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„Köpft diejenigen, die behaupten, der Islam sei gewalttätig!“

Rudolf Ladwig (IBKA e.V., 1. Vors.)

[Quellen ergänzt am 6.2.2006 18:50]

Die xenophobe dänische Tageszeitung Jyllands Posten hat am 30. September 2005, also nun vor etwa vier Monaten, einige künstlerisch eher mäßige Karikaturen ins Blatt gehoben, auf denen klischeehaft bärtige Turbanträger mit Säbel und andere Darstellungen zu sehen sind, welche als islamisch identifizierbare Gestalten in einen Zusammenhang mit Gewalt gestellt sind. Gipfelpunkt ist ein bärtiger Turbanträger mit Bombe. Dass diese Figur eine Darstellung von Mohammed sein soll, ist bereits eine Interpretation – die besonders ‚kompetent’ vornehmen kann, wer die Zeichnung nie gesehen hat.

Da zunächst der erhoffte Protest ausblieb, haben die Zeitungsmacher selbst islamische Organisation von ihrer Ruhmestat in Kenntnis gesetzt. Eine Delegation dänischer Islamisten reiste daraufhin durch islamische Staaten, um sich über Dänemark zu empören. Indem in Freitagspredigten fälschlich kolportiert wurde, in Dänemark werde der islamische Religionsstifter als Schwein dargestellt, schwoll der Protest von Islamisten an, der bequem von tatsächlichen Missständen in dortigen Staaten ablenkt.

Zur tatkräftigen Widerlegung der sie kränkenden Überspitzung, einige Muslime und Islam hätten etwas mit Gewalt zu tun, wurden Morddrohungen ausgestoßen, Entführungen angekündigt und inzwischen die dänischen Botschaften in zwei islamischen Staaten und eine Norwegische – offensichtlich im klammheimlichen Einverständnis der lokal verantwortlichen Regierungen – gestürmt bzw. niedergebrannt. Damit haben die Fanatiker die sie störende Überzeichnung dadurch ‚widerlegt’, dass sie deren Inhalt zur Realität machten. Die Informationsminister der arabischen Staaten einigten sich in Kairo gerade, eine Medienkampagne zu starten, "um das schlechte Image des Islam gerade zu rücken". Von Maßnahmen gegen die landfriedensbrecherischen Gewalttaten ihrer Bürger ist gar keine Rede! Gegen wirkliche Hetze, antisemitische Stürmerkarikaturennachdrucke oder die Bezeichnung von Christen als Schweine, unternimmt die Justiz in etlichen islamisch geprägten Staaten nichts.

Der ‚argumentative’ Protest einiger Muslime war nicht minder neben der Sache.

In einigen islamischen Staaten wurden die Botschafter derjenigen westlichen Staaten einbestellt, in denen die Karikaturen inzwischen auch abgedruckt wurden, um diesen zu bedeuten, man erwarte Einschreiten und Entschuldigung. 11 islamisch geprägte Staaten, darunter die laizistische Türkei, sendeten Protestnoten an die dänische Regierung. Dass in einem Rechtsstaat mit Gewaltenteilung die Regierungen für Inhalte der Presse weder verantwortlich sind, noch diese nach belieben steuern können, ist offenbar dort unbekannt.

Behauptet wurde, die Karikaturen beleidigten den Religionsstifter Mohammed. Und dies allein schon deshalb, weil im Islam die bildliche Darstellung Mohammeds generell völlig verboten sei. Richtig daran ist, dass heutzutage eine solche strikte Gepflogenheit im Islam praktiziert wird, während es aus der Frühzeit des Islams durchaus Darstellungen von Mohammed – allerdings mit Gesichtsschleier – gibt. Falsch ist jedoch die Forderung, dass es einen legitimen Anspruch gibt, dass Menschen sich an derlei religiöse Bilderverbote zu halten hätten – schon gar nicht, wenn diese gar keine Muslime sind.

