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2002 - Meldungen 3127-3155

Europa

Deutschland

  • (3127) Würzburg. Eine künftige Verfassung der Europäischen Union soll mit einer Anrufung Gottes beginnen. Das haben das deutsche Komitee zur Seligsprechung Robert Schumans und die Gesellschaft zur Förderung der Europäischen Einigung aus christlicher Verantwortung bei ihrer Plenarsitzung in Würzburg gefordert. Damit solle deutlich werden, dass die Mitgliedsstaaten der EU sich der Wurzeln ihrer 3000 Jahre alten Kultur bewusst seien und ihren Umgang mit der Schöpfung vor Gott verantworten. Hans August Lücker, Exekutiv-Präsident des Schuman-Komitees und früherer Vizepräsident des EU-Parlaments, wird den Beschluss persönlich dem Präsident des EU-Verfassungskonvents, Valery Giscard d'Estaing, überreichen.

    Das Seligsprechungsverfahren für Schuman befindet sich nach Angaben des Komitees in seiner entscheidenden Phase. Noch im Herbst sollen die vollständigen Unterlagen nach Rom gesandt werden. Zum Jahresende 2004 könne eine Entscheidung erwartet werden, sagte Lücker, der selbst bereits vor zwei Jahren 7.000 Seiten Bild- und Textdokumente zum Lebenswerk des europäischen Politikers im Vatikan eingereicht hat.

    Schuman war französischer Ministerpräsident, Außenminister und Präsident des Europäischen Parlaments. Papst Johannes Paul II. hat ihn als "authentischen Christen, zugleich außergewöhnlich fähigen Staatsmann und ewiges Vorbild für alle Verantwortlichen am Aufbau Europas" bezeichnet. Das Komitee zur Seligsprechung Robert Schumans wurde 1991 in Würzburg gegründet und umfasst rund 75 Persönlichkeiten aus Politik und Kultur. Präsident ist der Augsburger Bischof Viktor Josef Dammertz. (www.religion.orf.at, 1.5.02)

  • (3128) Bonn/Hannover. Die katholische Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) haben das Bundestags-Mehrheitsvotum gegen eine Verschärfung der strafrechtlichen Regelungen zum Schutz religiöser Gruppen und Überzeugungen bedauert. "Es wäre eine Klarstellung gewesen. Wir bedauern, dass es nicht dazu kommt", sagte EKD-Sprecher Thomas Krüger der dpa in Hannover. Die EKD hoffe darauf, dass die bestehenden Gesetzestexte strenger angewandt werden.

    Ähnlich äußerte sich die katholische Kirche. "Wir bedauern, dass es nicht zu einem besseren Schutz gekommen ist", sagte Prälat Karl Jüsten, Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe in Berlin. Es sei zu hoffen, dass in der nächsten Legislaturperiode ein neuer Anlauf unternommen werde, zumal Union und FDP hier Handlungsbedarf sähen. CDU und CSU waren im Bundestag mit einem Gesetzesentwurf gescheitert, durch den eine Regelung aus dem Strafgesetzbuch gestrichen werden sollte, wonach eine Beschimpfung von religiösen und weltanschaulichen Gemeinschaften und Bekenntnissen erst strafbar ist, wenn dadurch der öffentlichen Frieden gefährdet wird. SPD, Grüne und PDS hatten dagegen gestimmt.

    "Die Beleidigung von Religion sei aus EKD-Sicht eine klare Störung des öffentlichen Friedens", sagte Krüger. "Sie fördert Intoleranz und vermittelt den gläubigen Menschen den Eindruck, dass ihre Religion nicht respektiert wird. Ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Koblenz aus dem Jahr 1996 mit diesem Tenor habe die richtigen Maßstäbe gesetzt. (AOL-NewsBote, 16.4.02)

    Anm. MIZ: Bei der von der EKD gelobten richterlichen Entscheidung handelt es sich um ein Urteil aus dem sog. Maria-Syndrom-Verfahren. Dem Autor des Stücks, MIZ-Redakteur Michael Schmidt-Salomon, wurde zur Last gelegt, durch seine satirische Aufarbeitung des Marienkults den öffentlichen Frieden gestört zu haben. Als zentraler Beleg für diese Behauptung diente die Feststellung, dass Schmidt-Salomon Morddrohungen von beleidigten christlichen Fundamentalisten erhalten hatte. Eine skandalöse Umdrehung des Täter-Opfer-Verhältnisses (vgl. hierzu: Reinsdorf, Clara und Paul [Hrsg.]: Zensur im Namen des Herrn. Zur Anatomie des Gotteslästerungsparagraphen. Alibri. Aschaffenburg 1997).

  • (3129) Essen. Katholische Pfarrer, Diakone und Professoren an Priesterseminaren müssen auch im Bistum Essen künftig einen Treueid ablegen. Sie schwören dabei mit der Hand auf den Evangelien beispielsweise der Möglichkeit einer Frauenpriesterweihe ab. Über zehn Jahre lag der Eid auf Eis: Als eine der letzten deutschen Diözesen setzt das Bistum Essen den von Rom geforderten Treueschwur in Kraft. Wie es im Bistum heißt, wollte der im Mai scheidende Ruhrbischof "die Sache noch erledigen" und seinen Nachfolger nicht gleich mit einem Malus starten lassen. Denn unter den Geistlichen sind die drei Zusätze zum großen Glaubensbekenntnis, die künftig bei Amtseinführungen, Amtswechseln, Weihen und Beförderungen zu leisten sind, umstritten. Der Priesterrat des Ruhrbistums empfand sie "als Ausdruck des Misstrauens gegenüber den Amtsträgern" und fragte sich, "ob diese Vorgehensweise der richtige Weg zum richtigen Zeitpunkt" ist. Die drei Zusätze verpflichten Klerus und Theologen, auch solchen kirchlichen Lehren vorbehaltlos und unwiderruflich zuzustimmen, die nicht als Dogmen definiert sind. Dazu gehören etwa die Verwerflichkeit der Euthanasie, die sittliche Verwerflichkeit bestimmter Methoden der Empfängnisverhütung - und die Unmöglichkeit der Priesterweihe der Frauen. Um diesen Punkt war es gerade ruhig geworden in den Kirchen. "Jetzt kommt das alles wieder hoch", stöhnt man bei der Bischofskonferenz.

