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Federation Nationale de la Libre Pensée Francaise

Claude SINGER (stellv. Generalsekretär)

Neuigkeiten der Federation Nationale de la Libre Pensée Francaise (französische Freidenker)

trad. Heinke Foerst-Mortagne

Liebe Freunde und Kollegen.

Ich überbringe euch und Ihnen eine Willkommensbotschaft unserer alten Freidenkerorganisation der "Libre Pensée" und möchte bei der gleichen Gelegenheit den Organisatoren dieser Konferenz dafür danken uns eingeladen zu haben. Ganz besonders Rudolf Ladwig, mit dem ich mich seit Monaten sehr reichhaltig austausche, aber leider nur virtuell. Heute ist nun Gelegenheit sich in Fleisch und Blut in der wirklichen Welt gegenüberzustehen.

Ich habe gerade von unserer alten Freidenkerorganisation der Libre Pensée gesprochen und ich werde euch/ihnen erklären, warum. Tatsächlich, so wie ihr alle, berufen wir uns auf den nicht-dogmatischen Gedanken, der bis in die antike Frühzeit zurückreicht und auf den Aufklärungsgedanken im 18. Jahrhundert - sicher ist der Ursprung französisch, aber es gibt Verbindungen in ganz Europa und auf eine ganz besondere brillante Art in Deutschland. Wir berufen uns ebenfalls auf die politischen Ideale und Errungenschaften für die Menschenrechte, die uns die amerikanische Revolution und die große Französische Revolution gebracht haben.

Die ersten Freidenkerorganisationen in Frankreich gab es seit 1847 mit der Gründung der Zeitschrift " Liberté de Penser " (Freiheit zu denken), die bis November 1851 die Prinzipien der Freidenker und die weltanschauliche Neutralität verteidigte. Diese Zeitschrift verbreitete den Ausdruck " Klerikerpartei " der den Klerus und seine Verbündeten bezeichnete. Sie kritisierte die Dogmen, denunzierte Intoleranz und kämpfte gegen den Klerus, der insbesondere die Kontrolle der Schule durch die Pfarrer durchzusetzen versuchte.

1848 wurde die "demokratische Gesellschaft der Freidenker" gegründet. Das ist zur gleichen Zeit als der Freidenker und Freimaurer Victor Schoelcher bewirkte, dass die Sklavenhaltung der Schwarzen in allen französischen Kolonien abgeschafft wurde.

Seid versichert, ich werde euch keine vollständige Geschichtsstunde geben. Ich möchte nur einfach vier andere wichtige Daten für unsere Bewegung mitteilen. Und ich sage euch anschließend, warum dies in unseren Augen so wichtig ist.

Im September 1889 findet der Weltkongress der Freidenker in Paris statt und bestätigt:

"der freie Gedanke war, ist und wird immer die wahre Emanzipierung der Menschheit sein, wenn dies Werk vollendet sein wird, wird unser Ideal verwirklicht sein, das heißt:

Internationaler Frieden, innerer Frieden; das Werkzeug dem Arbeiter, das Land dem Bauer, öffentlicher Reichtum allen. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind nicht nur irgendwelche daher geredeten leeren Worte und endlich werden wir die Republik triumphieren sehen."

Das zweite wichtige Datum ist 1890, das Gründungsjahr der "Fédération Francaise de la Libre Pensée", der französische Verband der Freidenker. Er wird sich schnell aufgrund des Kampfes für die Trennung von Kirchen und Staat, entwickeln.

1903 wird der bekannte Chemiker Marcelin Berthelot, und ein wenig später der Schriftsteller Anatole France zu Ehrenpräsidenten unserer Bewegung. Zu dieser Zeit wurden von unserer Zeitschrift "La Raison", heute immer noch unsere Monatszeitschrift, 37000 Exemplare gedruckt und schätzungsweise von ungefähr 150000 Menschen gelesen, nicht gerade wenig für unser Land. "La Raison" eröffnete eine Kampagne gegen das klerikale Einsickern in der Universität und unterstützte bedingungslos die Politik der Regierung für die Institution der Laizität und gegen die Privilegien der Kleriker, die es ein Jahrhundert nach der Französischen Revolution noch gab. Die nationale Organisation, unter dem Vorsitz von Ferdinand Buisson war daran beteiligt, dass solch ein Klima geschaffen und verbreitet wurde und dann letztendlich zum Gesetz der Trennung führte.

