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2000 - Meldungen 2805-2849

Europa

Deutschland

  • (2805) Frankfurt/Main. Der Religionsunterricht in Deutschland muss sich nach Ansicht von Erziehungswissenschaftlern anderen Glaubensgemeinschaften öffnen. Die Schulen dürften sich nicht länger der "multireligiösen Realität" in unserem Land verschließen, sagte der Frankfurter Theologe Prof. Hans-Günter Heimbrock. Er plädierte dafür, "religiöse und kulturelle Unterschiede in der Schule offensiv zum Thema zu machen", statt andere Glaubensrichtungen als das Christentum auszugrenzen. "Die Vielfalt der Religionen" sei im heutigen modernen Europa eine Realität. Zu Unrecht werde das als Hindernis für Verständigung und als Hemmschuh für die Ausbildung einer gemeinsamen Identität verstanden, sagte Heimbrock. Das führe dazu, dass das Thema Religion als Privatsache betrachtet und aus den Schulen verbannt werde. "Die oft befürchtete fundamentalistische Abschottung der religiösen Gemeinschaften voneinander wird damit erst recht gefördert", kritisierte er. Heimbrock plädierte stattdessen für "interreligiöses Lernen". Dabei sollen die Schüler ihren Glauben "anhand ihrer konkreten Lebenssituation" thematisieren. Statt theoretische Glaubensgrundsätze zu büffeln, sollen die Schüler selbst berichten, wie sie ihren Glauben wirklich leben. Ein entsprechendes Modellprojekt für Schulen im kulturell vielfältig besiedelten Rhein-Main-Gebiet wird zur Zeit am Fachbereich Evangelische Theologie der Goethe-Universität entwickelt. (Frankfurter Neue Presse, 11.10.1999)

  • (2806) Frankfurt/Main. Der Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba hat die Medien in der Bundesrepublik scharf kritisiert. Im Hessischen Fernsehen warf der katholische Geistliche den Massenmedien vor, alle Anstrengungen der Kirche um Moral und Sitte nieder zu machen. In den letzten 20 Jahren sei die Kirche, immer wenn sie sich für sittliche Werte eingesetzt habe, von Zeitungen und Fernsehen lächerlich gemacht worden, sagte Dyba in der Diskussionssendung "3 zwei eins". Außerdem habe das Unterhaltungsfernsehen überwiegend bei den privaten TV-Sendern die "Schamgrenzen auf ein bisher unbekanntes Niveau abgesenkt", kritisierte der Erzbischof weiter. 95 Prozent der Spannungselemente im deutschen Fernsehen würden nicht aus christlichen Werten bezogen, sondern aus Gewalt, Untreue und Unzucht. (Frankfurter Rundschau, 18.12.99)

    Anm. MIZ: Zugegeben: Für Erotikfilme und Stripshows gibt die Bibel - abgesehen vom alttestamentarischen Hohelied Salomos und dem Schleiertanz Salomes- wenig her. Aber dass sich die medialen Gewaltdarstellungen nicht auf christliche Überlieferungen stützen können, wird doch niemand behaupten wollen. Im Gegenteil: Die Bibel ist so sehr von Mord- und Gewaltverherrlichung geprägt, dass nur die wenigsten Action- oder Horrorfilme hier mithalten können. Vielleicht ist dies auch der Grund, warum die in der letzten Zeit im Kino angelaufenen Endzeitthriller (beispielsweise der Schwarzenegger-Streifen "End of days") auf christliche Apokalyptik zurückgreifen.

  • (2807) Berlin. Der Streit um den mit Bibelzitaten geführten Wahlkampf von Ekkehard Wruck, Kreisvorsitzender der CDU in Berlin-Wilmersdorf, hat ein Nachspiel. Er ist aus Protest gegen den Landesvorstand seiner Partei aus der CDU ausgetreten. Wruck kritisierte, dass der Landesvorstand seine Wahlplakate habe überkleben lassen, weil auf ihnen der Bibelspruch "Die Wurzel trägt dich" zu lesen war. "Es ist eine bewusste Kampagne der Berliner CDU-Spitze gegen mich geführt worden", sagte Wruck, der seit 20 Jahren für die Christdemokraten im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt. Die führenden Leute hätten offensichtlich auf atheistische Wähler geschielt, als sie den Spruch des Apostels Paulus überkleben ließen. Nachdem seine Wahlwerbung verdeckt worden war, hatte Wruck seinerseits wieder die alten Plakate anbringen lassen. Kurz vor Wahltermin verbreitete er dann ein zusätzliches mit der alttestamentlichen Aufschrift: "Oh Land, höre des Herrn Wort". Ergebnis: Am 10. Oktober fuhr er als Direktkandidat mit 52,7 Prozent der Stimmen 2,1 Prozentpunkte mehr ein als 1995. Sein Fraktionsvorsitzender Klaus Landowsky hatte ihm dagegen wegen der christlichen Wahlwerbung einen Stimmenanteil von 25 Prozent prophezeit.

    Die starke Wählerzustimmung ermutigt den 57-Jährigen, der evangelisches Kirchenmitglied ist und nach eigenen Angaben regelmäßig den Gottesdienst besucht, sein Mandat auch nach dem Parteiaustritt zu behalten. Anderslautende Forderungen von Generalsekretär Volker Liepelt und Fraktionschef Landowsky weist Wruck zurück. "Meine eigene Partei hat den Wahlkampf gegen mich geführt." Für den Rechtsanwalt und Notar ist die Kritik an seinem christlichen Bekenntnis im Wahlkampf unverständlich. "Was bedeutet der CDU noch das C in ihrem Namen?" In seiner Austrittserklärung an den CDU-Landesvorsitzenden Eberhard Diepgen geht Wruck nicht auf den vorangegangenen Streit ein. In den Mittelpunkt stellt er ein Lutherzitat, in dem es heißt, es sei besser, "im Unfrieden dieser Zeit verstoßen" als "in ewigem Unfrieden unter dem Zorn Gottes durch unerträgliche Qualen" zerrieben zu werden. (idea-online, 20.12.99)

    Anm. MIZ: Jedes Volk bekommt die Volksvertreter, die es verdient. Angesichts des Wahlkampferfolges von Wruck zeigt sich wieder einmal, dass - wie Gabor Koscics einmal feststellte - "die überwiegende Mehrheit der Menschen, die Anspruch auf die Mündigkeit erheben, den Ansprüchen, die die Mündigkeit an sie stellt, nicht gewachsen ist."

  • (2808) Berlin. In Berlin hat sich ein Aktionsbündnis gegen die Einführung eines Wahlpflichtfaches Religion gebildet. Dem Zusammenschluß gehören etwa zwei Dutzend Verbände, Parteien und Einzelpersonen an, darunter die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Vertreter der SPD – u.a. Walter Momper – , der PDS, von Bündnis 90/Die Grünen, der Jüdischen Gemeinde zu Berlin sowie des Humanistischen Verbandes. In einem Aufruf plädieren die Mitglieder des Bündnisses für den Erhalt des "Berliner Modells" und damit für die "uneingeschränkte Freiwilligkeit des Religions-und Weltanschauungsunterrichts". So sei der kulturellen Vielfalt in der Hauptstadt am besten gedient. Das Bündnis plädiert im Einzelnen für die Beibehaltung der bisherigen Regelung und damit für die "Erhaltung der bewährten zeitgemäßen Trennung von Staat und Kirche im Bereich der öffentlichen Schulen Berlins". Die religiöse und weltanschauliche Vielfalt der Stadt lasse es fraglich erscheinen, ob ein Wahlpflichtfach Religion "hinreichend zur Integration und zum wechselseitigen gegenseitigen Verständnis beitragen" könne, heißt es in dem Aufruf. Schließlich führen die Verfechter den Unterrichtsmangel ins Feld: Die schulische Grundversorgung müsse gesichert werden, bevor an die Einführung "kostenintensiver neuer Fächer" zu denken sei. Sowohl Böger als auch das Aktionsbündnis fordern nun einen "ergebnisoffenen Dialog" mit gesellschaftlichen Gruppen über die Zukunft des Religionsunterrichtes in Berlin. (Frankfurter Allgemeine, 23.12.99)

  • (2809) Darmstadt. Eine Bilanz der Prognosen für das Jahr 1999 zeigt, wie oft Hellseher im Dunkeln tappten. "Das Fazit ist ernüchternd", stellt das "Forum Parawissenschaften" mit Sitz bei Darmstadt fest, wenn es die Vorhersagen für das Jahr Revue passieren lässt. Im gesamten zu Ende gehenden Jahrzehnt hätten Deutschlands Prognostiker nicht gerade Höchstleistungen gezeigt, konstatierte Edgar Wunder, Sprecher des Forums. Der Soziologe und Astrologie-Kritiker präsentiert gemeinsam mit dem Freiburger Astrologen Peter Niehenke - ehemals Vorsitzender des Deutschen Astrologieverbands (DAV) - nackte Zahlen: Von 1990 bis 1999 hätten sich von 803 registrierten Prognosen nur 31 als richtig herausgestellt. Anders gesagt: Noch nicht einmal jede 25. Vorhersage traf ins Schwarze, 96 Prozent waren Nieten. Zu den Treffern zählen vor allem Wahlergebnisse, bei denen letztlich nur auf einen von jeweils zwei Kandidaten zu tippen war. Bei der Bundestagswahl 1994 sagte beispielsweise je die Hälfte der Seher einen Sieg des damaligen SPD-Kandidaten Rudolf Scharping, die andere die des damals amtierenden Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU) voraus. Unabhängig vom Wahlausgang waren also 50 Prozent Trefferquote fällig. Dennoch überwog nach der Untersuchung des Forums bei den rund 200 beteiligten Wahrsagern, Hellsehern und Astrologen die Zahl der Fehlprognosen deutlich die der Treffer. Auch an Papst Johannes Paul II scheitern die Astrologen seit Jahren: Zwar hatte der "Heilige Vater" jüngst zu Beginn des Heiligen Jahres Schwierigkeiten, das goldene Tor im Vatikan zu öffnen - aber er lebt. Dabei steht die Prophezeiung "Der Papst stirbt" seit mindestens zehn Jahren ununterbrochen auf der alljährlichen Themenliste der Hellseher. Die tatsächlich bedeutsamen und überraschenden Ereignisse kamen nicht in das Blickfeld der Hellseher: Weder mit dem Kosovo-Krieg, noch mit dem Rücktritt von Oskar Lafontaine oder dem CDU-Parteispendenskandal hatten sie gerechnet. (Schweriner Volkszeitung, 28.12.99)

