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Ex-Muslime in Europa

Aus: IBKA Rundbrief August 2007

Das Medienecho, das die Gründung der Ex-Muslime gefunden hat, war groß und breitete sich rasch weltweit aus. Der offene Tabubruch regte Migranten in anderen Ländern an, es den deutschen Ex-Muslimen nachzutun und ebenfalls öffentlich ihren Abfall vom Islam und ihr Nein zur Religion zu bekennen.

Kein halbes Jahr ist seit der Gründung in Köln vergangen und nun gibt es nach deutschem Beispiel Ex-Muslime in den Niederlanden, in Skandinavien und in Großbritannien.

Anfang Mai haben einige Aktivisten ein Komitee für die Gründung einer Organisation von Ex-Muslimen in den Niederlanden ins Leben gerufen. Die Vereinigung will sich gegen Tabus innerhalb des Islams richten. Für Frau Loubna Berrada, eine der beiden Vorstandsmitglieder und Mitbegründerin der Integrationskommission der nieder­ländischen liberalen Partei (VVD), ist der mit dem Tod bestrafte Religionsverzicht das wichtigste zu bekämpfende Tabu. Nach Ehsan Jami, dem anderen Vor­standsmitglied, stehen auch die Rechte der Frau und die damit zusammen­hängende Gewalt in der Familie im Mittelpunkt der Vereinsinteressen. Der Verein ruft die niederländische Regierung auf, die mit dem Tod bedrohten Ex-Muslime zu schützen. Der Verein steht nicht nur für Muslime offen, sondern für alle Menschen, welche die Ziele des Vereins unterstützen. Ausgangspunkt des Vereins ist nicht die Bekämpfung des Islams, sondern die damit zusammen­hängenden sozialen Missstände. Der Verein will die Stimme der Ex-Muslime artikulieren und dabei in Kontakt mit den anderen muslimischen Vereinen und mit der Regierung treten.

Die positive Resonanz auf die Gründung ist sehr groß. Dabei wird auch die EU zum Schutz der Ex-Muslime gemahnt.

Ende Mai wurde das deutsche Beispiel dann auch in Nordeuropa übernommen. Unter dem gleichen Logo der Ex-Muslime hat sich ein „Central­rådet för ex-muslimer i Skandinavien“ (CRES) bzw. in internationaler Form das „Central Committee of Ex-Muslim in the Scandinavian“ (CCES) gegründet. Im Vorstand der skandinavischen Ex-Muslime sind Mitglieder aus Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland versammelt. Vorsitzende ist die Exil-Iranerin Mahin Alipour aus Schweden.

Im Juni hat sich dann der „Council of ex-Muslims of Britain“ (CEMB) der Öffentlichkeit präsentiert und seine Entschlossenheit verkündet, Stimme der­jenigen in Großbritannien zu sein, die fälschlicherweise mit dem Etikett Muslim belegt werden, obwohl sie nichts mit dieser Religion zu tun haben.

Vorsitzende des Rates der britischen Ex-Muslime ist die Exil-Iranerin und Bürgerrechtlerin Maryam Namazie, die von der National Secular Society 2005 als „SäkularistIn des Jahres“ ausgezeichnet wurde.

Sie sagte: „Wir wollen eine Alter­native schaffen zum Muslimischen Rat in Großbritannien (MCB), weil wir nicht meinen, dass Menschen gegen ihren Willen als Muslime eingeordnet werden dürfen oder von so rückschrittlichen Organisationen wie dem MCB reprä­sentiert werden sollten. Diejenigen von uns, die auf der Internetseite des CEMB ihre Namen und ihre Fotografie zeigen, stehen stellvertretend für die vielen Anderen, die das nicht können oder wollen, da sie sich als ‚Abtrünnige’ bedroht fühlen. Wir wollen aber dieses Tabu einer Abwendung vom Islam durchbrechen und stehen ein für Ver­nunft, universelle Menschenrechte und Werte sowie Säkularität. Wir sind ziemlich sicher, dass wir eine Mehrheit in Europa repräsentieren und eine weit verbreitete säkulare und humanistische Protestbewegung in Länden wie dem Iran.“

Mina Ahadi, die Vorsitzende der Ex-Muslime in Deutschland war ebenso bei der Pressekonferenz anwesend, wie Mahin Alipour, die Sprecherin der skandinavischen Organisation.

Die britischen Ex-Muslime haben ein Manifest veröffentlicht, in dem sie, in Fortführung der von den Ex-Muslimen in Deutschland aufgestellten Forderungen ihre eigenen Forderungen formulieren.

Der Zentralrat der Ex-Muslime in Deutschland zeigt sich erfreut darüber, „dass in so kurzer Zeit islamkritische und -geschädigte Migranten aus arabischen Ländern, der Türkei und dem Iran seinem Beispiel folgen und sich nun auch in anderen Teilen der Welt öffentlichkeits­wirksam organisieren.“ Der Vorstand des deutschen ZdE betrachtet diese Ent­wicklung als ermutigendes Zeichen für die Herausbildung einer internationalen, islamkritischen Aufklärungsbewegung. Er ruft dazu auf, diesem Beispiel auch in anderen Ländern zu folgen.