Herzlichen Glückwunsch! Horst Herrmann wird 65
Aus: IBKA Rundbrief August 2005
"Würden mehr Kinder und Jugendliche zum Lesen, Wissen, Neugierigbleiben angeleitet, statt reihum abgetauft und
abkonfirmiert zu werden, brauchte sich das Land weniger um sie zu sorgen. Wer denken lernte, haßte nicht mehr."
Wer diese Worte von Prof. Dr. Horst Herrmann liest, der am 1. August 2005 sein 65. Lebensjahr vollendet hat, wird kaum
ahnen, dass für den in Österreich geborenen und in Tuttlingen an der Donau aufgewachsenen Herrmann schon früh feststand, ein
Mann der Kirche zu werden. Er besuchte ein altsprachliches Gymnasium, das an ein Priesterkonvikt angeschlossen war. Nach dem
Abitur studierte Horst Herrmann Katholische Theologie und Jura in Tübingen, Bonn, München und Rom. Er absolvierte das
Priesterseminar und wurde in Stuttgart zum Priester geweiht, wo er zuerst Gefängniskaplan in Ravensburg und später dann Kaplan
in einer Gemeinde in Stuttgart war. Sein eigentliches Ziel aber war die Uni. Bald nach seiner Promotion 1967 wurde er so auf
bischöfliche Weisung in den Vatikan geschickt, um dort an seiner Habilitation zu arbeiten. 1970 schließlich, mit nur 30 Jahren,
erhielt Horst Herrmann den Ruf als Professor an die Theologische Fakultät der Uni Münster.
Doch bald schon darauf geriet er mit seinen kritischen Büchern in Konflikt mit der Kirchenleitung. In der Mitte der
siebziger Jahre engagierte er sich in einem katholischen Arbeitskreis der "Sozialdemokratischen Wählerinitiative". In einer
Fernsehsendung verteidigte er das "Kirchenpapier" der FDP, in dem die Trennung von Staat und Kirche gefordert wurde. Zum Eklat
kam es schließlich 1974 durch sein Buch "Ein unmoralisches Verhältnis. Anmerkungen zur Lage von Staat und Kirche in der
Bundesrepublik Deutschland". Er wurde vom Bischof zum Widerruf seiner Thesen aufgefordert, die u.a. lauteten, das
Bündnis von CDU und Amtskirche sei eine "Kameraderie, die nicht mit der biblischen Botschaft zu vereinbaren"
sei.
Im Jahre 1975 wurde ihm die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen, das erste Berufsverbot für einen Theologen. Der Fall wurde
dokumentiert: Rath, Peter (Hg.): Die Bannbulle aus Münster oder Erhielte Jesus heute Lehrverbot? Der Fall
Herrmann-Tenhumberg (München-Hamburg 1976), mit einem Vorwort von Heinrich Böll. Herrmann lehrte an der staatlichen Uni
Münster weiter, zunächst noch als Theologe, dann, auf dem umgewidmeten Lehrstuhl, als Soziologe. Dort lernte er auch seine
zukünftige Frau kennen. Sie traten 1981 aus der Kirche aus und heirateten.
Das IBKA-Beiratsmitglied Prof. Dr. Horst Herrmann ist Autor zahlreicher Bücher, u.a. "Die Kirche und unser
Geld", in dem er anhand von Fakten den Irrglauben widerlegt, dass die Kirche ihre Gelder hauptsächlich für soziale und
karitative Zwecke ausgibt. Als ehemaliger Insider kennt er die katholische Kirche bestens von innen. Ein weiteres Buch lautet
"Die Caritas-Legende - Wie die Kirchen die Nächstenliebe vermarkten". Zum Inhalt heißt es: "Horst Herrmann, einer
der kenntnisreichsten Kritiker der beiden Großkirchen, zerstört in diesem Buch die Legende von der Caritas des amtskirchlichen
Christentums. Er beschreibt, wie Kirchenführer zwei Jahrtausende hindurch den Begriff der Liebe umgemünzt haben in etwas, das
Verfolgung und Vernichtung von Abweichlern nicht nur ermöglichte, sondern geboten erscheinen ließ."
Der IBKA wünscht seinem Beiratsmitglied alles Gute und noch viele Jahre erfolgreiches Schaffen!
Eine Übersicht über die Hauptwerke Horst Herrmanns bietet diese Webseite: de.wikipedia.org/wiki/Horst_Herrmann