Potsdam, den 28.10.2003
Gemeinsame Stellungnahme von sechs Verbänden zum beabsichtigten Konkordat des Landes Brandenburg mit dem Vatikan
Rotstift, Sozialabbau, Subventionsstreichungen - Begriffe, die in Brandenburg bekannt und verbreitet sind. Jeden trifft
diese Politik. Fast jeden - die katholische Kirche wird im Bundesland Brandenburg, mit einem Kaholikenanteil von 3.2 % in der
Bevölkerung, ausgenommen. Und nicht nur dies: Ministerpräsident Matthias Platzeck beabsichtigt, am 12. November ein so
genanntes Konkordat (Vertrag) mit dem "Heiligen Stuhl" zu unterzeichnen, in dem etliche neue Zahlungen und Privilegien für die
brandenburgische katholische Kirche vereinbart werden. Subventionen, die ein Vielfaches der direkt aus dem Vertrag
ersichtlichen 1.15 Millionen Euro jährlich betragen werden.
Auf diesen Umstand weisen der Brandenburgische Freidenker-Verband (BFV), der Deutsche Freidenker-Verband (DFV), der
Dachverband der Freien Weltanschauungsgemeinschaften (DFW), der Humanistische Freidenkerbund Brandenburg (HFB), der
Humanistische Verband Berlin-Brandenburg (HVBB) und der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) in einer
gemeinsamen Stellungnahme, gerichtet an Ministerpräsident und
Landtagsabgeordnete hin. Der Vertrag weist weitere Merkwürdigkeiten auf: Er läuft unbefristet und enthält keine
Kündigungsklausel, obwohl er fast ausschließlich nur Rechte für die katholische Seite und fast nur Pflichten für das Land
Brandenburg enthält. Wird aber die katholische Kirche je freiwillig auf Privilegien verzichten?
Eine öffentliche Diskussion um das Konkordat fand so wenig statt wie eine Anhörung im brandenburgischen Landtag. Es gab
keine zureichende Information der Öffentlichkeit, der Vertragstext ist bis jetzt nicht bekannt gemacht worden. Um diesen
"Geheimverhandlungen" Transparenz für eine möglichst wache Öffentlichkeit entgegenzusetzen, haben sich die sechs beteiligten
Verbände entschlossen, eine ihnen anonym zugegangene Fassung des
Vertragstextes im Internet zu publizieren.
Die beteiligten Verbände hegen die Hoffnung, dass eine öffentliche Diskussion um den merkwürdigen Vertragstext und seine
seltsame Entstehung, die Abgeordneten zum Nachdenken anregen möge. Die Abgeordneten sollen am 14. November über das Konkordat
im Landtag abstimmen - zwei Tage nachdem es vom Ministerpräsidenten unterschrieben wurde. Die sechs Verbände fordern die
Abgeordneten auf, dem Konkordat nicht zuzustimmen.
Kontakt:
Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten e.V.
www.ibka.org
Brandenburgischer Freidenker-Verband
www.brandenburger-freidenker.de
Deutscher Freidenker-Verband:
www.freidenker.de
Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften:
www.dfw-dachverband.de
Humanistischer Freidenkerbund Brandenburg:
www.bfgb.de/hfb
Humanistischer Verband Berlin-Brandenburg:
www.humanismus.de