Das dritte wichtige Datum ist 1904, der Kongress von Rom mit einer großen Kundgebung zu Porta Pia, auf der revolutionäre Hymnen gesungen wurde. Der Erfolg war durch die Vielzahl der Teilnehmer und dem Wert der teilnehmenden Persönlichkeiten geprägt, die sich an den Arbeiten beteiligten. Der Kongress in Rom ist in der Geschichte der Freidenker in der ganzen Welt ein bedeutsames historisches Datum. Denn hier wurde die Grundlagencharta der drei großen Prinzipien entwickelt und einstimmig beschlossen.

"Freidenker sind demokratisch, neutral und sozial. Im Namen der Menschenwürde verwirft sie das dreifache Joch:

  • den Dogmatismus in allen Bereichen, besonders im religiösen und moralischem Bereich
  • Privilegien im Bereich Politik
  • Profit im Bereich Wirtschaft

Und dann endlich 1905: Weltkongress in Paris im Palais Trocadéro. Der Kongress spricht sich für die Mitgliedschaft der Freidenker in pazifistischen Organisationen, für die allgemeine Entwaffnung, für internationale Schiedsurteile und für die Devise "Krieg dem Krieg" aus. Auf dem Kongress wird der französische Verband der Freidenker in nationaler Verband der Freidenker umbenannt.

Am 9. Dezember 1905 wird das Gesetz der Trennung von Kirchen und Staat, von Ferdinand Buisson, Sekretär des nationalen Verband der Freidenker und Abgeordneter der Radikalen, vorgestellt, verabschiedet. Die Freidenker triumphieren. Ich werde jetzt nicht über die Bedeutung dieses Gesetzes sprechen, das wird das Thema morgen nachmittag von meinem Freund Christian Eyschen, Generalsekretär der Freidenker und Delegierter der IHEU bei der UNESCO sein.

Ich war jetzt vielleicht etwas langatmig, aber es war um die vier Prinzipien zu unterstreichen und die ich nochmals wiederhole: Pazifismus, Antidogmatismus, Anti-Religion und Anti-Kapitalismus sind die vier Säulen, die unsere Aktivitäten auf internationaler, sowie auf nationaler Ebene unterstützten und unterstützen.

Ich komme jetzt zu den Freidenkern von heute.

Wir sind ein Verband, zusammengefasst aus Kreisverbänden und Gruppen. Jedes Jahr definiert unser Nationalkongress - wie der eurige- den groben Rahmen, der von der Verwaltungskommission umgesetzt wird. Die Mitglieder der Verwaltungskommission werden auf diesem Kongress jeweils zu einem Drittel neugewählt. Die Kreisverbände und Gruppen bleiben frei, ihre eigenen Aktivitäten völlig unabhängig zu organisieren.

Der nationale Verband organisiert in Verbindung mit den Kreisverbänden zahlreiche Aktivitäten, entweder geht die Initiative vom Land oder unterstützend von den Ortsverbänden aus. Ich werde von einigen berichten.

Ihr wisst sicherlich, dass wir nächste Woche in der Sorbonne in Paris ein französisch-amerikanisches Kolloquium mit unseren Freunden, den Atheisten der USA organisieren. Anlass ist die Aktion, die Jefferson für den 1. Gesetzesentwurf der amerikanischen Verfassung, der eine völlige Unabhängigkeit der Religionen gegenüber dem Staat garantierte, anführte.

Von uns und anderen wurde ebenfalls der Vorschlag initiiert, die Gründung eines internationalen Komitees der Atheisten und Freidenker auf der Grundlage eines Manifestes über das wir noch in den nächsten Tagen Gelegenheit haben zu sprechen..

Wir beteiligen uns ebenfalls an der internationalen Kampagne für die Freilassung von Dr. Shaikh, der in Pakistan wegen einer angeblichen Gotteslästerung über den Islam, zum Tode verurteilt wurde; von der IHEU (International Humanist and Ethical Union) initiiert. Die Regionalpresse hat über unseren Protest weitestgehend berichtet. Zahlreiche säkulare Organisationen und Gewerkschaften haben uns unterstützt. Unser nationaler Kongress hat beschlossen die Kampagne fortzusetzen und zu intensivieren.

Wir sind der Ansicht, dass die europäische Union die Einheit und Unteilbarkeit der Republik in Frage stellt. In Frage stellen heißt den Regionen unterschiedliche Machtbefugnisse zu geben. Das ist der Fall im Schulsystem, wo seit vielen Jahren die verschiedenen sich nachfolgenden Regierungen versuchen, den Ausnahmestatus vom Elsass-Mosel-Departement auf andere Regionen auszuweiten. (In diesen beiden Departements werden aus historischen Gründen, aber vor allen Dingen aus Feigheit der Regierenden weiterhin die Gesetze des preußischen Kaiserreichs, von Bismarck durchgesetzt, umgesetzt) im Dezember 2001 haben die nationalen Freidenker und die Kreisverbände in Straßburg ein Kolloquium für die Aufhebung dieses Status, organisiert. An diesem Kolloquium nahmen zahlreiche weltliche Laien, Freidenkerorganisationen aus anderen europäischen Ländern, und Gewerkschaften teil. Dies Kolloquium hat einen offenen Brief zu diesem Punkt an alle Kandidaten der Präsidentschaftswahlen geschickt. Wir haben eine bestimmte Anzahl von Antworten erhalten und diese veröffentlicht.

Ebenfalls fand ein öffentliches Meeting im Departement Morbihan in der Bretagne im März 2002statt, mit anschließender Kundgebung zum republikanischen Denkmal zu Gedenken an den Verbund der Bretagne und dem Angevin, Verbündete der Republik während der Französischen Revolution. Das hat uns erlaubt, die organische Verbindung zwischen Demokratie, Republik und Laizität zu bestätigen. Man muss wissen, das zum Beispiel, unter dem Vorwand die regionalen Sprachen zu fördern, ganz besonders in der Bretagne, aber nicht nur dort, ebenfalls auf Korsika, das im Moment einen besonderen Status hat, wird versucht im Unterricht, nicht etwa die regionalen Sprachen zu erlernen - was kein Problem für uns darstellt - nein, in den regionalen Sprachen zu unterrichten, französisch wird somit in einigen Jahren eine gesprochenen Zweitsprache sein. Fürs erste und das durch die Aktion der Freidenker wurden die Privatschulen, die dies "Eintauchen in Unterricht" nennen vom Staatsrat abgewiesen, weil einer der ersten Artikel in unserer Verfassung deutlich aussagt, dass Französisch die Sprache der Republik ist.

Im Juni 2001 haben wir mit anderen den nationalen weltlichen Kongress organisiert, der nun ein Schwarzbuch über die Attacken der Laizität vorbereitet.

Im Bereich der anti-religiösen, anti-dogmatischen und rationalistischen Aktivitäten haben wir im Juli 2000 ein Kolloquium in Avignon - ehemalige Papststadt - realisiert. Ein sehr erfolgreiches Kolloquium mit dem Thema: " Nein, Jesus Christus hat nicht existiert: gegen 2000 Jahre Obskurantismus, der freie Gedanke, eine Chance für die Menschheit." Wir haben eine Broschüre zu dem Kolloquium veröffentlicht, wenn jemand daran interessiert ist, bitte bei uns bestellen.

Seit einigen Jahren entwickeln wir eine Aktivität in Richtung des wissenschaftlichen Milieus. Wir haben eine Broschüre über Betrüger in der Wissenschaft veröffentlicht, das Ergebnis eines Kolloquiums, das im Museum der Naturgeschichte in Paris mit der Teilnahme und der Beteiligung zahlreicher bekannter Forscher stattfand.

Gleichfalls um unsere Opposition gegenüber religiösen Verboten kundzutun, veranstalten zahlreiche Kreisverbände am Karfreitag - bei uns "heilig" genannt - einen reichhaltigen Festschmaus. Gelegenheit alles zu essen, was die Kirche an diesem Tag verbietet. Was an sich bereits eine schöne Sache ist, aber uns auch die Möglichkeit gibt, uns zu versammeln um an Konferenzen über verschiedenste Themen und über die Aktualität teilzunehmen.

Unsere internationale und pazifistische Aktivität entwickelt sich auf eine regelmäßige Art und Weise. In Frankreich, und ich nehme an in jedem Dorf und jeder Stadt gibt es ein Denkmal zum Gedenken an die gefallenen Soldaten während der zwei großen Weltkriege. Diese Denkmäler wurden nach 1918 gebaut. Natürlich sind die meisten militaristische, kriegerische, streitbare Denkmäler, die den französischen Hahn auf seinen Hinterbeinen sitzend, einen spitzen Helm oder einen Soldaten von 1914, bereit mit seinem Bajonett auf den Feind loszugehen, dominiert. Aber einige unter diesen Denkmälern sind wissentlich gebaut worden um den Frieden, gar den Anti-Militarismus und den Kampf gegen den Krieg, zu repräsentieren. Unsere Kreisverbände haben alle diese pazifistischen Monumente aufgelistet. Wir haben sogar ein Buch mit den reichen Illustrationen zu diesem Thema herausgegeben. Alle Jahre, am Rande der offiziellen Zeremonien, vor allen Dingen am 11. November, organisieren wir Versammlungen um diese Monumente. Zum Beispiel im Laufe des Jahres 2001 sind es mehr als 1000 Menschen gewesen, die sich in ganz Frankreich zu den Themen Pazifismus, Antimilitarismus und Kampf dem Krieg versammelt haben. Wie ihr sicher sein könnt ist dieses Thema unglücklicherweise nie beendet und dieses Jahr haben wir wieder einmal genügend Material um die alte Parole: "Krieg dem Krieg!" herauszugeben.

