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(2760) Ibach. Die Weltuntergangssekte Fiat Lux ist bei den baden-württembergischen Kommunalwahlen
in den Gemeinderat von Ibach eingezogen. Das Mandat erhielt der Ehemann der Sektenchefin "Uriella", Eberhard
Bertschinger-Eicke. Zuvor hatte der als Spitzenkandidat angetretene Gatte der Ordensführerin erklärt, im Ibacher Gemeinderat
solle künftig ein frischer Wind wehen und mehr Göttlichkeit herrschen. "Uriella" wolle sich im Auftrag Gottes für Natur- und
Tierschutz und soziale Fragen einsetzen, sagte Bertschinger, der den religiösen Namen "Icordo" trägt. Auf Landes- oder gar
Bundesebene werde sich Fiat Lux nicht engagieren; die Sektenstrukturen seien nur für den Kommunalbereich geeignet.
Die umstrittene Sekte war bei der Kommunalwahl im Herbst mit einer eigenen Liste in dem kleinen Schwarzwalddorf angetreten.
Ihr Einzug in den Gemeinderat galt als sicher, denn der Gruppierung gehören nach deren Angaben 33 der 304 Wahlberechtigten in
dem Ort an. Somit sind mehr als zehn Prozent der Wählerschaft Ordensanhänger. Bisher stellte die CDU alle acht
Gemeinderäte.
Die Sektengründerin "Uriella" sah sich in den letzten Jahren oft schweren Vorwürfen ausgesetzt. So wurde sie im Dezember
1998 zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung und 100 000 Mark Strafe wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Sie hatte
Ordensmitglieder veranlasst, unverzollt pflanzliche Arzneien von der Schweiz nach Deutschland zu schaffen und dann damit einen
lebhaften Handel zu betreiben. (Aol-NewsBote, 18.9.99; Lycos, 23.9.99; Stern 44/99)
Anm. MIZ: In Insiderkreisen ist man über das kommunalpolitische Engagement von Fiat Lux nun doch ein wenig erstaunt. Denn -
so lautet die berechtigte Frage: Wird sich das überhaupt noch lohnen? Immerhin hatte Uriella ihr mangelndes Interesse an
Steuerzahlungen vor nicht allzu langer Zeit damit begründet, dass all das Reden über Steuern und Finanzen angesichts des
drohenden Weltuntergangs bedeutungslos sei. Aber vielleicht ist Uriella ja aus entstandenem Schaden klug geworden. Ihr Ehemann
jedenfalls sorgte in der Öffentlichkeit unlängst für die Berichtigung einer anderen, berühmt-berüchtigten Uriella-Prophezeiung:
Niemals habe Fiat Lux behauptet, dass am Südpol Ufos bereitstehen, um Anhänger der Sekte vor dem drohenden Weltuntergang zu
retten. Diese Vorstellung sei völlig irrig, so Bertschinger, schließlich sollte doch eigentlich jeder wissen, dass sich in der
Antarktis nur Ufos befänden, die die Nazis dort geparkt hätten... Da staunt der Fachmann und wundert sich der Laie.
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(2761) Bonn. Staat und Kirchen suchen nach Möglichkeiten, wie die durch geplante staatliche
Steuerreformen zu erwartenden starken Einbußen beim Kirchensteueraufkommen aufgefangen werden können. Erstmals beriet Mitte
Juli eine Arbeitsgruppe von Kirchen, Bund und Ländern über dieses Thema. Die Kirchensteuer ist direkt an die Lohn- bzw.
Einkommenssteuer gekoppelt. Dem Kirchenmitglied werden je nach Bundesland acht oder neun Prozent als Kirchensteuer abgezogen.
Steuerentlastungen, wie sie die Bundesregierung beabsichtigt, schlagen sich automatisch negativ nieder. Die Verluste werden
nach neuesten Berechnungen jedoch nicht so dramatisch sein wie bisher angenommen. Das Bundesfinanzministerium schätzt, dass
sich das jährliche Minus durch das Steuerentlastungsgesetz auf etwa 1,5 Milliarden Mark vom Jahr 2002 an belaufen wird; für
2000 und 2001 sei mit Mindereinnahmen von 373 und 249 Millionen Mark zu rechnen. Zuletzt nahmen die beiden Kirchen 16,2
Milliarden Mark Kirchensteuern pro Jahr ein (evangelisch: 7,8 Milliarden, katholisch: 8,4 Milliarden).