    Mit Eiden ist die Kirche sparsam - aus gutem Grund. Zuletzt wurde 1910 der Anti-Modernisteneid neu eingeführt und 1967 wieder abgeschafft. Wenn es nun zum Schwur kommt, empfinden manche Priester das als "Verfestigung", andere als "unnötig", ein weiterer hätte "ein ungutes Gefühl, wenn ich vor der Entscheidung stünde, so einen umfassenden Eid abzulegen". Pater Dominik Kitta, Kirchenrechtler und Vizeoffizial des Bistums: "Glücklich ist kaum einer darüber." Noch deutlicher wird der Tübinger Dogmatiker Peter Hünermann: "Unsittlich" nennt er die Einforderung des Eides. "Mit der Verpflichtung der Theologen und des Klerus, diesen Amtseid abzulegen, überschreiten die kirchlichen Autoritäten die ihnen gegebenen Kompetenzen in schwerwiegender Weise". (WAZ, 17.4.02)

  • (3130) Augsburg. Weil er seine beiden Töchter sexuell missbraucht haben soll, ist ein evangelischer Pfarrer aus Augsburg vom Dienst suspendiert worden. Gleichzeitig ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Geistlichen. Die Übergriffe des Geistlichen sollen sich bereits 1988 zugetragen haben, als seine Töchter zehn und neun Jahre alt waren. Bekannt wurden sie aber erst jetzt im Rahmen polizeilicher Ermittlungen in einem ganz anderen Fall: Im Mai 2001 war ein 42-jähriger Wachmann in Gersthofen (Kreis Augsburg) von einem Freund erschossen worden - angeblich auf ausdrücklichen Wunsch des 42-Jährigen hin. Bei den Todesschüssen dabei war die heute 23-jährige Pfarrerstochter. Als sie zu dem Vorfall befragt wurde, machte sie psychische Probleme geltend. Und die seien auf den sexuellen Missbrauch durch ihren Vater zurückzuführen.

    Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen gegen den Geistlichen wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen auf. Der Pfarrer teilte dies der Landeskirche mit. Anfang November 2001 wurde er mit seinem Einverständnis vom Amt entbunden. Eine Suspendierung sei noch keine Schuldfeststellung, betonte die evangelisch-lutherische Landeskirche, die einen entsprechenden Bericht der Zeitung bestätigte. Allerdings seien die Vorwürfe gegen den Pfarrer "sehr ernst" zu nehmen. "Kirchenmitglieder und Öffentlichkeit können sich darauf verlassen, dass wir alles dazu beitragen, um die Vorwürfe aufzuklären und die notwendigen disziplinarrechtlichen Konsequenzen ziehen", sagte Oberkirchenrat Franz Peschke, Personalreferent der Landeskirche. Allerdings sei man dabei auf die Staatsanwaltschaft angewiesen. (Augsburger Allgemeine, 8.1.02)

  • (3131) München. Der Vorsitzende des Münchner Diözesanrats der Katholiken, Alois Baumgartner, hat die Kirchenmitglieder dazu aufgerufen, Kontakte zur Initiative Kirche von unten (IKvu) abzubrechen. Es bestehe "keine Legitimation mehr, sie als innerkirchlichen Gesprächspartner zu akzeptieren", sagte Baumgartner bei der Vollversammlung des Diözesanrats in Bad Tölz. Die IKvu beteilige sich an einer Aktionsgruppe "Trennung von Kirche und Staat", die dafür eintrete, alle Kreuze aus öffentlichen Schulen zu entfernen. Die Organisation habe in den Gemeinden keinen Rückhalt mehr. Deshalb sollte auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) Versuche aufgeben, die IKvu in die Katholikentage einzubinden. Die Gruppe sei keine Initiative von unten, sondern eine "heruntergekommene Initiative". (Süddeutsche Zeitung, 10.3.02)

  • (3132) Hannover. Das Zusammenwachsen der Europäischen Union könnte die Sonderrechte der Kirchen in Deutschland gefährden. "Ein Frontalangriff auf das deutsche Staatskirchenrecht ist zwar nicht zu befürchten, doch es könnte von den Flanken her in die Zange genommen werden." Diese Überzeugung äußerte der Juraprofessor Michael Brenner (Jena) bei einem Rechtssymposion der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), das Ende April in Hannover stattfand. Sorgen macht deutschen Kirchenrechtlern Artikel 13 (Antidiskriminierungsmaßnahmen) aus dem 1997 geschlossenen Amsterdamer Vertrag. Unklar ist beispielsweise, ob ein evangelisches Krankenhaus auch künftig nicht-evangelische Bewerber für eine Arbeitsstelle abweisen kann. Harald Schliemann (Erfurt), Vorsitzender Richter am Bundesarbeitsgericht, empfiehlt Kirchen, Diakonie und Caritas, von allen Mitarbeitern die Zugehörigkeit zu einer Kirche zu fordern. Der Einzug der Kirchensteuer über die Finanzämter ist nach Ansicht mehrerer Redner nicht bedroht, da dies vom Grundgesetz geschützt sei. Der frühere Bundesverfassungsrichters Paul Kirchhof (Heidelberg) hat keine Sorge, dass über das Antidiskriminierungsgebot die katholische Kirche gezwungen werden könnte, Frauen zum Priesteramt zuzulassen: "Die Kirche ist 2.000 Jahre alt, Europa als Rechtsgemeinschaft 50 Jahre - diesen Kampf wird Europa verlieren." (idea online, 30.4.02)

    Anm. MIZ: Ein seltsames Demokratie- und Rechtsverständnis: Als ob der Verweis auf den Herrschaftserfolg der Kirche genügen würde, um notwendige demokratische Reformen zu verhindern! Das Beispiel zeigt, wie notwendig es ist, dass die Konfessionslosen die vielfältigen Bestrebungen um eine Privilegierung der Kirchen im Rahmen der Europäischen Union nicht aus den Augen verlieren dürfen.

  • (3133) München: Das bayerische Kultusministerium zieht Konsequenzen aus dem Skandal um die Auerbacher Schulschwestern. Den acht Ordensfrauen, die an der Grund- und Hauptschule beschäftigt sind, wird zum Schuljahresende gekündigt. Staatliche Lehrer sollen sie ersetzen. Nach den Schlagzeilen um zensierte Biologiebücher im vergangenen Jahr hatten zahlreiche Eltern an der Grund- und Hauptschule Alarm geschlagen, weil die Nonnen die Kinder mit Erzählungen von Teufel, Todsünden und Höllenqualen eingeschüchtert hätten. Wie das Kultusministerium mitteilte, konnten die Ordensschwestern die Vorwürfe nicht ausräumen. (br-online, 15.4.02)

  • (3134) Mainz. Der Mainzer Weihbischof Franziskus Eisenbach, dem die Professorin Anne Bäumer-Schleinkofer Missbrauch eines seelsorgerischen Betreuungsverhältnisses vorgeworfen hatte (siehe IR-Meldung 3037), ist zurückgetreten. Einen kirchlichen Strafprozess gegen den Weihbischof gibt es nicht, auch keine Amtsenthebung oder Absetzung. Vielmehr verzichtet der Weihbischof auf sein Amt, weil der Vatikan ihn genau darum gebeten hatte. Dies ist das merkwürdige Ende einer Geschichte, die bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte: Anne Bäumer-Schleinkofer hatte den Weihbischof im September 2000 bei der Mainzer Staatsanwaltschaft wegen sexuellen Missbrauchs und Körperverletzung im Rahmen eines seelsorgerischen Betreuungsverhältnisses angezeigt. Zugleich hatte sie beim Vatikan Anzeige eingereicht und Eisenbach vorgeworfen, das Zölibatsversprechen gebrochen, das Beichtgeheimnis verletzt und eine Teufelsaustreibung vorgenommen zu haben. Das Bistum wies die Vorwürfe zurück, räumte aber "körperliche Zuwendung" durch Eisenbach ein.

