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2001 - Meldungen 2993-3032

Europa

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  • (2993) Tübingen. Die Kirche sollte sich mehr mit Dämonen auseinander setzen. Das haben die Dozenten des Tübinger Albrecht-Bengel-Studienhauses gefordert. Im Gegensatz zur Gesellschaft, die sich zunehmend für übernatürliche Phänomene interessiere, schweige die Kirche böse Mächte weitgehend tot, hieß es bei einem Studientag. Der Rektor dieser studienbegleitenden Ausbildungsstätte für Theologen, Rolf Hille, sagte, an vielen Fakultäten herrsche die Ansicht, Dämonen seien Fabelgestalten. Mit der Verharmlosung widergöttlicher Mächte bewiesen die Theologen schlechte Bibelkenntnis und nähmen der christlichen Verkündigung ihre Zuspitzung. "Der aufgeklärte Spott über Teufel und Dämonen hat dem Glauben an Gottes Macht den letzten Ernst genommen. So wurde ein Vakuum erzeugt, in das der Aberglaube einströmt", kritisierte Hille. Umfragen zeigten, dass die Unkenntnis über Teufel, Götzen und Dämonen weit verbreitet sei. Besonders Jugendliche wendeten sich Wahrsagerei und Horoskopen zu, nähmen an spiritistischen Sitzungen teil und ließen sich von Satanisten zu schwarzen Messen einladen, ohne die Hintergründe zu kennen. Studienleiter Hartmut Schmid sagte, die Bibel warne vor heidnischen Göttern und okkulten Mächten. Statt dessen lade sie ein, im Gebet den direkten Kontakt zu Gott zu suchen. (idea-online, 22.5.01)

  • (2994) München. Die katholische Kirche in Bayern hat übermütigen Fußballspielern, Fans und Journalisten die gelbe Karte gezeigt. Das "Gerede vom Fußball-Gott" müsse beendet werden, befand der bayerische Sportprälat Karl-Heinz Summerer in München, der seit fast 30 Jahren Beauftragter für Kirche und Sport im Freistaat ist.. Das Beschwören eines "Fußball-Gottes" verstoße gegen das erste Gebot, das Gotteslästerung verbiete.

    "Ab heute glaube ich nicht mehr an den Fußball-Gott!", hatte Rudi Assauer, allmächtiger Manager von FC Schalke 04, am Ende des dramatischen Finales der Fußball-Bundesliga gestöhnt. Der Fußball-Gott ist Bayer!, meldeten die Zeitungen. Die katholische Kirche im Fußball-Land Bayern lief sofort Sturm gegen solche ungebührliche Rede. Sportprälat Summerer bemängelte das Bemühen des Fußball-Gotts, der mal den einen, dann den anderen zur Seite stehe, als ganz und gar unangebracht. Er ermahnte die Aktiven, Funktionäre, Journalisten und Politiker eindringlich: Man sollte den Ball auf dem grünen Rasen lassen und nicht in den Himmel heben. (Münchener Merkur, 23.5.01)

    Anm. MIZ: Die Assauersche Präzisierung des Theodizee-Problems (Wie kann ein gütiger und allmächtiger Gott existieren, wenn Bayern Meister wird?) führte leider nicht dazu, dass der Bau einer Kappelle im neuen Gelsenkirchner Fußball-Tempel gestoppt wurde. Ab nächster Saison werden sich ein katholischer und protestantischer Priester um die seelischen Nöte der Schalke-Fans kümmern...

  • (2995) Untertürkheim. Eine evangelische Kirchengemeinde hat vorerst verhindert, dass es in Untertürkheim wieder eine  Albert Dulk-Straße gibt. Auf Initiative der SPD-Gemeinderatsfraktion hin sollte ein Fußgängerweg nach dem Freidenker, der lange in Untertürkheim lebte, benannt werden. Da dieser jedoch als Verbindung zwischen alter und neuer Gartenstadtkirche genutzt wird, protestierte der Kirchengemeinderat dagegen. In einem Brief an den Untertürkheimer Bezirksbeirat wurde dieser aufgefordert, nach einer Alternative zu suchen. Hinter vorgehaltener Hand war zu hören, die Kirchenfunktionäre sähen die Benennung des Weges vor ihrer Gotteshaustür nach dem Freigeist und Begründer der ersten freireligiösen Gemeinde in Deutschland (vgl. MIZ 1/96) als gewisse Zumutung an. Der Bezirksbeirat gab daraufhin dem Drängen nach und verzichtete auf die Straßenumbenennung. (Stuttgarter Zeitung 23.5.01)

  • (2996) Rottweil. Weil sich die Hausmeisterin eines kirchlichen Gebäudes auf ihrer Website als Hexe bezeichnet und sich vor dem Treppenaufgang des katholischen Kindergartens als solche hat ablichten lassen, hat die katholische Kirchengemeinde Rottweil eine arbeitsrechtliche Abmahnung durch einen Rechtsanwalt veranlasst. Im Zusammenhang mit dem mit Ihnen abgeschlossenen Dienstvertrag ist auch Bezug genommen auf die Grundordnung des kirchlichen Dienstes, die Bestandteil des Vertragsverhältnisses ist, heißt es in dem anwaltlichen Schreiben. Im Übrigen weisen wir darauf hin, dass die Aufrechterhaltung der Website zur Auflösung des Dienstvertrages führen kann. (heise.de, 21.3.01)

  • (2997) Augsburg. Papst Johannes Paul II. hat in einem Mahnbrief an die deutschen Kardinäle Missbräuche im deutschen Katholizismus kritisiert. Trotz vieler lehramtlicher Klarstellungen gebe es „weiterhin Vorfälle in Liturgie, Predigt, Katechese und Gemeindeleitung, die nicht mit den lehrmäßigen und disziplinären Vorgaben der Kirche übereinstimmen“. Die Sprecherin der Deutschen Bischofskonferenz, Martina Höhns, bestätigte, das Schreiben sei an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann gegangen. Auch die anderen acht deutschen Kardinäle erhielten den Brief. Darin werden die Kardinäle aufgefordert, der Ökumene eine „noch bessere Orientierung“ zu geben - auf der Grundlage der Erklärung „Dominus Jesus“. Die umstrittene Erklärung betont den Vorrang der katholischen Kirche vor anderen Glaubensgemeinschaften. Das Papst-Schreiben ist auf der jüngsten Vollversammlung in Augsburg allen deutschen Bischöfen per Kopie zugegangen, ohne dass es zu einer Aussprache über den Text gekommen ist. (Berliner Zeitung, 13.3.01)

  • (2998) München. Als erstes Bundesland bietet Bayern in einem Pilotprojekt ab dem Schuljahr 2001/2002 islamischen Religionsunterricht in deutscher Sprache an. Das fördere die Integration und wahre zugleich die religiöse Identität, sagte Kultusministerin Monika Hohlmeier (CSU) in München. Derzeit nähmen ein Drittel aller türkischen Schüler am islamischen Religionsunterricht auf Türkisch teil. Der Unterricht auf Deutsch soll von erfahrenen Lehrern nach den Richtlinien erteilt werden, die vom bayerischen mit dem türkischen Schulministerium erarbeitet wurden. Das Pilotprojekt startet im September in den ersten Klassen von fünf Grundschulen. (Frankfurter Rundschau, 18.5.01)