In der Politik gibt es immer mehr Stimmen gegen eine Umstellung der Bemessungsgrundlage auf das Bruttoeinkommen, die von den
Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und Hessen, Kurt Beck (SPD) und Roland Koch (CDU), ins Gespräch gebracht worden war.
Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle, räumte ein, dass dieses Berechnungsmodell zwar zu
mehr Kirchensteuerzahlern führe, aber auch zu erheblich höheren Kirchensteuern. Dann müssten Familien einen Teil der
Kindergelderhöhung sofort an die Kirchen abführen. Das könne nicht gewollt sein. Für "unsinnig" hält auch der
CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Weiß (Emmendingen) eine Bemessung der Kirchensteuer am Bruttoeinkommen. Erstens müsse auch bei
der Kirchensteuer die Leistungsfähigkeit des Einzelnen als Maßstab bleiben, und zweitens bedeute eine solche Umstellung einen
"riesigen Verwaltungsaufwand". Da die Kirchen aber Dienste für die Gesellschaft erbrächten, die der Staat so billig und
effektiv nicht leisten könne, müsse er sie hier stärker unterstützen. (idea, 29.7.99). Bundesfinanzminister Hans Eichel
forderte, dass die Bundesländer für einen finanziellen Ausgleich für den zu erwartenden Kirchensteuer-Ausfall sorgen sollten.
Der Bund könne das Problem des Rückgangs der Kirchensteuern nicht lösen. Die direkten Beziehungen zu den Kirchen hätten die
Länder, erklärte Eichel. Beide sollten in Verhandlungen sicherstellen, dass die Kirchen ihre sozialen Aufgaben weiterhin
erfüllen können. (Radio Vatikan, 25.-27.7.99)
Anm. MIZ: Besser Informierte wissen, dass die kirchliche Sozialarbeit erstens kaum etwas mit der Kirchensteuer zu tun hat
(auch nach kircheneigenen Angaben werden weniger als 10 Prozent der Kirchensteuer für allgemeine soziale Aufgaben ausgegeben),
und zweitens so effektiv und billig nicht ist. Außerdem nimmt der Staat dabei in Kauf, dass die kirchlichen MitarbeiterInnen in
ihren verfassungsmäßig garantierten Rechten beschnitten werden.
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(2762) Hannover. Mit einer Notsynode haben konservative evangelische Kreise Anfang September die
Amtseinsetzung der zukünftigen evangelischen Landesbischöfin von Hannover, Margot Kässmann, boykottiert. Die Wahl einer Frau in
das höchste Amt der zweitgrössten deutschen evangelischen Landeskirche habe nach Meinung der Gruppe "das Fass zum Überlaufen
gebracht". Die Kirche schweige nicht nur zur Ermordung der Ungeborenen, sondern es gebe auch Bestrebungen zur Segnung
homosexueller Paare, erklärte der niedersächsische Unternehmer Rudi Weinmann. Letztes Ärgernis sei nun die Wahl einer Frau ins
Bischofsamt. Weimann wörtlich: "Das ist unbiblisch. Jesus Christus erkennt die Bischöfin nicht an. Das Bischofsamt in Hannover
ist verwaist." (Reformierte Presse, 11.8.99)
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(2763) Gräfelfing. Kirchgänger leben länger! Zumindest ergab das eine US-Untersuchung von 4000
Senioren, über deren Ergebnisse die in Gräfelfing bei München erscheinende Fachzeitschrift "Ärztliche Praxis" in ihrer
August-Ausgabe berichtete.
Für betagte Bürger, die regelmäßig einen Messe besuchten, war das Sterbe-Risiko demzufolge nur etwa halb so hoch wie bei
ihren weniger gläubigen Altersgenossen. Wer oft in die Kirche gehe, trüge damit genauso viel zur Lebenserhaltung bei wie durch
den Verzicht auf das Rauchen, unterstrich der Studienleiter vom Duke University Medical Center in New York, Harold Koenig unter
Berufung auf die sechs Jahren dauernde Untersuchung. Für die lebensverlängernde Wirkung der Kirchentreue können laut Koenig
mehrere Faktoren verantwortlich sein: So seien kirchlich aktive Menschen sozial besser abgesichert und erhielten etwa im
Krankheitsfall schneller Unterstützung. Zudem seien Kirchgänger geselliger, seltener depressiv und könnten mit
außergewöhnlichen Belastungen besser umgehen; ihre positivere Lebenseinstellung reduziere Stress und erhalte die Gesundheit,
glaubt Koenig. Zudem konsumierten Kirchgänger seltener Alkohol und Zigaretten.