    Die Staatsanwaltschaft Mainz stellte das Verfahren ein. Und nun der angeordnete Rücktritt. Die römischen Kongregationen für Glaubenslehre und für die Bischöfe erklärten, der Rücktritt sei nicht als Schuldeingeständnis zu werten, sondern sei "wegen des Wohls der Kirche und der Klarheit ihres Zeugnisses" erfolgt. Der Mainzer Bischof Kardinal Lehmann sprach dagegen von einer "eigentümlichen dialektischen Struktur". Er meinte damit offenbar, dass Rom zwar einen kirchlichen Strafprozess für unangemessen hält, dennoch auf Rücktritt pochte. Lehmann kündigte an, er werde Eisenbach eine neue seelsorgliche Aufgabe übertragen. (WAZ, 16.4.02)

  • (3135) Sievernich. Die Frau soll Mitte 30 sein und Melanie heißen. Sie will nicht im Rampenlicht stehen, scheut Interviews und lehnt es ab, fotografiert zu werden. Doch jeden zweiten Montag im Monat steht sie im Mittelpunkt hunderter Gläubiger aus ganz Deutschland. Sie reisen in die Voreifel, um mit dieser Frau in dem kleinen Kirchlein von Sievernich (Kreis Düren) zu beten. Der als tief gläubig beschriebenen Frau erscheint beim Gebet angeblich die Gottesmutter Maria und spricht zu ihr. Zuletzt drängten sich 1000 Menschen in dem 450-Seelen-Dorf. "Das geht jetzt seit Oktober so", erzählt eine Bewohnerin, keineswegs genervt, und deutet auf die Straße vor ihrem Einfamilienhaus: "Die Leute parken hier ihre Autos und ziehen dann quietschfidel mit ihren Campingstühlchen zur Kirche. Denn sie wissen, dass sie eh keinen Platz mehr bekommen." Dann quillt die Ansammlung der Pilger nach Schilderungen der Dorfbewohner aus der kleinen Backstein-Kirche St. Johann-Baptist durch die Holztüre auf den angrenzenden Friedhof.

    Meistens seien es Auswärtige. "Die Leute hier sind eher zurückhaltend", erzählt eine Bewohnerin. Die Frau mit dem scheinbar guten Draht zu Maria kenne sie nicht - "die ist nicht von hier". Die dürftige Nachrichtenlage über die angeblichen Marienerscheinungen ist Nährboden für bunte Spekulationen. Von der schwebenden Maria neben dem Altar ist die Rede, von einer Lichterscheinung wird geschrieben, von Wunderheilungen, die die "Auserwählte" durch ihre Gebete vollbracht haben soll.

    Auf der Suche nach Fakten und Deutung landen Medienleute und Gläubige in diesen Tagen beim Beauftragten für Religions- und Weltanschauungsfragen des Bistums Aachen, Hermann-Josef Beckers. Das Bistum nehme die Schilderungen über die angeblichen Marienerscheinungen ernst, sagt er. Die Frau sei glaubwürdig. Ob die Erscheinung selbst wahr sei, könne man nicht sagen und werde zurzeit auch nicht geprüft. Die Inhalte der so genannten Privatoffenbarung seien aber keineswegs neu. Die Aufforderung zum Gebet oder zum Frieden entspräche kirchlichen Lehren. "Offenbar ist das so vergessen, so verschüttet, dass es für manche Menschen erschütternd ist, wenn es jemand sagt", versucht er eine Erklärung für die Ergriffenheit der Pilger von Sievernich zu geben. (Frankfurter Rundschau, 18.4.02)

  • (3136) München. Für die Amtskirche ist es ein absurdes Theater und eine Anmaßung: Fünf katholische Frauen aus Bayern wollen sich im Sommer zusammen mit einigen Österreicherinnen an einem unbekannten Ort heimlich zu Priesterinnen weihen lassen.  Die Antwort aus dem Münchner Ordinariat ist deutlich: "Solche Weihen sind nach katholischen Verständnis nicht nur irregulär, sondern ungültig", betont Pressesprecher Winfried Röhmel. Das Kirchenrecht befinde: "Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann." Dies entspreche nach katholischer Auffassung der apostolischen Tradition, und auch der Papst habe dies ausdrücklich bekräftigt.

    "Wir sind nicht die Feinde des Papstes", stellt Gisela Forster, eine der hoffnungsvollen Priesterinnen in spe, auf Anfrage fest. Die promovierte Philosophin, Kunsterzieherin und diplomierte Architektin, die mit einem früheren Benediktinerpater verheiratet ist, sieht es theologisch als nicht gerechtfertig an, dass Frauen vom Priesteramt ausgeschlossen sind. Seit rund drei Jahren bereiteten sich die Frauen bei heimlichen Treffen in Linz und Passau auf die Weihe vor. Die Initiative sei von der österreichischen Lehrerin Christine Mayr-Lumetzberger (Linz) ausgegangen. Knapp ein Dutzend Frauen mit theologischen Vorkenntnissen aus Bayern und Österreich treffen sich seither alle zwei Monate und werden nach eigenen Angaben von Theologen unterrichtet. "Dieser handstreichartige Vorgang ist völlig deplatziert", meint der Pressesprecher des Münchner Bischofs. Damit würden nur fundamentalistische Gegenpositionen provoziert. Zudem sei es kontraproduktiv, weil die Kirche seit 20 Jahren einen Weg eingeschlagen habe, der die Frauen maßgeblich an der Gestaltung von Kirche und Gesellschaft beteilige. Sollten die Frauen aber auf ihrem Priesteramt beharren, sei das als "Amtsanmaßung" zu werten und müsse im Einzelfall auf seine Konsequenzen hin überprüft werden. Das Wort "Exkommunikation" will er nicht in den Mund nehmen: "Man muss aufpassen, dass man nicht mit Kanonen auf Spätzinnen schießt." (Münchener Merkur, 8.2.02)

