IBKA-Tagung 2008 in München
10.-12. Oktober 2008 im Oberangertheater
Kunstpreis Blasphemie „Der freche Mario” 2008
Vorstellung der Gewinner durch den Bund für Geistesfreiheit München
am Freitag, 10. Oktober 2008, 20.00 Uhr bis 22.00 Uhr
danach: geselliges Beisammensein im Oberangertheater
Verleihung des IBKA-Preises „Sapio” 2008 an die Kabarettisten Shabana Rehman und Sigi Zimmerschied
am Samstag, 11. Oktober 2008, 20.00 Uhr bis 22.30 Uhr
anschließend Fete im Oberangertheater
Religionskritik

Grundrechte im Schatten der Götter
Offene Tagung in Kooperation mit anderen säkularen Organisationen
am Sonntag, 12. Oktober 2008, 9.00 Uhr bis 13.00 Uhr
Selbst wenn ein aufgehetzter Mob wegen ein paar Karikaturen, welche die Beteiligten gar nicht betrachten konnten, Botschaftsgebäude niederbrennt, dann scheint solch Furor doch weit weg.
Auch der Kirchenaustritt hat hierzulande nicht die Ermordung zur Folge.
Neuerdings gibt es zudem eine mediale Debatte um die „Neuen Atheisten” an der sogar gelegentlich auch ausgewiesene Nichtreligiöse beteiligt werden.
Leben wir also in Mitteleuropa in einer Region, wo Religionskritik sich ungehindert entfalten kann?
Bereits das bundesdeutsche Strafgesetzbuch bildet die Grundlage für eine weitreichende Einschränkung der Meinungsfreiheit durch den Spezialparagraphen 166. Dieser sieht nicht etwa für jene, die Gewalttaten ihrer Anhänger gegen Religionskritiker nicht ausreichend entgegentreten, eine Bestrafung vor, sondern prophylaktisch für die Religionskritiker, deren Äußerungen bereits auch nur irgendwie geeignet scheinen, den Furor der Fanatiker ausreichend provozieren zu können. Die Existenz von Morddrohungen gegen Religionskritiker reicht aus, deren religionskritisches Werk zu verbieten. Faktisch ist damit das Faustrecht der Fanatiker legitimiert.
Der 166er wirkte auch noch nie in die Richtung, aufhetzende Bemerkungen von Religionsvertretern zu sanktionieren. Schon die schiere Existenz dieser Strafrechtsbestimmung entfaltet gelegentlich eine Wirkung als „Schere im Kopf” bei Verlegern und Autoren.
Nachdem sowohl der Versuch, das Ferkelbuch strafrechtlich zu ahnden, als auch es indizieren zu lassen, gescheitert waren, begann ein untergesetzlicher Tugenddiskurs „so was macht man nicht!” und „Religion verdiene Respekt!”
Die 7451ste Widerlegung von Gottesbeweisen auf 1000 Seiten ist im Zeitalter elektronischer Massenmedien und flüchtiger Aufmerksamkeitsspannen zumindest hierzulande nicht mehr der Stein des Anstoßes.
Bedroht fühlen sich manche Religiöse hingegen von Kritik, welche den Absurditäten von ideologischen Systemen mit Humor, Sarkasmus, Satire, Karikatur und Kabarett begegnet und als Teil der Alltagskultur auftritt.
Nirgends ist die Fallhöhe evidenter, als dort, wo es betont feierlich, rituell starr und dogmatisch zugeht und die religiöse Identität den angstbesetzten Zweifel bestenfalls als Läuterungsprozess mit pflichtgemäß konformistischem Ausgang instrumentalisierend erlaubt.
Mit der Tagung wollen wir zeigen, wie irrationale Systeme sich gegen Kritik immunisieren und dazu sich auch der Staatsgewalt grundrechtsfeindlich bedienen; wie die subversive Kraft des Humors wirkt und wie sich daraus auch ein Umgang mit Religion ergibt, der sowohl in der Sache fundiert ist, als in der künstlerischen Form den Charme der Leichtigkeit hat.
Veranstaltungsort
Oberangertheater
Oberanger 38
80331 München
Telefon: 089 / 23 11 66 0
Telefax: 089 / 260 107 85
Email: info@oberanger-theater.de
www.oberanger-theater.de