  • (2810) Potsdam. Das Bundesverfassungsgericht wird möglicherweise erst im Jahr 2001 über die Verfassungsbeschwerde gegen das umstrittene brandenburgische Lehrfach "Lebensgestaltung-Ethik-Religion" (LER) entscheiden. "Wir bemühen uns, es noch in diesem Jahr zu schaffen. Ich halte es aber auch für möglich, dass eine Entscheidung erst 2001 fällt", sagte die Sprecherin des Karlsruher Gerichts, Uta Fölster. Der Grund sei, dass noch andere wichtige Verfahren anständen, erklärte Frau Fölster. (Berliner Morgenpost, 13.1.2000)

  • (2811) Merseburg. Katholische und evangelische Kirche haben ein Faschingsplakat der Fachhochschule Merseburg als blasphemisch kritisiert. Unter dem Titel "Bibelfasching 2000 - Wir nageln, was das Kreuz hält" ist darauf ein an ein Kreuz genageltes Paar beim Geschlechtsverkehr abgebildet. Das Plakat greife in "geradezu geschmackloser Weise Religion und Glaube von Menschen an", schreibt der Dechant von Halle, Reinhold Pfafferodt, in einem in Merseburg veröffentlichten Brief an die Fachhochschule. Als Christ sei er "zutiefst betroffen über eine derartige Blasphemie". Das Plakat mache deutlich, mit welcher Blindheit die Würde des Menschen und religiöse Gefühle verletzt würden. Die Superintendentin des Kirchenkreises Merseburg, Annette-Christine Lenk, erklärte, das Plakat zeuge von großer Armut im Hinblick auf religiöses Empfinden. Sie erwarte eine öffentliche Entschuldigung. Eine juristische Auseinandersetzung behalte sie sich vor. (Darmstädter Echo, 21.1.2000)

  • (2812) Köln. Enttäuscht und entsetzt reagierte die Deutsche Hospiz Stiftung auf die Vorstellung der neuen gemeinsamen Patientenverfügung der beiden Kirchen. Die lange Vorbereitung und die Schwierigkeit des Themas hätten mehr erwarten lassen. Neues Betreuungsrecht, Bundesärztekammer-Grundsätze und verfassungsrechtliche Aspekte sind nicht ausreichend berücksichtigt. Zentraler Kritikpunkt ist jedoch: Das Dokument schafft für die Betroffenen keine Sicherheit. Die Formulierungen sind so allgemein und schwammig, dass sie für keinen Arzt bindend sind, sondern nur ein "Autonomie-Placebo" darstellen, wie es in einem Gutachten des renommierten Kölner Verfassungsrechtlers Prof. Höfling heißt. Durch die anleitende Vorgabe wird der Betroffene zu dieser Unsicherheit bewußt hingeführt. Das ist Volksverdummung, nicht Hilfestellung. Eine Patientenverfügung muß möglichst genau die Situation beschreiben, um valide zu sein. (Deutsche Hospizstiftung, 18.10.99)

  • (2813) Hamburg. Einer der prominentesten Hamburger SPD-Politiker, der frühere Bundesfinanz- und Verteidigungsminister (1974 - 1982) Hans Apel und seine Frau Ingrid sind enttäuscht aus der evangelisch-lutherischen Kirche ausgetreten. "Besonders peinlich hat uns die Neigung der Nordelbischen Kirche berührt, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen", sagte Hans Apel dem Hamburger Abendblatt. In einem Brief an das Abendblatt erklärte Apel die Motive für den Austritt. "Seit Jahren verfolgen wir mit wachsender Sorge, wie Tagespolitik und gesellschaftliche Trends zunehmend Einfluss auf das Handeln und das Erscheinungsbild von Nordelbien nehmen", heißt es da. "Die kirchliche Segnung von Pastor Jarchow und seines Weggefährten ist dafür nur ein letzter Beleg. Bis heute haben wir vergeblich auf eine Stellungnahme der Kirche gewartet. Das Maß ist voll. Meine Frau und ich treten aus." Hans Apel: "Große Probleme mit meiner Kirche bekam ich bereits als Verteidigungsminister, als mir viele Pastoren wegen meiner Unterstützung des NATO-Doppelbeschlusses mein Christsein bestritten. Auf dem Hamburger Kirchentag 1981 kam es dann zur Explosion: Teilnehmer bewarfen mich mit Schafsblut-Beuteln und faulen Eiern, um mich am Reden zu hindern." Seit Jahren hat das Ehepaar überlegt, "ob wir unsere beträchtlichen Kirchensteuerzahlungen weiterhin für die Irrungen in Nordelbien einsetzen dürfen". Seine Frau ergänzt: "Wir haben halbe Nächte über unseren Kirchenaustritt diskutiert. Er muss sein." (Hamburger Abendblatt, 4.11.99)

    Anm. MIZ: Trotz ihrer jetzigen Konfessionslosigkeit sind die Apels wohl keine potentiellen Mitstreiter für die Rechte der Konfessionslosen. Sie wollen bei den Freikirchen eine neue Heimat finden.

  • (2814) Wetzlar. Die wachsende Zahl von Erdbeben im vergangenen Jahr seien aus Sicht der Bibel Signale des kommenden Endes und des Gerichtes Gottes. Diese Ansicht vertritt der Leiter der Arbeitsgemeinschaft "Christen für Israel" (CFI), Fritz May (Wetzlar). Die Katastrophen seien für alle Menschen eine ernste Warnung, sich auf den "großen Tag Gottes" vorzubereiten. Die Bibel bezeuge, dass in der Zukunft Jerusalem und die ganze Welt von Erdbeben heimgesucht würden. Die Stadt liege in einem der gefährlichsten Erdbebengebiete der Welt, nämlich dem der Arava-Senke im syrisch-afrikanischen Graben, der sich von der Türkei bis nach Südafrika hinziehe. May erinnert daran, dass es wiederholt starke Erderschütterungen zu biblischer Zeit im Heiligen Land gegeben habe. Durch ein Erdbeben sei vermutlich auch die Essener-Siedlung von Qumran am Toten Meer um 31 nach Christus zerstört worden. Viele orthodoxe Juden und Christen hofften, so May, auf ein Zeichen Gottes, dass durch ein erneutes Beben auf ganz unpolitische Weise bald der islamische Felsendom in Jerusalem zerstört und an alter biblischer Stätte der Tempel wieder aufgebaut werde. In der Offenbarung des Johannes werde prophezeit, dass ein Zehntel der Stadt zerstört und 7.000 Menschen dabei umkommen würden. Danach werde Gott in Jerusalem einziehen, begleitet von seinen himmlischen Heerscharen. (idea-online, 4.11.99)

    Anm. MIZ: So, so, viele Christen und Juden "hoffen" also auf ein Erdbeben. Tote werden in Kauf genommen, Hauptsache "Gott" gibt ein Zeichen. Schön, dass die Inhumanität religiöser Überzeugungen manchmal so deutlich ans Tageslicht tritt.

  • (2815) Nürnberg. Polizeibeamte drangen im November letzten Jahres in das Privatzimmer einer iranischen Asylbewerberin ein und brachten sie in die Polizeiinspektion am Nürnberger Jakobsplatz. Dort forderten sie Roya Mosayebi auf, ein Kopftuch anzulegen. Als Frau Mosayebi sich weigerte und erklärte, sie werde nie mehr einen Schleier tragen, wurde die zierliche Frau von sechs PolizeibeamtInnen niedergerungen und auf einen Stuhl gezwungen. Frau Mosayebi wurde gewaltsam festgehalten, ein Kopftuch wurde angelegt. In dieser Aufmachung wurde die wegen der Demütigung und vor Schmerzen weinende Frau fotografiert. Roya Mosayebi erlitt eine Verletzung des linken Schultergelenkes, eine Zerrung der Rotatorenmanschette und Blutergüsse am rechten Oberarm. Die Polizeiaktion wurde durch die Ausländerbehörde der Stadt Nürnberg veranlasst. Frau Mosayebi war aufgefordert worden, vier Fotos mit Kopfbedeckung abzugeben, um diese zur Beschaffung von Heimreisedokumenten, die für eine Abschiebung der Familie Mosayebi benötigt werden, an die iranische Botschaft weiterzuleiten. Roya Mosayebi legte jedoch vier Fotos ohne Kopfbedeckung vor und ließ sich auch in der Folgezeit nicht zwingen, das Kopftuch anzulegen. Mindestens vier weitere Frauen erhielten ein derartiges Schreiben des Ausländeramtes.

