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Leipzig: Streit zwischen Kirche und Universität

Martin Hergert

Von „den Fremden“ und „unserer christlichen Kultur“ – der absurde Streit um ein Unigebäude in Leipzig

Aus: IBKA-Rundbrief Dezember 2008

Am sechsten November war es so weit: Generalbundesanwältin Harms höchstpersönlich machte sich auf den Weg nach Leipzig, um zwischen Universität und Kirche zu schlichten. Sie traf vermutlich auf dieselben Argumente, die auch die Gazetten beschäftigen: Glaswand, Klimatisierung, Raumakustik. Doch im Kern geht es um etwas anderes: den unverhohlenen Anspruch von Teilen der Kirche, Einfluss auf den Universitätsbetrieb zu nehmen.

Genau den möchte man ausbauen, wenn man fordert, das auf dem Platz der von Ulbricht gesprengten Universitätskirche St. Pauli erbaute neue zentrale Universitätsgebäude, das Paulinum, müsse zur Kirche geweiht werden. Damit attackieren die Befürworter einer „Universitätskirche“ den in jahrelangem Ringen gefundenen Kompromiss zwischen dem Bau eines modernen, als Aula zu nutzenden Universitätsgebäudes und der Erinnerung an das Unrecht der Sprengung der historischen Universitätskirche. Der Entwurf, welcher bereits Richtfest feierte, sieht eine Fassade vor, die an die gotische Kirche erinnert, es wird ein Andachtsraum mit 275 Sitzplätzen entstehen und die gesamte Aula kann auch für Gottesdienste genutzt werden.

Diesen Kompromiss verteidigt die Unileitung, namentlich Rektor Häuser und eine Mehrzahl der Professoren, welche inzwischen eine Resolution für die Unabhängigkeit der Universität unterzeichnet haben.
Und dafür hagelt es Kritik, die unsachlich und polemisch wird. Ein schönes Beispiel dafür war ein „Thesenanschlag“ am 31.10. von Befürwortern einer Unikirche. Der ganze Mittelbau sei marxistisch, war dort zu hören. Oder auch, die Studenten kommen und gehen und hätten somit auch nicht über ein Gebäude in der Stadt zu entscheiden (MdB Weißgerber, SPD) und „Ulbricht = ‚Rektor‘ Häuser“ – so war es auf dem Transparent eines Besuchers zu lesen.

Inzwischen hat sich eine Bürgerinitiative „für eine weltoffene, weltliche und autonome Universität Leipzig“ gegründet, die dieser Polemik entgegenwirken will. Sie unterstützt den im Bau befindlichen Kompromiss und damit die Universität. In der Resolution der Professoren, für die die Bürgerinitiative Stimmen sammelt, heißt es: „Der von einer lauten, aber durch nichts legitimierten Minderheit gestellten Forderung, das zentrale Bauwerk der Universität als Kirche zu weihen, darf die Universität nicht nachkommen. Damit würde die Bindung der Wissenschaft an eine Konfession symbolisiert.“

Man wünsche der Uni einen langen Atem, denn das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Generalbundesanwältin Monika Harms wird nach dem Scheitern des ersten Schlichtungsversuchs zu einem zweiten Gespräch mit Oberbürgermeister Jung, Landesbischof Bohl und Rektor Häuser einladen.

Siehe auch: Universitätsneubau in Leipzig - Kirche statt Aula? (hpd)