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Niedersachsen: Buggle für Bücherei Braunschweig zu wissenschaftlich

Im März wollte Irene Nickel, die IBKA-Regionalbeauftragte von Niedersachsen, der "Öffentlichen Bücherei Braunschweig" mit einer Buchspende etwas Gutes tun. Sie hatte vor, der Bibliothek ein Exemplar von Prof. Dr. Franz Buggles "Denn sie wissen nicht, was sie glauben" zu spendieren - natürlich nur, wenn das Buch auch den Nutzern der Bücherei zur üblichen Ausleihe angeboten wird.

Aber die Bücherei war nicht an dem Buch des Psychologen und Philosophen, das sich kritisch mit Bibel und Christentum beschäftigt und durch Zitate demonstriert, "dass die Bibel ein zutiefst gewalttätig inhumanes Buch ist" (Prof. Dr. Buggle), interessiert. "Nein, danke", meinte die Bücherei Braunschweig und lehnte das Buch mit der Begründung ab, so etwas würde nicht gelesen, es sei "zu wissenschaftlich". Das Gleiche gelte auch für Hans Küngs "Christ sein", mit dem sich Buggle in seinem Buch ausführlich auseinandersetzt.

Diese Begründung ist allerdings merkwürdig, denn zum Bestand der Öffentlichen Bücherei gehört u.a. Franz Buggles Werk "Die Entwicklungspsychologie Jean Piagets", ein Buch, das sich an ein Publikum wendet, das sich von wissenschaftlicher Sprache und Methodik und von wissenschaftstheoretischen Ausführungen nicht abschrecken lässt.

Ist etwa die Abneigung gegen wissenschaftliche Sprache und Methodik im Bereich der Religion größer als in anderen Bereichen? Und vor allem: Darf der an Theologie interessierte Nutzer der Bibliothek über seinen Bedarf an wissenschaftlichen Abhandlungen nicht selbst entscheiden? Wozu also diese Vorauswahl in Braunschweig? Eine Öffentliche Bücherei hat einen Bildungsauftrag und sollte den auch zu erfüllen trachten. An zu hohen Kosten kann es in diesem Fall nicht gelegen haben.


Wenn Gott weichen muss und der Mensch die erste Stelle einnimmt, sind Extremismus und Fanatismus die Folge.
Peter Hahne, ZDF-Moderator und EKD-Ratsmitglied 1998