    Roya Mosayebi war 1997 mit ihren beiden Söhnen nach Deutschland geflüchtet. Im Iran war sie durch die islamischen Sittenwächter verfolgt worden, die ihr als Frau unmoralisches (=unislamisches) Verhalten vorwarfen. Der fundamentalistische islamische Revolutionsrat im Iran zwingt den iranischen Frauen eine strikte Kleiderordnung auf, äußeres Symbol eines Systems, welches die Rechte der Frauen und das Recht auf Religionsfreiheit missachtet und mit brutalen Mitteln die islamistischen Gesetze durchsetzt. Die bayerischen Behörden setzen die Verfolgungsmassnahmen fort, indem sie Roya Mosayebi und weitere betroffene Frauen das Kopftuch mit Gewalt aufzwingt. (Pressemitteilung Karawanengruppe München, 15.11.99)

  • (2816) Berlin. Ein Honorarprofessor der Freien Universität Berlin hat gegen die Verleihung der Ehrendoktorwürde an den britischen Schriftsteller Salman Rushdie protestiert. Der Vizepräsident der Universität, Dieter Lenzen, wies im Beisein Rushdies die Kritik als "völlig inakzeptabel" zurück. Der namentlich nicht genannte Honorarprofessor hatte Parallelen zur Verunglimpfung der Juden in der NS-Zeit und den geistigen Vorbereitungen zum Holocaust gezogen. Rushdie wird von islamischen Fundamentalisten eine Verunglimpfung des Islams vorgeworfen. Der damalige iranische Revolutionsführer Ajatollah Chomeini hatte 1989 zur Ermordung Rushdies wegen dessen angeblich gotteslästerlichen Romans "Die satanischen Verse" aufgerufen. Die Freie Universität würde ihren Gründungsgedanken verraten, wenn sie sich nicht gerade dann für jemanden stark machen würde, der bedroht ist, sagte Lenzen. "Wir wollen aber in keiner Weise Angehörige der islamischen Religion beleidigen." Der Honorarprofessor, dessen Namen Lenzen unter Berufung auf das Briefgeheimnis nicht öffentlich nennen wollte, hatte in seinem Brief an den FU-Präsidenten Peter Gaehtgens gemeint, dass Deutschland schon einmal "durch seine Feindseligkeit gegen eine andere große Weltreligion und deren Duldung das größte denkbare Unglück für Millionen von deren Anhängern eingeleitet" habe. Lenzen nannte dies eine Entgleisung. Rushdie meinte auf einer unter großen Sicherheitsvorkehrungen abgehaltenen Pressekonferenz im Universitätsviertel vor Journalisten, dass sich seine Situation seit dem iranischen Todesurteil gegen ihn vor zehn Jahren zwar gebessert habe, "aber es ist noch nicht ganz vorbei". Man könne noch nicht ganz sicher sein, ob die iranische Regierung die volle Kontrolle über Extremisten habe. Es sei jetzt an der Bevölkerung Irans zu entscheiden, "ob sie mehr Zivilisation und Normalität will". (Spiegel online, 25.11.99)

  • (2817) Heilbronn. "Möge Allah diesen Ketzern Unglück bescheren", heißt es in einem per Internet verbreiteten Appell. "Im Namen des Erhabenen" wettert eine nicht namentlich bekannte, aber als radikal eingeschätzte Muslim-Organisation gegen "Corpus Christi", ein Stück des amerikanischen Dramatikers Terrence McNally, das am Heilbronner Theater im September seine deutsche Uraufführung erlebte. Seither bemühen sich vor allem fromme Christen um eine Absetzung des als blasphemisch verurteilten Treibens der 13 Schauspieler. Vor jeder Vorstellung postiert sich eine Mahnwache, mobilisiert von der Partei Bibeltreuer Christen. Die Mehrheit der Demonstranten, von denen etliche auch kleine Kinder mitbringen, kennen "Corpus Christi" nur vom Hörensagen. Während drinnen die Geschichte von Jesus Christus im modernen Rahmen einer schwulen Gemeinschaft im heutigen Amerika erzählt wird, singen draußen Gläubige drei Stunden lang kirchliche Lieder. Weil Intendant Klaus Wagner den Spielplan nicht ändern will und offensichtlich auch die Gebete um Erleuchtung der angeblich teuflischen Theaterleute nicht erhört wurden, suchen aufgebrachte Christen - die auch gerne Drohbriefe schreiben - Beistand bei weltlichen Juristen. Doch Strafanzeigen wegen Gotteslästerung und Beleidigung wurden ebenso abgelehnt wie Anträge auf Verbotsverfügungen. Weder Staatsanwälte noch Richter wollten sich als Zensoren aufspielen.

    Der Aufruhr, der auch Leserbriefspalten der Lokalpresse füllt, brachte dem Theater volle Ränge ein. "Wir sind immer ausverkauft", freut sich der Dramaturg James McDowell, "das Stück ist der absolute Renner." Wegen des großen Interesses wird "Corpus Christi" bis Februar verlängert. Weil sich jetzt Moslems mit den wütenden Christen solidarisieren, sieht sich die Polizei mit "einer anderen Dimension" konfrontiert. Im Internet wird dazu aufgefordert, "lauthals vor dem Theater" gegen das "höchst lästerliche Stück" zu protestieren, zumal das Abendmahl mit Prophet Isa (der arabische Name für Jesus) als "Saufgelage" gezeigt werde. Verschärft wird die Situation durch die Tatsache, dass der Autor Terrence McNally (61) nach der Aufführung in London von Scheich Omar Bakri Muhammed, einem Islam-Führer, für vogelfrei erklärt wurde, als er die Fatwa gegen ihn aussprach. Diese, schränkte er zynisch ein, solle "nur in islamischen Staaten vollstreckt" werden. Auch Schauspieler, die bei "Corpus Christi" in Heilbronn mitwirken, können ihres Lebens nicht mehr sicher sein. Es wurde einem Akteur anonym gedroht: "Wir werden dein Haus abbrennen." (Südwest Presse, 30.11.99)

  • (2818) Stuttgart/Hamm. Ein Ehepaar aus Sri Lanka will gegen das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt" (Stuttgart) klagen. Nach Angaben der katholischen Wochenzeitung "Neue Bildpost" (Hamm) wendet es sich gegen ein Werbeplakat, das seine beiden Kinder sowie zwei weitere Kinder als hungernde und zerlumpte Jugendliche aus der Dritten Welt darstellt. Das Plakat wurde von einer Fotoagentur in Mühlheim/Ruhr erstellt. Der Zeitung zufolge wußten die Eltern nicht, dass man die Fotos im Rahmen einer bundesweiten Plakataktion veröffentlichen werde. Trotz einer Zusage der Spendenorganisation, die Plakate aus dem Verkehr zu ziehen, würden sie zur Zeit in Leipzig neu geklebt. (idea, 7.9.99)

  • (2819) Wiesbaden. Katholische Priester müssen zölibatär, also ehelos leben und auf jede Sexualität verzichten - ob sie nun heterosexuell oder homosexuell sind. Deshalb seien homosexuelle Männer nicht von vornherein von der Priesterweihe ausgeschlossen, folgerte eine von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzte Arbeitsgruppe.Der vor zwei Jahren gegründeten Arbeitsgruppe gehörten Mediziner, Theologen und Psychologen unter Vorsitz des Fuldaer Weihbischofs Johannes Kapp an. Allerdings kämen für das Priesteramt nur Männer in Betracht, deren geistliches Leben deutliche Anzeichen einer Berufung zum Priestertum aufweise, heißt es in ihrem Papier weiter. Außerdem müssten sie in "überzeugender Weise sexuelle, personale und geistliche Reife und Integration" zeigen und zur zölibatären Lebensweise "bereit und fähig" sein. Das Papier der Arbeitsgruppe ist zwar nur für den internen Gebrauch der Bischöfe gedacht, der Inhalt wurde aber jetzt durch Indiskretion bekannt. Vor drei Jahren hatte der Augsburger Pastoraltheologe Hanspeter Heinz die kirchliche Öffentlichkeit mit dem Hinweis aufgeschreckt, dass rund 20 Prozent der katholischen Priester und Priesteramtskandidaten homosexuell seien - eine Zahl, die der Arbeitskreis "Homosexuelle und Kirche" (HuK) noch viel höher einschätzt. Der Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba, der auch für das Militär zuständig ist, warf Heinz seinerzeit vor, eine "publikumswirksame Beschimpfung des priesterlichen Standes" zu betreiben. Er selbst, so brüstete sich Dyba damals, weihe keine Homosexuellen, sondern nur Männer, die "das Zeug zu gesunden und guten Familienvätern" hätten. (Frankfurter Rundschau, 3.9.99)

    Anm. MIZ: Warum Priester das Zeug zu Familienvätern haben sollen, wenn sie eh nicht dürfen, wird wohl Dybas Geheimnis bleiben.

