(914) Bonn. Nach Auffassung von Bundeskanzler Kohl werden die kommenden vier Jahre weitgehend von
einer Diskussion um die Grundwerte beherrscht, die seiner Meinung nach von einem christlichen Menschenbild bestimmt sein
sollten. Kohl sagte einem nichtchristlichen, rein diesseitsorientierten Menschen- und Weltverständnis den Kampf an (und dürfte
damit in den Augen des Präfekten der römischen Glaubenskongregation, Kardinal Ratzinger, dem Idealbild eines christlichen
Staatschefs in vollendeter Weise entsprechen, MIZ-Redaktion).
Kardinal Höffner beschäftigte sich unterdessen mit der Definition des "christlichen Unternehmerbildes". Damit Unternehmer
dem Allgemeinwohl verpflichtet sein könnten, bedurften sie eines rentablen Betriebs, der mit Gewinn arbeite. Höffner begrüßte
ausdrücklich den aus "unternehmerischer Initiative entstehenden Pioniergewinn, falls dieser Gewinn in volkswirtschaftlich
sinnvoller Weise angelegt wird". Das Unternehmen sei ein "Verbund freier Menschen", in dem nicht Mitbestimmungsrechte wichtig
seien, sondern "das persönliche Verhältnis zwischen den Leitern des Unternehmens und den Arbeitnehmern".(Katholische
Nachrichten Agentur 13.1.1987, Die Weit, 12.12.1986.)
(927) Dieburg (Hessen) / Ottobrunn (Bayern). Die Unterdrückung von Hochhuths Drama "Der
Stellvertreter" durch CDU- bzw. CSU-majorisierte Stadträte greift um sich.
In Dieburg hieß es, das Publikum wolle mehr unterhaltsam Stücke; in Ottobrunn dagegen argumentierte der Pfarrer theologisch:
Hochhuths Drama sei Lüge; da aber der Teufel der Vater der Lüge sei, würde man mit der Aufführung des Stücks den Teufel ins
kirchlich gesegnete Bürgerhaus einlassen. Die CSU folgte zwar nicht dieser Argumentation, wohl aber dem Begehren in der Sache,
während sich die SPD mit ihrer Warnung davor, "nur noch Stücke zu spielen, die vom Pfarrgemeinderat genehmigt sind", nicht
durchsetzen konnte. (Frankfurter Rundschau, 28.11.1986, Süddeutsche Zeitung, 3.2.1987.)