  • (2999) Frankfurt. Die fristlose Kündigung eines „tempelunwürdig“ gewordenen Hausmeisters der „Mormonen“-Kirche ist rechtlich nicht zu beanstanden. Das hat das hessische Landesarbeitsgericht in einem Grundsatzurteil entschieden. Die Richter wiesen damit in zweiter Instanz die Klage des Hausmeisters zurück, ließen jedoch die Revision zum Bundesarbeitsgericht in Erfurt zu. Nach der handgreiflichen Auseinandersetzung mit seiner Ehefrau wurde dem Hausmeister von dem zuständigen Bischof der Tempelschein entzogen. Denn eine Misshandlung gilt als schweres Vergehen. Damit hatte der Mann keinen Zutritt mehr zu seinem Arbeitsplatz. Die Kirche verwies auf eine Bestimmung im Arbeitsvertrag, wonach bei einem Entzug des Tempelscheines außerordentlich gekündigt werden dürfe.

    Der klagende Arbeitnehmer vertrat die Auffassung, dass ihm der Tempelschein zu Unrecht entzogen worden sei und wandte sich gegen die Kündigung. Die Richter wiesen im Urteil jedoch auf das im Grundgesetz gewährte Selbstbestimmungsrecht der Kirchen hin. Vor diesem Hintergrund könne ein ordentliches Gericht nicht die „Schwere und Tragweite eines Loyalitätsverstoßes“ kirchlicher Mitarbeiter überprüfen. Mit dem Entzug des Tempelscheines und dem damit verbundenen Hausverbot am Arbeitsplatz hätten die formalen Voraussetzungen für eine sofortige Auflösung des Arbeitsverhältnisses vorgelegen. Hinweise auf eine willkürliche Behandlung des Arbeitnehmers oder einen Verstoß gegen die guten Sitten seien nicht erkennbar, so die Richter. (Frankfurter Rundschau, 7.5.2001)

  • (3000) Karlsruhe. Die umstrittene Glaubensgemeinschaft „Universelles Leben“ muss sich nach einem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts weiterhin „kritische Wertungen durch die Kirchen“ gefallen lassen. Die Kirchen dürfen dem Urteil zufolge andere Glaubensgemeinschaften beobachten und auch vor ihnen warnen. Das Gericht wies damit eine Verfassungsbeschwerde der Glaubensgemeinschaft zurück, die sich durch Beobachtungen der Sektenbeauftragten der Kirchen verfolgt gesehen hatte. (Berliner Zeitung, 19.4.01)

  • (3001) Siegen. Das Arbeitsgericht Siegen hat die fristlose Kündigung einer Krankenschwester, die in einem Krankenhaus der Diakonie angestellt ist, aufgehoben. Die Frau hatte auf einer Abteilungsfeier zusammen mit einem Assistenzarzt zu vorgerückter Stunde die Kollegen und Kolleginnen mit einem „table dance“-Striptease unterhalten. Daraufhin waren beide fristlos gekündigt worden, da ein solches Freizeitvergnügen nicht mit christlichen Moralvorstellungen vereinbar sei. Beschäftigte in kirchlichen Einrichtungen sind jedoch arbeitsvertraglich verpflichtet, auch ihr Privatleben an den Vorstellungen der Kirche auszurichten. Das Arbeitsgericht Siegen (AZ 3 CA 1358/00) hat Anfang März entschieden, dass die Strip-Einlage im Kollegenkreis nicht als so gravierend anzusehen sei, dass sie eine fristlose Kündigung rechtfertigen würde. Mit einer Abmahnung sei das Verhalten der Krankenschwester hinreichend geahndet. Die Entlassung des Arztes war bereits in eine fristgerechte Kündigung umgewandelt worden; der Mann hat mittlerweile einen neuen Arbeitsplatz gefunden. (Westfalenpost, 10.3.01)

  • (3002) Soest. Die Zahl der in Deutschland lebenden Moslems ist innerhalb eines Jahres um 160 000 angestiegen. Damit bekennen sich derzeit 3,2 Millionen Menschen in Deutschland zum Islam, wie das Zentralinstitut Islam Archiv in Soest mitteilte. 520 000 (16 Prozent) davon hatten einen deutschen Pass, wovon 11200 deutschstämmig waren. Die Zahl der moslemischen Kinder belief sich am Stichtag 1. März auf 840000. Von ihnen besuchten sieben Prozent die von den Moscheen eingerichteten Korankurse.

    Wie die einmal jährlich vorgenommene Umfrage weiter ergab, ist die Zahl derer, die Koran und Grundgesetz für vereinbar halten, von 36 Prozent auf 52 Prozent gestiegen. 87 Prozent der befragten Moslems befürworten die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts an den öffentlichen Schulen. In Deutschland gibt es derzeit 70 klassische Moscheen und 2204 Gebetshäuser. 32 Moscheen stehen den Angaben zufolge vor der Fertigstellung. (Frankfurter Rundschau, 21.4.01)

  • (3003) Berlin. Zwischen dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Andreas Nachama, und dem Initiator der Anatomie-Ausstellung „Körperwelten“, Gunther von Hagens, ist ein offener Streit ausgebrochen. Hagens wandte sich jetzt gegen Äußerungen Nachamas, die Schau sei möglicherweise die „logische Konsequenz dessen, was im 20. Jahrhundert schon passiert ist - da wurde kein Halt gemacht vor lebenden Menschen, da wurden menschliche Körper millionenfach von Mördern zu Asche verbrannt oder zu Seife verarbeitet, aus menschlicher Haut Lampenschirme hergestellt“.

    In einem Offenen Brief an Nachama verwahrt sich Hagens gegen einen inhaltlichen Zusammenhang seiner gegenwärtig in Berlin zu sehenden Ausstellung mit den Verbrechen der Nationalsozialisten. Nachamas Äußerungen beruhten auf Unkenntnis der Ausstellungswirklichkeit und gefährdeten „den Ruf der Jüdischen Gemeinde als ernst zu nehmende moralische Institution“. Die Ausstellung sei keine Folge, sondern „der Kontrast zum Horror des Massenmords und der Leichenberge in deutschen Konzentrationslagern“, meint Hagens in seiner Stellungnahme. „Damals wurden Menschen selektiert und ermordet, heute stellen sich Menschen ganz bewusst nach ihrem Tod in den Dienst gesundheitlicher Aufklärung.“ Eine Unterstellung geistiger Verwandtschaft zwischen dem menschenverachtenden Terror des Naziregimes und bisher sechs Millionen Besuchern der Ausstellung in vier Ländern sei „grobe Publikumsbeschimpfung und beleidigend“. Nachamas Logik folgend, müssten auch die anatomischen Dauerpräparate in Universitäten bestattet werden. (Frankfurter Rundschau, 22.3.2001)

  • (3004) Düsseldorf. Das Land NRW stockt seine Finanzhilfen für die jüdischen Gemeinden auf. Vor allem der Zuzug jüdischer Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion hatte die Mitgliederzahl seit 1992 von 7500 auf heute 24 000 anwachsen lassen. Statt bisher 5 Mio DM pro Jahr sollen die Gemeinden deshalb 6 Mio in 2001, 7,5 Mio in 2002 und 10 Mio DM in 2003 erhalten. Ministerpräsident Clement (SPD) und die Repräsentanten der jüdischen Gemeinden in NRW unterzeichneten den geänderten Staatsvertrag. (WAZ, 26.4.01)

    Anm. MIZ: Es ist erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit jüdisch-stämmige Einwanderer, die oftmals mit dem jüdischen Glauben nie in Berührung gekommen sind, den religiösen Gemeinden in Deutschland einverleibt und als Mitglieder gezählt werden.