  • (2820) Coburg. Gegen einen katholischen Geistlichen aus dem Kreis Coburg hat der Staatsanwalt Anklage wegen sexuellen Missbrauchs erhoben. Dem 58-Jährigen wird vorgeworfen, sich in 13 Fällen an drei Kindern vergangen zu haben. Die mutmaßlichen Vergehen des Geistlichen aus Sonnefeld waren Weihnachten 1998 auf spektakuläre Weise bekannt geworden. Der Vater eines 9-jährigen Kindes trat vor Beginn der Messe an den Altar und beschuldigte den Priester, seinen Sohn mehrmals missbraucht zu haben. Daraufhin meldeten sich andere Familien. Sie sagten aus, der Geistliche habe Kinder belästigt, als er sie nach dem Gottesdienst nach Hause fuhr. Der Mann, der einschlägig vorbelastet ist, wurde daraufhin vom Religionsunterricht freigestellt. Im unterfränkischen Obernburg war er 1987 wegen eines ähnlichen Falles zu einer Geldbuße verurteilt worden.

    Der Priester streitet die Vorwürfe ab. Er zeigte den Vater des 9-Jährigen wegen übler Nachrede und Störung der Relgionsausübung an. Gegen einen mit dem Fall befassten Beamten beim Landratsamt stellte er Strafantrag wegen Verletzung des Dienstgeheimnisses. (Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 4.9.99)

Österreich

  • (2821) Wien. Der österreichische Bischof Kurt Krenn hat sich lobend über den Rechtspopulisten Jörg Haider geäußert, dessen Freiheitliche Partei (FPÖ) zur zweitstärksten politischen Kraft in Österreich aufgestiegen ist. "Ich stehe zu Leuten, die ich schätze - und ich schätze Jörg Haider", sagte er gegenüber dem Nachrichtenmagazin "profil". "Wenn Haider etwas Gutes bewegen kann, dann soll man ihn das auch tun lassen", erklärte Krenn, der die Diözese St. Pölten leitet. "Ich will nicht gegen Haider auftreten, das kommt gar nicht in Frage." Der Bischof wies auch die internationale Kritik am Rechtsruck in Österreich zurück. "Es kann nicht so sein, dass wir uns von allen möglichen Nicht Österreichern bestimmen lassen", sagte Krenn, der wegen seiner erzkonservativen Haltung auch innerkirchlich mehrfach scharf kritisiert wurde. (Neues Deutschland, 19.10.99)

  • (2822) Wien. Der weltanschaulich neutrale Staat kann nach Ansicht des Verfassungsrichters Paul Kirchhof nicht auf christliches Gedankengut verzichten. Entscheidungen in Fragen wie Schwangerenkonfliktberatung, Sterbehilfe oder Sonntagsschutz seien ohne Berücksichtigung religiöser Auffassungen wie die vom Menschen als Ebenbild Gottes kaum denkbar, sagte der Karlsruher Richter und Heidelberger Professor für Öffentliches Recht auf dem 10. Europäischen Theologenkongress in Wien. Eine Vertreibung des religiösen aus dem öffentlichen Leben stünde zudem im Widerspruch zur Verfassung, betonte der Jurist. Insbesondere der Begriff der Menschenwürde sei ohne religiöses Fundament kaum aufrechtzuerhalten. Als Beispiel nannte er den Gewissenskonflikt der Verfassungsrechtler im Streit um die Abtreibung. (Darmstädter Echo, 2.10.99)

    Anm. MIZ: Dass Rechtsprechung in einem pluralistisch geprägten Staat auf der Basis einer säkularen Ethik erfolgen kann und muss, scheint Kirchhof bisher nicht aufgegangen sein. Ob ein Mann, der solche Meinungen vertritt, dem Amt eines Verfassungsrichters gewachsen ist, darf bezweifelt werden.

Schweiz

  • (2823) Basel. Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) fährt grobes Geschütz auf. In einer Erklärung vom 12. Januar dieses Jahres wird dem in Luzern wohnenden emeritierten Tübinger Professor Herbert Haag öffentlich das Vertrauen entzogen. Grund für die geharnischte Reaktion der Schweizer Bischöfe ist Haags Artikel "Katholische Kirche: Verhungern einem Dogma zuliebe". Herbert Haag kommt in diesem Artikel zu dem Schluss, dass sich der Priesterstand nicht auf Jesus zurückführen lasse und dass zur Feier der Eucharistie die Mitwirkung eines geweihten Priesters nicht absolut notwendig sei: "Wir wissen heute", so Haags Begründung, "dass vom 1. bis zum 3. Jahrhundert der Vorsitz beim Herrenmahl nicht an eine Weihe gebunden war, dass vielmehr von der Gemeinde beauftragte Männer und Frauen dieser Feier vorstanden. Erst im 3. Jahrhundert kam die Vorstellung auf, es bedürfe für die Mahlfeier einer Weihe." Entsprechend handle es sich bei der kirchlichen Bestimmung, wonach für die "gültige" Eucharistiefeier ein Priester nötig ist, "keinesfalls um ein unaufgebbares Dogma". Auch angesichts des gravierenden Priestermangels in der katholischen Kirche forderte Haag, dass sich die Kirche eine neue Verfassung geben müsse, "wenn sie überleben will". Dass es für schweizerische Verhältnisse relativ unüblich ist, einen 85-jährigen Professor öffentlich abzukanzeln, war offenbar auch den Bischöfen klar. Als Rechtfertigung wird denn auch angeführt: "Als Bischöfe können wir es zudem nicht verantworten, unwidersprochen zuzusehen, wie das Volk Gottes desinformiert und in einer äusserst gefährlichen Weise indoktriniert wird." (Basler Zeitung, 14.1.2000)

  • (2824) Grenoble. Vier Jahre nach dem Tod von 16 Mitgliedern der Sekte "Orden des Sonnentempels" hat die französische Justiz ihre Ermittlungen zu dem Fall abgeschlossen. Wie ein Anwalt der Nebenkläger in Grenoble mitteilte, gehen die Untersuchungsrichter von einem kollektiven Selbstmord aus. Die Leichen der 16 Sektenangehörigen, darunter drei Kinder, waren am 16. Dezmber 1995 in einer schwer zugänglichen Waldlichtung des südfranzösischen Vercors-Massivs entdeckt worden. Der Fund der verkohlten Leichen hatte die Öffentlichkeit in Frankreich schockiert und eine landesweite Debatte über die Gefährdung durch Sekten ausgelöst. Nach den Erkenntnissen der Justiz erschossen zwei der Sonnentempler, ein Schweizer Architekt und ein französischer Polizist, ihre 14 Glaubensgenossen, übergossen deren Leichen mit Benzin und steckten sie in Brand. Danach erschossen sie sich selbst. Die Ermittler kamen zu dem Schluss, dass der am Ort des Dramas gefundene Kanister genügend Benzin enthielt, um die Toten zu verbrennen. Das war von den Angehörigen einiger Opfer bezweifelt worden, die davon ausgingen, dass noch andere Täter beteiligt waren. Die Sonnentempler haben ihren Hauptsitz in der Schweiz. Seit 1994 haben in Kanada, der Schweiz und Frankreich insgesamt 74 Mitglieder der Sekte Selbstmord begangen. (aol-newsbote, 1.11.99)

  • (2825) Genf. Was haben amerikanische Rabbiner, Mormonen, Baptisten, erzkonservative Katholiken und iranische Rechtsgelehrte gemeinsam? Eine ganze Menge, wie in dieser Woche auf dem "2. Weltkongress der Familien" in Genf sichtbar wird. In einem Luxushotel in der Schweizer Konferenzstadt schmieden 1 000 Juden, Christen und Moslems aus 70 Ländern über alle konfessionellen und politischen Grenzen hinweg eine Allianz, die den Slogan "Fundamentalisten aller Länder vereinigt Euch" haben könnte. Sie wollen bei den Vereinten Nationen und anderen internationalen Organisationen gemeinsam gegen Abtreibung, die rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare und andere "unnatürliche Praktiken" vorgehen. Mit vereinten Kräften wollen sie außerdem gegen aufklärerischen Sexualunterricht in Schulen kämpfen. Rein optisch mutet der Genfer Schulterschluss von edel gewandeten europäischen Adeligen, Turban-tragenden Mullahs, sportlich gekleideten Hausfrauen, Amerikanern in Anzug und Bequem-Schuhen und Frauen mit schwarzem Kopftuch etwas merkwürdig an. Inhaltlich sind sie sich jedoch in den meisten Punkten einig. Lediglich bei den Themen Verhütung in der Ehe und Vielehe gibt es noch Differenzen. Alle Redner beklagen den Zerfall der Familie, vor allem in den westlichen Industrienationen. Die Selbstverwirklichung von Frauen im Beruf hat für sie keine Priorität. "Das größte Geschenk, dass eine Mutter der Gesellschaft machen kann, ist ein rechtschaffener Sohn oder eine anständige Tochter", betont Jehan Sadat, die Witwe des ermordeten ägyptischen Präsidenten Anwar Sadat, und erntet großen Applaus. Rabbi Michael Gold aus Florida wettert gegen Popsängerin Madonna und Schauspielerin Jodie Foster, weil sich beide Frauen entschieden haben, ihre Kinder ohne Vater aufzuziehen. Dies seien schlechte Beispiele für die amerikanische Jugend, meint er.