Sechs Jahre lang haben die Forscher die Lebens- und Ernährungsgewohnheiten von 4000 Senioren beobachtet. In diesem Zeitraum
starben 1177 der untersuchten Menschen; 22,9 Prozent waren häufige und 37,4 Prozent seltene Kirchgänger. Selbst unter
Berücksichtigung von Krankheiten und gesundheitsbewusstem Verhalten bleibt der Studie zufolge immer noch ein 28 Prozent
niedrigeres Risiko für die regelmäßigen Kirchgänger. (Aol-NewsBote, 10.8.99)
Anm. MIZ: Trau keiner Statistik, es sei denn, du hast sie selbst gefälscht! Der Grundfehler vieler Untersuchungen zum Thema
Gesundheit von Christen und Nichtchristen besteht darin, dass konsequent nichtreligiös denkende Menschen nicht berücksichtigt
werden. Korrigiert man diesen Grundfehler im Forschungsdesign, gelangt man zu völlig anderen Ergebnissen (vgl. den Beitrag von
Uhmann/Nohe/Buggle in MIZ 4/98).
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(2764) Mainz. Der Stadtverband Wiesbaden des katholischen Sozialverbandes Caritas hat von einer
kommerziellen "Drückerkolonne" Spenden und Mitglieder werben lassen. Dies berichtete das ARD-Fernseh-Magazins "Report" Ende
August. Nach seinen Angaben gingen bei der mehrwöchigen Spendensammelaktion bis zu 80 Prozent des Aufkommens an die damit
beauftragte Firma "Fund-Raising Österreich" in Wien. Die auf der Straße oder auch an Haustüren geworbenen Spender seien über
die Herkunft der Sammler nicht informiert gewesen. Die Werber - österreichische Studenten - hätten Caritas-T-Shirts getragen
und ihren kommerziellen Status verschwiegen. Der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Hellmut Puschmann, habe gegenüber
"Report" erklärt, insgesamt gebe es gegenüber "solchen Methoden eine große Zurückhaltung". Dagegen habe der Wiesbadener
Caritas-Vorsitzende, Ernst-Ewald Roth, von einer "vorbildlichen" Aktion gesprochen. Da die Caritas finanziell unter Druck
stünde, benötige sie neue Geldquellen. (Frankfurter Neue Presse, 31.8.99)
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(2765) Giengen. Der weltweit populärste Fernsehgottesdienst, die "Hour of Power" (Stunde der
Kraft) soll in Deutschland mehr Zuschauer erhalten. Dafür setzt sich ein Verein unter Vorsitz des württembergischen
Unternehmers Jörg Knoblauch ein. Glaubt man den Angaben des Vorsitzenden, sehen rund 30 Millionen weltweit jeden Sonntag den
Gottesdienst des reformierten Pfarrers Robert Schuller. In Deutschland und der Schweiz sind die in der "Glaskathedrale" in
Garden Grove (Kalifornien) aufgenommenen Gottesdienste bisher nur über internationale Programme zu empfangen, wobei CNBC die
Sendung mit deutschen Untertiteln versieht. Der Verein möchte der Messe des Geistlichen nun einen Sendeplatz bei einem
deutschen Privatsender verschaffen. Zur Finanzierung müsse allerdings eine halbe bis eine Million Mark Spenden jährlich
aufgebracht werden. Zum Vorstand des deutschen Vereins gehören auch der Aufsichtsratsvorsitzende der Verlagsgruppe Rentrop,
Norman Rentrop (Bonn), und der evangelikale Verleger Klaus Gerth (Asslar bei Wetzlar). (idea-spektrum, 24.8.99)
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(2766) Achsheim. Auf handfeste Weise hat ein 60-jähriges Mitglied der örtlichen Kirchenverwaltung
in Achsheim bei Augsburg einen jahrelangen Streit um die Sanierung eines denkmalgeschützten Pfarrhofs beendet. Er zerstörte das