  • (3005) Berlin. Manchmal muten politische Versuche, traditionell gewachsenen Zeremonien das Wasser abzugraben, ziemlich lächerlich an. Beim Stichwort „Jugendweihe“ wurde das in den zurückliegenden Monaten erneut deutlich. Da hatten tapfere politische Hinterbänkler, denen zumeist eine pathologische Abneigung gegen alles, was mit dem Begriff „DDR“ zusammenhängt, nachgesagt wird, Anfang Januar in Berlin einen neuen Verein gegründet. „Maiglocke“, so dessen Name, soll als Alternative zu den Jugendweihen „bürgerliche Feiern“ mit christlichen Bezügen veranstalten und sich an Eltern und Jugendliche wenden, die mit den Jugendfeiern unzufrieden seien, hieß es dazu aus Gründerkreisen.

    Noch immer entschieden sich nach Angaben des Maiglocke-Mitbegründers Günther Nooke 60 Prozent der 14jährigen Ostdeutschen für die Jugendweihe und nur 15 bis 16 Prozent für die Konfirmation. Der Rest feiere den Eintritt ins Erwachsenwerden überhaupt nicht. Dies ist dem CDU-Bundestagsabgeordneten und früheren „Bürgerbewegten“ Nooke offensichtlich unangenehm. Denn er und ein Teil seiner Gründer-Kollegen halten nach wie vor die Jugendweihen für eine DDR-Erfindung. Demzufolge, so der Schluß der Maiglocke-Fans, müsse man etwas dagegen tun. Nookes Mitkämpfer, wie der SPD-Allzwecktheologe Richard Schröder und der Bündnisgrüne Werner Schulz, sehen deshalb in ihrem Angebot eine tolle Initiative. An vier Kursnachmittagen sollen den jungen Leuten demokratische Werte und festliche Traditionen vermittelt werden. Auf dem Programm würde zudem ein Kirchenbesuch und ein Gespräch mit dem Pfarrer sowie eine Wochenendfahrt zu einem Umwelt- oder Sozialprojekt oder einer Gedenkstätte stehen, hieß es vage zu den Inhalten der Antijugendweiheveranstaltung. Kritiker sehen das als eine Art „Konfirmation light“, dem die tatsächliche Sinngebung fehlt. Lediglich mit einer Antihaltung werden die Initiatoren von Maiglocke Probleme haben, den traditionellen Jugendfeiern das Wasser abzugraben. (junge Welt, 21.2.01)

  • (3006) Karlsruhe. Im Prozess um den behördlich angeordneten Kopftuchzwang gegen zwei iranische Asylbewerberinnen wird das Bundesverfassungsgericht kein Urteil verkünden. Das Verfahren sei erledigt, weil die beiden Frauen Ende Januar in die Vereinigten Staaten ausgereist seien. Damit bestehe kein Rechtsschutzinteresse mehr.

    Der Zweite Senat hatte am 21. November über die Verfassungsbeschwerde der 36-Jährigen und ihrer 16-jährigen Tochter verhandelt. Das Nürnberger Ausländeramt hatte verfügt, die abgelehnten Asylbewerberinnen zwangsweise mit Kopftuch fotografieren zu lassen, um eine Abschiebung zu ermöglichen. Der Iran lässt Frauen nur einreisen, wenn ihre Papiere ein Bild mit Kopftuch enthalten. Die Frauen rügten eine Verletzung ihrer Religionsfreiheit. (Frankfurter Rundschau, 17.2.2001)

  • (3007) Altötting. Mit einer Hochglanzbroschüre voller Horrorszenarien sind die Marienkinder in Altötting in Erscheinung getreten: Flugblätter „extremistischer Gruppen“ seien im Wallfahrtsort Altötting fast an der Tagesordnung, sagte Pfarrer Wilhelm Probst. Selten aber derart absurd anmutende: „Das Tier der Apokalypse ist der Computer“, warnt die Broschüre. Mittels einer komplizierten Rechnung glauben die Marienkinder bewiesen zu haben, dass „der Computer“ für die Zahl „666“, sprich: „den Satan“, stehe und der Weltuntergang nun nicht mehr lange auf sich warten ließe.

    1983 gründete sich die Psychosekte in Mindelheim. Ihre Lehre bezeichnet sie selbst als katholisch, sie lehnt jedoch die Hand- und Stehkommunion und das „unselige Buch ,Gotteslob`“ ab. Auch gegen die kirchliche Erneuerung durch das 2. Vatikanische Konzil in den 60er Jahren stellt sie sich. Der Gründer der Sekte, Josef Zanker, hielt sich für die Stimme Mariens. Zu Prügelgewalt, Terror und sexuellem Missbrauch sah er sich - besonders in betrunkenem Zustand - genötigt, „um die Dämonen (in den Marienkindern) zu schwächen“. Nach einer schweren Prügelei spaltete sich 1993 ein Teil der Marienkinder unter dem ehemaligen katholischen Priester Johann Bauer ab. Der Geistliche kehrte ein Jahr später zur Mutterkirche zurück. Josef Zanker starb im Februar dieses Jahres. Seitdem ist über die Führung der Sekte nichts Konkretes bekannt.

    Die Marienkinder betreiben die Spedition AVE für Omnibusfahrten und Kühltransporte. Mit Dumpingpreisen überbieten sie das örtliche Angebot. „Die Sektenmitglieder werden für ein Taschengeld ausgebeutet“, mutmaßt der Augsburger Sektenbeauftragte Hubert Kohle. Zudem kursieren Gerüchte, ein größeres Wirtschaftsunternehmen sei Geldgeber. Denn die Herstellung der Hochglanzbroschüren kostet einiges und erfordert zudem den Einsatz moderner Technik - sprich: des „teuflischen Computers“. (Passauer Neue Presse, 23.3.01)

  • (3008) Bonn. „Neue Wege in der Jugendarbeit“ waren das Thema eines deutsch-britischen Kirchentreffens vom 4.bis 9.April in Bonn. Die Delegationen unter der Leitung des EKD-Ratsvorsitzenden Manfred Kock und des anglikanischen Bischofs von Coventry, Colin Bennetts, tauschten Anregungen für die Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation aus. Ihrer Meinung nach sollten Handys, Modeartikel und Technopartys zunehmend zu Trägern religiöser Botschaften werden, mit denen Jugendliche erreicht werden könnten. Die Evangelische Jugend Hannover führte wenige Wochen später prompt den ersten Jugendgottesdienst via SMS in Deutschland durch. Am 3. Mai, 9.00 Uhr verschicken die Initiatoren die erste SMS zum "Start in den Tag"; in der Zeit von 17.00 bis 17.30 Uhr erhielten die Teilnehmer des Online-Gottesdienstes fünf SMS-Nachrichten inklusive Bibeltext, Predigt, Fürbitte und Segen. (ARD-Videotext, 26.3.01, Netzzeitung, 3.5.01)

  • (3009) Frankfurt. Die Kosten des Evangelischen Kirchentags im Juni 2001 in Frankfurt am Main werden zur Zeit mit 22 Mio Mark veranschlagt. Das Land Hessen steuert dazu 5,1 Mio bei und die Stadt Frankfurt knapp 4 Mio. Damit wird der Kirchentag mit ca. 9 Mio DM aus öffentlichen Steuergeldern finanziert. (Frankfurter Rundschau, 8.3.2001)

  • (3010) München. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber erwägt, gegen das neue niederländische Sterbehilfegesetz, das unter bestimmten Umständen die aktive Sterbehilfe erlaubt, vor dem Europäischen Gerichtshof zu klagen. Nach einem Treffen mit Vertretern der evangelischen Kirche verlautbarte der CSU-Vorsitzende dies Ende April gegenüber der Presse. Das Gesetz verstoße nach seiner Auffassung gegen die europäische Grundrechtscharta. Auch könne nicht verhindert werden, dass im Zuge der Freizügigkeit in der Europäischen Union Methoden zur Sterbehilfe nach Deutschland kämen. (Frankfurter Rundschau, 26.4.01)

    Anm. MIZ: Beobachter sehen in Stoibers zuletzt häufiger werdenden Profilierungsbemühungen auf dem Feld der Außenpolitik ein Indiz für dessen Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur. Dass ausgerechnet der bayerische Ministerpräsident, der sich ansonsten als vehementer Vertreter föderalistischer Strukturen gibt, einen Eingriff in die inneren Angelegenheiten eines anderen EU-Mitgliedsstaates plant, zeigt, dass der Mann ein überaus „pragmatisches“ Verhältnis zu politischen Positionen hat.

  • (3011) München. Der Deutsche Orden, der sich in den 90er Jahren rund 120 soziale Einrichtungen, vorwiegend im Bereich der Krankenpflege und der Altenhilfe einverleibt hat, steckt in einer tiefen Finanzklemme. Während er noch im Juli 2000 seinen Jahresumsatz und sein Vermögen mit jeweils 500 Millionen DM angegeben hatte, bestehen heute Verbindlichkeiten von etwa 50 Millionen DM, für die neben der Kirche auch der Freistaat Bayern einspringen musste.

    Grund dafür war die vorzeitige und unter illegalen Umständen zustande gekommene Verleihung des Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts - allem Anschein nach auf Drängen seines prominentesten Mitglieds, des Ministerpräsidenten Stoiber, der den Status eines „Familiar“ in dessen Laienorganisation, dem Deutschherrenbund, innehat. Da derartige Körperschaften nicht Konkurs gehen können, musste nun der Freistaat mit öffentlichen Steuermitteln einspringen.

    In einer Landtagsdebatte forderte der SPD-Landtagsabgeordnete Schieder die Rücknahme der Anerkennung als Körperschaft, die Bayern als einziges Bundesland gewährt hatte. Der Bund fuer Geistesfreiheit Bayern wies darauf hin, dass die Verleihung unter falschen Voraussetzungen erfolgt sei, weil der Orden zwar 300 Mitglieder angegeben habe, in Wirklichkeit aber mehr als die Hälfte nur „Karteileichen“ waren, die inzwischen vom Orden selbst gestrichen wurden. Außerdem habe das Kultusministerium in diesem Ausnahmefall nur 200 Mitglieder verlangt, während bei anderen sich neu bewerbenden Gemeinschaften eine Mitgliederzahl von 12.000 zur Voraussetzung des Körperschaftsstatus gemacht werde. Selbst wenn diese Hürde von einem Promille der Bevölkerung als rechtlich fragwürdig einzustufen sei, so der bfg, müsse sich der Freistaat Bayern zumindest an seine eigenen Regeln halten.

    Inzwischen wurden Querverbindungen zu einer weiteren wegen krimineller Machenschaften in die Schlagzeilen geratenen Kirchenorganisation aufgedeckt: Die Deutsch Ordens Hospitalwerke (DOH) erhielten ihr Startkapital von der dubiosen Caritas-Trägergesellschaft Trier (CTT), deren Geschaeftsführer Doerfert kürzlich wegen Untreue zu sieben Jahren und drei Monaten Gefaengnis verurteilt wurde. Sein Caritas-Kollege Veit, gleichfalls wegen Untreue in die Schusslinie der Justiz geraten, ist seit Mitte 2000 Finanzchef des Deutschen Ordens. (Süddeutsche Zeitung, 15.2.01; Humanes Leben - Humanes Sterben 2/2001, S. 22; Freigeistige Rundschau, April 2001)

Niederlande

  • (3012) Amsterdam. Der niederländische Kardinal Adrianus Simonis hat der Regierung in Den Haag vorgeworfen, die Religion systematisch aus dem öffentlichen Leben zu verbannen. Die Regierung mache die Trennung von Staat und Kirche zum Dogma, erklärte der Kardinal in einem Interview in der Tageszeitung „De Volkskrant“. Glaube und Kirche bestünden für die Regierung nicht mehr. Die Kirche werde auf diese Weise völlig bedeutungslos gemacht. Simonis beklagte auch, dass in den von der Regierung geschriebenen Thronreden der Königin die Religion nicht mehr vorkomme. Dagegen übernehme die Regierung die Aufgaben der Gesellschaft beim Bestimmen von Werten und Normen. (Darmstädter Echo, 10.3.2001)

    Anm. MIZ: Die von Simonis kritisierte Verbannung der Religion aus dem Bereich der Politik hat dazu geführt, dass die Niederländer heute die unumstrittenen Vorreiter bürgerlicher Freiheitsrechte in Europa sind. Ob Homosexuellen-Ehe, Sterbehilfe oder Drogenfreigabe - die Niederlande sind sowohl Deutschland als auch den anderen europäischen Ländern stets einen Schritt voraus...

Schweiz

  • (3013) Fribourg. Für rückhaltlose Aufklärung bei von Priestern begangenen Sexualdelikten hat sich der Bischof von Lausanne, Genf und Fribourg, Bernard Genoud, ausgesprochen. Geistliche, die sexuelle Verfehlungen begangen hätten, dürften nicht zwischen den Diözesen und Ordensgemeinschaften hin und her geschoben werden, sagte der Bischof der Fribourger Zeitung „La Liberte“. Wenn ein Ordensoberer einen Pädophilen einer anderen Gemeinschaft „unterjubelt“, ohne dass Maßnahmen getroffen werden, dann sei das unanständig. (ARD-Videotext, 6.4.01)

Großbritannien

  • (3014) Birmingham. Im Kampf gegen Kindesmissbrauch will England alle Priester der katholischen Kirche von der Polizei überprüfen lassen. Die von der Kirche selbst beauftragte Kommission unter Leitung des früheren Berufungsrichters Lord Nolan schlug ferner vor, eine landesweite Datenbank mit Informationen über alle Priesteramtskandidaten anzulegen.

