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Konkordat mit der Kirche und Verfolgung von Freidenkern

Aus: MIZ 3/93

(Ausbürgerungsliste 96K)

Während in Berlin und Rom der genaue Text des Reichskonkordates ausgehandelt wurde, hatte die Offensive der Nationalsozialisten gegen den freien Geist längst begonnen.

Nachdem Parteien, Gewerkschaften und Verbände zerschlagen oder gleichgeschaltet und mehrere zehntausend Oppositionelle verhaftet worden waren, brannten am 10. Mai in allen größeren deutschen Städten Bücher. Um Deutschland endgültig vom subversiven Geist zu "säubern", wurden viele kritische Intellektuelle, die untergetaucht oder emigriert waren, ausgebürgert.

Auf der Ausbürgerungsliste vom 23. August 1933 finden sich neben Kurt Tucholsky, Lion Feuchtwanger, Heinrich Mann und Ernst Toller auch die Namen zweier prominenter Atheisten.

Max Sievers war Vorsitzender des Deutschen Freidenkerverbandes und verlor im Widerstand gegen die Nazidiktatur sein Leben.

Peter Maslowski war der einzige Reichstagsabgeordnete der KPD, der sich in der Weimarer Republik der Kirchenkritik angenommen hatte und noch im hohen Alter in den 70er Jahren das "Theologische Untier" veröffentlichte. Er wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden.

Die immer wieder vorgetragene Behauptung katholischer Bischöfe, der Atheismus habe die Durchsetzung des Nationalsozialismus begünstigt, steht also im deutlichen Widerspruch zu den Fakten.