historische Objekt so gründlich, dass es noch am gleichen Tag vollends abgerissen werden musste. Während sich die
Denkmalschützer und der Heimatverein empörten, zeigte sich der Großteil der Kirchenverantwortlichen erleichtert, weil sich die
Diözese, die das Objekt vergeblich zum Verkauf angeboten hatte, damit eigene Sanierungskosten sparte, die trotz
Staatszuschüssen und privaten Spenden angefallen wären. Selbst der örtliche CSU-Landtagsabgeordnete kritisierte diesen Akt von
Selbstjustiz, weil damit im Stile der Autonomen gegen geltendes Recht verstoßen wurde. Der Pfarrer des Dorfes, selbst ein
Befürworter des Abrisses, distanzierte sich vor der Presse zwar von der Art und Weise des Vorgehens, äußerte aber auch
Verständnis und bot dem Kirchenfunktionär "seelsorgerische Hilfe und Beistand an". Die Diözese Augsburg hatte sich ganz
herausgehalten und entgegen ihrer sonstigen Praxis keinen Kommentar abgegeben. Umweltgruppen und Denkmalschützer äußerten die
Vermutung, dass die Straftat mit augenzwinkernder Billigung durch den Klerus begangen wurde. Dafür war die Staatsanwaltschaft
um so aktiver. Sie nahm den Täter zunächst wegen Sachbeschädigung und Personengefährdung in Haft, ließ ihn dann aber gegen
20.000 DM Kaution wieder frei. (Augsburger Allgemeine, 10./11.6. 99)
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(2767) Berlin. Die Berliner Schulverwaltung plant die Einführung einer "islamischen Religiösen
Unterweisung" ab dem 1. Februar 2000. Das sagte Staatssekretär Klaus Löhe in Berlin. In einer Erprobungsphase von drei Jahren
werden sich elf Schulen mit einem besonders hohen Anteil muslimischer Schüler daran beteiligen. Über den Unterricht, den Löhe
ausdrücklich nicht als Religionsunterricht verstanden wissen will, habe man sich auch mit den türkischen Behörden abgestimmt.
So sei er Thema einer alle drei Jahre stattfindenden Tagung einer deutsch-türkischen Schulexpertenkommission gewesen.
Der Senat und die Türkei haben ein Interesse daran, eine Alternative zu bestehenden Koran-Schulen zu schaffen, wo "man ja
nicht so genau sieht, was da passiert". Koran-Schulen sind jetzt noch die einzige Möglichkeit für die 27 000 türkischen Schüler
in Berlin, etwas über den Islam zu erfahren. Der Islamkunde-Unterricht soll dagegen "bekenntnisfrei" über islamische Kultur
informieren. Die CDU und der SPD-Landeschef Peter Strieder hatten sich gegen einen Islamunterricht ausgesprochen. (Berliner
Morgenpost, 6.10.99)
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(2768) Fulda/Berlin. Die große Mehrheit der deutschen Bischöfe wird ihren jahrelangen Widerstand
gegen den Papst aufgeben und aus der gesetzlichen Konfliktberatung für Schwangere aussteigen. Dies teilte der Vorsitzende der
Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, in Fulda mit. Die Kirche wolle die Konfliktberatung zwar in vollem Umfang
fortsetzen, aber "selbstverständlich ohne Schein", sagte Lehmann. Von sofort an entscheide jeder Bischof für sein Bistum, wie
lange noch Beratungsscheine ausgegeben werden.
Nach deutschem Abtreibungsrecht bleiben Schwangerschaftsabbrüche in den ersten zwölf Wochen nur dann straffrei, wenn die
Frau sich zuvor in einer staatlich anerkannten Stelle hat beraten lassen und dies schriftlich nachweisen kann. Der Vatikan ist
der Ansicht, die Ausgabe von Beratungsscheinen "verdunkle das Zeugnis der Kirche für das Leben".
In Berlin soll es vorerst keine Einschränkungen bei der Konfliktberatung geben. Die vier Caritas-Beratungsstellen und jene
des katholischen Sozialdienstes könnten zunächst wie gewohnt weitermachen, sagte Erzbistumssprecher Andreas Herzig. Auch die
Bischöfe von Hamburg, Limburg, Magdeburg, Erfurt und Osnabrück kündigten an, erneut mit dem Papst reden zu wollen. Dagegen
wollen die Bischöfe von Eichstätt und Bamberg so schnell wie möglich aussteigen. (Berlin Online, 11.10.99) Das Bistum Speyer
wird bereits mit Wirkung zum 1. Januar 2000 keine Beratungsscheine mehr ausstellen. (Radio Vatikan, 15.-18.10.99) Das
Zentralkomitee der deutschen Katholiken gründete den Verein "Donum Vitae". Er soll nach dem Ausstieg der Amtskirche die
Konfliktberatung weiterführen. Konkrete Strukturen für die Beratung wollen die Laien bis November vorlegen. Die Bischöfe nahmen
die Initiative lediglich zur Kenntnis. Bei der einwöchigen Vollversammlung in Fulda sei keine Zeit gewesen, das Vorhaben
genauer zu beurteilen, sagte Lehmann. Bisher werden die rund 270 katholischen Beratungsstellen von der Caritas und dem
Sozialdienst katholischer Frauen getragen. (Berlin Online, 11.10.99)
Anm. MIZ: Gegenwärtig entsteht eine gesellschaftliche Situation, in der konservative Kräfte in der katholischen Kirche
ungewollt ein Ziel befördern, das dem laizistischen Ideal einer strikten Trennung von Staat und Kirche entgegenkommt. So sehr
die Klarheit der päpstlichen Anweisung auch zu begrüßen ist (angesichts der wortreichen Doppelzüngigkeit deutscher Bischöfe),
die päpstliche Einmischung in das deutsche Abtreibungsrecht zeigt einmal mehr, dass die römisch-katholische Kirche ein
autoritär-zentralistisch geführtes, nach patriarchalen Grundsätzen agierendes Gebilde ist, in dem demokratische Prinzipien
keine Rolle spielen.
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(2769) Trier. Der Manager der Trierer Caritas, Hans Joachim Doerfert, wurde im September wegen
Betrugs verhaftet. Gegen den mittlerweile fristlos gekündigten Chef der Caritas-Trägergesellschaft (CTT) ermittelt die
Staatsanwaltschaft wegen Verdachts der Untreue. Auch die Klinik Rose AG, eine Tochtergesellschaft der CTT, sowie die CTT selbst
haben Strafanzeige gegen ihre ehemalige Führungskraft erstattet. Doerfert soll über Mittelsleute Millionen-Schmiergelder in die
eigene Tasche umgeleitet haben. Angeblich haben auch andere Geschäftsführer der Caritas Trägergesellschaft von dieser Aktion
profitiert, so das Magazin Focus.
Zu allem Übel droht nun auch das Finanzamt, der Caritas-Trägergesellschaft die Gemeinnützigkeit abzuerkennen. Der Grund
dafür wäre Doerferts Geschäftsverhalten, das wenig mit Wohltätigkeit und Gemeinnützigkeit zu tun hatte. Der einst vom Trierer
Bischof Spital hoch geschätzte Klinik-Manager nutzte beispielsweise die Ärztliche Abrechnung Trier (ÄAT), eine 100 prozentige
CTT-Tochter, als Drehscheibe für Millionenkredite. Nach ersten Berechnungen pumpte er mindestens 37,5 Millionen Mark aus der
CTT-Kasse zur ÄAT, um das Geld von dort aus weiter zu verteilen. Der Fußballclub Eintracht Trier, dessen Präsident Doerfert
war, bekam hierbei u.a. ein Darlehen von 2,1 Millionen Mark und eine Bürgschaft über 0,9 Millionen Mark. Zudem wurden
Werbeverträge über 1,4 Millionen Mark gemacht. Doerfert holte sich auch selbst Geld aus der Kasse, angeblich zinslose Darlehen
ohne Vertrag. Hier stehen Summen von 1,7 und 2,8 Millionen Mark im Raum, die inzwischen angeblich teilweise wieder
zurückgezahlt wurden. (Saarbrücker Zeitung, 9.9.99; Trierischer Volksfreund, 9.9.99; Tageblatt, 23.9.99)
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(2770) Saarbrücken. Als "schlimm" und "manipuliert" hat die frühere Präsidentin des
Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Rita Waschbüsch, die angeblichen Marienerscheinungen im saarländischen
Marpingen [siehe die Reportage in der vorliegenden MIZ] bewertet. "Was hier geschieht, ist schlimm, weil es die Religion in
Verruf bringt", sagte Waschbüsch im Saarländischen Rundfunk. Die Marienfrömmigkeit der Katholiken werde "missbraucht".