    Dadurch übernehme jedes erwachsene Kirchenmitglied die Verantwortung, eine sichere Umgebung für Kinder und Jugendliche zu schaffen, hieß es in Nolans Bericht weiter. Zudem soll die katholische Kirche aufgefordert werden, eine nationale Stelle zum Schutz von Kindern zu schaffen. In jeder Gemeinde müsse es einen Vertreter für Kinderschutz geben.

    Der Erzbischof von Birmingham, Vincent Nichols, unterstützte die Forderungen in einem BBC-Interview. Die Kirche müsse jeden sorgfältig prüfen, der sich um das Priesteramt bewerbe, sagte Nichols. Zwischen 1995 und 1999 wurden in England und Wales 21 der insgesamt 5600 katholischen Priester wegen Vergehen gegen Kinder verurteilt. (Focus, 17.04.01)

  • (3015) London. Königin Elizabeth II. ist nach Ansicht einer schottischen protestantischen Kirche für den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Großbritannien verantwortlich. Auch die Überschwemmungen und Zugunglücke der jüngsten Zeit gingen auf das Konto der Queen, weil diese im Oktober 2000 zu Papst Johannes Paul II. in den Vatikan gereist sei, meldete die britische Presse unter Berufung auf ein Schreiben von Kirchensekretär John MacLeod. Der Besuch beim „Antichristen“ habe die an das Alte Testament erinnernden Strafen über das Land gebracht. (Berliner Zeitung, 13.3.01)

Frankreich

  • (3016) Pau. Eine 38-jährige Deutsche und ihr französischer Ehemann sind in Frankreich zu jeweils sechs Jahren Haft verurteilt worden, weil die beiden Sekten-Mitglieder ihr kleines Kind sterben ließen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die beiden ihren mit einem Herzfehler geborenen Sohn entgegen der Empfehlung der Ärzte nicht operieren ließen. Der kleine Raphael starb 1997 im Alter von 18 Monaten.

    Die Deutsche und ihr 40-jähriger Mann gehören der Sekte „Tabithas Place“ an, die in den USA gegründet wurde. Die Mitglieder befolgen die Gebote der Bibel wortwörtlich. Die Gruppe hat in den USA einige hundert Anhänger und einen Ableger mit etwa 100 Mitgliedern im südfranzösischen Departement Pyrenées-Atlantiques. In Pau sind weitere 19 Mitglieder der Sekte angeklagt, weil sie ihre Kinder nicht einschulen und nicht impfen lassen. (Kurier, 23.3.2001)

  • (3017) Caen. Erstmals in Frankreich muss sich ein katholischer Bischof vor einer Strafkammer verantworten. Die Staatsanwaltschaft von Caen wirft dem Bischof der Diözese Bayeux-Lisieux, Pierre Pican, vor, einen pädophilen Pfarrer trotz Kenntnis der Straftaten nicht angezeigt zu haben. Mehrere Familien der Opfer hatten im Januar vergangenen Jahres gegen den Bischof Anzeige erstattet. Ein Gericht hatte den pädophilen Geistlichen wegen sexuellen Missbrauchs von elf Jugendlichen zu 18 Jahren Haft verurteilt. Der Bischof war damals als Zeuge geladen, hatte aber nicht ausgesagt. (Stuttgarter Nachrichten, 24.02.01)

Italien

  • (3018) Rom. Ein katholischer Priester in Italien hat mit einer drastischen Wahlempfehlung seine Schäfchen gegen sich aufgebracht. Wer bei den Parlamentswahlen am 13. Mai für das regierende Mitte-Links-Bündnis stimme, werde exkommuniziert und komme in die Hölle. Dies predigte Don Lino Dragu von der Kanzel seiner Pfarrkirche in Civitavecchia bei Rom. In einem Brief an die Lokalpresse forderten einige Gemeindemitglieder daraufhin, dass der Bischof der Diözese als Vorgesetzter des Priesters einschreiten und den parteipolitischen Predigten ein Ende setzen sollte. "Diesmal hat er die Grenze überschritten", kritisierten die Gläubigen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Don Lino für Unmut gesorgt - mit einem Gedenkgottesdienst zu Ehren des faschistischen Diktators Benito Mussolini. (News.ch, 28.4.01)

  • (3019) Rom. Zwischen der italienischen Regierung und dem Vatikan ist ein offener Streit um die angebliche Elektrosmog-Gefährdung von Menschen durch die Sendeanlagen von Radio Vatikan entbrannt. Ein Papst-Sprecher wies ein Ultimatum des Umweltministeriums zurück. Darin hatte der italienische Umweltminister Bordon angedroht, den Sendeanlagen den Strom abzudrehen, wenn es zu keiner Lösung innerhalb von zwei Wochen käme. Im Umfeld der Antennen von Radio Vatikan sollen vermehrt Leukämie-Erkrankungen festgestellt worden sein, die durch Elektrosmog verursacht sein könnten.

    Der Antennenwald, der die Frohe Botschaft in 37 Sprachen rund um die Welt schickt, liegt in ländlicher Gegend, einen Steinwurf vom idyllischen Bracciano-See entfernt. Seit längerem schon sollen sich seltsame Dinge im Schatten der rund 100 Meter hohen Sendemasten zutragen. Wenn manche Einwohner ihren Kühlschrank öffnen, ertönt die Stimme von Radio Vatikan. Andere berichten, schon wenn sie ihr Ohr an die Heizungsrohre in ihren Wohnungen halten, können sie die himmlischen Sphärengesänge der Kirchenfunker hören. Und wenn der kleine Vorortzug den mysteriösen Ort gut 20 Kilometer vor Rom passiert, dann gehen wie von Geisterhand entzündet plötzlich die Lichter in den Abteilen an - auch am hellen Tag.

    Ins Rollen kam die Affäre erst durch Klagen von Anwohnern, es gebe unter ihnen deutlich mehr Leukämiekranke als anderswo. Bereits vor einem Jahr präsentierte ein Arzt im Städtchen Cesano eine eigene Statistik. Demnach gibt es 30 Prozent mehr Leukämiefälle als sonst üblich. Anwohner schrieben einen Protestbrief an den Papst und appellierten an ihn, sie „von dem unsichtbaren Übel zu befreien“. Radio Vatikan, so die Bitte, möge sich einen anderen Platz für seine 30 Riesen-Antennen suchen.

    Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation stehe eine fundierte Studie über den Elektrosmog und die Leukämiehäufigkeit in dem Gebiet noch aus. Aber es herrsche ohne Zweifel eine „extreme Situation“, die Sendeanlagen seien von einer ganz ungewöhnlichen Stärke. „Ein einmaliges System, das in alle Welt senden kann.“

    Während sich die Experten über Emissionswerte streiten, ist aus der Angelegenheit ein politischer Fall geworden. Feinsinnig machte der Vatikan die Behörden darauf aufmerksam, dass sich der Antennenwald auf exterritorialem Gebiet befinde - der italienische Staat also gar kein Recht habe, tätig zu werden. Dies wiederum brachte den italienischen Umweltminister Bordon in Rage. „Das wäre ja, als wenn die Leute in einer Botschaft gefährliche Dinge aus dem Fenster werfen, die die Gesundheit der Bewohner gefährden.“ (ARD-Videotext, 18.3.01, Mainpost, 7.4.01)

    Vatikan

  • (3020) Vatikanstadt. Der Heilige Stuhl hat bestätigt, dass in Afrika Nonnen von Pfarrern oder Missionaren vergewaltigt worden sind. ,,Das Problem ist bekannt'', erklärte der Pressesprecher Navarro Valls. Aber man dürfe wegen einiger ,,negativer Fälle'' nicht die ,,oft heldenhafte christliche Treue der Mehrheit der Ordensleute vergessen''. Ein Bericht über die sexuellen Übergriffe war von dem US-Magazin ,,National Catholic Reporter'' gedruckt worden; die angesehene römische Tageszeitung „La Repubblica“ übernahm die Angaben. Der Artikel stützte sich auf einen Report, den zwei amerikanische Nonnen dem Vatikan 1995 vorgelegt hatten. Darin ist zum Beispiel von einem Priester die Rede, der eine geschwängerte Ordensfrau zur Abtreibung drängte; die Nonne starb, woraufhin der Geistliche die Trauerfeier zelebrierte.

    ,,Repubblica'' spricht von hunderten von Fällen sexueller Ausbeutung. Priester und Missionare vor allem in Afrika sollen katholische Ordensschwestern belästigen, zum Sex nötigen oder gar vergewaltigen. Wenn die Opfer schwanger würden, zwängen Kirchenmänner sie teilweise zur Abtreibung. Bereits 1995 habe die Kongregation für die Ordensberufe entsprechende Berichte erhalten. Diese seien aber unter Verschluss gehalten worden. „Die Anklagen (der Frauen) sind präzise und mit Namen und Vornamen unterschrieben“, schreibt das Blatt.

    „Es ist wie ein Schlag in den Magen. Es wird von sexuell ausgebeuteten Schwestern berichtet, die von Priestern und Missionaren verführt oder vergewaltigt werden“, heißt es unter Berufung auf Vatikan-Archive. „Es passiert häufig, dass Priester die Schwestern auffordern, die Pille zu nehmen“, schreibt Vatikan-Experte Marco Politi. „Es passiert aber auch, dass in einer Ordensgemeinschaft an einem Ort 20 Schwestern schwanger sind.“

    „Ordensschwestern sind von Priestern finanziell abhängig, die im Gegenzug sexuelle Dienstleistungen fordern können“, berichtet eine Ordensschwestern „Repubblica“ zufolge. Derartige sexuelle Übergriffe gebe es aber auch in Brasilien, Kolumbien, Indien, den Philippinen und sogar in Italien und Irland. (Spiegel-Online, 20.3.01, Stuttgarter Zeitung, 22.03.01)

Griechenland

  • (3021) Athen. Eine „Pilgerfahrt auf den Spuren des Apostels Paulus“ wird Papst Johannes Paul II. nach Griechenland, Syrien und Malta führen. Eigentlich hätte die Reise schon im Jubiläumsjahr 2000 stattfinden sollen, doch der Widerstand der griechisch-orthodoxen Kirche hatte den Besuch bisher vereitelt. Wäre es nach der griechischen Kirche gegangen, würde die Pilgerfahrt des katholischen Kirchenoberhauptes auch jetzt nicht stattfinden. Erst die Einladung des Papstes durch Staatspräsident Kostis Stefanopoulos zwang Erzbischof Christodoulos, den Gast zähneknirschend zu akzeptieren.

    Besonders herzlich wird der Empfang kaum ausfallen. Bei den drei Begegnungen zwischen dem Papst und dem Erzbischof von Athen und ganz Griechenland steht kein einziges gemeinsames Gebet auf dem Programm. In einem Interview für das italienische Fernsehen formulierte Christodoulos forsch seine Erwartungen an den Papst. Er erhoffe sich von Johannes Paul II. „ein Wort der Selbstkritik und ein Wort der Liebe, vor allem für die Griechisch-Orthodoxen“, sagte der Erzbischof. Höhepunkt des Athen-Aufenthalts soll ein gemeinsamer Besuch des Areopags sein, jener Ort, an dem der Apostel Paulus sich predigend an die wenig interessierten Athener gewandt hatte. Besonders hier fürchten die Sicherheitskräfte Störaktionen der Gegner des Besuchs, die bereits drei Gebetstreffen gegen den Papst veranstaltet haben. Vor allem jene 500 000 ultrakonservativen Orthodoxen, die sich 1930 von der griechisch-orthodoxen Kirche abgespalten haben und die am Julianischen Kalender festhalten, wehren sich gegen den Besuch. (Berliner Zeitung, 4.5.01)

    Polen

  • (3022) Warschau. Ein katholischer Priester ist in Polen wegen sexuellen Missbrauchs zweier zwölfjähriger Jungen zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Es handelte sich um eines der ersten derartigen Verfahren gegen einen Kleriker im katholisch geprägten Polen. Der Prozess fand hinter verschlossenen Türen statt; die Identität des Priesters wurde nicht bekannt. Nach einem Bericht der polnischen Nachrichtenagentur PAP war der 36-Jährige in allen Punkten geständig. Der Missbrauch wurde im vergangenen Jahr aufgedeckt, als einer der Jungen mit Alkoholvergiftung von einem Gottesdienst nach Hause kam. Im Krankenhaus berichtete er, der Priester habe ihm den Alkohol aufgenötigt, pornografische Filme gezeigt und ihn anschließend missbraucht. (Kurier, 06.04.01)

  • (3023) Warschau. In Polen hat die katholische Kirche ein historisches Signal für die Aussöhnung mit den Juden gesetzt. Die Bischöfe des Landes entschuldigten sich erstmals offiziell für das an den polnischen Juden begangene Unrecht. Auslöser dieses Schritts waren die Enthüllungen des polnischen Historikers Jan Gross, der nachwies, dass das Massaker an den jüdischen Einwohnern des Ortes Jedwabne im Nordosten des Landes im Juli 1941 von ihren katholischen Nachbarn begangen wurde. Das Buch von Gross hat in Polen eine heftige Debatte um die Rolle von Polen als Helfer der NS-Besatzer ausgelöst. (Bayrischer Rundfunk, 27.05.01)

    Russland

  • (3024) Moskau. Der wegen seiner provokanten Bühnenschau berüchtigte US-Sänger Marilyn Manson ist der russisch-orthodoxen Kirche nicht geheuer. Der Sänger sei „eine extrem unmoralische und zynische Persönlichkeit, die viele satanische Symbole, Worte und Bilder verwendet“, sagte ein Kirchensprecher. Daher solle das bereits ausverkaufte Konzert in Moskau abgesagt werden. Solche Veranstaltungen stellten eine Beleidigung für religiöse und nationale Gefühle dar. „Noch besser wäre es, wenn die Behörden in Zukunft alle Konzerte dieser Art untersagten, auch wenn sie Geld einbringen“, fügte Wsewolod Tschaplin hinzu.

