Eine Aktion, mit der in München an das Reichskonkordat von 1933 erinnert werden sollte, ist von der Polizei beendet worden.
(Infos zum Reichskonkordat: IBKA-Pressemitteilung zum 70. Jahrestag)
Wolfram Kastner, einer der Veranstalter, gab am 07.09.2005 folgende Medieninformation heraus:
Kunstaktion "Papst trifft Hitler" – als Gefahr für öffentliche Sicherheit vom "Staatsschutz" abgebrochen –
StaatsSchutz übt "ein bisschen Polizeistaat".
Drei Tage vor dem Besuch von Papst Benedikt XVI. in Bayern wurde vom
Staatsschutz der Ordnungszelle Bayern eine Kunstaktion von Wolfram P.
Kastner und Georg Ledig als "Gefahr für die öffentliche Sicherheit und
Ordnung" behindert und nach kurzer Zeit abgebrochen.
Als ein Papst und Hitler wollten wir Orte in München aufsuchen, die mit der
Geschichte des Nazi-Staates, der katholischen Kirche und des
Reichskonkordats vom 20. Juli 1933 verbunden sind. Dieser Vertrag zwischen
Vatikan und Nazi-Staat gilt bis heute und gewährt auf verfassungswidrige
Weise der katholischen Kirche Einfluss in vielen gesellschaftlichen
Bereichen.
Etwa 20 zivile und uniformierte "Staatsschützer" wollten mit grotesken
Begründungen die Kunstaktion verhindern. Das sei eine unangemeldete
Versammlung, das Tragen eines weißen Talars sei verboten, das sei eine
geschützte Amtskleidung, wir begingen Amtsanmaßung und dergleichen unsinnige
und juristisch unhaltbare Behauptungen wurden herbeigezaubert.
Wir wurden daran gehindert, den geplanten Weg zu gehen und stattdessen in
das Polizeipräsidium geleitet - unter Vortäuschung einer "gemeinsamen
Klärung, welcher Weg begangen werden darf".
Zwei Personen, die Informationsblätter "Weg mit dem Konkordat - Wir fordern
die Trennung von Kirche und Staat" verteilen wollten, wurden mit Gewalt
daran gehindert. Ein junger Mann wurde mit Handschellen abgeführt.
Im Polizeipräsidium, machte ich den Leiter der Staatsschutzabteilung darauf
aufmerksam, dass er die Freiheit der Kunst verfassungswidrig behindere und
lieber die Gesellschaft vor wirklichen Gefahren schützen solle. Was hier
geschehe wirke wie Polizeistaat und nicht wie Demokratie, die zu schützen
ist. Ein Beamter des StaatsSchutzes erklärte uns, "ein bisschen Polizeistaat
schadet nichts".
Herr Beyser, der Chef des Staatsschutzes, untersagte uns, die Kunstaktion
fortzusetzen und drohte widrigenfalls Gewalt an.
Als ich den weißen Talar bereits ausgezogen hatte und auf dem Weg zum
Kostümverleih zur Rückgabe war, kamen uns der oberste Staatsschützer Herr
Beisser und drei weitere verbissen dreinblickende Staatsschützer
nachgelaufen und beschlagnahmten den weißen Talar, die weiße Schärpe und die
weiße Kopfbedeckung.
Der schriftliche angegebene Grund: "Gefahrenabwehr gg. öffentl. Sicherheit
u. Ordnung".
Eine Gefahr für Staat und Gesellschaft stellen weder harmlose Kunstaktionen
oder weiße Talare dar, sondern "Staatsschützer" wie Herr Beyser, die nicht
unterscheiden können zwischen den in der Verfassung verbürgten Freiheiten
und wirklichen Gefahren (von Nazis, Antisemiten, gewaltbereiten religiösen
Fanatikern, und anderen Verbechern).
Herr Beyser sollte juristischen und politischen Nachhilfeunterricht
bekommen und bis auf weiteres seines Amtes enthoben werden. Er ist eine
echte Gefahr für eine demokratische Gesellschaft.
Wir werden Strafanzeige erstatten und eine Dienstaufsichtsbeschwerde
einreichen.
Wir wollen Freiheit der Kunst und keine Übergriffe der Polizei!
Wolfram P. Kastner
Institut für Kunst und Forschung
Trivastr. 7, D-80637 München