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Kongress „iDie erschöpfte Theorie? Evolution und Kreationismus in Wissenschaften“

15.06.2007 bis 17.06.2007 an der Universität Trier

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Zum Hintergrund:
In den vergangenen Jahren ist der Streit um die Schöpfungslehre und die Evolutionstheorie wiederholt von Medien mit großer Reichweite aufgegriffen worden. Damit ist eine Kontroverse wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt, die längst im Sinne der Theorie Charles Darwins entschieden schien: die Frage nach der Entstehung der Arten. Seit den 1980ern drängte, ausgehend von den USA, eine christliche Bewegung mit der Forderung, die Schöpfungslehre müsse an staatlichen Schulen gelehrt werden, in den öffentlichen Diskurs. Federführend sind insbesondere evangelikale Gruppierungen, die aufgrund massiver Missionstätigkeit in Lateinamerika, sukzessive aber auch in Europa und Asien stärker werden und an Einfluss gewinnen. Ihre Argumentation stützt sie auf die Vorstellungen des Kreationismus und zunehmend auf das vermeintlich wissenschaftliche Erklärungsmodell des Intelligent Design (ID).

Der Kongress:
Der Kongress „Die erschöpfte Theorie? Evolution und Kreationismus in Wissenschaften“ vom 15. bis 17. Juni 2007 an der Universität Trier möchte die Kontroverse unter der Perspektive des Vordringens des Kreationismus in die Schulpraxis (durch einen internationalen Vergleich) sowie die Schuldidaktik im deutschsprachigen Raum (durch eine Untersuchung der Lehrmittel) kritisch beleuchten. Dabei sollen jene Gesichtspunkte in Zusammenhang mit der neoliberalen Privatisierungspraxis im Bildungsbereich und der damit verbundenen verstärkten Ausbreitung von privaten Bildungseinrichtungen gebracht werden. Diese übergeordnete Fragestellung lehnt sich an den 2003 an der Universität Trier veranstalteten Bildungskongress „Die ewige Wiederkehr des Religiösen. Kongress zur Untersuchung der Auswirkungen von Religion und Esoterik in Erziehung und Bildung“ an, dessen Dokumentation 2005 unter dem Titel „Mission Klassenzimmer. Zum Einfluss von Religion und Esoterik auf Bildung und Erziehung“ erschien.

Darüber hinaus möchte der Kongress die Institutionalisierung und Vernetzung der Bewegung um das Intelligent Design (ID) als ein Beispiel für konservative Strategien zur Durchsetzung wissenschaftlich nicht belegter Auffassungen in den Lehrplänen staatlicher Bildungsanstalten thematisieren („Die Studiengemeinschaft Wort und Wissen e.V.“, das „Evangeliumsnetz“ etc.).

Dieser „Verwissenschaftlichung“ und „Gesellschaftsfähigkeit“ der Schöpfungslehre steht das Interesse an der Übertragbarkeit des Darwinschen Evolutionstheorems auf gesellschaftliche Fragestellungen gegenüber. Einige Thesen der Soziobiologie als der wissenschaftlichen Disziplin, die das Sozialverhalten von Lebewesen auf seiner evolutionsbiologischen und genetischen Basis zum Gegenstand hat, sollen während des Kongresses vorgestellt, diskutiert und in ihren Folgen reflektiert werden. Mit der Thematisierung der oft vor der Folie des rassistischen, biologistischen Gedankenguts kritisierten Wissenschaft ist der Impuls für eine bislang nur unzureichend geführte und häufig irrational geprägte Diskussion beabsichtigt.

Kooperation an der Universität Trier:
Der Kongress ist ein gemeinsames Projekt des Arbeitskreises Kritische Theorie[n] und der Professur für Ethnologie (Prof. Dr. Christoph Antweiler), Fachbereich IV der Universität Trier. Begleitend zum Kongress ist ein Kulturprogramm vorgesehen, das in Kooperation mit einem hiesigen Kino eine Filmreihe (Spiel- und Dokumentarfilme) zeigen möchte. Ebenso sollen Künstler eingeladen werden, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.