    Marilyn Manson selbst, der gerne grell geschminkt und in Lack und Leder auftritt, verteidigte sich in einem Interview mit der russischen Wirtschaftszeitung „Kommersant“: Wenn er auf der Bühne stehe, lasse er sich gehen. Außerdem hätten alle Musiker sexuelle Elemente in ihren Bühnenauftritten. „Aber meine Kostüme sind mit mehr Phantasie gemacht als die meiner Kollegen.“ (Mittelbayerische Zeitung, 24.2.01)

Nordamerika

USA

  • (3025) Indianapolis. Wegen Steuerschulden hat die Regierung im US-Bundesstaat Indiana eine Baptistenkirche enteignet. Mehr als 150 Polizeibeamte beschlagnahmten in Indianapolis im Auftrag des Finanzministeriums das gesamte Eigentum der Kirche. Das Gebäude der etwa 2000 Mitglieder zählenden Kirche „Baptist Temple“ soll jetzt versteigert werden, um die sechs Millionen Dollar Steuerschulden der Gemeinde zu tilgen.

    Der Pastor und vier Kirchenmitglieder hätten bei der Polizeiaktion hinausgetragen werden müssen, hieß es. Der unabhängige „Baptist Temple“ zahlt aus religiösen Gründen schon seit 1984 keine Steuern mehr. Kirchenvertreter begründeten ihren Steuerboykott damit, dass sie als Christen unter der Oberhoheit Gottes stünden und dem Staat nichts schuldeten. Kirchen in den USA sind von den meisten Steuern befreit, müssen aber ihren Angestellten die Einkommenssteuer vom Lohn abziehen und Beiträge zur staatlichen Rentenversicherung leisten. (Darmstädter Echo, 17.2.01)

Afrika

Ghana

  • (3026) Accra. Seinen festen Glauben an ein Zaubermittel zum Schutz vor Gewehrkugeln hat einem jungen Mann in Ghana das Leben gekostet. Zwei Wochen lang hatte er die Anweisungen eines Magiers befolgt und sich mit Kräutern eingerieben. Als er einen Freund bat, die Wirkung zu testen, tötete ihn der Schuss des Freundes. (ARD-Videotext, 16.03.01).

Asien

Israel

  • (3027) Nazareth. Die Christen im Heiligen Land haben den israelischen Ministerpräsidenten Sharon aufgefordert, die Genehmigung für den Moscheebau in Nazareth zurückzunehmen. Ein islamisches Gebetshaus direkt neben der Verkündigungs-Basilika wäre Anlass für einen Dauerstreit, heißt es in einem Brief des Franziskaner-Kustos Giovanni Battistelli an den israelischen Regierungschef. Das christliche Gotteshaus geriete durch das Projekt in einen „Belagerungszustand“, der freie Zugang zu den Heiligen Stätten wäre gefährdet. (ARD-Videotext, 8.4.01)

  • (3028) Jerusalem. Über Ostern soll in der Grabeskirche eine „blutende Christus-Ikone“ entdeckt worden sein. Am Karfreitag, heißt es, hätten Pilger das Phänomen erstmals bemerkt, wonach auf einer Darstellung der Auspeitschung Christi durch römische Soldaten den Schienbeinen des Gemarterten in regelmäßigen Abständen Blut wie aus einer frischen Wunde entströme. „Namentlich nicht genannte Jerusalemer Kirchenführer“ sollen schon von einem „Osterwunder“ gesprochen haben, auch der Vatikan sei bereits informiert.

    Pater Angelo von den Franziskanern freilich, der jeden Tag 20 Meter von dem Bild entfernt eine Etage höher vor dem Golgothafelsen eine Messe liest, hat von der ganzen Geschichte noch nie gehört. Und ein griechischer Mönch, der vor dem heiligen Grab Wache hält, lächelt nur dezent. An der Sache sei nichts dran, meint er überlegen, außer in den Köpfen der Russen, Griechen und Rumänen, die hier immer wieder Ikonen mit Parfüm besprühen und dann in die Knie gingen, wenn sich danach die Farbe auflöse. (Welt, 30.04.01)

Indien

  • (3029) Delhi. Auf Drängen eines Hindupriesters müssen alle Bürger der Stadt Palwal im Norden Indiens zu Vegetariern worden. Der Stadtrat beschloss, alle 100 Metzgereien, die vor allem von Moslems betrieben werden, zu schließen. Palwal hat 150 000 Einwohner und liegt südlich von Delhi. „Ich habe darunter gelitten, Metzgereien zu sehen. So etwas ist nicht richtig“, sagte der Priester Kamla zur Begründung seiner Initiative. Die Restaurants der Stadt dürfen von nun an nur noch vegetarische Gerichte servieren.

    Die Bürger befürchten nun Zusammenstöße zwischen Hindus und Moslems, da der Islam das Schlachten von Tieren nicht verbietet und moslemische Metzger in Palwal arbeitslos geworden sind. „Bislang haben Hindus und Moslems hier friedlich zusammengelebt, aber nun kann alles passieren“, sagte ein Einwohner Palwals. Von den mehr als eine Milliarde Indern sind 82 Prozent Hindus und zwölf Prozent Moslems. Wegen der Gewaltlosigkeit, die .der Hinduismus lehrt, leben viele Hindus vegetarisch. Kaum ein Hindu würde Rindfleisch essen, da Kühe als heilig gelten. Geflügel, Ziege und Lamm stehen mittlerweile aber auch auf der Speisekarte eines großen Teils der Hindufamilien. Sie essen Fleisch jedoch vorzugsweise in Restaurants und bereiten es nicht zu Hause zu. (Neues Deutschland, 30.3.01)

Iran

  • (3030) Teheran/Berlin. Amnesty international hat vor der Reise des Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse in den Iran eindringlich an den Politiker appelliert, die Menschenrechte bei seinen Gesprächen mit der iranischen Führung zur Priorität zu machen. „Die Meinungsfreiheit ist im Iran nicht gewährleistet“, kritisiert Barbara Lochbihler, Generalsekretärin der deutschen Sektion von amnesty international. „Wolfgang Thierse soll sich bei seinen Gesprächspartnern für die Freilassung der sieben gewaltlosen politischen Gefangenen einsetzen, die nach dem Besuch einer Tagung der Heinrich-Böll-Stiftung im letzten Jahr verhaftet und am 13. Januar 2001 zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden.“

