Durch seine Kontakte zu Juden und Christen und deren Religion
ist Mohammed immer mehr fasziniert von der Vorstellung und den
Vorteilen einer Eingott-Religion. Eine Idee ergreift ihn und nimmt
ihn zusehends gefangen.
Er geht daran, sie zu realisieren:
Bei den heidnischen Arabern ist „Allah“ die
höchste Gottheit am gut besetzten Götterhimmel.
Mohammed befreit ihn von seinen vielen Gefährten, indem er
ihn „einer Art dogmatischer Säuberung“(1)
unterzieht, und erklärt ihn zum „alleinigen, einzigen
und ewigen Gott“. Er lässt ihn eine symbiotische
Beziehung mit dem Gott der Juden eingehen und gibt ihm dadurch eine
bis zum Anbeginn aller Zeiten zurückreichende Vergangenheit
und ein Gesicht.
Jetzt übergibt Allah Mohammed durch den Engel Gabriel von
Fall zu Fall seine im Koran niedergeschriebenen Offenbarungen, mit
dem Auftrag, sie als sein Gesandter und Prophet zu
verkündigen: „Wahrlich, dies ist der ruhmreiche Koran,
niedergeschrieben auf der im Himmel aufbewahrten Tafel“ 85,
22 (22).
Erstaunlicherweise spricht Allah erst nach fünfzehn(2) von
ihm herabgesandten Suren über seine alttestamentarische
Vergangenheit. Auch in den folgenden dreiundzwanzig Suren ist seine
Befassung damit eher en passant. Dann jedoch, nachdem schon viele
Jahre von Mohammeds Prophetentätigkeit ins Land gezogen sind,
werden die Rückblicke ausführlicher, bis sie im Koran
einen breiten Raum einnehmen. Nach und nach ist Allah zum Gott der
Schrift geworden.
Um seine Akzeptanz bei den zu bekehrenden Götzendienern zu
sichern, behält er einige ihrer Rituale bei; so unter anderen
die Pilgerfahrt zur Kaaba (ein Götzenheiligtum), das Hin- und
Herhüpfen zwischen den Hügeln Safa und Marwa, wobei zwei
Götter angebetet wurden, und die Steinigung des Satans.
(1) Ibn Warraq: Warum ich kein Muslim bin,
S.75
(2) in der zeitlichen Folge, siehe Tabelle