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Congratulations! ... oder die Würde, ein Kardinal zu sein

Congratulations! ...
oder die Würde, ein Kardinal zu sein

Aus: IBKA Rundbrief Mai 2001

Im Februar ernannte Papst Johannes Paul II., um die Wählerschaft seiner Nachfolge besorgt, etliche neue Kardinäle. Einer davon war der Paderborner Erzbischof Degenhardt. Die Liste der Gratulanten aus aller Welt war lang, und auch die deutsche Politik mochte im allgemeinen Jubel nicht abseits stehen.

In einem Glückwunschtelegramm schrieb Bundespräsident Johannes Rau: "Oft konnte ich aus der Nähe erfahren, mit welchem Engagement und mit welcher inneren Festigkeit Sie Ihr bischöfliches Amt ausüben. Ich möchte Ihnen meinen großen Respekt bekunden für Ihr Wirken und für Ihre Weise, den Glauben zu bezeugen". Im Glückwunschschreiben des Bundeskanzlers Gerhard Schröder hieß es: "Mit Freude habe ich erfahren, dass Sie von Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. zum Kardinal ernannt worden sind. Ihnen wird damit eine Auszeichnung zuteil, die die Bedeutung Ihres hohen kirchlichen Amtes als langjähriger Bischof der Diözese Paderborn und zugleich Ihre Verdienste als Theologe und Seelsorger wertschätzt". Und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hob in seinem Gratulationsschreiben hervor, dass die theologische und pastorale Arbeit von Erzbischof Degenhardt "in der Verleihung der Kardinalswürde eine deutliche Anerkennung finden".

Unsere Staatsvertreter kennen sich offenbar gut mit der römisch-katholischen Kirche aus. Denn es ist einfach wahr: Wenn es jemand verdient hat, die Katholica als Kardinal zu vertreten, dann Erzbischof Degenhardt. Wie kaum ein anderer - o.k., da gibt es noch zwei, drei, vier ... hundert? -, hat er schon früh die Lehre der Kirche in seinem Denken umgesetzt und sich auch nicht gescheut, dies nach außen zu tragen.

So setzte Degenhardt sich vehement für die Sexualmoral der katholischen Kirche ein und predigte in den 90er Jahren, Schuld am sexuellen Missbrauch von Kindern trügen Mütter, die den Erziehungsurlaub den Vätern überließen.

Gelobt wurde Degenhardt auch von seinem Ministerpräsidenten Wolfgang Clement (SPD), der sich in Anbetracht der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der katholischen Kirche und dem Land Nordrhein-Westfalen freute, dass NRW nun zwei Kardinäle habe. Clement, seit seiner Kindheit mit dem katholischen Menschenbild vertraut, sieht in der Kardinalswürde eine große Anerkennung für des Erzbischofs "Wirken in Nordrhein-Westfalen und für die Menschen, die hier leben und arbeiten".

Ja, für die arbeitenden Menschen setzt Degenhardt sich ein - rein katholisch gesehen natürlich. So ließ er kürzlich in Zusammenhang mit dem Rückzug aus der Schwangerenkonfliktberatung - dem diesbezüglichen Befehl des Papstes kam er prompt und als erster nach - über seinen Generalvikar in der örtlichen Presse androhen, dass jeder, der sich bei Donum Vitae engagiere, mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen müsse, sofern er in Einrichtungen der katholischen Kirche beschäftigt sei. Immerhin - bei Degenhardt weiß der Mensch, woran er ist. (Im Gegensatz zu den bedauernswerten Angestellten in den Beratungsstellen des Bischofs Kamphaus in Limburg. Diese dürfen zwar jetzt bis zum Jahresende erstmal weiter die inkriminierten Scheine ausstellen. Aber eigentlich doch nicht: denn den Frauen, die den Schein wünschen, soll dies Begehren gefälligst ausgeredet werden, so dass sie "freiwillig" darauf verzichten!)

Aber selbst dieser engagierte Einsatz für die katholische Lehre reichte Degenhardt noch nicht. Auch nachdem er bereits von der ihm zuteil werdenden Ehre aus päpstlichem Munde erfahren hatte, zeigte der Erzbischof noch einmal, was es heißt, voll und ganz katholisch zu sein und der einzig wahren und heiligen Kirche Christi anzugehören:

Als im Erzbistum Paderborn die katholische Gemeinde Sankt Johannes Baptist in dem Ort Schildesche eine Wohnung für ihren Vikar suchte, ergab es sich, dass im evangelischen Pfarrhaus eine Wohnung frei war. Die beiden Pfarrer waren sich wohl einig, doch Erzbischof Degenhardt hat es verboten, dass der Katholik beim Protestanten wohnt, "da vermeidbare schwierige Situationen, besonders unter pastoralen Aspekten, entstehen könnten."

So muss ein zukünftiger Kardinal der römisch-katholische Kirche denken und handeln! Oder wie Bischof Lehmann, Mit-Kardinal, anlässlich Degenhardts 75. Geburtstag meinte: Kennzeichnend für den Erzbischof sei das "entschiedene und unzweideutige Zeugnis für den Glauben an Gott, wie er uns durch die Kirche vermittelt ist."

Nun ist auch uns klar geworden, dass Johannes Joachim Degenhardt einer der würdigsten Vertreter seiner Kirche ist und die Kardinalsehre mit seinem Handeln und Wandeln längst verdient hat. Uns bleibt nichts anderes übrig, als uns in die lange Liste der Lobliedsänger - Rau, Schröder, Thierse und all die anderen haben ja Recht! - einzureihen und artig zu gratulieren...

H.J.