  • (3137) Frankfurt. Der Druck der Wirtschaft auf allgemein bildende Fächer wie Religion oder Sport an Berufsschulen nimmt immer mehr zu. Diese Einschätzung vertritt der katholische Berufsschul-Pfarrer Wolfgang Steinmetz. Daher sei auf Dauer die Vermittlung sozialer Kompetenz in den berufsbildenden Schulen gefährdet. "Wir spüren Gegenwind", sagt Pfarrer Steinmetz. Handwerk und Industrie hätten "kein großes Interesse an Fächern, die nicht direkt mit dem Beruf zu tun haben". Der Einfluss der Wirtschaft auf die Gestaltung des Unterrichts an Berufsschulen habe zugenommen. So sei immer wieder zu beobachten, dass Lehrer, die Fachkunde und Religion unterrichten, "in den anderen Fächern eingesetzt werden". Pfarrer Steinmetz ist als einziger Vollzeitlehrer für katholische Religion an Berufsschulen tätig; er unterrichtet 24 Klassen. Peter Eberhard, Leiter des katholischen Amtes für Religionspädagogik, berichtet von einem "totalen Ausfall auf weiten, weiten Strecken". Im Schuljahr 1999/2000 habe 60 Prozent des Religionsunterrichts nicht stattgefunden. Neuere Zahlen lägen nicht vor, weil diese von den staatlichen Stellen erst mit ein bis zwei Jahren Verzögerung geliefert würden. Ein Grund für den Niedergang des Religionsunterrichts in den Berufsschulen sei, so Eberhard, "der dramatische Rückgang an Lehrern". Dafür sei auch das Land verantwortlich, weil nur an der TU Darmstadt Berufsschullehrer für Religion ausgebildet würden. Derzeit sind für die 29.000 Schüler an berufsbildenden Schulen in Frankfurt 30 katholische und 14 evangelische Reli-Lehrer im Einsatz. Hinzu kommen zehn katholische und 22 evangelische Pädagogen mit Staatsexamen, die Fachkunde und Religion geben. Im Staatlichen Schulamt betont Sprecher Rolf Hahn, Religion sei und bleibe "ein versetzungsrelevantes Pflichtfach". Wer es abwähle, müsse am Ethikunterricht teilnehmen. Allerdings, so räumt Hahn ein, könne Ethik "nur begrenzt angeboten werden". Der Rückgang des Fachs Religion habe auch damit zu tun, dass immer mehr Berufsschüler volljährig seien und das Abitur in der Tasche hätten. "Die können sich von dem Fach befreien lassen", so Hahn. Daher werde die für Berufsschulen geltende "Messzahl" von 30 Schülern je Klasse, mit der der Lehrerbedarf ermittelt wird, im Fach Religion oft nicht erreicht.

    Für die evangelische Kirche betont Karin Frindte-Baumann, Leiterin des religionspädagogischen Amtes, die Bedeutung des Religionsunterrichts an Berufsschulen: "Nirgendwo sonst kommen wir in Kontakt zu diesen jungen Leuten." Aus diesem Grund seien vier Berufsschul-Pfarrerstellen mit einem "zusätzlichen Dienstauftrag schulische Seelsorge" versehen. Der Dienstauftrag sieht zusätzlich vor, dass die Theologen 18 statt 24 Stunden Unterricht geben und in der restlichen Zeit Angebote zu seelsorgerlichen Gesprächen machen. (Frankfurter Rundschau, 5.3.02)

  • (3138) Köln. Das umstrittene Theaterstück "Corpus Christi" darf auch weiterhin auf Kölner Bühnen gespielt werden. Die Ermittlungen gegen Terrence McNallys Drama sind eingestellt worden. Das Kölner Erzbistum hatte Strafanzeige gestellt, da in dem Stück Jesus und seine Jünger als trinkfreudige Homosexuelle dargestellt werden. "In dem Stück wird der Glaube aber nicht so weit herab gesetzt, dass eine Bestrafung möglich ist", sagte Oberstaatsanwältin Regine Appenrodt der dpa in Köln. Ermittler hätten sich eine der Aufführungen angesehen und seien zu dem Schluss gekommen, dass der Inhalt durch die Kunstfreiheit gedeckt sei.

    Der Kölner Kardinal Joachim Meisner und Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) hatten sich öffentlich gegen "Corpus Christi" ausgesprochen. Wie auch in anderen Städten führte die Aufführung in Köln zu Protesten Gläubiger. Frank Müller-Sendino vom Theaterhaus Köln reagierte erleichtert auf die Verfahrens-Einstellung: "Wir hatten befürchtet, dass wir das Stück absetzen müssen oder hohe Prozesskosten auf uns zu kommen könnten." Das Stück, das im vergangenen Oktober in Köln seine Premiere feierte hatte bis Anfang April rund 9000 Zuschauer angelockt. (Rheinische Post, 15.4.02)

  • (3139) München. Eine evangelische Gemeinde im bayerischen Aschaffenburg muss aus Lärmschutzgründen ihre Kirchenglocken künftig leiser läuten lassen. Ein entsprechendes Urteil hat eine Nachbarin beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) in München erstritten (Az. 22 B 99.338). Das bisherige Glockengetöse sei der Frau, deren Wohnung nur zwölf Meter von dem Turm entfernt ist, auf Dauer nicht zuzumuten, heißt es in dem Urteil. Die Kirchengemeinde St. Lukas wurde demnach verpflichtet, bis Januar 2004 entweder den Geräuschpegel zu senken oder für die Wohnung der Klägerin Schallschutzmaßnahmen zu finanzieren. Ansonsten dürften die Glocken nicht länger geläutet werden. Der VGH hob damit eine anders lautende Entscheidung des Verwaltungsgerichts Würzburg auf. (NRZ, 7.3.02)

    Anm. MIZ: Leider handelt es sich um eine Einzelfallentscheidung. Es geht um einen Kirchturmneubau, der entgegen den Plänen erstellt wurde. Ansonsten stellte das Gericht ausdrücklich fest, dass wegen der Religionsfreiheit sich die Kirchenglocken nicht an die Lärmschutzgrenzwerte halten müssen.

