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Den Seinen gibt's der Herr vom Staat

Falko ten Bosch

Carsten Frerk"Den Seinen gibt's der Herr vom Staat", war das Motto des Vortrages von Dr. Carsten Frerk, zu dem die Regionalgruppe Köln-Bonn-Düsseldorf des Förderkreises der Giordano-Bruno-Stiftung und der Landesverband NRW des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten am 17. April 2010 in die "Alte Feuerwache" der Stadt Köln eingeladen hatte.

Mit gut 45 Interessierten war der Saal trotz des guten Biergartenwetters am Samstag abend bis auf wenige Plätze voll belegt.

Der Vortrag wurde eröffnet mit einer Geschichte über die Produkte eines Weltkonzerns. Dieser Konzern, welcher den Zuhörer von seiner Geburt bis zum Tode und über den Tod hinaus mit seinen Produkten, Institutionen und Tätigkeiten begleitet, nimmt mit gigantischen Geldsummen, Besitztümern und einmaligen Sonderrechten Einfluß auf alle Aspekte des menschlichen Lebens.

Jeder Zuhörer wusste natürlich, dass hier die Kirche bzw die beiden großen Kirchen in Deutschland gemeint waren.

Carsten Frerk hat über Jahre aufwändige Recherchen betrieben um an belastbares Zahlenmaterial über direkte und indirekte Zuwendungen des Staates an die Kirchen zu kommen. Neben detaillierten Hintergrundinformationen wurden die Zahlen auch in Form eines Übersichtsblattes gereicht, auf dem die einzelnen Posten detailliert gelistet waren: Allein im Jahre 2000 waren es in Summe über 9 Milliarden Euro an direkten und 7.5 Millarden Euro an indirekten (durch Steuerbefreiung u.ä.) Zuwendungen des Bundes und der Länder an die Kirche. Ein Blick auf das Blatt bestätigte allen Normalsterblichen nochmal: Ja, eine Milliarde ist eine 1 mit 9 Nullen!

Und Nein, diese 16.5 Milliarden Euro enthalten nicht die durch Kirchenmitglieder abgegebene Kirchensteuer, sondern nur die Zuwendungen und Erleichterungen des Staates mit seinen gläubigen und den immerhin über 30% nichtgläubigen Steuerzahlern.

Wie sich herausstellte ein Staat, der 100% aller sogenannten "kirchlichen" Krankenhäuser bezahlt, in denen eine konfessionslose Krankenschwester vermutlich keine Arbeitsstelle bekommt, ebenso wie er immer mindestens 85% der sogenannten "kirchlichen" Kindergärten finanziert in denen Eltern mit unpassender Konfession keinen Platz für ihr Kind bekommen. Derselbe Staat, der zu 100% das Gehalt des stets homophoben, aufklärungsfeindlichen und wie man gerade erfährt auch gerne schonmal "Watschen" an Kinder verteilenden Bischofs Mixa bezahlt.

Im Vortrag wurden detailliert die geschichtlichen und rechtlichen Hintergründe dargestellt, die, angefangen im Jahre 1803 über das Dritte Reich bis in die heutigen Jahre zu den rechtlich völlig einseitigen Verbindlichkeiten des Staates an die Kirchen geführt haben. Viele der schockierenden Fakten wurden vom Publikum mit erstauntem Geraune oder Gelächter kommentiert.

Wer bisher dachte, dass "die Kirche doch nur von der Kirchensteuer lebt", wurde an diesem Abend detailliert und fundiert eines Besseren belehrt.

Im Anschluß an den Vortrag gab es eine sehr angeregte Diskussion darüber, was getan werden kann um wenigstens einen Teil dieser verfassungsrechtlich bedenklichen Verflechtungen zu lösen. Man darf gespannt sein auf Carsten Frerks neues Buch, welches voraussichtlich im Herbst 2010 erscheinen wird.

Es sei noch erwähnt, dass dieses die erste und vermutlich wohl auch letzte Veranstaltung des IBKA in den Räumen der "Alten Feuerwache" war, da laut Aussage des mit finanziellen Mitteln der Stadt Köln unterstützten Betreibervereins "Bürgerzentrum Alte Feuerwache" weder kirchliche noch kirchenkritische Veranstaltungen erwünscht seien. Der Vortrag von Carsten Frerk sei nur "versehentlich" zugelassen worden.

Foto: © Evelin Frerk