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Medien und Zensur

Kirche im Radio ein Quotenkiller

Aus: IBKA Rundbrief März 2000

Wie bringt man die Botschaft vom Glauben rüber, ohne Quotenmord zu begehen? Erster Grundsatz: Man darf nicht sofort auf Jesus kommen, und "Kirche" schon im Titel ist absolut tödlich. So kommen solche Titel von Verkündigungssendungen zustande: "Gedanken zum Auftanken" (christlicher Privatsender "Radio Paradiso"), "Feels like heaven" (Rockland Radio), "Von nix kommt nix" (Eins live, WDR). Damit haben sendungsbewusste Theologen schon ihre Probleme.

Aber: Werbung ist wichtig! Und darum widmete die katholische Rundfunkarbeit zum ersten Mal eine ganze Jahrestagung der Verkündigung im Hörfunk. Titel: "Glaubenswort – Quotenmord?" Die Fragen, die da kamen: Darf man Jesus mit Batman vergleichen? Darf der Sponsorenhinweis genauso lang sein wie das Glaubenswort?

Deutschland-Radio-Intendant Ernst Elitz – sein Sender ist Branchenführer in puncto kirchlicher Präsenz im Hörfunk – wünscht sich mehr theologische Festigung: "Manche Sprecher erwecken den Eindruck, als hätten sie nur flüchtige Bekanntschaft mit der Bibel gemacht", monierte er vor den versammelten Beauftragten, Sprechern und Redakteuren. Ein Theologe meinte, in den Sendungen müsste auch Ostern, Pfingsten oder Fronleichnam erklärt werden, damit die Kirchenfernen überhaupt wissen, warum der Tag arbeitsfrei ist.

Noch gibt es das öffentlich-rechtliche Schutzgebiet, noch muss z.B. das DeutschlandRadio, so Elitz, nicht auf die Quote schielen, noch brauchen viele Privatsender die Beiträge der Kirchen für ihre Lizenz. Doch die Selbstverständlichkeit sei dahin. Der bequemste Weg für die Rundfunkarbeiter wäre es, sich nur des politischen Rückhalts für das Recht auf Mitsprache zu versichern. – Damit ist wohl die Einflussnahme auch auf andere Sendungen gemeint. –

Der Kampf gegen die Zensur

Aus: IBKA Rundbrief März 2000

Um den Teilnehmern der letzten IBKA-Mitgliederversammlung ein Highlight zu bieten, das Spaß machte und gleichzeitig informierte, konnte Michael Schmidt-Salomon gewonnen werden, unter dem Thema "Heiliger Zwang und Politische Zensur" einen Vortrag zum Straftatbestand "Gotteslästerung" zu halten, gespickt mit Auszügen aus seinem verbotenen – aber trotzdem mittlerweile recht bekannten - Stück "Das Maria-Syndrom".

Todesdrohung gegen Buchautor

Beim Alibri-Verlag ging ein anonymes Schreiben ein, in dem Colin Goldner, Autor des kürzlich erschienenen Buches "Dalai Lama - Fall eines Gottkönigs", mit dem Tod gedroht wird. An den Verlag erging die Aufforderung, das Buch zurückzuziehen, "solange es noch Zeit ist". Für den Autor sei die Zeit bereits "vorbei", für seine "Lügen und Verleumdungen" werde er "bezahlen" müssen. Unterzeichnet ist der Brief mit "Tod dem Verräter".

Compuserve sperrt Scientology-Kritik

München (PC-WELT) – Compuserve Deutschland hat eine Homepage gesperrt, auf der ein Compuserve-Kunde Material über und gegen Scientology zur Verfügung stellte. Presseberichten zufolge beschwerte sich Scientology bei Compuserve, daß die Seite mit verfremdeten Scientology-Logos gegen Urheberrechte der Organisation verstoße. So war beispielsweise eine Grafik zu sehen, auf der das Scientology-"S" durch ein Dollar-Zeichen ersetzt war. Der Autor der Webseite wurde von Compuserve aufgefordert, nachzuweisen, daß seine Webseiten nicht gegen das Urheberrecht und eingetragene Warenzeichen verstoßen, oder aber seine Seiten von Compuserves Homepage-Server "Ourworld" zu entfernen.