  • (3140) Limburg. Als letzte Diözese in Deutschland muss auch das Bistum Limburg aus der staatlichen Schwangeren-Konfliktberatung aussteigen. Bischof Franz Kamphaus bleibt aber im Amt. Den Ausstieg aus der gesetzlichen Schwangerenberatung soll auf Weisung von Papst Johannes Paul II. der Limburger Weihbischof Gerhard Pieschl so zügig wie möglich organisieren, wie Kamphaus mitteilte. Kamphaus hatte als einziger katholischer Oberhirte auch nach Ablauf einer Frist Ende 2001 gegen den Willen des Papstes an der Konfliktberatung festgehalten. Damit stellten die zwölf Beratungsstellen im Bistum weiterhin die für eine straffreie Abtreibung benötigten Scheine aus. Die anderen Bischöfe waren bereits zum Jahresende 2000 aus dem staatlichen System ausgestiegen.

    Der Limburger Weihbischof Gerhard Pieschl, der im Auftrag des Papstes das Bistum aus dem staatlichen System der Schwangerenkonfliktberatung führen soll, ist dort seit 1978 Weihbischof. Mitte Februar hatte der Geistliche auf der Deutschen Bischofskonferenz in Stuttgart das Amt eines Koadjutors abgelehnt: "Jemand, der in so tiefer Solidarität mit dem Bischof steht, kann das nicht machen." Jetzt ist Pieschl Weihbischof mit Sondervollmachten. Als Koadjutor hätte er die gleichen Aufgaben, aber zusätzlich das Recht der Nachfolge für Bischof Franz Kamphaus erhalten. (Frankfurter Neue Presse, 9.3.02)

  • (3141) Trier. Wie findet man heraus, ob ein Asylbewerber mit einem Pass der Sowjetunion Armenier oder Aserbaidschaner ist? In der Trierer Ausländerbehörde versuchte ein Sachbearbeiter dieses Problem dadurch zu lösen, dass er mit dem Flüchtling zur Toilette ging - zur Penisbeschau. Im Dezember wurde der 35-jährige Ali G. in der Clearingstelle Rheinland-Pfalz für Passbeschaffung und Flugabschiebung Mitarbeitern des armenischen Konsulats vorgeführt. Sie sollten herausfinden, ob G. Armenier ist und daher eine Rücknahmeverpflichtung Armeniens besteht. Sein Mandant sei zunächst in verschiedenen Sprachen unter anderem nach seiner Religionszugehörigkeit befragt worden, berichtet der Wiesbadener Rechtsanwalt Eberhard Kunz. 94 Prozent der Armenier sind Christen, nur 6 Prozent Muslime.

    Nach einem Gespräch zwischen Sachbearbeiter und Konsulatsvertretern, das sein Mandant nicht verstanden habe, habe ein Polizist G. zur Toilette geführt. Dort habe der Sachbearbeiter geprüft, ob G. beschnitten und somit kein Christ sei. Kunz dazu: "Das sind menschenunwürdige Zustände." Der Ausländerrechtsanwalt hat eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Sachbearbeiter gestellt. In der Clearingstelle versteht man die Aufregung nicht. Ein Fehlverhalten seines Mitarbeiters will der Leiter Dietmar Martini-Emden nicht erkennen. Der Angestellte sei "gebeten" worden, mit G. zur Toilette zu gehen, "damit dieser ihm dort eine Beschneidung nachweisen könne", antwortete Martini-Emden auf einen Beschwerdebrief von Kunz. "Inwieweit dies möglicherweise ein freiwilliges Beweisangebot von Herrn G. war - wofür spricht, dass keinerlei zusätzliche Aufforderung erfolgen musste - oder ob dies von ihm verlangt wurde, entzieht sich unserer Kenntnis", so Martini-Emden. "Praktiken dieser Art nicht mit allen Mitteln zu verhindern, deutet auf eine kaum glaubliche Unsensibilität in einem Land hin, in dem die Feststellung einer Beschneidung vor einigen Jahrzehnten eine tödliche Bedrohung dargestellt hätte", wirft Pro Asyl nun der Behörde vor und fordert sofortige disziplinarrechtliche Konsequenzen. Auch die Ausländerbeauftragte der Bundesregierung, Marieluise Beck, kritisiert das Verfahren. Es sei "ebenso untauglich wie unsachgemäß zur Feststellung der Staatsangehörigkeit", sagte sie. Ali G., dessen ­Asylantrag im Herbst 2000 abgelehnt wurde, kann übrigens vorerst in Deutschland bleiben. Nachdem der Trierer Sachbearbeiter den armenischen Konsulatsvertretern berichtete, was er gesehen hatte, war für die der Fall erledigt: Ali G. ist beschnitten, also Muslim und somit nach armenischer Logik kein Armenier. Da allerdings auch Aserbaidschan und Russland ihn bisher nicht haben wollen, wird Ali G. erst mal weiterhin in Rheinland-Pfalz geduldet. (taz, 6.2.02)

Österreich

  • (3142) Linz. Die Kirchenbänke bleiben zwar zunehmend leer, die Österreicher sind aber weiterhin ein religiös geprägtes Volk. Das ist zumindest das Ergebnis einer Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstitutes IMAS. Demnach ist der Stellenwert des christlichen Glaubens als Erziehungsziel für die Menschen seit nahezu drei Jahrzehnten konstant. Die Zahl jener Landsleute, die an ein Leben nach dem Tod glauben, sei in diesem Zeitraum sogar gestiegen, so die Meinungsforscher. In der Zeit von November bis Dezember 2001 interviewte das Meinungsforschungsinstitut eine statistisch repräsentative Gruppe von 1000 Personen über 16 Jahren. Die Fragen bezogen sich unter anderem auf den Kirchenbesuch, die Zugehörigkeit zu Religionsgemeinschaften und den Glauben an ein Leben nach dem Tod.

    Beinahe keine Überraschung mehr ist das Ergebnis in Hinblick auf den Kirchenbesuch: Nur mehr 14 Prozent der Gesamtbevölkerung - das entspricht etwa 930.000 Personen - besuchen regelmäßig den Gottesdienst. In den 70er Jahren lag dieser Anteil noch deutlich höher, nämlich bei einem Viertel. Dem gegenüber ist der Anteil der absoluten "Gottesdienstverweigerer" von 21 Prozent im Jahr 1973 auf 28 Prozent gestiegen. Besonders eifrige Kirchenbesucher sind - der Umfrage zufolge - Landwirte und Selbstständige, Personen mit einfacher Bildung, ältere Personen und ÖVP-Wähler. In kleinen Gemeinden (unter 5000 Einwohner) sind deutlich mehr Kirchgänger anzutreffen als in den Städten, generell sitzen Sonntags mehr Frauen als Männer in den Kirchenbänken. Im Bundesdurchschnitt haben Salzburg, Tirol und Vorarlberg die Nase vorn. Besonders deutlich bekommt die römisch-katholische Kirche den Schwund der Gläubigen zu spüren. Bekannten sich im Jahr 1981 noch 88 Prozent der Österreicher zum katholischen Glauben, so taten das 2001 nur mehr 78 Prozent.

