Ausgewählte Texte

Texte nach Themen

Regionen und AGs

Presse

Andere Informationsquellen

Diskussion

Über diese Seiten

Vorbemerkungen

Vorbemerkungen

Über die Notwendigkeit einer Vereinigung von Konfessionslosen und AtheistInnen

Obwohl über eine Milliarde Menschen weltweit keiner Religion oder Kirche angehören (siehe Britannica Book of the Year 1992) und die Zahl der bewußten AtheistInnen inzwischen mit 236 Millionen beziffert wird, tritt diese zahlenmäßig ansehnliche Bevölkerungsgruppe im politischen Leben fast aller Staaten kaum in Erscheinung. Beispiel Deutschland: Konfessionslose und AtheistInnen existieren in der politischen Öffentlichkeit praktisch nicht, obwohl etwa ein Drittel der Bevölkerung keiner der beiden Großkirchen und 27% überhaupt keiner Kirche oder Sekte angehören. Angesichts der Kirchenaustritte wird der Anteil der Konfessionslosen jenen der ProtestantInnen oder der KatholikInnen in wenigen Jahren übertreffen.

Demgegenüber haben die christlichen Großkirchen heute einen einzigartigen Einfluß (gestützt vor allem auf das im Grundgesetz enthaltene Kirchensteuerprivileg und den als ordentliches Lehrfach anerkannten Religionsunterricht, ferner durch ihre Monopolstellung im Sozialwesen, durch die ihnen vom Staat zufließenden riesigen Geldbeträge, durch immensen Besitz an Grund und Boden, durch eine kaum zu übersehende Zahl christlicher Vereine, durch kirchlich orientierte PolitikerInnen in allen Parteien, eine Vielzahl eigener Publikationsorgane und entsprechende Einwirkungsmöglichkeiten auf die übrigen Medien), den die großen politischen Parteien nicht nur tolerieren, sondern kräftig fördern. So werden Rechte und Interessen von Konfessionslosen und AtheistInnen beschnitten oder übergangen, obwohl unser Staat zu weltanschaulich religiöser Neutralität verpflichtet ist. Die unbestreitbare Tatsache, daß die 'Glaubensfestigkeit' der Kirchenmitglieder ständig schwindet, ändert hieran überhaupt nichts. Es kann im Gegenteil beobachtet werden, daß gerade der Glaubensschwund bei ihren Mitgliedern die Kirchen veranlaßt, ihre Machtposition im weltlichen Bereich immer mehr auszubauen. Deshalb soll nachfolgend am Beispiel Deutschlands dargestellt werden, in weichem Maße das persönliche Leben aller Menschen - und hier besonders der Kirchenfreien - durch die Machtfülle der christlichen Großkirchen beeinflußt wird, ohne daß die ständig größer werdende Bevölkerungsgruppe der AtheistInnen und Konfessionslosen - in Ermangelung einer politischen Interessenvertretung - bisher etwas dagegen unternommen hat. Wir bieten Argumente an, die kirchenfreie Menschen (die niemals in einer Religionsgemeinschaft waren oder aus einer Kirche ausgetreten sind) veranlassen sollten, ihre Interessen wirkungsvoll zu vertreten.

Unsere eigenen Forderungen haben wir jeweils den einzelnen Kapiteln dieses Politischen Leitfadens angefügt. Sie stützen sich in erster Linie auf den Grundsatz der Trennung von Staat und Kirche.

Grundsätzliches zum Internationalen Bund der Konfessionslosen und AtheistInnen (IBKA)

Die Tätigkeit des IBKA läßt sich drei Schwerpunkten zuordnen:
  • Kritik an der Religion als Ideologie.
  • Kritik an der gesellschaftspolitischen Rolle der Kirchen und anderer Religionen / Religionsgemeinschaften.
  • Vertretung und Durchsetzung der Rechte der Konfessionslosen und AtheistInnen.

Bei dem Versuch, in verschiedenen Lebensbereichen Alternativen zu planen und in die Tat umzusetzen, kommen wir nicht umhin, alle gesellschaftlichen Kräfte einer radikalen Kritik zu unterziehen, die menschenwürdige Lebensbedingungen verhindern und auf deren Verwirklichung gerichtete Phantasie unterdrücken. Zu diesen Kräften gehören in vorderster Linie die Religionen als Ideologien der Vertröstung und die Kirchen als deren organisierte Gestalt. Wir haben uns im Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) e. V. zusammengeschlossen, um die Diskussion dieses gerade bei den politisch fortschrittlichen Menschen vernachlässigten, oft verdrängten und häufig gar bewußt ausgeklammerten Problembereichs zu fördern. Aus dem theoretischen Disput ergeben sich praktische Forderungen, Aufgaben und Konsequenzen.

Unser wichtigstes politisches Anliegen ist der Ausbau des IBKA zu einem starken Interessenverband von Konfessionslosen und AtheistInnen, die eintreten für die Menschenrechte und vernunftgeleitetes Denken, individuelle Selbstbestimmung und Toleranz.