§ 166 StGB abschaffen!

Die Kampagne "Gegen Zensur" ist angelaufen

Aus: MIZ 1/98

Wer den Film Toto che visse due volte (Toto, der zweimal gelebt hat) sehen will, muß sich wohl noch etwas gedulden. In Deutschland ist der Streifen noch nicht angelaufen und in Italien hat ihn die Kommission zur Freigabe von Kinofilmen Anfang März erstmal verboten. Begründet wurde das Verdikt unter anderem mit dem Blasphemie-Vorwurf (in einer Szene wird Jesus nach der Kreuzigung von Mafiosi in Säure aufgelöst, in einer anderen werden sexuelle Aggressionen gegen Heiligenbilder gerichtet). Zwar ist diese Vorzensur-Kommission in Europa ziemlich einzigartig, aber die Indizierung dieses mit Filmfördermitteln ausgestatteten Werkes zeigt, daß die religiös motivierte Zensur auch am Ende des Jahrtausends noch quicklebendig ist.

Juristische Schritte gegen Anthroposophie-kritisches Buch angedroht

Pressemitteilung des Alibri-Verlags

Nun doch: Erneut juristische Schritte gegen Anthroposophie-kritisches Buch angedroht

Knapp zwei Monate nach Erscheinen des Buches Waldorf Connection, das sich kritisch mit Rudolf Steiner, der von ihm begründeten Anthroposophie und der Waldorfschule auseinandersetzt, sieht sich der Verlag mit dem ersten Versuch konfrontiert, die Diskussion mit juristischen Mitteln zu unterbinden. Nachdem bereits das Schwarzbuch Anthroposophie der Autoren Guido und Michael Grandt (Ueberreuter, 1997) von den Anthroposophen vom Markt geklagt wurde, sind nun auch gegen ihr neues Werk rechtliche Schritte angedroht.

§ 166 - Der Ermittlungsausschuß informiert

Aus: MIZ 1/97

Nun sieht es so aus, als würde der "Gotteslästerungsparagraph" in absehbarer Zeit das Bundesverfassungsgericht beschäftigen. Denn erstmals seit der Reform des § 166 StGB wurde eine Theateraufführung unter Berufung auf die "Gefährdung des öffentlichen Friedens" präventiv verboten, und das mittlerweile bereits in zweiter Instanz. Da die Karlsruher RichterInnen bislang die Kunstfreiheit zumeist vor den Begehrlichkeiten der ZensorInnen in Schutz genommen haben, könnte dem Verfahren eigentlich optimistisch entgegengesehen werden. Doch bleibt abzuwarten, inwieweit die Kampagne gegen das höchste deutsche Gericht nach dem Kruzifix-Urteil im Sommer 1995 Spuren hinterlassen hat.

Kirchenkritische Radiosendung verschoben

Wieviel Polemik darfs denn sein?

Wieder einmal: kirchenkritische Radiosendung verschoben

Aus: MIZ 4/97

Nachdem sich die Auseinandersetzung zwischen Bürgerfunkgruppen des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) und privaten Rundfunkstationen in Nordrhein-Westfalen bereits seit Jahren hinzieht, ist nun auch in Niedersachsen der Versuch, eine selbstproduzierte kirchenkritische Radiosendung zur Ausstrahlung zu bringen, zumindest vorerst gescheitert. Auch wenn die Vorgänge im Detail nicht vergleichbar sind, ist dies ein weiterer Beleg dafür, daß kirchliche Interessensvertreter ein wachsames Auge darauf haben, damit Informationen über Kirche & Religion ein breites Publikum nicht ungefiltert erreichen.