält an der Missionierung von Juden fest.(90)

Schwarze Rassisten

Dennoch darf aus der Tatsache, dass es sich bei den bisher genannten Personen um Weiße handelt, nicht geschlossen werden, dass sich Antisemitismus in den USA nur auf diese Bevölkerungsschichten beschränkt. Tatsächlich sind laut einer Umfrage der Anti-Defamtaion League die traditionell frommen Afro-Amerikaner häufiger gegenüber den Juden feindseliger eingestellt als Weiße.(91) Sogar schwarze Bürgerrechtler wie der Baptistenpastor Jesse Jackson sehen in ihnen Schuldige. Der langjährige Weggefährte Martin Luther Kings hatte Anfang der 70er Jahre Präsident Nixon attackiert. Viele seiner wirtschaftlichen Berater seien Juden, denen an Handelsbeziehungen mit Europa und Asien mehr gelegen sei, als an der Bekämpfung der Armut in den USA. 1984 bezeichnete Jesse Jackson während seiner Bewerbung um die demokratische Präsidentschaftskandidatur New York als „Hymietown“. (Hymie als Ableitung des jüdischen Namens Chaim.)(92) Außerdem musste er den US-Medien erklären, warum er mehre hunderttausend Dollar Spendengelder von der Arabischen Liga angenommen hatte.

Jackson wurde von der Zionist Organisation of America für seine Haltung gegenüber Israel kritisiert. Wie viele Linke vertrat er einen rabiaten Antizionismus. So sagte Jackson, dass er es leid sei, immer wieder vom Holocaust zu hören und warf jüdischen Journalisten vor, nicht über die nötige Objektivität in der Nahostberichterstattung zu verfügen. Den israelischen Ministerpräsidenten Begin bezeichnete er als Terroristen, PLO-Führer Arafat hingegen verglich er mit Nelson Mandela.(93) Im Präsidentschaftswahlkampf 2008 erneuerte Jackson seine antisemitischen Äußerungen, als er verkündete, dass die „Zionisten, die jahrzehntelang die amerikanische Politik bestimmten“, unter Barack Obama an Einfluss verlieren würden.(94)

Obamas Pastor

Im gleichen Jahr geriet auch Will Wright, der Pastor in dessen Kirche Michelle und Barack Obama geheiratet, sowie ihre Kinder taufen lassen hatten, ins Visier der Medien. In seiner Kirchenzeitung hatte Wright den Artikel eines Hamas-Mitglieds drucken lassen, der Israel als Apartheidsstaat bezeichnete. (95)

Außerdem kritisierte der Artikel Israel für seine gemeinsamen Kernwaffentests mit Südafrika und warf beiden Staaten vor, eine „ethnische Bombe“ zu entwickeln.(96) In Wrights Augen sind die Anschläge vom 11. September die Folge israelischer Besatzungspolitik, die sich neuerdings in „ethnischen Säuberungen“ äußere. Im Jahr 2009 warf er Barack Obama vor, unter jüdischem Einfluss zu stehen und deswegen seine Teilnahme an der Konferenz von Durban abgesagt zu haben, auf der unter anderem der iranische Staatspräsident Ahmadinedschad Israel anprangerte.(97)

Auch der Bürgerrechtler und Baptistenpastor Al Sharpton stellte die Verbindung zwischen Israel und Südafrika her. Er sprach vom stereotypischen Juden Oppenheimer, der als Händler Diamanten von Südafrika nach Israel liefere.(98)

Nation of Islam

Allen dreien ist gemein, dass sie sich mit Louis Farrakhan, dem Leiter der Nation of Islam, einer schwarzen Sekte, solidarisieren.(99) Farrakhan war über Jahre hinweg ein Streiter für die Rechte der Afroamerikaner und fiel durch zahllose antisemitische Äußerungen auf. Er bediente sich klassischer antisemitischer Klischees, wie der jüdischen Medienhoheit oder erklärte, dass Hitlers Aufstieg zur Macht von jüdischen Bankiers finanziert wurde. Gleichzeitig vertritt er auch typisch schwarze antisemitische Positionen, wie die, dass Juden die treibende Kraft hinter dem transatlantischen Sklavenhandel gewesen seien.(100)