Im Übrigen weiß ja gerade aufgrund der Verbotspraxis im Islam niemand, wie Mohammed ausgesehen hat. Insofern ist dieser ja gar nicht identifizierbar darstellbar. Die Kritik der Darstellungsverbieter sollte sich also besser gegen jene Glaubensbrüder richten, welche inkonsequent beim „Barte des Propheten“ schwören, obgleich über dessen Gesichtsbehaarungsmode ja nichts bekannt ist.

Dagegen wird von etlichen Kulturrelativisten und Religionslobbyisten (darunter besonders eifrig der Vatikan!) behauptet, dass mit Rücksicht auf die verletzbaren religiösen Gefühle von Muslimen, es Anstand, Takt, höfliche Zurückhaltung, Ehre, Sitte usw. – also ein weit ausdehnbares untergesetzliches Tugendbegriffsarsenal für die Zensurschere im Kopf – geböten, freiwillig auf bildliche Darstellungen von Mohammed zu verzichten. Damit ist die Pandorabüchse für umfängliche (Selbst)Zensurwünsche und Selbsteinschränkung der Pressefreiheit eröffnet.

Ferner wurde von Muslimen behauptet, die Karikaturen beleidigten Muslime. Man fühle sich durch die Andeutung, der Islam habe etwas mit Gewalt zu tun, schwer verunglimpft. Im Internet wird ein Photo kolportiert, auf dem ein vermummter „Demonstrant“ ein Schild mit der sinnigen Aufschrift „Behead those who say Islam is violent“ trägt. Es mag sich dabei um eine Photomontage handeln – aber ist sie nicht treffend? Die Urheber des in den Karikaturen aufscheinenden Islambildes sind halt auch diejenigen, welche im Namen des Islam Flugzeuge in Hochhäuser lenkten, Menschen vor laufender Kamera die Kehle durchschnitten, die Bomben in Diskotheken zündeten und Frauen wegen ‚Ehebruchs’ oder auch nur wegen des Tragens einer falschen Kopfbedeckung hinrichteten. Gewalttätige Islamisten haben das Bild des Islam mitgezeichnet, das in diesen Karikaturen wiedergegeben wird. Das könnte man als wirklich aufrecht moderater Islamfunktionär dadurch klarstellen, indem man Terroristen aus dem Islam ausgrenzt – statt sie als vermeintlich Verirrte zu verharmlosen, die den Propheten irgendwie falsch interpretieren. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Auch hiesige Islamfunktionäre bekunden Verständnis für die Hysterie einiger ihrer Glaubensbrüder.

Kulturrelativisten und Islamlobbyisten kamen umgehend mit der verbreiteten Falschbehauptung an, das Wort ‚Islam’ bedeute ‚Frieden’. Tatsächlich bedeutet es jedoch ‚Hingabe’ bzw. ‚Unterwerfung’ – Islam ist also ‚Heilserlangung durch Unterwerfung unter die Gebote Allahs’. Da im Islam Religion, Recht und Politik nicht eigenständige Bereiche sind, und es - nachdem der islamische Rationalismus des Hochmittelalters gewaltsam beseitigt wurde - somit heute keinen durch die Dompteurschule der Aufklärung gezähmten Islam gibt, kommt in islamischer Denkweise das religiöse Recht zum Tragen.

Die Schari’a unterscheidet jedoch zwischen Dar al-Islam (Haus des Islams) und Dar al-Harab (Haus des Krieges). Ziel ist es, das Haus des Krieges in das Haus des Islams zu verwandeln – durch Werbung zum Übertritt zum Islam und Dschihad. Somit ist in der Binnenlogik des Islamismus der bürgerliche Rechtsstaat der Bundesrepublik Deutschland langfristig in einen islamischen Staat zu verwandeln. Der im Haus des Krieges lebende Muslim ist zur Solidarität mit den Muslimen im Haus des Islams verpflichtet.