    Der Präsident des päpstlichen Rates für die Familie, Alfonso Kardinal Lopez Trujillo, ist für den Vatikan dabei. Rund die Hälfte der Kongress-Teilnehmer stammt aus den USA. "Hier trifft man sich auf neutralem Boden", meint der Amerikaner und Kongress-Hauptorganisator Allan Carlson zum Konferenzort. Ihm dankt auch die iranische Politikerin Fatemeh Hashemi, Tochter von Ex-Präsident Rafsandschani, für seinen unermüdlichen Einsatz im Dienste der Familie. Am Rednerpult zupft Hashemi erst einmal ihren Tschador zurecht, entschuldigt sich für ihr bescheidenes Englisch und beschwört dann in einem kurzen Vortrag die "Liebe und das Gefühl, dass ein Mensch nur von seiner Familie erhalten kann". Die längste Rede dieses Abends hält die australische Abtreibungs- Gegnerin Rita Joseph, die für ihre fundamentalistischen Positionen von den Anwesenden stehende Ovationen erhält. Für sie sind Verhütung und künstliche Befruchtung "abnormale und unnatürliche" Eingriffe in die göttliche Ordnung. Ein Abgesandter der iranischen Organisation für Kultur und islamische Beziehungen, wirkt da geradezu wie ein Liberaler, befürwortet er doch den Gebrauch von Verhütungsmitteln in der Ehe, "wenn dies aus sozio-ökonomischen Gründen sinnvoll erscheint".(aol-newsbote, 17.11.99)

Niederlande

  • (2826) Amsterdam. Die Vereinten Nationen haben nach Angaben des Amsterdamer Podium Verlages versucht, einen Text von Salman Rushdie zu zensieren. Rushdie hatte einen Beitrag für den Sammelband "Briefe für den sechsmilliardsten Weltbürger" geschrieben. Die Vereinten Nationen hätten nach Lektüre des Textes die Streichung einiger Passagen verlangt. Als der Verlag sich weigerte, habe sich die UNO von dem Buch distanziert und das bereits geschriebene Vorwort von UN-Generalsekretär Kofi Annan zurückgezogen, sagte Herausgeber Joost Nijsen. Rushdie habe zwar angeboten, den Text zu ändern. "Wir wollen aber nicht aus politischen Gründen einen literarischen Text verändern", so Nijsen.

    In den umstrittenen Textpassagen warnt der Autor vor Gefahren durch die Religion. "Die echten Religionskriege sind die Kriege, die Religionen gegen einfache Bürger in ihrem Einflussgebiet anzetteln. Es sind Kriege der Frommen gegen die vorwiegend wehrlosen Bürger. Amerikanische Fundamentalisten gegen Abtreibungsärzte, iranische Mullahs gegen die jüdische Minderheit in ihrem Land, Hindu-Fundamentalisten in Bombay gegen die immer ängstlicher werdenden Muslime in ihrer Stadt." Kritisiert wurde auch die Passage: "Selbst als die nicht-islamische Nato einen Krieg zu Gunsten der überwiegend muslimischen Kosovo-Albaner führte, dauerte es lange, bevor die muslimische Welt mit der humanitären Hilfe kam." Nijsen ist erstaunt über die Kritik. "Es sind alles unschuldige Sätze." Es sei schade, dass das Buch nun nicht wie geplant bei der Frankfurter Buchmesse an UN-Generalsekretär Annan übergeben werden könne. (Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 29.9.99)

Schweden

  • (2827) Stockholm. In Schweden wurde die Staatskirche 473 Jahre nach ihrer Einführung zum Jahreswechsel abgeschafft. Die Weichen zur Beendigung der Zwangsehe von Staat und Kirche hatte der Reichstag in Stockholm 1995 gestellt. Alle Parteien stimmten für eine entsprechende Neuregelung. Bereits 1996 war die in Schweden bisher mit der Geburt automatisch geltende Mitgliedschaft in der Staatskirche abgeschafft worden. Nach dem 1. Januar verlor die Kirche auch ihr Recht zur Eintreibung von Steuern. (Rhein-Zeitung, 30.12.99)

Großbritannien

  • (2828) London. In Großbritannien haben Christen dagegen protestiert, dass sich die meisten Radiostationen nach wie vor weigern, den jüngsten Song von Cliff Richard zu spielen. Sein "Milliennium-Gebet" – das Vaterunser gesungen zur Melodie des schottischen Volkslieds "Auld Lang Syne" - ist trotz des Boykotts auf Nummer 1 der Hitliste gelangt. Der Direktor der "Evangelischen Allianz" (EA), Joel Edwards (London), kritisierte das Verhalten vieler Sender als "Zensur". In einem Brief an die Leiter der Musikabteilungen von 115 Radiostationen verwies er darauf, dass sich die Medien sonst zu Recht gegen jede Art von Zensur stemmten; jetzt aber machten sie sich selbst dieses Verhaltens schuldig. Edwards: "Wenn diese Art der Zensur einer Radiostation in einem politischen Konflikt aufgezwungen würde, gäbe es eine Kampagne in den britischen Medien. Weil es sich aber gegen ein christliches Gebet in einem christlichen Land vor einem christlichen Jubiläum, nämlich dem zweitausendsten Geburtstag des Begründers, richtet, sehen manche diese Zensur nicht nur für akzeptabel, sondern sogar als moralische Pflicht an." Die Allianz repräsentiert über eine Million Christen in Großbritannien. Nicht nur Radiostationen, auch Cliff Richards Plattenfirma EMI hatte die Veröffentlichung der Platte verweigert. (Reformierte Presse, 22.12.99)

    Anm. MIZ: Nach Verlautbarungen aus kompetenten Kreisen soll das "Gebet" musikalisch so grauenvoll sein, dass selbst die konservative Times die Leserschaft vor dem mehr als kitschigen Gesingsang warnte. Jeder Hund müsse bei solcher Musik in der Küche aufheulen Das grauenhafte Video zum Song zeigt Sir Cliff Richard in zartrosigem Hemd vor den Schwarzweißbildern des Jahrtausends. Glücklich weinende Afrikanerkinder. Fröhlich behütete Bauarbeiter. Wunderschöne Autobahnauffahrten. Winkende Menschen auf der fallenden Mauer. Feldblumen sogar in Farbe. Cliff steht dumm lächelnd davor und schwingt seine Arme, als wolle er irgendwie seine Hände im Studio-Wind trocknen. Kurzum: Man sollte im Fall "Millennium-Prayer" wohl eher von gutem Geschmack der Radiosender sprechen anstatt von "Zensur".

  • (2829) London. Der zweithöchste Geistliche der anglikanischen Kirche Großbritanniens hat vorgeschlagen, dass der britische König künftig nicht mehr nur einen Eid auf den Schutz des protestantischen Glaubens ablegt. Auch das Verbot, eine Katholikin zu heiraten, sollte abgeschafft werden, sagte der Erzbischof von York, Hope. "Ich kann nicht einsehen, warum Mitglieder der königlichen Familie nicht heiraten dürfen, wen sie wollen." Ein 298 Jahre altes Gesetz untersagt den Königen die Heirat mit einer Katholikin. Die anglikanische Kirche hatte sich von der katholischen abgespalten, als Heinrich VIII. (1491-1547) sich weigerte, den Papst weiterhin als Oberhaupt der Kirche anzuerkennen. (Frankfurter Neue Presse, 27.12.99)

  • (2830) London. Hilflos mussten britische Mönche die nächtliche Randale eines Betrunkenen über sich ergehen lassen, denn wegen ihres Schweige-Gelübdes konnten sie ihn nicht zur Ordnung rufen. Wie die BBC berichtete, hatte der Fünfundfünfzigjährige die Mönche mit einer Solodarbietung der beliebtesten britischen Weihnachtslieder aus dem Schlaf gerissen. (Darmstädter Echo, 15.1.2000)

    Anm. MIZ: Selten so gelacht. Zum Glück gibt es hin und wieder doch Nachrichten, die uns mit dem kalten Universum versöhnen können...

Italien

  • (2831) Rom. Sündiges Rom: 150 Meter von den Mauern des Vatikans entfernt hat sich ein Sex-Shop eingenistet. Der Laden ist gut getarnt: Auf dem Türschild steht "Europa 92". Der 'vatikanische' Sex- Unternehmer Massimo freut sich über 30 Millionen Pilger, die im kommenden Jahr in Rom erwartet werden. "Frömmigkeit und Sex haben immer nebeneinander existiert. Zu unseren Kunden zählen etliche Priester und Vatikananagestellte", sagt ein Mitinhaber, der nur seinen Vornamen Massimo angeben wollte. Der "vatikanische" Sex-Shop liegt in der Via Vitelleschi, genau zwischen Petersdom und Engelsburg. Da die Pilgerbusse im Jubeljahr nicht an den Vatikan heranfahren dürfen, werden die Pilger durch die sündige Straße zum Papst marschieren müssen. Auch Prozessionen sollen am Sex-Shop vorbeiführen. Die römische Zeitung "Il Messagero": "Es gibt reichlich Flagellationsinstrumente zu kaufen. Aber die dienen wohl weniger der Erhebung des Geistes." (Berliner Morgenpost, 18.10.99)