    Die Evangelische Kirche konnte dagegen die Zahl ihrer Schäfchen - etwa fünf Prozent der Bevölkerung - halten. Trotz der zunehmenden Zahl der "Kirchenmuffel" ist es den Österreichern wichtig, ihren Kindern christliche Wertvorstellungen zu vermitteln. 36 Prozent bezeichnen "Frömmigkeit und christlichen Glauben" als wichtiges Erziehungsziel. Diese Zahl ist seit 30 Jahren konstant.

    Ebenfalls dem Wandel der Zeit getrotzt hat der Glaube an ein Leben nach dem Tod. Glaubten 1981 nur 39 Prozent an ein Dasein im Jenseits, so sind es nun 42 Prozent. Erwartungsgemäß hoch ist der Anteil unter den regelmäßigen Kirchenbesuchern - er liegt bei 75 Prozent. Aber immerhin noch gut 40 Prozent derer, die nur selten zur Messe gehen, und auch 28 Prozent der "Gottesdienstverweigerer" glauben an ein Leben nach dem Tod. (Dolomiten online, 6.2.02)

  • (3143) Wien. Polizeieinsatz im Verlag sowie diverse Drohungen - der Streit um das Buch Das Leben des Jesus vom Karikaturisten Gerhard Haderer eskaliert. Auch der Handel hat bereits reagiert. In vielen Kärntner Buchhandlungen wurden Haderers Karikaturen in die hinteren Regale verbannt. In Wien ist die Lage noch ruhig. Im Gespräch mit dem Standard wehrt sich der Karikaturist und wirft den katholischen Bischöfen Demokratiegefährdung vor: "Es ist demokratiegefährdend, wenn man sich von höchster kirchlicher Stelle anmaßt, gegen die Freiheit der Kunst und das Recht auf freie Meinungsäußerung aufzutreten." Zu den bei der Staatsanwaltschaft liegenden Anzeigen wegen "Herabwürdigung religiöser Lehren" sagt er: "Kommt es zu einer staatsanwaltlichen Aktion, was ich nicht glaube, werde ich mich sicher nicht entschuldigen. Da gehe ich bis zum Europäischen Gerichtshof." (Der Standard, 26.3.02)

Frankreich

  • (3144) Paris. Der (mittlerweile durch den Regierungswechsel nicht mehr im Amt befindliche) französische Bildungsminister Jack Lang hat eine Werte-Kommission für die staatlichen Schulen des Landes eingesetzt. Die 19 Mitglieder des Gremiums sollen jetzt Vorschläge machen, wie die Schulen verstärkt auf die menschlichen Grundwerte hinweisen könnten. Nach Meinung des Ministers zeigen die jüngsten Ereignisse die Notwendigkeit, den Menschen wieder einen "vernünftigen und respektvollen Zugang zur Religion" zu erschließen. Auf Grund der Trennungsgesetze von 1905 gibt es in Frankreich an staatlichen Schulen keinen Religionsunterricht. (Dolomiten online, 6.2.02)

Niederlande

  • (3145) Amsterdam. Weil ein von ihm angekündigtes Wunder ausblieb, ist der niederländische Wirtschaftswissenschaftler Frans Rutten von seinen Ämtern beim Institut für Katholische Information für die Niederlande und Flandern (IKI NV) zurückgetreten. Rutten hatte mit rund 200 meist kranken und behinderten Pilgern aus den Niederlanden und Belgien eine Wallfahrt ins spanische Dorf Garabandal unternommen, weil er dort ein Wunder und Heilungen erwartete. Vier jungen Mädchen soll dort 1961 die Gottesmutter Maria erschienen sein. Er habe sich wohl geirrt, bleibe aber bei seinem persönlichen Glauben, sagte Rutten. (Frankfurter Rundschau, 18.4.02)

Italien

  • (3146) Messina. Die Statue des selig gesprochenen Padre Pio in der sizilianischen Stadt Messina weint keine blutigen Tränen. Offenbar hat sich ein drogenabhängiger Jugendlicher einen Scherz erlaubt. Eine Frau hatte anonym die Redaktion einer Zeitung angerufen und von dem Geständnis ihres 17-jährigen Sohnes berichtet, wonach er eigenes Blut auf die Bronzestatue gespritzt hat. Tausende Gläubige waren zu der Statue des Padre Pio gepilgert. Viele glaubten an ein Wunder und wischten die rötliche Flüssigkeit von der Statue ab. Eine Untersuchung der Polizei hatte zuvor ergeben, dass es sich tatsächlich um menschliches Blut handelte. Der Erzbischof von Messina, Giovanni Marra, hatte stets zur Vorsicht gemahnt. In der Vergangenheit hatten sich "weinende Statuen" mehrfach als Schwindel herausgestellt. Padre Pio wird von Millionen Italienern verehrt und ist am 16. Juni von Papst Johannes Paul II. in Rom heilig gesprochen worden. (Kölnische Rundschau, 9.3.02)

Vatikan

  • (3147) Vatikanstadt. Papst Johannes Paul II. hat überraschend die Öffnung der vatikanischen Geheimarchive über die Beziehungen zu Deutschland während der Amtszeit von Pius XI. zwischen 1922 und 1939 angeordnet. Die Akten würden von 2003 an zugänglich sein, teilte der Vatikan mit. Mit der Öffnung dieser Archive wolle der Papst "ungerechte Spekulationen" über die Haltung des Heiligen Stuhles zum Holocaust beenden.