Waschbüsch, die selber im Saarland beheimatet ist, sagte dazu in dem Radiointerview, der Marpinger Kapellenverein wolle
offensichtlich einen Pilgerort schaffen. Dabei scheine vieles manipuliert, betonte sie. Sie forderte den Verein auf, die noch
ausstehende Entscheidung einer vom Trierer Bischof Hermann Josef Spital eingesetzten Untersuchungskommission abzuwarten. Die
angeblichen Verkündigungen Marias, so Waschbüsch, bestünden allesamt nur aus "Alltagsweisheiten". Zu befürchten sei, dass viele
kritisch denkende Christen sich von den Vorkommnissen in Marpingen abgestoßen fühlen und sich vom Glauben abwenden. Zugleich
fürchte sie, dass "wohlmeinende gläubige Christen in die Irre geführt werden". (Stuttgarter Nachrichten, 20.10.99)
Anm. MIZ: Frage an Frau Waschbüsch: Wie trennt man "echte" von "manipulierten" Marienerscheinungen? Haben MarienseherInnen
jemals etwas anderes vernommen als Alltagsweisheiten? Nein, die Protokolle der Marpinger Erscheinungen unterscheiden sich nicht
einen Deut von den Protokollen anderer Erscheinungen. Sie sind durchaus authentische Zeugnisse - nicht für die Allgegenwart
"Unserer Lieben Frau", sondern für den Jahrhunderte überdauernden, kläglichen Geisteszustand ihrer treusten AnhängerInnen.
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(2771) Potsdam. Die Zukunft des Unterrichtsfachs Lebenskunde-Ethik-Religionskunde (LER) und des
Religionsunterrichts an den Brandenburger Schulen ist weiterhin ungewiss. Im Rahmen der Koalitionsverhandlungen in Brandenburg
haben sich SPD und CDU nach Darstellung von CDU-Landeschef Jörg Schönbohm darauf verständigt, erst nach dem Urteil des
Bundesverfassungsgerichts neu zu verhandeln. Der Karlsruher Richterspruch wird erst im nächsten Jahr erwartet.
Damit bleibt vorerst alles beim alten: LER wird weiterhin als Wahlpflichtfach unterrichtet, während die Teilnahme am
Religionsunterricht freiwillig ist. Nach dem Urteil soll "auf der Basis des Staatsvertrags" eine einvernehmliche Lösung
gefunden werden, sagte Schönbohm. Ziel der Union sei es, dass Religionsunterricht wie LER als Wahlpflichtfach festgeschrieben
wird. (Berliner Morgenpost, 26.8.99; 27.9.99)
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(2772) Wiesbaden. Die Bibelkenntnisse von Protestanten und Katholiken in Deutschland sind äußerst
gering. Dies stellte das Meinungsforschungsinstitut Enigma (Wiesbaden) bei einer Befragung im Auftrag der EKD-Initiative
"Brücken bauen" fest. Zwei Drittel der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder können keinen einzigen Bibelvers
aufsagen. Die Studie ergab auch, dass 14 Prozent der Protestanten und acht Prozent der Katholiken nicht einmal ein Kirchenlied
kennen. 58 Prozent der befragten Kirchenmitglieder bezeichneten sich als Christen. Zwei Drittel wurden als "kirchendistanziert"
eingestuft, da sie angaben, mit der Kirche nur "etwas" oder "gar nicht" verbunden zu sein. Ein Fünftel der Befragten gab an,
nie zu beten. Katholiken beten häufiger als Evangelische und Frauen öfter als Männer. Die Aufgeschlossenheit für
Glaubensinhalte ist der Studie zufolge auch eng mit dem allgemeinen Ansehen der Institution Kirche verknüpft. "Wenn die Kirche
die christliche Botschaft überzeugend weitergeben will, muss sie sich stärker um ihr Image bemühen", folgerten der
Planungsreferent im EKD-Kirchenamt, Oberkirchenrat Rüdiger Schloz, und der Projektleiter von "Brücken bauen", Michael Mädler.
(idea-spektrum 38/99)
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(2773) Hamburg. Erstmals in Hamburg wird eine Muslimin mit Kopftuch in den Schuldienst
übernommen. Noch letztes Jahr verbot die Schulbehörde in Baden-Württemberg einer Muslimin, ihren Beruf als Lehrerin auszuüben,
weil diese im Unterricht ein Kopftuch tragen wollte. Sogar Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) äußerte sich
kritisch zu dieser Entscheidung. Er war der Meinung, dass es "darauf ankommt, was ein Mensch im Kopf hat, und nicht, wie er
diesen bedeckt". (taz, 18.8.99)
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(2774) Iserlohn/Oestrich. Am St.-Elisabeth-Hospital in Iserlohn ist einer Schwesternschülerin
gekündigt worden, weil sie zu einer evangelischen Freikirche übergetreten ist. Die junge Frau war nach ihrer Heirat zum Glauben
ihres Ehenmannes konvertiert und daraufhin von der Leitung des Krankenhauses vor die Alternative gestellt worden, wieder in die
katholische Kirche einzutreten oder ihren Ausbildungsplatz zu verlieren.