Die Kulturrelativisten und Islamlobbyisten behaupten, Dschihad bedeute ‚Anstrengung’ – im Bemühen um den eigenen Glauben. Gemeint ist aber ein Kämpfen für Allah und so wurde der Begriff auch gegen die Kreuzritter praktisch ausgeprägt. Der Koran enthält eine Fülle von Stellen, welche die Ausübung von Gewalt gegen Nichtmuslime fordern und bis heute hat keine innerislamische Autorität Gewaltausübung im Namen der Religion eindeutig verurteilt.

Bezeichnenderweise ist Muslimen im islamischen Recht der Übertritt zu anderen Religionen oder gar Atheismus verboten. Christen und Juden wird eine diskriminierte Stellung zugebilligt, andere Religionen und Nichtreligiöse sind rechtlos. Überhaupt besteht das islamische Recht aus einer Definition der Pflichten von Muslimen gegenüber Allah, nicht etwa aus der Respektierung der Rechte des Individuums und seiner freien Selbstbestimmung nach dem Subjektivitätsprinzip. Insbesondere wird eine mindere Stellung von Frauen gegenüber Männern in der Schari’a festgelegt.

In Kanada wurde kürzlich versucht, im Staat für Muslime die Option einzuführen, statt des staatlichen Rechtssystems auch neu zu schaffende Schari’a – Gerichte anrufen zu können. In Deutschland streben islamische Organisationen analog mit den Kirchen ihre Privilegierung an, um dann in staatlich finanzierten Bildungsreinrichtungen in islamischer „Trägerschaft“ beispielsweise das Kopftuchtragen verbindlich vorschreiben zu können. Es geht also um den Anspruch, dass man mit Religion Sonderrechte begründet.

Die Behauptung etlicher Kulturrelativisten und Religionslobbyisten, durch Ausdehnung des staatskirchenrechtlichen Privilegiensystems auf die muslimischen Verbände entstünde ein quasi gezähmter Euro-Islam, ist falsch. Gerade dadurch würden Migranten – unter denen es ja auch Säkularisten gibt – dem Religionskollektiv auch noch staatlich zugewiesen und die Parallelgesellschaft geradezu institutionalisiert.

Da der Staat aber nicht Muslimen verweigern kann, was er Christen zubilligt, ist es überfällig, die staatskirchenrechtlichen Privilegien gänzlich abzuschaffen. Damit verschwände auch das bislang staatlich privilegierte systematische Unrecht des kirchlichen Arbeitsrechtes.

Auch unter den hiesigen Christen gibt es kleine radikale Splittergruppen, die beispielsweise via Heimschulbewegung ihre Kinder von sämtlichen gruppenfremden Einflüssen fernhalten wollen - da unsere braven christlichen Gemeinschaftsgrundschulen ein Hort des Dämonischen usw. seien, was man am Lesen von Preußlers 'Kleiner Hexe' usw. sehen könne; sämtliche Theologie seit Reimarus sei ein Verstoß gegen ‚Gottes Gebot’ usw. .... Und da es sich als schwierig bis unmöglich erwies, die Schulpflicht diesen Extremisten gegenüber durchzusetzen - ohne nicht den Kindern anderen Schaden zuzufügen -, begann die klammheimliche Aufweichung dieses Grundsatzes. Einige muslimische Eltern versuchen, die Teilnahme ihrer Töchter an Sexualaufklärungsunterricht und Sport zu verhindern. (Die Kampagne gegen Sexualaufklärung in den Schulen hat ja einen heutzutage fast vergessenen christlich-konservativen Vorläufer.)

Im aktuellen Fall wird ja versucht, Religionskritik zu tabuisieren. Die Selbstvergessenheit im ‚Abendlande’ ist schon erstaunlich. Bis 1969 galt in D der alte Gotteslästerungsparagraph. Erst seitdem ist ‚nur’ der ‚öffentliche Friede’ geschützt – eine Einschränkung, welche Kirchen und Konservative gerne wieder entfernt sähen.

