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Etikettenschwindel „Wort zum Freitag“

Pressemitteilung vom 08.02.2007

Der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten e.V. (IBKA) kritisiert das Vorhaben des ZDF, ein islamisches „Wort zum Freitag“ als Pendant zum christlichen „Wort zum Sonntag“ in sein aus Gebühren finanziertes Programm aufzunehmen, und fordert, die Bevorzugung von Religionsgemeinschaften in den öffentlich-rechtlichen Medien zu beenden.

Der IBKA erklärt hierzu:

Aus neutraler Perspektive betrachtet stellt das öffentlich-rechtliche Fernsehen den Kirchen, z. B. mit dem „Wort zum Sonntag“, kostenlose Werbezeit zur Verfügung. Obwohl die Kosten für derartige Sendungen von allen Gebührenzahlern getragen werden, liegt die inhaltliche Verantwortung allein bei kirchlich Beauftragten – von der Konzeption bis zur Realisierung. Mithin handelt es sich hierbei um parteiliche Darstellungen vor dem Hintergrund des jeweiligen kirchenchristlichen Bekenntnisses sowie kirchenpolitischer Erwägungen.

Ausgerechnet diese christliche Kirchenlobbyredaktion des ZDF soll nun das „Wort zum Freitag“ „als ein weiteres Element der Auseinandersetzung mit dem Islam“ gestalten. Da wäre es nur recht, wenn demnächst im Gegenzug ein Imam das „Wort zum Sonntag“ spricht. Abgesehen davon bezweifelt der IBKA stark die Glaubwürdigkeit bzw. Relevanz eines solchen Formats bei Bürgern moslemischen Glaubens und damit den Erfolg der unterstellten „guten Absichten“ der christlichen Initiatoren eines nur vermeintlich islamischen „Worts zum Freitag“.

Wenn die christlichen Kirchen bestimmte Vorrechte genießen, so sind diese Privilegien im Sinne der Gleichbehandlung auch anderen Religionen oder Weltanschauungen – vom Islam über die Zeugen Jehovas bis zu Scientology – einzuräumen. Insbesondere die inzwischen größte gesellschaftliche Gruppe, die Konfessionslosen, ist bislang überhaupt nicht entsprechend vertreten. Bevor allerdings auch noch der „Zentralverband der Regentanzschamanen“ seine öffentlich finanzierte Werbeplattform erhält, sollten besser endlich sämtliche derartige Vorzugsbehandlungen abgeschafft werden. Die redaktionelle Beschäftigung mit Weltanschauungen sollte allein nach journalistischen Gesichtspunkten stattfinden.

Die bestehenden Strukturen sind ein Relikt der 50er Jahre, als über 90 Prozent der Bevölkerung Kirchenmitglieder waren. Der gesellschaftliche Wandel hin zu weltanschaulicher Pluralität und weg von dogmatischer Religion kann auch an ARD und ZDF nicht länger vorbeigehen. Das Gebot der weltanschaulichen Neutralität muss künftig überall im öffentlich-rechtlichen Raum gelten. Diese ist nur zu gewährleisten, wenn man Sendevorrechte in öffentlich-rechtlichen Medien generell abschafft – zumal alle größeren Religionsgemeinschaften bereits ausreichend über eigene oder ihnen inhaltlich sehr nahestehende Publikationsorgane (TV, Radio, Presse und Internet) verfügen.

Hintergrund

Wort zum Freitag (Wikipedia)