12. Sterben

12. Sterben

Die meisten Menschen haben weniger Angst vor dem Tod als vielmehr Angst vor dem Sterben, und letzteres aus gutem Grund. Die heutige Medizin ist in der Lage, PatientInnen auch bei hoffnungsloser Krankheit lange am Leben zu halten, selbst dann, wenn dieser Zustand nur noch zu weiteren Qualen führt. Dieselbe Medizin wäre auch in der Lage, zu einem humanen und menschenwürdigen Sterben beizutragen. Aber dieses wird ebenso wie das Selbstbestimmungsrecht des Menschen über seinen eigenen Freitod durch christliche Vorstellungen, nach denen auch ein schweres, sinnloses Leiden gottgewollt sei, verhindert. bzw. verurteilt. Als Argumentationshilfe dient ausgerechnet den Kirchen dabei die sogenannte Euthanasie im Dritten Reich, die in Wirklichkeit nichts anderes als Massenmord an Behinderten und Geisteskranken war. Wie inzwischen nachgewiesen ist, leisteten christliche Moraltheologen ideologische und kirchliche Einrichtungen praktische Hilfestellung zur "Vernichtung lebensunwerten Lebens".

Ohne die Problematik einer Mißbrauchssicherung und die großen rechtlichen Probleme zu verkennen, bleibt festzustellen, daß die Diskussionen um ein menschenwürdiges Sterben solange erfolglos geführt werden, solange es den christlichen Kirchen weiterhin ermöglicht wird, mit Unterstützung des Staates ihre Wertvorstellungen allen BürgerInnen aufzuzwingen.

Als gesellschaftlicher Skandal ist die Tatsache zu bezeichnen, daß die meisten Krankenhäuser zwar über Kapellen und geräumige Andachtszimmer verfügen, sterbende PatientInnen jedoch in Raucher-, Fernseh- oder Besucherzimmern oder gar in Fluren ihr Leben beenden müssen.

Forderungen des IBKA: