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Statement zur Podiumsdiskussion "Was unterscheident Säkularisten verschiedener Verbände und Staaten?"

Barbara Stocker

Während ich Leute unterstütze, die zusammen arbeiten, was ich als den besten Weg ansehe, um etwas voranzutreiben, selbst wenn es sich um die eine säkulare Welt handeln sollte, so ist mir doch klar, dass es gilt, Probleme zu überwinden. Die USA und die europäischen Länder unterscheiden sich stark in ihrem Zugang zur Religion, wobei die europäischen Länder mehr Gemeinsamkeiten miteinander als mit den USA haben. Die USA scheinen bei weitem religiöser als die Europäer zu sein. Das mag auf den ersten Blick seltsam sein, aber ein Blick auf die Geschichte kann eine plausible Erklärung für den Unterschied liefern.

Europa war einst hochgradig christlich, mit Herrschern, die das Christentum unterstützten, ja sogar das Christentum zur Staatsreligion erhoben. Dies führte zu vielen Missbräuchen seitens der Kirche, speziell zur Inquisition mit ihrer Verfolgung der "Ungläubigen", d.h., jeder der nicht fromm genug oder ein Dorn im Fleische des Establishments war, jedenfalls sofern sie eine Anklage gegen ihn vorbringen konnten. Es gab eine entsetzliche Hexenverfolgung, durch die viele Frauen ihr Leben verloren. Mit der Aufklärung wuchs ein tiefes Misstrauen gegenüber dem Klerus, welches sich in gewisser Weise bis in die heutige Zeit gerettet hat.

In der Zwischenzeit etablierte sich in den USA die Religionsfreiheit, bei der der Staat die "Finger weg" hielt. Obwohl man meinen sollte, dass dies eine säkulare Gesellschaft begünstigte, führte es denn doch zu einer religiöseren Gemeinschaft. Wir haben in der Tat einen "freien Markt" der Religionen, für jeden etwas. Prediger müssen eine populäre Botschaft anbieten, die jeder hören will. Neue Religionen sprießen, z.B. Mormonen, Christian Science und Scientology. Jede von ihnen hat Millionen Anhänger hervorgebracht, wohingegen die alten Religionen verlieren. Zusätzlich sind die Religionsgesellschaften steuerbefreit, was es einigen Kirchen ermöglicht, enorme Reichtümer anzuhäufen und sie so für Skrupellose attraktiv zu machen. Wir haben ebenfalls spezielle Interessen Religion zu fördern. Wir haben zum einen das "Institute of Creation Science", welches versucht, zu verhindern, dass die Evolution im Unterricht behandelt wird und zum anderen eine starke Propaganda seitens der katholischen Kirche gegen die Abtreibung. Unglücklicherweise sind beide recht erfolgreich.

Schließlich haben wir eine Verbindung zwischen Religion und Politik, in welcher rechtsgerichtete Politiker das Thema "Moral" benutzen, um Kirchgänger auf ihre konservative Seite zu ziehen.

Insofern haben wir andere Probleme in den USA. Vielleicht können wir von dem Erfolg lernen, den Europa bei der Durchsetzung freigeistigen Gedankenguts in seinem Gebiet hatte.

Übersetzung: Franz-Josef Marx