Aus: MIZ 2/93
Was Kirchenkritiker wie Horst Herrmann, Gerhard Rampp, Johannes Neumann und Edgar Baeger schon lange belegen,
hat jetzt ein "Mann der Kirche" vor einem Millionenpublikum freimütig bestätigt: In der Fernsehreihe "Doppelpunkt" am 29. April
im ZDF klärte der Professor für systematische Theologie an der Universität Paderborn, Dr. Peter Eicher, über das soziale
Engagement der Kirche auf. Den Beitrag Eichers geben wir auszugsweise wieder:
Eicher: So eine normale Sozialstation der Caritas in Münster, das sind so zwischen zehn und zwölf Prozent
kirchliche Zuschüsse. Darin haben wir etwa 50% von den Gemeinden, 25% vom Land; wir haben natürlich die Beiträge der
Krankenkassen und private Beiträge. Was macht die Kirche mit ihrem Geld? Man kann sagen, zum größten Teil sind es
Personalkosten. Denken Sie, daß ein Bischof doch ein Gehalt von 150.000 bis 180.000 Mark hat - das kommt aus Staatsleistungen.
Das ist jetzt ein extremes Beispiel - der hat ja auch eine große Verantwortung.
Auf die Frage der Moderatorin, wieviel Geld der Kirche denn nun tatsächlich ins "Soziale" fließe:
Die Kirchen selber - wenn Sie jetzt unter "Soziales" alles einrechnen, auch Telefonseelsorge, Eheberatung,
Schwangerschaftsberatung und die Verwaltungskosten - dann kann man bis 20% gehen, denke ich. In einer Sozialstation nehme ich
an, ist es im Schnitt, wie Sie gesagt haben: 12%. Nur hier sollte man etwas unterscheiden - es ist zwar kurz angesprochen
worden - aber einfach damit man sich darüber klar ist: Mehr als die Hälfte allen Geldes, das durch kirchliche Verantwortung
läuft, kommt nicht aus der Kirchensteuer, sondern das zahlen alle - ob es jetzt Moslems oder Juden sind, und zwar von denen,
die Steuern zahlen, jeder etwa 100 Mark im Monat. Das kommt zustande durch drei Dinge: Durch die Staatsleistungen - das sind
die Ablösungen von alten Gebieten, die die Kirche hatte (von 1803 her) - das sind etwa 1,4 Milliarden. Dann durch Subventionen.
Das sind sicher über 15 Milliarden pro Jahr (z.B. für Denkmalpflege oder den Religionsunterricht, für Theologieprofessoren
usw.). Und dann natürlich auch kirchliches Vermögen: das macht im Jahr auch wieder eine Milliarde; Spenden zwei Milliarden und
dann noch die Kirchensteuer mit 15 Milliarden. Sie kommen - wenn ich jetzt die offiziellen Angaben zusammenziehe und sehr
vorsichtig bin - auf jeden Fall auf 32 Milliarden Mark.
Frage der Moderatorin: Man hört ja sehr viel von kirchlichen Kindergärten, Krankenhäusern und Altenheimen.
Jetzt erfahren wir, daß gar nicht soviel der kirchlichen Gelder da hineinfließen. Wie finanziert sich denn nun z.B. ein
Krankenhaus oder ein Kindergarten?
Eicher: Bei Krankenhäusern gibt es bis 100% Finanzierung, die mit der Kirche nichts zu tun hat, obwohl die
Kirche Träger ist und Rechte hat, über das Personal zu bestimmen und natürlich auch den christlichen Geist bestimmen will.
(...)Bei Kindergärten kann man davon ausgehen, daß die Kirche vielleicht 10 bis 15% zuschießt (...) bei Sozialstationen etwa
12%. Etwas müssen Sie klar sehen: Wenn es keine Kirchensteuer mehr gibt: (...) der Staat würde nicht sozial
"zusammenkrachen"!