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Erwin-Fischer-Preis 2002 für Taslima Nasrin

Aus: IBKA Rundbrief Mai 2002

In diesem Jahr wird zum dritten Mal, nach 2000 für Ursula und Johannes Neumann und 2001 für Karlheinz Deschner, der Erwin-Fischer-Preis verliehen. Am 13. Februar gab der IBKA-Vorstand bekannt, dass die bengalische Schriftstellerin Taslima Nasrin die diesjährige Preisträgerin ist. Frau Dr. Nasrin wird im September Gast des IBKA sein und den Erwin-Fischer-Preis im Rahmen der Internationalen Konferenz und Mitgliederversammlung des IBKA vom 20.-22.09.2002 in Speyer persönlich entgegen nehmen.

Foto: Taslima Nasrin und Ratna

© Pertti A.O. Holopainen, Stockholm.

Das Photo auf dieser Seite zeigt Taslima Nasrin, als ihr am 14. März 2001 in Stockholm, bei einer Zusammenkunft mit schwedischen Humanisten, von Ratna, der Adoptivtochter des IBKA-Beiratsmitgliedes Lavanam, das Buch des mit dem Atheist Centre in Vijayawada (korporatives IBKA-Mitglied) sehr verbundenen IBKA-Beiratsmitgliedes Prof. Mark Lindley, "Gandhi and the World Today" (veröffentlicht von der Universität von Kerala, 1999), übergeben wird.

Das Photo wurde von dem finnischen Humanisten Pertti A.O. Holopainen, erstellt, dem Ehemann von Frau Ratna.

Taslima Nasrin wurde 1962 im früheren Ost-Pakistan, seit 1971 Bangladesh, geboren. Sie studierte Medizin und schloss ihr Studium 1984 als Ärztin ab. Seit 1975 verfasst sie Poesie. Während ihres Studiums gab sie Literaturmagazine heraus. Als Nasrin als Ärztin in öffentlichen Hospitälern arbeitete, begann sie Kolumnen in Tageszeitungen und Zeitschriften zu schreiben. Sie veröffentlichte einige Bücher mit Poesie, Essays und Romane.

In ihrem Herkunftsland Bangladesh ist Taslima Nasrin für Weltanschauungsfreiheit eingetreten. Sie hat die Diskriminierung der hinduistischen Minderheit durch die muslimische Mehrheit kritisiert, sich für die Rechte der Frauen eingesetzt und offen selbst zu einer atheistischen Position bekannt.

Den Zorn religiöser Fundamentalisten hatte sie mit feministischen und religionskritischen Zeitungskolumnen erregt, dann aber auch mit ihrem Roman "Lajja" (Scham). Das Werk erzählt das Schicksal einer Familie, die der Hindu-Minderheit im überwiegend islamischen Bangladesch angehört. Der streng dokumentarische Text, der in langen Passagen in der Art eines Polizeiberichts über religiös motivierte, gewalttätige Ausschreitungen informiert, gleicht einem "Horrorkabinett des religiösen Wahns, der aus friedlichen Nachbarn Feinde und Hindu-Hasser macht", schrieb die Literaturkritikerin Ursula Escherig.

Gegen den Roman 'Lajja' wurde wegen "Blasphemie" am 24. September 1993 die Fatwa verhängt, ein Mordaufruf des fundamentalistischen "Rat der Soldaten des Islam", - eine Verfolgung, die noch heute besteht. Taslima Nasrin wurde gezwungen Bangladesh zu verlassen. Sie lebt daher im politischen Exil, zunächst in Schweden, den USA und Deutschland, heute in Frankreich.

1998 war Taslima Nasrin für kurze Zeit in ihre Heimat zurückgekehrt. Anlass war ihre sterbenskranke Mutter. Gleich nach ihrer Ankunft begannen die Fundamentalisten mit Protesten und verlangten ihre Hinrichtung. Fast jeden Tag waren Tausende auf den Straßen, um gegen das Lebensrecht von Frau Nasrin zu demonstrieren. Unterdessen war eine 1994 wegen ihres Buches "Nirbachito Columns" gegen sie angestrengte Klage wieder aufgenommen worden. Vorgeworfen wurde ihr, die religiösen Gefühle der Menschen zu verletzen. Das Gericht hatte einen Haftbefehl gegen sie erlassen und die Beschlagnahmung ihres Vermögens angedroht. Sie musste sich versteckt halten. Nach dem Tod ihrer Mutter geleiteten Vertreter der englischen, schwedischen und deutschen Botschaft sowie der Europäischen Union Taslima Nasrin sicher zum Flughafen.

Taslima Nasrin wurde bereits mehrfach mit Preisen geehrt. Sie erhielt angesehene indische Literaturpreise, 1992 für ihr Buch "Selected Essays" und 2000 für "My Girlhood" (Das Mädchen, das ich war). Diese Autobiographie wurde in bengalisch, französisch und deutsch veröffentlicht. Außerdem erhielt Taslima Nasrin unter anderem den Kurt-Tucholsky-Preis vom Schwedischen Pen-Club, den französischen Edict de Nantes-Preis, den Menschenrechtspreis der französischen Regierung, den US-amerikanischen "Feminist of the Year"-Award und den Monismanien-Preis der Universität Uppsala. 1995 wurde sie mit dem Sacharow-Preis für die Freiheit des Geistes geehrt,# den das Europäische Parlament an Verteidiger der Menschenrechte verleiht. "Wie autoritär eine Gesellschaft auch sein mag", betonte der damalige Präsident des Europaparlaments, Klaus Hänsch, "keine Regierung, keine Religion und kein Kerkermeister vermag die Freiheit der Gedanken und die Vorstellungskraft eines Künstlers in Fesseln zu legen." In Mexiko-Stadt erhielt Taslima Nasrin 1996 den "Humanist Award", eine Auszeichnung der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union (IHEU).

Taslima Nasrin wurde von der belgischen Universität Gent die Ehrendoktorwürde verliehen.

Taslima Nasrin schrieb 23 Bücher in bengalischer Sprache. "Scham" und "Das Mädchen, das ich war" sind in Bangladesh verboten. Ihre Bücher wurden in 30 verschiedene Sprachen übersetzt. In Deutschland sind u.a. erschienen:

  • Briefe an Taslima Nasrin, 1994
  • Scham. Lajja, Roman, 1995
  • Lied einer traurigen Nacht. Frauen zwischen Religion und Emanzipation, 1996
  • Das Mädchen, das ich war. Die Autobiographie einer Kindheit, 2000

Informationen über das Leben und Werk von Taslima Nasrin und ihre bisher erhaltenen Preise sind auf einer ihr gewidmeten Website nachlesbar: taslimanasrin.com