    Unter ihnen ist der Journalist Akbar Ganji, dessen Recherchen zu Morden an Regimegegnern vor zwei Jahren die Beteiligung des iranischen Geheimdienstes aufdeckte. Er erhielt 10 Jahre Haft für die „Beleidigung des Ayatollah Khomeini“ und die „Verbreitung von Propaganda gegen das islamische System“. In der Haft während des Prozesses wurde er Berichten zufolge von Wachpersonal getreten und geschlagen und in Einzelhaft ohne Kontakt zu seiner Familie oder einem Anwalt gehalten. Auch der Dolmetscher Saeed Sadr wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Gegen den Dolmetscher und Übersetzer Khalil Rostamkhani wurden neun Jahre, gegen den Chefredakteur der inzwischen verbotenen Zeitschrift „Iran-e-Farda“ Ezzotollah Sahabi vier Jahre Haft verhängt. Ebenfalls vierjährige Haftstrafen erhielten die beiden Frauen- und Menschenrechtlerinnen Mehrangiz Kar und Shahla Lahiji. Über Anklagen gegen Mehrangiz Kar wegen „Verstoßes gegen die islamische Kleiderordnung“ steht ein Gerichtsurteil noch aus. Der Aufenthaltsort des zu viereinhalb Jahren Haft verurteilten Studentenvertreters Ali Afshari ist zur Zeit weder seiner Familie noch seinem Anwalt bekannt. amnesty international betrachtet alle sieben Verurteilten als gewaltlose politische Gefangene, die nur von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht haben.

    Besonders besorgt ist amnesty international über das Justizsystem im Iran. In den ersten drei Wochen dieses Jahres wurde mit 12 offiziell belegten Hinrichtungen ein deutlicher Anstieg der Vollstreckung von Todesurteilen verzeichnet. Viele Tatbestände, die bis zur Todesstrafe führen können, sind im Strafgesetzbuch nur vage umschrieben. Die Richter sind gleichzeitig Ankläger - damit ist eine unabhängige Rechtssprechung nicht möglich. Die Prozesse vor Sondergerichten und sogenannten Revolutionsgerichten finden häufig im Schnellverfahren und unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Nach wie vor werden im Iran Körperstrafen wie Auspeitschen oder Amputationen von Gliedmaßen vollstreckt. Barbara Lochbihler: „Der deutsche Bundestagspräsident muss die Gespräche im Iran nutzen, um gegen diesen eindeutigen Verstoß gegen das Verbot der Folter und grausamer oder unmenschlicher Strafen zu protestieren und eine unabhängige Justiz nach internationalen Standards anzumahnen.“ (amnesty international, 5.4.01)

      (3031) Teheran. Die von Konservativen kontrollierte iranische Justiz hat den Reformern einen weiteren Schlag versetzt. Mehr als 30 Oppositionelle oder Anhänger des reformorientierten Staatspräsidenten Mohammed Chatami wurden nach Oppositionsangaben festgenommen, unter ihnen zwei frühere Minister. Die meisten Festgenommenen stammen aus dem Umfeld der Partei Iranische Befreiungsbewegung. Sie wurde von Mehdi Basargan gegründet, dem ersten Regierungschef nach dem Sturz des Schahs 1979.

      Die Chatami nahe stehende Partei ist zwar verboten, ihre politischen Aktivitäten wie die Aufstellung von Kandidaten bei Wahlen wurden bislang jedoch toleriert. Nun wurde offiziell Anklage gegen den Direktor der reformorientierten Regierungszeitung „Iran“, Hossein Sijai, erhoben. Er wird unter anderem der „Diffamierung“ und „Verbreitung von lügnerischen Artikeln“ beschuldigt.

      Das Teheraner Revolutionsgericht sprach von mehreren Verhaftungen wegen geplanter „Umsturzversuche“, ohne zunächst die Zahl oder Namen der Festgenommenen zu nennen. Zu den Verhafteten zählten der frühere Teheraner Bürgermeister Mohammad Tavassoli, ein einflussreiches Mitglied der Iranischen Befreiungsbewegung, Chosro Mansurian, der bekannte Oppositionelle Fasllolah Salavati aus Isfahan sowie die früheren Minister für Inneres und Justiz unter Basargan, Haschem Sabaghian und Achmad Sadr.

      Am 9. Juni finden in Iran Präsidentschaftswahlen statt. Staatschef Chatami hat bislang offen gelassen, ob er sich um eine zweite Amtszeit bewerben will. Die Konservativen um den geistlichen Führer Irans, Ayatollah Ali Chamenei, hintertreiben Chatamis reformorientierte Politik durch Verhaftungen und Verurteilungen vor allem von Journalisten. Innerhalb eines Jahres wurden in Iran 17 Tageszeitungen und rund zwanzig weitere Publikationen verboten. (Freie Presse, 8.4.01)

    Afghanistan

    • (3032) Islamabad. Die Kennzeichnungspflicht für Hindus in Afghanistan ist international scharf verurteilt worden. Die Anordnung, nach der Hindus eine gelbe Markierung auf der Kleidung tragen müssen, stelle eine schwere Verletzung der Menschenrechte dar, erklärte UN-Generalsekretär Kofi Annan in New York. Sie rufe Erinnerungen an die schlimmsten Diskriminierungen von Menschen in der Geschichte wach.

      Die radikalislamische Taliban-Führung Afghanistans hatte zuvor bestätigt, dass Angehörige der Hindu-Minderheit künftig ein gelbes Kennzeichen auf der Brust tragen müssen. Mullah Abdul Hannan Himmat vom Informationsministerium in Kabul sagte, auf diese Weise könne die Religions- und Sittenpolizei die afghanischen Hindus von Moslems unterscheiden. Männliche Moslems müssen Bärte und Turbane tragen, Frauen sich von Kopf bis Fuß verschleiern. Außerdem sind fünf Gebete am Tag vorgeschrieben. Die Sittenpolizei verprügelt Menschen auf offener Straße, die dagegen verstoßen. Das Abzeichen für Hindus kennzeichnet daher nicht nur diese Minderheit: Männer ohne Bart oder Turban, die kein Zeichen tragen, sind damit als rebellische Moslems zu erkennen.

      UN-Generalsekretär Annan rief die Taliban auf, die von der Religions- und Sittenpolizei gewollte Kennzeichnung der Hindus nicht zu erlauben. Die Taliban-Regierung müsse sich auf die Linderung der Leiden der afghanischen Bevölkerung und auf die Herstellung von Frieden und Sicherheit konzentrieren. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Mary Robinson, und UNESCO-Generaldirektor Koichiro Matsuura bezeichneten die Taliban- Anordnung als „ein Rückfall in die dunkelsten Epochen der Menschheits-Geschichte“. In ihrer in Paris veröffentlichten gemeinsamen Erklärung hieß es weiter: „Ähnliche Praktiken in der Vergangenheit, von Nazi-Deutschland in den dreißiger Jahren bis Ruanda in den frühen neunziger Jahren, haben zu den fürchterlichsten Verbrechen geführt.“

      Frankreichs Außenministerium kritisierte die Maßnahme der Taliban ebenfalls scharf. Auch in Indien wurde das Vorgehen der Taliban mit dem Judenstern unter den Nazis in Deutschland verglichen. Die USA verurteilten die Maßnahme als „die jüngste in einer Serie von himmelschreienden Unterdrückungen“. (Mittelbadische Presse, 24.5.01)