Wir entwickeln ebenfalls eine nationale Bewegung für die Rehabilitierung der Meuterer und der Erschossenen " als Beispiel, wie sie sagen" von 1914 - 1918. Der vorherige Premierminister Lionel Jospin hatte seinerzeit erklärt, dass diese Männer in das kollektive Gedenken integriert werden müssen. Wir nehmen ihn beim Wort und trotzdem, trotz der Regierungswechsel, Schreiben an alle Abgeordneten und an den neuen Premierminister, damit die Ehre dieser Männer, die die Nase vom Abschlachten voll hatten, die sich nichts weiter als den Frieden wünschten, wieder hergestellt wird. Es wird sicher länger dauern, im Gegensatz zu den Putsch-Generälen während des Algerien-Krieges.

Was die Verteidigung der Laizität in der Schule und im Staat betrifft, kämpfen wir gegen die ständigen Versuche die republikanischen Gesetze der Laizität in der Schule und der Trennung von Kirchen und Staat in Frage zu stellen. Wir kämpfen gegen die öffentliche Finanzierung von religiösen Bauten, gegen die Anwesenheit offizieller Staatsträger bei religiösen Zeremonien.

Die letzten Regierungen, die jetzige und die vergangene, versuchen den Religionsunterricht in der Schule durchzusetzen. Erst einmal in Form, wie sie sagen, von Religionsgeschichtsunterricht, was ja bereits im Rahmen des traditionellen Geschichtsunterrichts stattfindet. Natürlich haben der Klerus und seine Verbündeten nie genug: sie wünschen, dass es "Spezialisten", das heißt Pfarrer, Pastoren, Rabbiner, Imams in die öffentliche Schule kommen um diese Arbeit auszuführen. Sie präsentieren den Religionsunterricht in der öffentlichen Schule als ein Mittel der Jugend ein "moralisches Gewissen" zu geben. Sicher zur gleichen Zeit reduzieren sie das, was sie öffentliches Defizit nennen um unter die 10% wie es die Europäische Union fordert, zu kommen. Unterrichtsstunden werden gestrichen, Rahmenpläne per Hammerschläge erstellt, Grundschulklassen geschlossen, wenn es sich nicht gleich um ganze Grundschulen handelt, mehr und mehr Lehrer, die keine Beamte sind, somit eine unsichere Stellung und natürlich nicht ausbildet wurden, werden eingestellt. Es ist immer die selbe obskurantistische Strategie. Aber wir, wir sagen um der Jugend ein moralisches Gewissen zu geben muss sie unterrichtet werden und die Zukunft darf nicht verbaut werden.

So nun wurde in einigen Worten die Arbeit der französischen Freidenker dargestellt. Wir haben mit viel Interesse eure Arbeit verfolgt, weil es wichtig ist, dass die Bemühungen aller Freidenker, Humanisten, Männer und Frauen des Fortschritts in Europa, in der ganzen Welt koordiniert werden um gegen alle Integrismen, dem gefräßigem Appetit der Geldmacher und der Waffenhändler, Kirchenmanöver, besonders des Vatikans - er ist am besten organisiert - in ganz Europa und im ehemaligen Osteuropa und in der Ex-Sovietunion zu kämpfen.

Alle vereint, könnten wir die Ziele unserer Großväter von 1889 realisieren. Internationaler Frieden, innerer Frieden, das Werkzeug dem Arbeiter, das Land dem Bauern, der öffentliche Reichtum uns allen und auf das Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit keine leeren Worte ohne Sinn und Verstand sind und endlich die Republik triumphiert.

Ich komme zum Schluß und ende mit unserem alten Kriegsruf:

Weder Gott, noch Gebieter! Es lebe der Sozialismus, nieder mit den Pfaffen!