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Michael

Eigentlich hatte ich gar nicht vor, einem „Atheisten-Verein“ beizutreten. Ich habe ein Leben lang selbstständig, auf eigene Faust den ganz gewöhnlichen Atheismus gepflegt, den ich aus meinem Elternhaus kannte und den ich für „normal“ halte: Es gibt keinen Gott, also muss man sich auch nicht den Kopf über ihn zerbrechen. Nachdenken muss man über Gut und Böse, über Recht und Unrecht, über Wahr und Falsch. Aber das ist von Menschen gemacht und damit auch durch uns selbst veränderbar. Zwar habe ich mich sehr dafür interessiert, was meine Mitmenschen so alles glauben und in ihre heiligen Schriften geschaut. Aber kapiert habe ich nie, dass jemand nicht ganz einfach deshalb Gutes tut, weil es gut ist, sondern dass er auf ein höheres Wesen warten muss, das ihm die Richtung weist. Wenn’s ihnen dabei hilft, Gutes zu tun, warum nicht? Und wenn sie ein Gott in ihrem privaten oder im allgemeinen Elend tröstet, dann sei’s ihnen gegönnt. Da haben diese Mitmenschen es vielleicht sogar besser als ein Rationalist wie ich. Deswegen habe ich auch prinzipiell nichts gegen Religionen oder Gläubige (vor allem nichts gegen friedliche und friedliebende), ich frage nur kritisch nach, was sie auf solche Gedanken bringt und was sie im Namen ihres Glaubens anstellen.

Was mich aber auf die Palme bringen kann (und zunehmend bringt) ist die unerhörte Anmaßung, mit denen die Vertreter heiliger Lehren oder eingetragener Körperschaften des öffentlichen Rechts ihre „Glaubenswahrheiten“ für allein selig machend erklären und mir und allen anderen „Ungläubigen“ das Recht absprechen, zu einer eigenen, Gott-losen Meinung und Moral zu kommen. Im Namen ihrer heiligen Religion haben diese Heuchler jahrhundertelang die anders Denkenden als Ketzer verbrannt und bis ins letzte Jahrhundert hinein das Bündnis von Thron und Altar gepredigt (fast alle Kriege wurden im Namen Gottes geführt) – und heute preisen sie sich selbst als die Erfinder von Frieden, Demokratie, Moral und Humanität an. Dabei musste das alles unter großen Opfern gegen sie erkämpft werden! Das alte Bündnis von Thron und Altar lebt in unserem heutigen Staat fort in einer unglaublichen Privilegierung der großen Kirchen und ihrer – sorgfältig kaschierten – Finanzierung aus den öffentlichen Kassen, also auch aus meinen Steuern.

Ich will von keiner Religion und keinen Religionsfürsten bevormundet werden. Ich will eine klare, vollständige Trennung von Staat und Religion. Das heißt auch, dass jede Form von Religion und Religionsausübung aus den öffentlichen Schulen verschwinden muss. Religion ist Privatsache.

Wenn man dafür öffentlich, im politischen Raum eintreten will, dann muss man sich mit anderen zusammentun. Allein geht das nicht oder es bleibt wirkungslos.