    Nach Angaben des Vatikans sollen auch die Geheimakten zu Deutschland aus der Zeit des Pontifikats von Pius XII. möglichst rasch zugänglich gemacht werden, sobald alle Dokumente aus der Amtszeit von Pius XI. aufgearbeitet worden sind. Dies werde noch rund drei Jahre dauern. Die Akten sollen vor allem den Seligsprechungsprozess von Papst Pius XII., der von 1939 bis 1958 amtierte, voranbringen. Historiker werfen Pius XII. vor, Nationalsozialismus und Judenverfolgung nie offen verurteilt zu haben. Kirchenhistoriker Giovanni Miccoli warnte vor übertriebenen Erwartungen. Die wesentlichen Dokumente seien in Deutschland bereits veröffentlicht worden, sagte er. (Frankfurter Rundschau, 18.2.02)

  • (3148) Vatikanstadt. Papst Johannes Paul II. ermahnte Katholiken nachdrücklich zur Einzelbeichte und erteilte anderen Formen des Sündenbekenntnisses eine klare Absage. Im für alle Gläubigen verbindlichen Apostolischen Schreiben "Misericordia Dei" ("Barmherzigkeit Gottes"), das vom deutschen Kurienkardinal Joseph Ratzinger vorgestellt wurde, beklagt der Pontifex die "Krise des Bußsakraments, die sich besonders in einigen Gebieten der Welt zeigt". Beobachter werteten dies als klare Kritik vor allem an Katholiken in Ländern wie Deutschland, wo nur noch wenige Menschen regelmäßig zur Beichte gehen. Die Gläubigen seien verpflichtet, gegenüber einem Priester "alle nach der Taufe begangenen schweren Sünden" zu bekennen, betonte Johannes Paul II. Zugleich lehnte er jede Form des kollektiven Sündenbekenntnisses und des Sündennachlasses (Absolution) ohne vorherige Einzelbeichte ab. Es müsse auch "jede Praxis missbilligt werden, die die Beichte auf ein allgemeines oder auf das Bekenntnis nur einer oder mehrerer für gewichtiger gehaltener Sünden beschränkt". Deshalb sollten nicht nur schwere, sondern auch so genannte lässliche Sünden bei der Beichte bekannt werden. (Bonner Rundschau, 3.5.02)

    Anm. MIZ: Die Ermahnung des Papstes ist sowohl theologisch als auch marktstrategisch wohl begründet. Schließlich ist das Geschäft mit Sünde und Vergebung das eigentliche Geheimnis des theologischen Erfolgs.

Spanien

  • (3149) Madrid. Spaniens Bischöfe haben ein neues Vorbild für ihre Schäfchen gefunden: Isabel von Kastilien. Die vor 498 Jahren gestorbene spanische Königin sei "ein Modell für die christlichen Frauen, mit missionarischem Geist, mitfühlend und selbstlos, aufopfernd im Dienst und in der Regierung des Volkes" gewesen, finden die Popen. Deshalb müsse sie heilig gesprochen werden.

    Die 1451 geborene Isabel I. von Kastilien und León war zusammen mit ihrem Mann, König Fernando von Aragón, die Gründerin des spanischen Nationalstaates. Nach jahrelangem Krieg besiegten die Truppen aus dem Norden der iberischen Halbinsel den Süden, der 800 Jahren lang von arabischen Fürstenhäusern regiert war. Diese christliche "Reconquista" endete am 1. Januar 1492 mit dem Fall von Granada. Ein Dekret machte den Sieg perfekt. Juden und Muslime bekamen drei Monate, um zum katholischen Glauben überzutreten - oder das Land zu verlassen. Wer diese Möglichkeiten nicht wahrnahm und weiterhin als "ungläubig" galt, dessen nahm sich die Inquisition an. Bis zu ihrem Tod 1504 kannte Isabel die Katholische nur ein Ziel: Spanien und damit die Religion auszubreiten. Nach der Entdeckung Amerikas durch den vom spanischen Hof ausgerüsteten Christopher Columbus am 12. Oktober 1492 rissen die Expeditionen über den Atlantik nicht mehr ab. Mit Schwert und Feuer wurde der richtige Glaube gepredigt und ganz nebenbei die Reichtümer der Einheimischen nach Spanien verschifft. Als "eine außerordentliche Figur in der Evangelisierung Amerikas" lobt die Bischofskonferenz Isabel I. dafür. Die offizielle katholische Kirche Spaniens verehrt Isabel I. auch für ihre karitativen Werke. So gründete sie Feldlazarette, in denen die Soldaten ihres Kreuzzuges gegen die Ungläubigen behandelt wurden. Unerschütterlich im Glauben, betete sie jeden Tag mehrere Stunden. Als ihr Vater Enrique IV. sie gegen ihren Willen mit einem älteren Adligen verheirate wollte, flehte sie die ganze Nacht Gott an. Mit Erfolg: Der künftige Bräutigam verstarb überraschend.

    Nicht alle wollen jetzt den Vorbildcharakter Isabels und ihre Heiligsprechung nachvollziehen: "Sie ist es nicht wert auf den Altar gehoben zu werden", beschwert sich der Sprecher der jüdischen Gemeinde Spaniens, Carlos Schorr. Fortschrittliche Christen und die Vertreter der Muslime schließen sich ihm an. Selbst 25 Prozent der Bischöfe stimmten gegen die Wiederaufnahme des bereits 1953 unter Diktator Franco gestellten und 1972 zu den Akten verwiesenen Antrags an den Vatikan.

    Ihnen gilt Isabel die Katholische als Mutter der religiösen Intoleranz, die Spaniens Geschichte prägt. In den Jahren der Franco-Diktatur wurde die umstrittene Königin als Volksheldin verehrt. Spanien unterzeichnete ein Abkommen mit dem Vatikan und war fortan die "geistige Reserve des Westens": "La Cátolica" war die Standarte. Isabels Anhänger haben seit 1953 Millionen von Heiligenbildchen mit dem Konterfei der Königin verteilen lassen. Mit ihm zwischen den gefalteten Händen beten sie: "Allmächtiger Vater, der du in deiner unendlichen Barmherzigkeit Isabel die Katholische als ein Vorbild für junge Ehefrauen, Mütter, politische Führer und Regierungschefs schufst, schenke uns die Gnade, ihre unvergängliche Majestät in ihrer Heiligsprechung geehrt zu sehen. Amen." (taz, 5.3.02)

  • (3150) Madrid. Die katholische Kirche in Spanien hat wieder mit einem Sexskandal zu kämpfen. Zu Beginn des Jahres hatte sich ein Priester im Internet verliebt und die Kirche verlassen, um zu heiraten. Ein anderer Priester war wegen seiner Beteiligung an einem Kinderporno-Ring festgenommen worden, ein dritter gestand, seit Jahrzehnten ein homosexuelles Doppelleben geführt zu haben. Nun hat zu allem Übel ein weiterer homosexueller Priester seine Gemeinde im südspanischen Nerja verlassen, nachdem sein ehemaliger Liebhaber ein Sexvideo von ihnen beiden in Umlauf gebracht hatte. Der Bischof von Malaga, Eladio Ocana Serrano, in dessen Zuständigkeit Nerja fällt, erklärte, der Priester habe sein Fehlverhalten eingestanden und die Hilfe der Kirche akzeptiert, um sich zu verändern. Derzeit sei er in einem Kloster, "um zu beten und nachzudenken". (WAZ, 29.4.02)

Serbien

  • (3151) Belgrad. Deutliche Kritik an der Gleichsetzung von Orthodoxie und Nationalität in Serbien übte der katholische Erzbischof von Belgrad, Stanislav Hocevar, bei einem Vortrag in Wien. Die auf den heiligen Sava zurückgeführte Gleichsetzung von Serbentum und orthodoxem Glauben gehe so weit, dass ungetaufte Serben bekennen: "Ich bin ein atheistischer Orthodoxer."