  • (2832) Rom. Der Prozess gegen Giulio Andreotti, den langjährigen christdemokratischen Spitzenpolitiker und nach wie vor politisch und publizistisch aktiven Senator, war durch Angaben von reuigen Ex-Mafiosi ausgelöst worden. Die Staatsanwaltschaft glaubte, dem Angeklagten einen Einsatz für die Mafia und die Verbindung zu verschiedenen Mafia-Bossen nachgewiesen zu haben. Sie hatte eine Strafe von fünfzehn Jahren Haft, die Verteidigung dagegen Freispruch gefordert. Am Ende fehlten der fünften Straf-Sektion des Tribunals in der sizilianischen Hauptstadt Palermo die für eine Verurteilung nötigen ausreichenden und eindeutigen Beweise. Andreotti kam damit zu seinem zweiten Freispruch innerhalb von 29 Tagen. Das Verfahren werde als die "Ungerechtigkeit des Jahrhunderts" in Erinnerung bleiben, meinte Andreotti- Verteidigerin Giulia Bongiorno nach der Urteilsverkündung. Die junge Anwältin wollte nicht mehr vom "Prozess des Jahrhunderts" reden. Als solcher war das Verfahren oft bezeichnet worden, auch weil darin fünf Jahrzehnte christdemokratischer Herrschaft und die Verbindungen zwischen Politik und organisierter Kriminalität aufgearbeitet werden sollten. Der Vatikan und Politiker der einstigen Christdemokratischen Partei (DC) begrüssten das Urteil. Einer von ihnen, Rocco Buttiglione, heute Chef der kleinen italienischen CDU, meinte knapp: "Es ist auch ein Freispruch für die DC." Sein Freispruch machte Andreotti ausnahmsweise kurzfristig sprachlos, bevor er bekannte: "Ich kann eine gewisse Bewegung nicht verbergen." Er danke Gott, so der strenggläubige Katholik und enge Freund mehrerer Päpste, dass er diesen Tag noch habe erleben dürfen. (Baseler Zeitung, 25.10.99)

    Anm. MIZ: Nicht nur Andreotti war sprachlos, auch die meisten Prozessbeobachter. Dass Andreotti der "Garant" des Zusammenspiels zwischen Mafia und Politik gewesen sei, wisse jedes Kind, hatte Palermos Bürgermeister Leoluca Orlando schon vor einigen Jahren festgestellt. Bleich, wortkarg und geschlagen zogen die tüchtigen Staatsanwälte von dannen. Sie hatten den 21-fachen Minister und siebenfachen Ministerpräsidenten beschuldigt, einen "ruchlosen Pakt" mit dem organisierten Verbrechen eingegangen zu sein. Auf über einer Million Aktenseiten hatten die Ankläger Roberto Scarpinato und Guido Lo Forte mit ungewöhnlicher Akribie ein beeindruckendes Bild von der Vernetzung zwischen Politik und Kriminalität, zwischen der über Jahrzehnte regierenden Democrazia Cristiana, insbesondere von Andreottis Parteiflügel, und der sizilianischen Mafia-Variante Cosa Nostra zusammengetragen. Dass Andreotti trotz alledem freigesprochen wurde, hat er wohl weniger dem lieben Gott zu verdanken als der Tatsache, dass die Mafia auch heute noch einigen Einfluss auf den italienischen Staat hat und Andreotti anscheinend über ein gefährliches Wissen verfügt, das - sofern er auspacken würde - die politische Klasse in Italien bis ins Mark erschüttern würde

Vatikan

  • (2833) Vatikanstadt. Das Jubeljahr der katholischen Kirche hat mit Öffnung der Heiligen Pforte im Vatikan begonnen. Und damit der Rubel in den nächsten 371 Tagen auch ordentlich rollt, wurde das Großereignis in allen Medien herausragend gewürdigt. Nicht berichtet wurde in den Massenblättern von einer Aktion der Gruppe "Freie Christen für den Christus der Bergpredigt", darunter auch Deutsche. Die Kirchenkritiker verteilten während der Feierlichkeiten auf dem Petersplatz antiklerikale Informationsschriften - und wurden prompt verhaftet. Die Kriminalpolizei und sogar die Anti-Terror-Einheit waren sofort zur Stelle, rissen die Flugblätter an sich und durchsuchten die Hotelzimmer der Festgenommenen. Die Freien Christen beklagten die Ablasspraxis der katholischen Kirche und wiesen darauf hin, dass die Kirche für deren Verbrechen der vergangenen 2000 Jahre noch keine Wiedergutmachung und Entschädigung erbracht habe. Nach Aussage der verhinderten Protestler hatten die Polizisten später auf der Wache bekundet: "Der Inhalt [der Informationsschriften] entspricht zwar der Wahrheit, doch an einem Abend, an dem die ganze Welt nach Rom blickt, könnt ihr sowas nicht verteilen." (humanist.de, 28.12.99)

    Anm. MIZ: Der schöne Schein muss gewahrt bleiben und alle spielen mit: Kirche, Staat und Medien. Die Verbreitung von Wahrheit wird als Geschäftsschädigung empfunden. Keine gute Voraussetzungen für das unvollendete Projekt der Aufklärung...

Polen

  • (2834) Wroclaw. "Ein guter Titel in unglücklicher Zeit": Unter dieser Überschrift veröffentlichte die Tageszeitung "Slowo Polskie" auf Seite 1 die Nachricht, dass Altbundeskanzler Helmut Kohl von der Päpstlichen Theologischen Fakultät zu Wroclaw mit der Würde eines "doctor honoris causa sacrae theologiae" geehrt wurde. Weitere Informationen in dieser Angelegenheit würden nicht erteilt, sagte ein anonymer Sprecher der Katholischen Hochschule. Tatsächlich verlautete in örtlichen und zentralen Medien kein einziges Wort mehr über den peinlichen Fall. Selbst die sozialistische "Trybuna" hatte nach Angaben ihres Wroclawer Korrespondenten "keinen Bedarf" an dem Thema. Das mag daran liegen, dass die "Dollaranleihe" der KPdSU an die PVAP 1989/90, die immer wieder vom politischen Gegner aufgerollt wird, seinerzeit auch per Koffer "von Hand zu Hand" abgewickelt wurde. Die bürgerliche Presse hat andere Gründe zum Schweigen. "Polens größter Freund" als Rechtsbrecher ist höchst unbequem. Der deutsche "demokratische Rechtsstaat" gilt hier schließlich als Vorbild an westlicher und christlicher Tugend. Die überregionalen Tageszeitungen mit eigenen Korrespondenten in Berlin haben zwar zurückhaltend über die Kohl-Affäre berichtet, doch vor Kommentaren hütete man sich wie der Teufel vor dem Weihwasser. Die Warschauer "Polityka", deren Autor Adam Krzeminski stets den Finger am deutschen Puls hält, begnügte sich am 8. Januar mit einer 14-Zeilen-Information.

    Die offensichtliche Zurückhaltung polnischer Medien geht keineswegs auf den Befehl irgendeines "Pressebüros" zurück. Diesmal war es Außenminister Bronislaw Geremek, der im Fernsehen die Richtung wies: "Wir in Polen wollen uns zu einem laufenden Verfahren, wie es die CDU-Geldaffäre ist, nicht äußern." Helmut Kohl werde in die Geschichte Deutschlands und Europas als "Kanzler der Einheit" eingehen und die Geldsache werde sein Bild kaum trüben. Außenamtssprecher Pawel Dobrowolski übernahm diese Interpretation: Das politische Gewicht Helmut Kohls für die deutsch-polnischen Beziehungen sei durchaus positiv, und das zähle vor allen anderen "Momenten". Zur Ehrendoktorwürde wolle er sich umso weniger äußern, als dies die innere Angelegenheit einer kirchlichen Hochschule ist.

    Dass "Slowo" die Sache dennoch aufgriff, liegt vielleicht an den Herausgebern: Im Unterschied zu den meisten Tageszeitungen, die fest in deutscher Hand sind, steckt dieses Blatt in norwegischer Tasche. Der Sejmabgeordnete Ryszard Wawryniewicz, führendes Mitglied der Christlich-Nationalen Vereinigung (ZChN), meinte in der Zeitung, die Kirche kenne die Gnade der Vergebung, und die solle man Herrn Kohl zukommen lassen. (Neues Deutschland, 11.1.2000)

  • (2835) Auschwitz. Der mit seiner Kampagne zum Errichten von Kreuzen an der Gedenkstätte des ehemaligen Vernichtungslagers Auschwitz bekannt gewordene katholische Rechtsextremist Kazimierz Switon ist wegen Anstachelung zum Rassenhass verurteilt worden. Ein Gericht in Auschwitz verhängte über Switon eine Haftstrafe von sechs Monaten auf Bewährung und eine Geldstrafe von 400 Zloty (180 Mark). (taz, 13.1.2000)

Russland

  • (2836) Moskau. Im Kreml, einer früheren Hochburg des Atheismus, spielt Religion inzwischen eine immer stärkere Rolle - vom Christentum über den Islam bis hin zur Astrologie. Von Beginn an setzte der amtierende Staatspräsident Wladimir Putin Zeichen religiöser Aufgeschlossenheit.

    Bei seinem Amtsantritt hatte er den Segen des Oberhauptes der Russisch-Orthodoxen Kirche, Patriarch Alexej II., empfangen. Am 7. Januar besuchte Putin einen orthodoxen Weihnachtsgottesdienst in der wiederaufgebauten, aber noch nicht ganz fertiggestellten Moskauer Christuskirche. 1931 hatte Stalin die frühere Kathedrale sprengen lassen. Der ökumenischen Nachrichtenagentur ENI zufolge formulierte Putin in einer Weihnachtsansprache: "Warum ist Christus in die Welt gekommen? - Um die Menschen von Krankheit, Not und Tod zu befreien. In diesem Sinne ist Weihnachten ein Fest der Hoffnung."

