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Trennung von Kirche und Staat

Aus: IBKA Rundbrief Dezember 2000

USA

Im US-Präsidentschaftswahlkampf ist US-Senator Lieberman - er ist jüdischen Glaubens und Vize-Präsidentschaftskandidat der Demokraten - mit Äußerungen gegen die Trennung von Staat und Kirche aufgefallen.

In einem Land, wo Umfragen zufolge nur etwa acht Prozent der Einwohner nicht an Gott glauben, müsse es einen "Platz für den Glauben im öffentlichen Leben" geben, meint Lieberman. "Die Verfassung garantiert die Freiheit der Religionsausübung, nicht die Freiheit von der Religionsausübung." So richtig brachte Lieberman die Kritiker gegen sich auf, als er anzudeuten schien, dass Gläubige die Moral gepachtet hätten. Inzwischen hat er eingeräumt, dass auch Atheisten moralische Menschen sein könnten - und Gläubige unmoralische.

Liebermans Thesen forderten besonders den Widerspruch der "Amerikaner für die Trennung von Kirche und Staat" heraus. Es sei an der Zeit, über politische Programme zu sprechen und nicht "über die Teilung des Roten Meeres", forderte deren Direktor Barry Lynn.

Das Oberste Gericht der USA hat im Juni entschieden, dass Gebete vor Football-Spielen an öffentlichen Schulen verfassungswidrig sind. Kein Schüler dürfe zu religiösen Ritualen gezwungen werden, stellten die Richter fest. Sie ließen nicht das Argument gelten, die Sportveranstaltungen seien kein Pflichtunterricht. Der Staat dürfe Schülern nicht eine Entscheidung zwischen Religion und Sport aufzwingen.

Im US-Bundesstaat Kansas haben die Wahlen zur Schulaufsichtsbehörde im Sommer den Gegnern der Evolutionstheorie eine Niederlage eingebracht. Der ländliche Staat gilt als Hochburg der Verfechter der Schöpfungsgeschichte. Die Behörde hatte 1999 beschlossen, dass Schulbezirke selbst entscheiden dürfen, ob Kinder etwas über Evolution lernen sollen. In der neu besetzten Aufsichtsbehörde haben die Befürworter der Evolutionstheorie die Mehrheit.

Neben ihrem 43. Präsidenten und dem neuen Kongress haben die amerikanischen Wähler am 7. November auch noch über mehr als 200 Initiativen auf Bundesstaatenebene abgestimmt.

In Nebraska und Nevada befürworteten die Wähler ein Verbot eheähnlicher Verbindungen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern. Die Vorlage war von einer breiten Koalition aus Katholiken, Mormonen und evangelischen Kirchen eingebracht worden.

Frankreich

Mit einer salomonischen Lösung ist im September ein monatelanger Streit um ein Christusgemälde im Justizpalast von Metz beigelegt worden: Der Gekreuzigte darf weiterhin im großen Verhandlungssaal über dem Sitz des Richters hängen, muss aber hinterm Vorhang versteckt sein. Dies ordnete der Präsident des Justizpalastes an.

Der Streit hatte im Juli begonnen, als während eines Mordprozesses ein Richter auf das Bild zeigte und den Angeklagten aufforderte, Gott um Vergebung zu bitten. Anwälte protestierten daraufhin in einer öffentlichen Erklärung gegen die Präsenz einer religiösen Darstellung in einem Gerichtssaal. In Ostlothringen besteht allerdings immer noch ein Konkordat.

Liechtenstein

Die Regierung des Fürstentums lehnt eine vom Erzbischof erarbeitete Vereinbarung zwischen dem Erzbistum und dem Staat ab, in der der Religionsunterricht in die Zuständigkeit der katholischen Kirche fiele. Der Regierungsrat Marxer verwies darauf, dass Liechtenstein zwar ein katholisches Land sei, "aber kein Land der katholischen Kirche". Für einen umfassenden Religionsunterricht auf hohem Niveau wolle die Regierung sorgen.