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Wa(h)re Nächstenliebe - Arbeiten bei Caritas und Diakonie

Veranstaltung mit Carsten Frerk

Donnerstag, 1. Juni 2006, 20 Uhr
Frankfurt, Finkenhofstr. 17, Café Wiesengrund

Nächstenliebe: ein schöner Gedanke in unserer oft rauhen Welt. An wen denkt man spontan, wenn's um tätige Nächstenliebe geht? An die vielen Mitarbeiter von Caritas und Diakonie, die in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen oder in Kindergärten arbeiten? An soziales Engagement der Kirchen?

Richtig ist: rund 950.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten (sozialversicherungspflichtig) bei den beiden großen Wohlfahrtsorganisationen der Kirchen, damit gehören Caritas und Diakonie zu den größten Arbeitgebern in Deutschland, größer als der Siemens Konzern (420.000) oder der Daimler-Chrysler-Konzern (370.000) weltweit.

45 Milliarden Euro p.a. setzen beide Wohlfahrtsorganisationen um - doch wer bezahlt das? Die Kirchen?

Gerne schmücken die Kirchen sich mit ihrem sozialem Engagement, tatsächlich schießen sie magere 1,8 % an ihre Wohlfahrtsverbände zu. Der Löwenanteil von 98 % wird aus Beiträgen, Leistungsentgelten (= Zahlungen der Krankenkassen oder Pflegeversicherung) und aus allgemeinen Steuermitteln bestritten. Nicht die Kirchen, sondern der Steuerzahler kommt für Krankenhausbau etc. auf.

Aber werden Pflege oder Kinderbetreuung dank Kirchensegen qualitativ besser? Der Hamburger Wissenschaflter Dr. Carsten Frerk ging auch dieser Frage nach - und entdeckte z.B. ein deutlich höheres Maß an Mobbing als in vergleichbaren Firmen. Auch rechtlich stellt sich die Arbeitssituation in den Kirchenorganisationen kritisch dar: die Arbeitgeber regieren ins Privatleben hinein, bis ins Schlafzimmer! Denn unverheiratete Liebschaften - egal, ob hetero- oder homosexuell - liefern einen Kündigungsgrund. Eine Scheidung ist gleichfalls Kündigungsgrund.

Man könnte solche Verhältnisse für mittelalterlich halten - doch leider segnet das neue Antidiskriminierungsgesetz solche Zustände mit Sonderregeln für Kirchen sogar ab. Wie angemessen ist die öffentliche Finanzierung von Caritas und Diakonie angesichts
solcher Zustände? Wie steht es um die Versorgung Nicht- oder Andersgläubiger - immerhin ein Drittel der Bevölkerung, Anteil weiter wachsend? Carsten Frerk diskutiert diese Fragen.