    Auch die Astrologie hat im Kreml großen Einfluß gewonnen. Ex-Präsident Jelzin habe täglich von Vize-Sicherheitschef Georgij Rogosin ein Horoskop erhalten, berichtet das in Düsseldorf erscheinende Handelsblatt. Nach Rogosins Angaben hätten die Sterndeutungen "Zar Boris" vor etlichen Katastrophen bewahrt. Die neuen "Kreml-Astrologen" berechneten genau, zu welcher Uhrzeit man politische Gespräche führe, von welcher Seite man den Saal betreten und wo man sich setzen solle. Nach Rogosins Ansicht sind die religiösen Voraussetzungen für die jetzige russische Führung günstig. Am 5. Februar beginne das "Jahr des Drachens". Das sei vorteilhaft für den am 7. Oktober 1952 geborenen Putin. Seinem kommunistischen Gegenspieler, dem 1944 im "Jahr des Affen" geborenen Genadij Sjuganow, tue hingegen das Drachenjahr nicht gut. (idea online, 13.1.2000)

    Anm. MIZ: Ob Russland auf diese Weise die Krise überwinden kann? Spätestens seit der astrologiegläubige Ronald Reagan sein Land an den Rand des Konkurses führte, sollte man wissen: Wer sich in der Politik auf die Macht der Sterne verläßt, ist von allen guten Geistern verlassen.

Jugoslawien

  • (2837) Kosovo. Im Kosovo geraten albanische Katholiken ins Visier islamischer Extremisten. Darauf hat der Koordinator des "Jesuit Refugee Service" für den Kosovo, Mate Jakovic, hingewiesen. Vor allem Familien, aus denen ein Priester stammt, würden bedrängt. So seien die Häuser der Angehörigen von zwei Franziskaner- Patres niedergebrannt worden. Jakovic berichtete ferner von Grabschändungen. In kirchlichen Kreisen wurde bereits seit Monaten vermutet, dass hinter der Fassade internationaler Schutztruppen islamistische Eiferer Nicht-Muslime terrorisierten. (ARD-Videotext, 14.1.2000)

Bulgarien

  • (2838) Sofia. Erstmals seit 1947 beschäftigt Bulgarien wieder orthodoxe Geistliche in den Strafanstalten. Die Priester wurden von Justizminister Wassil Gozew in zwölf Gefängnissen und einer Besserungsanstalt angestellt. In den Kapellen der Strafanstalten werden die Priester Abendgebete und feierliche Gottesdienste abhalten. Sie wollen die Gefangenen auch seelsorgerisch betreuen. (dpa, 2.9.99)

Türkei

  • (2839) Istanbul. Einer der führenden Rebellenkommandeure in Tschetschenien hat die Einführung des islamischen Rechts für den Kaukasus gefordert. "Das Volk im Kaukasus ist ein moslemisches Volk, und der Kaukasus ist ein Teil der islamischen Welt", sagte der Jordanier Emir Chattab in einem Interview mit dem privaten türkischen Fernsehsender NTV. Moslems brauchten das islamische Recht (Scharia).

    Russische Truppen waren im Herbst 99 in die abtrünnige Kaukasus-Republik Tschetschenien einmarschiert, um dort nach offizieller Darstellung internationale Terroristen zu vernichten. Die Islamistische Tugend-Partei (FP) in der Türkei hat Ministerpräsident Bülent Ecevit aufgefordert, seinen Besuch in Moskau abzusagen. FP-Abgeordnete Abdüllatif Sener bezeichnete das russische Vorgehen als Völkermord. Es finde ein Völkermord statt, doch kein islamisches Land erhebe die Stimme.

    Laut Chattab fehlt es den Rebellen im Moment an nichts. Die Moslems brauchten nur ihre Religion und den "Heiligen Krieg". Allerdings benötigten sie "Glaubenskämpfer", sagte der Rebellenkommandeur und rief die Moslems damit praktisch auf, sich dem Kampf anzuschließen. Es sei eine religiöse Pflicht für die Türken, dem moslemischen Volk zu helfen, "weil das türkische Volk den Menschen im Kaukasus am nächsten steht", sagte Chattab. Chattab war neben dem Feldkommandeur Schamil Bassajew einer der Anführer der moslemischen Rebellen, die im August letzten Jahres in die Tschetschenien benachbarte Republik Dagestan eingefallen waren und dort einen islamischen Gottesstaat ausrufen wollten. Russland sucht Chattab und Bassajew mit internationalem Haftbefehl. (aol-newsbote, 2.11.99)

  • (2840) Istanbul. Türkische Studentinnen haben eine neue "Mode" kreiert, um das Kopftuchverbot an Universitäten zu umgehen. Da die jungen Frauen mit Kopftuch nicht in die Hochschulen gelassen werden, tragen einige von ihnen nun einen Hut über dem Kopftuch. Sobald sie die Kontrollen am Eingang passiert haben, setzten sie die Hüte wieder ab. Vorbild der Studentinnen könnte nach einen Bericht der türkischen Zeitung "Sabah" die islamistische Abgeordnete Merve Kavakci sein. Die Politikerin der Tugend-Partei (FP), die im Mai 99 bei der feierlichen Vereidigung im Parlament ein Kopftuch getragen und damit einen Tumult ausgelöst hatte, trug bei ihrer Hochzeit eine ähnliche Kopftuch-Hut-Kreation. In der Türkei wird das Kopftuch-Tragen als politisches Symbol zu Gunsten eines orthodoxen Islamismus angesehen und ist daher in öffentlichen Einrichtungen nicht erlaubt. (aol-newsbote, 5.11.99)

Nordamerika

USA

  • (2841) Kansas. In Kansas kann Darwin ein Problem sein. Im Schulbezirk Topeka ist der Chemieprofessor Steve Angel für Schulisches zuständig und findet, man könne die Entwicklungstheorie nicht streichen, wenn man Naturwissenschaften lehren will. Eine neue Verordnung aber hat auf demokratischen christlich-fundamentalistischen Druck hin die Entwicklungstheorie aus den Curricula entfernt und an ihre Stelle die Schöpfungsgeschichte gestellt. Die Lehrer vor Ort sind irritiert. Ein Verleger hat aus einem Werk über die Geologie von Kansas vorsichtshalber schon einmal das erste Kapitel entfernen lassen; es handelt von frühen Fossilien, von denen man einige "von großer Bedeutung" (Encyclopaedia Britannica) im Millionen Jahre alten Boden des Bundesstaates gefunden hat. Der Verleger wollte es einfach vermeiden, jemanden durch diese Information zu beleidigen.

    Dafür besteht eine statistische Wahrscheinlichkeit. In den USA haben sich bei der letzten verfügbaren Umfrage, 1997, nicht weniger als 44 Prozent aller Befragten zur biblischen Version bekannt, Gott habe den Menschen vor höchstens 10 000 Jahren geschaffen. In Kansas glauben das möglicherweise noch mehr Bürger. Und von militanten Entwicklungstheoretikern ("Darwinisten") ist wenig bekannt. Unter denen, die die biblische Schöpfungsgeschichte sehr wörtlich nehmen ("Kreationisten"), gibt es sehr kämpferische Leute. Sie wurden in den USA "Fundamentalisten" genannt, bevor dieses Wort zur Bezeichnung von Menschen aus dem neuesten "Reich des Bösen" gewendet wurde. (Frankfurter Rundschau, 19.1.2000)

  • (2842) Fort Worth. Der Amokläufer, der am 15. September 99 sieben Teilnehmer eines Jugendgottesdienstes in Fort Worth (Texas) tötete und sich dann selbst erschoss, wurde wahrscheinlich von religiösem Wahn angetrieben. Der nach dem Tod seiner Eltern vereinsamte Larry Gene Ashbrook (47) habe vorher seine Wohnung demoliert, in der man religiöse und anti-religiöse Schriften gefunden habe, teilte die Polizei mit. "Es sieht nach einem sehr gestörten Mann aus, der - aus welchen Gründen auch immer - die Dämonen ruhig stellen wollte, die ihn nicht in Ruhe ließen", sagte FBI-Offizier Bob Garrity. Nach Ansicht von Gemeindepastor Al Meredith steckt hinter der Tat der "Fürst der Finsternis". Aber selbst der Teufel könne die Christen nicht an Gebet und Nächstenliebe hindern. "Nie zuvor waren wir stärker vereint, haben wir intensiver gebetet und mehr geliebt", sagte der Pastor in einem Gedenkgottesdienst. Die Bluttat rief weltweit Entsetzen hervor. Der Generalsekretär der Baptisten in Deutschland, Eckhart Schaefer, schrieb an die Gemeinde, die Opfer seien "moderne Märtyrer". US-Präsident Bill Clinton forderte schärfere Waffengesetze. Der Gouverneur von Texas, George W. Bush, sagte, letztlich seien für solche Bluttaten nicht unzureichende Waffengesetze verantwortlich, sondern eine "Welle des Bösen". Bush: "Wir beten für mehr Liebe in unserer Gesellschaft." (idea-online, 21.9.99)

  • (2843) Joliet. Ein Gericht im US-Bundesstaat Illionois hat eine in einem Krankenhaus als Seelsorgerin tätige Nonne zu 150 Dollar Geldstrafe verurteilt, weil sie in den Toiletten rassistische Parolen auf die Wände gemalt hatte. Die Behörden teilten zu dem Vorfall mit, Schwester Dorothy T. (66) habe zu ihrem Treiben erklärt, sie habe eigentlich nur mal sehen wollen, wie das Krankenhaus auf Toilettensprüche wie: "Die weiße Rasse ist die überlegene Rasse" reagieren würde. Insgesamt fünf Badezimmer im Provena-Sankt-Josefs-Krankenhaus versah die Ordensschwester den Angaben zufolge mit rassistischen Parolen. Wegen dieser Aktivitäten wurde sie aus dem Krankenhausdienst entlassen. Außerdem muss sie zur Strafe einen 30-stündigen Sozialdienst ableisten. (taz, 6.11.99)

