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1997 - Meldungen 2447-2485

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  • (2482) Kairo/Luxor. Die biblische Geschichte, zusammengefaßt im sogenannten Alten Testament, erweist sich nach den neuesten Erkenntnissen von mehreren Archäologen und Ägyptologen immer mehr als Sammlung von Legenden und literarischen Erzählungen, die bestenfalls einen vagen historischen Kern aufweisen.

    Edgar Pusch vom Hildesheimer Pelizaeus-Museum stellte nach einem Jahrzehnt Grabungen in Pi-Ramesse (der Hauptstadt des Pharao Ramses II.) fest: "Den Exodus in der beschriebenen Form hat es nicht gegeben." In der Erzählung über den Auszug der Israeliten aus Ägypten habe sich die "jahrhundertelange Wanderung von Stämmen" im Raum Palästina "zur Geschichte des Exodus verdichtet". Auch für Rainer Stadelmann, Leiter des Deutschen Archäologischen Instituts in Kairo, gibt es "weder einen Hinweis, daß es einen Aufenthalt von israelitischen Stämmen in Ägypten gegeben hat, noch einen, daß es einen solchen Exodus gab." Seine Erklärung: "Möglicherweise gab es eine Großfamilie, die dann später im palästinensischen Raum mit anderen zusammengekommen ist und einen Städtebund bildete". Sein Kollege Manfred Bietak, Leiter des Österreichischen Archäologischen Instituts, ist in Luxor immerhin auf eine Spur gestoßen. Er fand Reste eines Hauses mit vier Räumen, das zwischen 1200 und 107 (vor unserer Zeitrechnung) aus Schilf und Lehm hergestellt wurde. Dort lebten vermutlich Kriegsgefangene, die für den Bau des Tempels von Ramses IV. eingesetzt wurden. Sie hatten den gleichen kulturellen Hintergrund wie die Urväter der Israeliten, die etwa zur gleichen Zeit das Land von Kanaa besiedelten.

    Noch aufsehenerregender sind die Entdeckungen des Ägyptologen Rolf Kraus. Nach Entzifferung diverser Funde ist sich der Wissenschaftler am Ägyptischen Museum in Berlin absolut sicher, daß Moses der Sohn Amenmesse des Pharao Sethos 11. war, der ihm 1204 den südlichen Teil des Reiches als "Vizekönig" überlassen hatte. Ein Jahr später putschte der 25jährige Sohn jedoch gegen Sethos, mußte aber nach längerem Kampf das Feld räumen. Noch mehr als diverse Ähnlichkeiten bei historischen Angaben fallen genealogische Übereinstimmungen auf. Laut Bibel war Moses der Sohn einer Pharaonentochter und heiratete später eine Nubierin. Sein Vater blieb zwar ungenannt, wohl aber wurde erwähnt, daß dessen Eltern untereinander im Verhältnis von Neffe und Tante verwandt waren. Genau dies trifft auch bei den Eltern von Sethos II. zu. Auch Amenmesse heiratete eine Prinzessin aus Kusch (Nubien) und mußte später fliehen.

    Zahlreiche Experten beurteilten diese Erkenntnisse als "einleuchtend" und "plausibel". Ohnehin steht heute so gut wie fest, daß die Autoren der "Fünf Bücher Mose" (Pentateuch) keineswegs Schreiber am Hofe des König David (um 1000 vor unserer Zeitrechnung) waren, sondern daß die Schriften erst nach der Eroberung Jerusalems durch die Babylonier (587) entstanden.

    Auch für eine militärische Eroberung von Kanaan, etwa durch die Schlacht vor Jericho oder die Vernichtung der Städte Ai und Hebron, konnten Archäologen nicht die geringste Spur im gesamten Raum Palästina ausmachen, obwohl mehrere Grabungsteams jahrzehntelang geforscht hatten. Der Tel Aviver Archäologe Israel Finkelstein geht davon aus, daß um 1200 nomadisierende Schafhirten von Transjordanien nach Palästina einzogen und Bergdörfer bauten, die mit den Städten der Kanaanitern in den Tälern nicht ins Gehege kamen.

    Auch ein Großreich von David, das laut Bibel vom Euphrat bis zum Mittelmeer gereicht habe, kann es nicht gegeben haben. Eine ethnische Einheit "Israel" läßt sich erst in römischer Zeit nachweisen. Zuvor gab es fast permanent rivalisierende Mini-Staaten und konkurrierende Stämme, die zudem ständig von mächtigeren Nachbarn unterjocht wurden: Bis 1000 wurde Palästina von Ägypten verwaltet, dann war es Kolonie im Neuassyrischeu Großreich. Anschließend wurde es von Babyloniern, Persern, Alexander dem Großen und schließlich den Römern besetzt.

    Selbst Theologen zogen daraus bereits ihre Konsequenz. Der Heidelberger Alttestamentler Bernd Diebner sieht in der Exodus-Story und der Mär vom Großreich Davids eine "Retrojektion eigener Großmachtträume in die Vergangenheit", redigiert von einem aus dem babylonischeu Exil zurückgekehrten Juden. Auch der Kopenhagener Alttestamentler Lernehe spricht von "Romanautoren", die in voller Absicht "elementarste geschichtliche Tatsachen oftmals und erheblich" verdreht hätten. Der Theologe Diebner kommt zu dem Fazit: "Das Alte Testament mutet wie ein Märchen an, als Geschichtsbuch ist es unbrauchbar." (Frankfurter Rundschau, 16.4.97; Der Spiegel, 23.6.97)

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