Unter Hinweis auf die "Grundordnung des kirchlichen Dienstes im Rahmen kirchlicher Arbeitsverhältnisse" wurde der
Schwesternschülerin daraufhin die Kündigung ausgesprochen. In einer Erklärung schreibt der Geschäftsführer Werner Siepermann in
bestem Bürokratendeutsch: "Die Personalleitung unseres Hauses weist betroffene Mitarbeiter auf die Konsequenzen ihrer Handlung
hin und gibt Gelegenheit, die Entscheidung zu überdenken." Auf den Widerspruch, warum in diesem Fall ein Exempel statuiert
wurde, während ansonsten im St.-Elisabeth-Krankenhaus sowohl evangelische als auch andersgläubige Ärzte sowie Pflege- und
Verwaltungskräfte beschäftigt sind, ging die Leitung des Krankenhauses nicht ein.
Auch in Oestrich hat im Juli ein besonders krasser Fall von "Tendenzschutz" stattgefunden. Nach 18 Dienstjahren im
katholischen Kindergarten wurde einer 40jährigen Erzieherin fristlos gekündigt. Die Frau hatte einen geschiedenen Mann
geheiratet. Da die Ehe nur vor dem Standesamt geschlossen wurde (die katholische Kirche weigert sich, Geschiedenen für eine
zweite Ehe ihren erneuten Segen zu geben), sah Pastor Helmut Malorny den Arbeitsvertrag, der ein Leben nach den Vorgaben der
Kirche vorsieht, verletzt und sprach die Kündigung aus. Obwohl sich die Eltern der betreuten Kinder für die Erzieherin
ausgesprochen hatten, lehnte der Kirchenvorstand jede Verhandlung über einen Kompromiss ab. (Iserlohner Kreisanzeiger,
10.7.99)
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(2775) Grafing. Nach 200 Jahren hat sich die Stadt Grafing für 11.600 Mark aus einer
Verpflichtung zur Holzlieferung an den örtlichen Pfarrer freigekauft. 1799 hatte die Kirche ein Stückchen Wald verloren,
woraufhin die Gemeinde zusagte, "auf ewig" jährlich eine ansehnliche Menge Brennholz zur Verfügung zu stellen. 1967 war das
"Reichnis" in eine Geldzahlung, deren Höhe sich am Holzpreis orientiert, umgewandelt worden.
Als die Diözese wegen des gestiegenen Holzpreises nun eine Verdoppelung der jährlichen Zuwendungen forderte, versuchte die
Gemeinde, aus dem Uralt-Vertrag herauszukommen. "Keine Chance", lautete die Auskunft des Gemeindetages, jene Vereinbarungen
würden auch bei "völliger Veränderung der Rechtsverhältnisse" nicht erlöschen. Da auch eine von einigen Stadträten angestrebte
Rückverwandlung zur Naturalienlieferung vertraglich ausgeschlossen war, blieb der Kommune nichts anderes übrig als sich zum
18,6-fachen Satz des Jahresbetrags freizukaufen. (Süddeutsche Zeitung, 31.5.1999)
Anm. MIZ: Solche auf die Zeit der Säkularisierung zurückgehenden Zahlungen der öffentlichen Hand an die Kirchen gibt es noch
heute zuhauf. Die auf diese Weise in die Kasse der Kirchen fließende Summe ist schwer abzuschätzen, dürfte aber nicht
unerheblich sein.
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(2795) Neu-Dehli. Dem Indischen Pressetrust zufolge wurde in Südindien ein drei Jahre altes
Mädchen geopfert, um eine Hindugöttin zu besänftigen und einer Gruppe von Lohnempfängern zu Wohlstand zu verhelfen. Die Polizei
ist der Meinung, dass Arbeiter in einem Steinbruch das Kind entführten und es der Göttin Kali als "Blutopfer" darbrachten. Ihr
enthaupteter Körper wurde nahe einer Maschine zum Zerkleinern von Steinen gefunden. Nach Auskunft der Polizei war der Bereich
mit Blumen, Kokosnüssen und anderem rituellen Gegenständen geschmückt. Sie wurde offenbar geopfert, um die Göttin zu
besänftigen und Wohlstand zu erbitten. Die Täter hätten das Mädchen seiner Mutter weggenommen. Es gab keine Verhaftungen.