    Die "zu stark vertretene nationale Dimension im Glauben und in der Kirche" sei ein "Vorstoß zum gröbsten Atheismus", meinte Erzbischof Hocevar, der einen "Abschied von der nationalen Kirche" forderte. Ohne eine "bereinigte Orthodoxie" und "mehr katholischen Sinn für das Transzendentale und die Gemeinschaft" könne es auch keinen realistischen Dialog der Christen mit dem Judentum und mit dem Islam geben. Hocevar wörtlich: "Die Orthodoxie hat mehr Erfahrung mit dem Islam, der Katholizismus hingegen mehr Verständnis für den Islam." Der Vorsitzende der Historikerkommission von "Pro Oriente" für Südosteuropa, Alois Mosser, kritisierte die "Mystifizierung des Nationalstaates". Wörtlich sagte Mosser: "Aus der Sicht der Glaubensgemeinschaften und Kirchen bedeutete die Entwicklung der Nationalstaaten letztlich Säkularisierung und Laisierung. Der Nationalismus wurde selbst zur Religion." (Dolomiten, 13.3.02)

Nordamerika

U.S.A

  • (3152) Palm Beach. Der katholische Bischof der US-Diözese Palm Beach in Florida ist 25 Jahre nach dem sexuellen Missbrauch eines Teenagers zurückgetreten. "Ich bin beschämt und traurig und verlegen", sagte Anthony O'Connell (63) in Palm Beach. O'Connell hatte 1999 Bischof Joseph Keith Symons abgelöst, der ebenfalls wegen Kindesmissbrauchs zurückgetreten war. Zeitungen in Florida hatten den Fall aufgedeckt, der den Bischof zum Rücktritt zwang. Ein heute 40-jähriger ehemaliger Klosterschüler war von O'Connell als 13-Jähriger sexuell missbraucht worden. Christopher Dixon hatte sich an O'Connell gewandt, damals Direktor der Schule im Bundesstaat Missouri, nachdem andere Priester sich an ihm vergangen hatten. Er wurde zunächst Priester, legte das Amt aber später nieder. 1996 reichte er Klage ein. Die Kirche wendete die Klage seinerzeit mit einer außergerichtlichen Vereinbarung ab. Sie zahlte dem Kläger 125 000 Dollar (etwa 130.000 Euro) und verlangte Schweigen, berichtete die New York Times. Der Vatikan war nach Angaben der Diözese von Missouri, die den Vergleich aushandelte, nie informiert worden.

    O'Connells Fall ist der jüngste in einer Serie von Skandalen, die die katholische Kirche in den USA seit Januar erschüttert. Mehr als 25 Priester sind nach Vorwürfen sexuellen Missbrauchs zurückgetreten oder des Amtes enthoben worden. Ex-Priester John Geoghan, der mit Wissen seiner Vorgesetzten im Großraum Boston zahllose Kinder missbraucht hatte, wurde jahrzehntelang von Gemeinde zu Gemeinde versetzt. Mitte Februar wurde er zu neun Jahren Haft verurteilt. (Westfälische Rundschau, 10.3.02)

  • (3153) Missouri. Mit einer Klage vor einem Gericht im US-Bundesstaat Missouri haben Anwälte die katholische Kirche in den USA mit der Mafia verglichen. Sie reichten eine Klage gegen katholische Priester wegen sexuellen Missbrauchs ein, die sich auf ein Bundesgesetz zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität beruft. Innerhalb der Hierarchie der katholischen Kirche habe es eine "Verschwörung" des Schweigens gegeben, um Priester zu schützen, die Kinder missbrauchten, heißt es in der Klage. (netcologne-ticker, 23.3.02)

  • (3154) Washington. Nach einer Skandalserie in den eigenen Reihen hat Kardinal Theodore Edgar McCarrick angekündigt, die katholische Kirche in den USA werde "mit aller Schärfe" den Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch durch Priester aufnehmen. Vorausgegangen war ein zweitägiges Krisengespräch, zu dem der Erzbischof von Washington in den Vatikan einbestellt worden war. Papst Johannes Paul II. und die amerikanischen Kardinäle einigten sich offenbar darauf, dass Geistliche in derartigen Fällen künftig entlassen werden. Nach Abschluss ihres Krisentreffens haben die amerikanischen Kardinäle ihr Fehlverhalten in dem Skandal öffentlich bedauert.

    Aus Vatikankreisen verlautete, die amerikanische Kirche habe sich auf eine Linie der "Null-Toleranz" geeinigt. Vor dem Zugang zum Priesteramt solle es psychologische Untersuchungen geben. Zudem wolle man in den US-Diözesen "Überwachungs-Kommissionen" aus Priestern und Laien bilden. Amerikanische Medien berichteten, bei dem "Krisengipfel" sei auch die Ehelosigkeit für Priester (Zölibat) zur Sprache gekommen und die Frage, ob Homosexuelle für das Priesteramt geeignet sind. Der Papst hatte allerdings bereits klargestellt, am Zölibat dürfe nicht gerüttelt werden. Ungewiss scheint die Zukunft des Erzbischofs von Boston, Kardinal Bernard Francis Law, der über Jahre hinweg Fälle von Kindermissbrauch vertuscht haben soll. (Nordwestzeitung, 25.4.02)

Asien

Iran

  • (3155) Teheran. Aus Zorn über den Tod von Palästinensern bei israelischen Militäraktionen hat ein hoher iranischer Geistlicher für den Tod von US-Präsident George W. Bush und des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon gebetet. Bei seinem Gebet anlässlich des schiitischen Feiertags Eid al-Ghadir sagte Ayatollah Ahmed Dschannati, die Menschen, die in Palästina Muslime töteten, scherten sich nicht darum, ob Eid al-Ghadir, Freitag oder Samstag sei. "Oh Gott, schenke bei dieser Gelegenheit unseren schmerzerfüllten Herzen Glück. Wenn dies dadurch möglich ist, Scharon oder Bush den Tod zu bringen, so tue es in jeder Form, die dir angemessen erscheint", betete Ayatollah Dschannati weiter. Der für seine extremistische Gesinnung bekannte Dschannati ist Chef des so genannten Wächterrats, des obersten Entscheidungsgremiums der Islamischen Republik Iran. (Spiegel online, 2.3.02)