Die Logik des Paragraphen 166 StGB (in Österreich § 188) besagt, dass dann, wenn ausreichend religiöse Fanatiker sich als Mob zusammenrotten und das Leben beispielsweise der Verfassers einer religionskritischen Karikatur bedrohen, weil sie sich angeblich in ihren religiösen Gefühlen durch die Zeichnung verletzt fühlen könnten; dann nicht etwa die Fanatiker zu bestrafen sind, sondern der Karikaturist! Der mobilisierte religiöse Furor beweise, dass das, wogegen er sich richtet, verboten werden müsse.

Gläubige glauben, dass ihre Identifikation NICHT selbst gewählt sei. Eben auch deshalb, weil ihr "Schicksal" mit der Zwangsidentifikation untrennbar verbunden ist. Wer ‚Gott’ beleidigt nimmt nach dieser Lesart Einfluss auf das Schicksal des Gläubigen. Also: Wer duldet, dass man seinen ‚Gott’ beleidigt, lässt andere Menschen sein eigenes Schicksal beeinflussen. Nämlich dadurch, dass man der Beleidigung gegenüber passiv bleibt und sich desgleichen "schuldig" vor seinem ‚Gott’ macht. Das wiederum verringert die Höhe des Jenseitskontos.

Die Gretchenfrage ist, ob man die Trennung zwischen "ich" und "Gott" prinzipiell in Erwägung zu ziehen bereit ist. Wenn nicht, dann muss man u.U. sogar mit Gewalt auf Blasphemie reagieren. Somit führt die Psychopathologie solch religiösen Denkens unweigerlich zum Konflikt mit der Meinungsfreiheit anderer.

Die arabischen Staaten wollen sich wegen des Karikaturenstreits an die Vereinten Nationen wenden. Diese sollten einen Beschluss fassen, der "beleidigende Angriffe gegen religiöse Überzeugungen" verbiete.

In einer freien Gesellschaft ist das Individuum durch die Strafbestimmungen gegen Beleidigung, üble Nachrede usw. ausreichend geschützt. Statt als Reaktion auf den Terror einiger Islamisten über Strafrechtsverschärfungen oder Selbstzensur nachzudenken, wäre es doch angebracht, die Freiheit der Meinung und Kunst offensiv zu vertreten, und den Zensurparagraphen 166 StGB endlich abzuschaffen.

Gerade weil es in der islamophoben Rhetorik bei einigen in Westen unverkennbar rassistische Aspekte gibt, sollten Freigeister sich nicht wie teutonische Stammstischschwätzer gerieren, sondern sich mit säkularen Migranten - insbesondere säkularen Migrantinnen! - verbünden - nicht gegen Religionen, sondern für Menschenrechte, für Rechtsstaatlichkeit.

In diesem Sinne möchte ich auf eine Veranstaltung von

  • Internationales Komitee gegen Steinigung.
  • Woman’s Liberation - Iran
  • ‚No Sharia’ International Campaign Against Shari’a Court in Canada

zu Ehrenmorden hinweisen,
welche an der Fachhochschule Köln, Karl-Schüssler-Saal, Gebäude Betzdorfer Str. 2, 50679 Köln, am Mittwoch den, 8. März (Weltfrauentag) Einlass: 15 Uhr – Beginn 16 Uhr, stattfinden soll.
Rednerinnen: Ayan Hirsi Ali, Azar Majedi, Alice Schwarzer, Homa Arjomand, Maryam Namazie, Fadela Amara, Mina Ahadi und Fatma Bläser.

Quellen

Über die dänische Zeitung: de.wikipedia.org/wiki/Jyllands-Posten
(in der aktuellen Fassung ist der Hinweis auf die antisemitische Vergangenheit der Zeitung getilgt)

Bezüglich der provozierten Skandalisierung:

www.taz.de/pt/2006/02/06/a0150.1/text

www.zeit.de/2006/06/D_8anemark_neu

islam.de/4067.php?&highlight=Jyllands-Posten#Jyllands-Posten

dazu kritisch:

politicallyincorrect.myblog.de/politicallyincorrect/art/2758776