(Frankfurter Rundschau, 25.8.99; American Atheist Newsletter 29.8.1999)
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(2796) Neu Delhi. Papst Johannes Paul II. soll sich für Zwangsbekehrungen in Indien
entschuldigen. Dies forderte der fundamentalistische "Welt-Hindu-Rat" VHP Anfang Oktober. Außerdem dürfe die indische Regierung
den Papst bei seinem Besuch im November nicht als Staatsgast willkommen heißen, wenn dieser in religiöser Funktion das Land
besuche.
In Goa an der indischen Westküste sei ein Teil der Bevölkerung unter portugiesischer Kolonialherrschaft gezwungen worden,
zum Christentum überzutreten. Der VHP wirft christlichen Kirchen seit langem vor, in Indien mit großem finanziellen Aufwand zu
missionieren, um das Christentum im Land zu verbreiten. Außerdem haben Hindu-Fundamentalisten die Kirche vor dem Papst-Besuch
in Indien verdächtigt, dass Land spalten zu wollen. "Der Aufruhr im Nordosten wird von der Kirche unterstützt", sagte der
Generalsekretär des "Welt-Hindu-Rates" VHP, Praveen Togadia, der indischen Zeitung "Asian Age" im Oktober Die katholische
Kirche fördere Separatisten im Nordosten Indiens. Zugleich verurteilte der VHP den Anspruch der katholischen Kirche, sie weise
den einzigen Weg zur Erlösung.
Fanatische Hindu-Gruppen hatten Anfang des Jahres im Bundesstaat Gujarat zahlreiche Kirchen in Brand gesteckt und in Orissa
im Osten Indiens einen australischen Missionar, der eine Lepra-Station betrieb, zusammen mit seinen Kindern bei lebendigem Leib
verbrannt. Außerdem sind drei christliche Prediger in Indien wegen angeblicher Agitation gegen den Hinduismus vorübergehend
festgenommen worden.
Indien erwartete den Papst Anfang November zu einer Synode asiatischer Bischöfe. In einer Erklärung des VHP-Funktionärs
Madhab Ghungurde heißt es, der Besuchstermin sei in der Erwartung festgelegt worden, dass die aus Italien stammende
Oppositionsführerin Sonia Gandhi im November Regierungschefin sei. Das berichtete die indische Zeitung "Asian Age" im
Oktober.
Sonia Gandhi ist die Witwe des ermordeten früheren Regierungschefs Rajiv Gandhi und bekennt sich nicht mehr öffentlich zu
ihrer christlichen Herkunft. Während des Wahlkampfs war sie jedoch vor allem von Hindu- Parteien als "Ausländerin" angegriffen
worden. Sie hatte die Wahl gegen Regierungschef Atal Behari Vajpayee von der hinduistischen Volkspartei BJP verloren.
(Aol-NewsBote, 25.10.99)
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(2797) Kalkutta. Die Seligsprechung von Mutter Teresa ist nach Ansicht des katholischen
Erzbischofs von Kalkutta, Henry D'Souza, nur noch eine Frage der Zeit. Wie D'Souza erklärte, habe er keine Zweifel daran, dass
die Seligsprechung sehr bald vorgenommen werde. Nach katholischer Tradition gilt die Seligsprechung als Vorstufe zur
Heiligsprechung.
Der Erzbischof nahm den Orden Mutter Teresas, die Missionarinnen der Nächstenliebe, gegen Kritik in Schutz, dass es bei der
Seligsprechung vor allem um Spendengelder gehe.
Papst Johannes Paul II. hatte im Fall Mutter Teresas das Kirchenrecht außer Kraft gesetzt, wonach das Verfahren erst fünf
Jahre nach ihrem Tod hätte beginnen dürfen. Mit der Sondergenehmigung könne es bereits in einem, aber auch erst in zwei bis
drei Jahren abgeschlossen sein, so der Erzbischof. Als Grund für das unübliche Vorgehen gab er an, dass möglichst viele Beweise
zusammengetragen werden sollten. "Viele Zeugen könnten sterben", sagte er. Außerdem gebe es weltweiten Druck, Mutter Teresa
heilig zu sprechen. (Frankfurter Rundschau 6.8.99; Aol-NewsBote, 25.8.99)
Anm. MIZ: Mutter Teresa ist in der Tat eine wunderbare katholische Scheinheilige, die es wahrhaft verdient hat, in
Rekordgeschwindigkeit seliggesprochen zu werden (siehe die entsprechenden Beiträge in dieser Ausgabe der MIZ).