  • (2844) New York. Ein streng gläubiger Katholik hat in New York einen Anschlag auf ein umstrittenes Madonnenbild des Künstlers Chris Ofili verübt. Das Kunstwerk, das eine schwarze Jungfrau Maria darstellt, ist wegen pornografischer Anspielungen und der Verwendung von Elefantenkot in die Kritik geraten. Der 72-Jährige beschmierte Gesicht und Oberkörper der Madonnengestalt im Museum of Art mit weißer Farbe, bevor Sicherheitskräfte ihn festnahmen,berichtete die New York Times. Die Ehefrau des Täters gab später an, ihr Mann habe als streng gläubiger Katholik gegen "Gotteslästerung" protestieren wollen. (taz, 18.12.99)

Südamerika

Brasilien

  • (2845) Sao Paulo. Die New Yorker Börse hat eine Priesterin der afro-brasilianischen Candomble-Religion mit der spirituellen Reinigung des weltgrößten Finanzplatzes beauftragt. Um die bösen Geister zu vertreiben, zelebrierte Ilka da Silva insgesamt vier Reinigungsrituale an der Wall Street, wie die Zeitung "Folha de Sao Paulo" (Sonntagsausgabe) berichtete. Die Aura der Börse sei sehr schlecht gewesen, sagte die 56-Jährige. "Viel Konkurrenz und Neid." Um die Atmosphäre zu verbessern, habe sie Körbe mit aromatischen Kräutern aufgestellt, berichtete die Priesterin. "Ich habe nur das gemacht, was ich auch normalerweise in Brasilien mache." Da Silva lebt seit 1986 in New York. Über das brasilianische Konsulat, dem strengste Geheimhaltung auferlegt wurde, nahm der Direktor der Börse Kontakt mit der Priesterin auf. Ein Investor, der sein Büro an der Wall Street hat, bestätigte die Zeremonien, die die Börse seit 1997 veranstalten lasse. (aol-newsbote, 7.9.99)

Asien

Iran

  • (2846) Teheran. Ein iranisches Gericht hat nach Zeitungsberichten zwei Studenten wegen ihrer Rolle bei den Unruhen in Teheran im Juli 99 zum Tode verurteilt. Die Tageszeitung Fath berichtete unter Berufung auf eine Studentengruppe, die beiden Studenten namens Akbar Mohammadi und Ahmad Batebi hätten gegen den Islam Krieg geführt und müßten dies nach dem islamischen Gesetz der Scharia mit dem Tode büßen. Eine offizielle Bestätigung der Urteile gab es in Teheran nicht. (Frankfurter Rundschau, 26.12.99)

Israel

  • (2847) Jerusalem. Führende orthodoxe Rabbiner in Israel haben ihren Anhängern den Kontakt mit dem Internet verboten. In einem in Jerusalem veröffentlichten Aufruf heißt es, das Web stelle "eine schreckliche Gefahr" dar. Ein spezielles religiöses Gericht der Orthodoxen war vorher zu dem Schluss gekommen, das Internet führe Menschen in Versuchung und Sünde. Es bringe sie in Gefahr, ihren Trieben nachzugeben und "scheußliche Dinge" zu tun. Surfen sei "tausend Mal gefährlicher als fernsehen". Das Gericht nahm aber Rücksicht auf orthodoxe Juden, die während ihrer Arbeit auf das Internet angewiesen sind. Arbeitnehmer sollen die Benutzung auf ein Minimum beschränken und keinesfalls in ihrer Freizeit surfen. Die Rabbiner verboten außerdem, sich über den Computer oder an einem anderen Ort Filme anzusehen. Nach einem Bericht der israelischen Zeitung "Haaretz" waren die orthodoxen Rabbiner ursprünglich Computern und dem Internet wohlgesonnen. So haben Orthodoxe Websites im Internet eingerichtet oder benutzen das Thora Net. Doch seit einiger Zeit sehen die Rabbiner ihre Felle davonschwimmen. Ihnen sei "bittere Wahrheit" aufgegangenen, schreibt das Blatt. Sie befürchten jetzt, durch das Internet könnten viele Mitglieder zu starken weltlichen Einflüssen ausgesetzt sein. (heise.de, 7.1.2000)

    Anm. MIZ: Selig sind die, die arm im Geiste sind: Die Religionsgemeinschaften haben es in der heutigen Informationsgesellschaft offensichtlich immer schwerer, ihre Anhängerschaft für den Glauben ausreichend ungebildet zu halten.

Pakistan

  • (2848) Punjab. Mehrere hundert Frauen werden jedes Jahr in Pakistan allein aus Gründen der Ehre ihrer Familie oder ihres Stammes getötet. Darauf weist amnesty international in einem Bericht hin. Die Menschenrechtsorganisation deckt darin das Netz repressiver sozialer Normen und Traditionen auf, in dem Millionen pakistanischer Frauen gefangen sind. Schon der leiseste Verdacht, dass eine Frau "Schande" über ihre Familie gebracht habe, kann ihr zum Verhängnis werden. Täter sind häufig enge Familienmitglieder: Ehemänner, Väter, Mütter oder Brüder. Der pakistanische Staat unterstützt diese Praktiken und stellt sich meist auf die Seite der Mörder. "Tötungen um der Ehre willen werden in Pakistan mit der Tradition gerechtfertigt", so ai-Generalsekretärin Barbara Lochbihler. "Aber diese Traditionen wurden im Lauf der Zeit so verzerrt und korrumpiert, dass sie zu extremen Fällen des Mißbrauchs führen." Oft reicht schon ein Gerücht, das in einem Dorf kursiert und eine Frau der "Ehrverletzung" bezichtigt, dass die Frau umgebracht wird. Auslöser kann eine von der Familie nicht tolerierte Liebesbeziehung sein, der Versuch, einen Mann ihrer Wahl zu heiraten oder der Wunsch, sich scheiden zu lassen. Frauen leben in ständiger Angst, Opfer von "Ehr-Verbrechen" zu werden. Allein im Punjab wurden 1998 mindestens 286 Frauen aus diesem Grund umgebracht. Die Verbrechen geschehen oftmals mit der offenen Unterstützung des Staates. "Die Regierung ignoriert die Morde und unternimmt nichts, um sie zu untersuchen oder die Täter zu bestrafen", wie ai-Generalsekretärin Barbara Lochbihler erklärt. Die Polizei stellt sich bei solchen Straftaten fast immer auf die Seite der Männer. In den seltenen Fällen, in denen Täter verurteilt werden, kommen sie meist mit einer geringen Strafe davon. Dies geschieht, obwohl Pakistan die UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau unterzeichnet hat. (amnesty international, 22.9.99)

Indonesien

  • (2849) Molukken. Weder der muslimische Fastenmonat Ramadan noch die christlichen Weihnachtstage konnten die Gewalt bremsen: Rund 500 Menschen starben allein in der letzten Dezemberwoche 1999 auf den indonesischen Molukken bei den schlimmsten Unruhen seit Jahrzehnten. Und kein Tag vergeht ohne neue Schreckensmeldungen: So gingen auf Seram aufgeputschte Banden aufeinander los. Ganze Dörfer gingen in Flammen auf, mindestens 17 Menschen kamen ums Leben, so ein Militärsprecher. Genaue Zahlen sind kaum zu erhalten - zu abgelegen sind die Orte der Molukken, die sich auf 86.000 Quadratkilometern verteilen. Über 180.000 Menschen flohen mittlerweile aus ihren Dörfern. Ein Gerücht, eine Auseinandersetzung mit dem Nachbarn, ein Verkehrsunfall - geringste Anlässe reichen derzeit aus, um eine neue Mordwelle auszulösen.

    Immer lauter wird die Kritik an Regierung und Militär: Warum ist Jakarta unfähig, das Morden zu beenden? Bis Anfang letzten Jahres schienen Christen und Muslime auf den mehr als hundert Gewürzinseln rund 2.000 Kilometer östlich von Jakarta harmonisch zusammenzuleben. Anders als im Rest des Landes sind viele Molukken-Orte überwiegend christlich - Erbe der portugiesischen und holländischen Missionare, die einst mit den Händlern von Muskatnüssen und Gewürznelken kamen.

    Als die Gewalt vor einem Jahr begann und in Ambon erst Moscheen und Kirchen, dann Dörfer und Stadtviertel in Flammen aufgingen, waren Politiker und Militärs in Jakarta unvorbereitet. Inzwischen werfen Christen und Muslime Armee und Polizei vor, zugunsten der anderen Religionsgemeinschaft einzugreifen und Schutzgelder zu erpressen. Öffentliche Friedensgelöbnisse mit Politikern, Geistlichen und Uniformierten wurden - kaum waren sie ausgesprochen - wieder gebrochen. Auch ein Besuch von Präsident Abdurrahman Wahid und seiner Stellvertreterin Megawati Sukarnoputri im Dezember 99 half nicht, den "Wahnsinn" (Wahid) zu beenden. (taz, 5.1.2000)